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Das
ungewaschene Maul des Kurt Beck
Von
Günter Ackermann/15. Dezember 2006
Der
Landesvater des Bundeslandes jenseits des Rheins, Rheinland-Pfalz und
SPD-Chef Kurt Beck, machte in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden
Shopping auf dem Weihnachtsmarkt, als sich ein von Hartz IV-Beglückter
bei ihm für diese Segnungen ironisch bedankte. Der oberste soziale
Demokrat entgegnete, der Arbeitslose möge sich waschen und rasieren, dann
bekäme er auch Arbeit.
Als
diese Äußerung öffentlich wurde, entschuldigte sich der Landesvater des
Weinlandes damit, dass Politiker auch Menschen seien.
Das
billigen wir ihnen mal zu. Aber solche rausgerutschten Äußerungen
offenbaren doch das Denken dieser Entscheidungsträger. Und es zeigt auch,
dass die Annahme, sie machten Politik gegen die Arbeitslosen und nicht
gegen die Arbeitslosigkeit, zutrifft.
Beck
hatte sich noch vor Wochen gegen den „Arbeiterführer“ der CDU aus NRW
Rüttgers, profilieren versucht, indem er auf einmal das Soziale
entdeckte. Wie auch bei Rüttgers wäre es offenkundiges Schmierentheater.
Beck
hat damit eine erschöpfende Analyse der Ursachen der
Massenarbeitslosigkeit erkannt: die mangelnde Benutzung von Rasierzeug,
Seife und Wasser. Er versprach sogar öffentlichkeitswirksam, den so
Beschimpften würde er – rasieren und waschen vorausgesetzt – bei der
Jobsuche helfen. Ist doch lieb vom Landesvater des Wein- und
Saumagenlandes Rheinland-Pfalz. Ein wahrhaft sozial denkender Landesvater,
der, überschreitet er die Grenze zu Hessen, sich auch um die
arbeitslosen Untertanen seines CDU-Kollegen Koch kümmert. Demnächst
verteilt die SPD kostenlos Seife an Hartz IV-Opfer.
Der
von Beck beschimpfte Arbeitslose war offenbar ein friedlicher Mensch und
hat dem SPD-Boss keine ins ungewaschene Maul gehauen. Dessen ehemaliger
Bundeskanzler Schröder hatte da weniger Glück. Der bekam für Hartz IV
eins aufs Maul. Auch sein Vorvorgänger als SPD-Chef und jetzige
Vizekanzler, Franz Müntefering, wurde 2005, als er in Duisburg am 1. Mai
den Kundgebungsteilnehmern des DGB, von den Segnungen der Politik seiner
(damaligen) Schröder-Regierung erzählte, nicht nur mit Buh-Rufen,
sondern auch mit fliegenden Eiern beworfen.
Auch
der Schröder-Vorgänger im Kanzleramt, Helmut Kohl, bekam was ab. ein
Exemplar vom nahrhaften Hühnerprodukt Ei, in Halle an der Saale, wurde
ihm wegen der Entindustrialisierung der Ostländer, an den Kopf geworfen.
Dabei hatte er gar nicht zu viel versprochen: Blühende Landschaften Kohl
versprach der „Kanzler der Einheit“ den DDR-Bürgern. Und das hatten
sie ja nun. Überall da, wo es Industrie gab, blühte jetzt das Unkrauf.
Kohl, im Bewusstsein missverstanden zu sein, wollte dem Werfer deshalb tätlich
ans Fell.
Aber
noch spektakulärer war in den 60er Jahren, als die Deutsch-Französin
Beate Klarsfeld dem damaligen Bundeskanzler und Göbbels-Mitarbeiter Kurt
Georg Kiesinger, mitten auf dem CDU-Parteitag eins in die Fresse schlug.
Sie protestierte damals gegen die Nazi-Vergangenheit des bundesdeutschen
Kanzlers.
Erstaunlich
ist nur, dass der Arbeitslose an den obersten Spezialdemokraten heran kam.
Wahrscheinlich wollte dieser Öffentlichkeitswirksam ein Bad in der Menge
nehmen. Im mehr bürgerlichen Wiesbaden schien das ihm offenbar weniger
problematisch, als in seiner Landeshauptstadt Mainz. Wie man sich da irren
kann!
Da
ist einer seiner Vorgänger im SPD-Vorsitz schon klüger. Als Oskar
Lafontaine 2005 in Duisburg einen öffentlichen Wahlkampfauftritt für die
PDS hatte, räumte die Polizei einen Wohnungslosen aus dem Blickfeld des
großen Oskar. Auf wessen Veranlassung, fragten wir die Presseabteilung
des Duisburger Polizeipräsidiums. Nach damaligen Aussagen der Polizei,
geschah es auf Veranlassung der Veranstalter. Und das war der
trotzkistisch geführte Kreisverband der PDS in Duisburg.
G.A. |