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„Die
Linkspartei ist dermaßen mit sich selbst
beschäftigt, so sehr mit fiktiven politischen»Wiedergutmachungs«-Bestrebungen
befaßt, daß sie nicht nur sich selbst und ihre linke Gesinnung verrät,
sondern zugleich auch den wirklichen Kampf gegen den Antisemitismus
verkennt und somit auch diesen noch einmal verrät.“
Eine
Lachnummer
Die
Resolution der Linken zu Antisemitismus: What’s left? – Deutschland
2011
Von
Moshe Zuckermann
jungeWelt
vom 11.06.2011 – What’s left?« fragte der britische
Sozialphilosoph Steven Lukes im Jahre 1989. Die Frage meinte den
Kommunismus und was von von ihm nach dessen Zusammenbruch geblieben sei.
Die englische Formulierung ließ aber auch die Frage zu, was (nach dem
weltgeschichtlichen Ereignis von 1989) überhaupt noch für links zu
erachten sei. Im Deutschland des Jahres 2011 bedarf die Frage keiner
zweigeteilten Antwort mehr: Der Kommunismus ist schon abgehakt, und
seine ehemaligen deutschen Sachwalter scheinen sich endgültig von ihrer
einst aufrechten linken Gesinnung zu verabschieden. Daß sie sich noch
in einer Linkspartei versammelt wähnen, erweist sich zunehmend als
hohle Nomenklatur. Man kann, wenn man will, ein gewisses Verständnis für
diesen Vorgang aufbringen: Eine politische Partei, die konsens-,
eventuell auch koalitionsfähig werden will, muß sich natürlich ihrer
ideologischer Altlasten entledigen, wenn ihre ideologischen Widersacher
im politischen Feld ihr einen Strick aus ihrer Vergangenheit drehen
wollen. Sieht man sich außerstande, die politischen Gegner auf
Gesinnungsebene zu bekämpfen, fügt man sich ihren paradigmatischen
Vorgaben und gleicht sich ihnen an. Aber abgesehen davon, daß der
Gegner das ihm offerierte ideologische Geschenk womöglich gar nicht
annehmen will, darf man doch erwarten, daß der Verrat an sich selbst,
wenn schon nicht in Würde, sich zumindest mit haltbarer Begründung und
hinnehmbarer Selbstdarstellung vollzieht.
Konsensmitte
Zwei
»antideutsche« Autoren haben eine Studie publiziert, die den
Antisemitismus in der Linkspartei zum Gegenstand erhebt. Als hätte man
auf den»wissenschaftlichen« Befund nur gewartet, initiierten daraufhin
die bürgerlichen Parteien eine Sitzung des Bundestags zur Erörterung
des so bedrohlichen Phänomens, daß man die Stunde gar nicht aktueller
ansetzen konnte – mit einigem Erfolg, wie sich nun herausstellt. Denn
die attackierte Linkspartei wartete prompt mit einer Verlautbarung auf,
wie sie sich die von instrumentellen Erwägungen parlamentarischer
Polemik angetriebenen Initiatoren der Debatte gar nicht hätten
prononcierter wünschen können. Da ertönte zunächst das obligatorisch
Selbstverständliche: »Die Abgeordneten der Fraktion Die Linke werden
auch in Zukunft gegen jede Form von Antisemitismus in der Gesellschaft
vorgehen. Rechtsextremismus und Antisemitismus haben in unserer Partei
heute und niemals einen Platz. Die Fraktion Die Linke tritt daher
entschieden gegen antisemitisches Gedankengut und rechtsextremistische
Handlungen auf.« Dann aber folgte die von dieser grundsätzlichen Prämisse
abgeleitete operative Schlußfolgerung: »Die Mitglieder der
Bundestagsfraktion erklären, bei all unserer Meinungsvielfalt und
unter Hervorhebung des Beschlusses des Parteivorstandes gegen
Antisemitismus vom 21. Mai 2011: Wir werden uns weder an Initiativen zum
Nahost-Konflikt, die eine Ein-Staaten-Lösung für Palästina und Israel
fordern, noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der
diesjährigen Fahrt einer ›Gaza-Flottille‹beteiligen. Wir erwarten
von unseren persönlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den
Fraktionsmitarbeiterinnen und Fraktionsmitarbeitern, sich für diese
Positionen einzusetzen.«
Da
hatte es tatsächlich der Schwanz geschafft, mit dem Hund zu wedeln.
Wenige Jungautoren dürfen sich rühmen, kurze Zeit nach der Publikation
ihres Werks eine gestandene Parlamentsdebatte sowie eine Grundsatzerklärung
ihrer eigenen Partei bewirkt zu haben. Oder war da etwa doch der Hund
Herr seines Schwanzes, der da nur wedelte, weil der Hund es so wollte?
Offenbar. Man fragt sich nur, warum? Was – abgesehen vom erwähnten
Drang zur wohlfühligen Konsensmitte – drängte die Parteifraktion so
sehr, daß sie sich genötigt sah, mit ihrer Verlautbarung so voreilig
und dezidiert herauszuplatzen. Eine Möglichkeit wäre, daß die
Linkspartei sich mit dem Gefühl herumschlägt, tatsächlich
antisemitisch durchsetzt zu sein, was freilich dem Prolog der
Verlautbarung widersprechen würde, wenn es denn stimmt, daß »die
Abgeordneten der Fraktion Die Linke (…) auch in Zukunft gegen jede
Form von Antisemitismus in der Gesellschaft vorgehen« werden. Wenn »auch
in Zukunft«, dann zwangsläufig auch in Gegenwart und Vergangenheit –
ein Postulat, das wohl für selbstverständlich erachtet werden darf,
wenn Linkssein einen Wahrheitskern in sich birgt und eine entsprechende
Gesinnungsausrichtung beansprucht: Linke können schlicht nicht
antisemitisch sein, und wenn sie es sind, dann sind sie auch keine
Linken mehr.
Es
besteht freilich die andere, eher anzunehmende Möglichkeit, daß die
Linkspartei und ihre herausragenden Protagonisten etwas sehr
Wesentliches noch immer nicht begriffen haben und – wie viele in
Deutschland – in eine Falle hineintappen, die ihnen von »antideutschen«
Ideologen seit Jahren gestellt wird. Denn nimmt man den zweiten Teil
ihrer Verlautbarung ernst, so sind sie offenbar willig und bereit, sich
einem Antisemitismusvorwurf auszusetzen, der auf einer Gleichsetzung von
Juden, Israel und Zionismus basiert. Ihnen kommt es gar nicht in den
Sinn, daß man die unabweisbaren Verbrechen des israelischen
Okkupationsregimes gegenüber den Palästinensern verurteilen kann und
soll, ohne deshalb schon etwas gegen »die Juden« per se zu haben (eine
Abstraktion, die ja gerade antisemitisch wäre). Ihnen kommt es gar
nicht in den Sinn, daß man die spezifische historische Genese des
Zionismus kritisch reflektieren kann, ohne deshalb schon die schiere
Existenz des Staates Israel in Abrede stellen zu wollen (was für sich
genommen strikt abzuweisen, aber immer noch nicht antisemitisch wäre).
Ihnen kommt es auch gar nicht in den Sinn, daß man gerade dann nicht
antisemitisch ist, wenn man Israel auf den Weg des von ihm nicht
gewollten, aber für seine eigene Zukunft unabdingbaren Friedens zu
bringen trachtet. Die Linkspartei ist dermaßen mit sich selbst beschäftigt,
so sehr mit fiktiven politischen»Wiedergutmachungs«-Bestrebungen befaßt,
daß sie nicht nur sich selbst und ihre linke Gesinnung verrät, sondern
zugleich auch den wirklichen Kampf gegen den Antisemitismus verkennt und
somit auch diesen noch einmal verrät.
Und
so gelangt die Linkspartei zu ihren operativen Beschlüssen: Sie
verbietet die Beteiligung an»Initiativen zum Nahost-Konflikt, die eine
Ein-Staaten-Lösung für Palästina und Israel fordern«. Das ist sehr
schön von ihr. Was nun aber, wenn die alternative Zwei-Staaten-Lösung
gerade von Israel torpediert wird, was zur objektiven Entstehung einer
binationalen Struktur führt? Wenn man die binationale Option nicht
will, muß man die Zwei-Staaten-Lösung nicht nur wollen, sondern auch
tatkräftig fördern und in Gang setzen. Israel setzt aber schon seit
Jahrzehnten alles daran, das, was notwendig wäre, um diese Lösung zu
verwirklichen, strukturell, ideologisch und diplomatisch zu
unterminieren. Man darf sich daher von den diesbezüglichen
Lippenbekenntnissen nicht täuschen lassen. Israels Regierungskoalition
würde sofort zusammenbrechen, wenn sich Netanjahu einfallen ließe, die
Zwei-Staaten-Lösung real ins Visier zu nehmen. Eine alternative
Koalition ist aber weit und breit nicht in Sicht.
Rechts
überholt
Die
Linkspartei will sich künftig auch nicht mehr an»Boykottaufrufen gegen
israelische Produkte«beteiligen. Auch nicht gegen Produkte der Siedler
in den besetzten Gebieten? In Israel boykottieren Linke schon seit
Jahren nicht nur solche Produkte, sondern auch Institutionen der Siedler
im Westjordanland sowie Veranstaltungen in ihnen. Das obläge eigentlich
jedem politisch und ökonomisch denkenden Linken.»Antideutsche« haben
es freilich in Deutschland geschafft, derlei Aktionen durch die
instrumentelle Assoziation mit dem Nazischlagwort »Deutsche, kauft
nicht bei Juden« so verlogen und manipulativ in Verruf zu bringen, daß
unreflektiert geschichtsbewußte Deutsche sich auch darin blenden
lassen. Von Boykottaufrufen gegen Israel ist deshalb abzusehen, weil sie
ineffektiv sind und zumeist die Falschen (in Bereichen der Akademie und
der Kultur) treffen. Aber mit Antisemitismus haben sie nichts zu tun.
Und ein weiteres will die zur Räson gelangte Linkspartei strikt
unterbinden: die Beteiligung »an der diesjährigen Fahrt
einer›Gaza-Flottille‹«. Man mag sich über die Unabdingbarkeit
dieser politischen Symbolhandlung angesichts der mit ihr verbundenen
Gewaltanwendung und des aus dieser möglicherweise resultierenden
Verlusts an Menschenleben in der Tat kritische Gedanken machen. Aber was
soll das mit Antisemitismus zu tun haben? Wie kommt es überhaupt dazu,
daß die Beteiligung an dieser Aktion zum Kriterium des
Antisemitismusvorwurfs gegenüber der Linkspartei erhoben wird?
Man
ahnt die Antwort und will sie doch nicht wahrhaben: Die undurchdachte
Resolution der Linkspartei hat mit Antisemitismusbekämfung letztlich
ebensowenig zu tun wie die »wissenschaftliche« Schrift, die ihr
zugrunde lag, und die überflüssige Bundestagsdebatte, die diese
Schrift provozierte. Gerade darin erweist sich der Verrat der Partei an
dem, was sie zu vertreten vorgibt. Und daß sie mit ihrer Resolution
sogar noch die bürgerlichen Parteien von rechts überholt hat – keine
von diesen hat offiziell einen vergleichbaren Beschluß gefaßt –, läßt
sie zur Lachnummer der sich höhnisch die Hände reibenden deutschen
Politszene verkommen. Ein Zeichen für die Zukunft?
Moshe
Zuckermann ist Professor für Geschichte und Philosophie an der Tel Aviv
University. 2010 erschien im Wiener promedia-Verlag sein Buch »›Antisemit!‹
Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument«
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Proteste
junger US-Amerikaner gegen Unterstützer der Kriegs- und Apartheidspolitik Israels und für die
Rechte des palästinensischen
Volkes
Durchgeführt
von Grippen der BDS
Coalition
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Pressemitteilung
Linke
Israelis kritisieren die Partei DIE LINKE
auf
Kommunisten-online vom 23. Juni 2011 - Auf Kommunisten-online am 23.
Juni 2011 – In einem Offenen Brief (Siehe
Unten) an die Fraktionsmitglieder der Partei DIE LINKE.
kritisieren mehr als 100 israelische Aktivist_innen den
Fraktionsbeschluss vom 7. Juli. Die Parteimitglieder sind aufgefordert,
stattdessen die globale Solidaritätsbewegung für die Rechte der Palästinenser_innen
zu unterstützen, zu der sich auch die unterzeichnenden Aktivist_innen zählen.
Die
Unterzeichner_innen machen darauf aufmerksam, dass die Solidarität mit
dem palästinensischen Kampf für Unabhängigkeit und Gerechtigkeit auch
im Interesse israelischer Staatsbürger_innen und aller jüdischen
Menschen weltweit sei. Zu Unrecht stelle sich das israelische
Establishment als einziger weltweiter Vertreter der Jüdinnen und Juden
dar. Dies würde von der israelischen Regierung instrumentalisiert,
Kritik an ihrer Politik als antisemitisch gleichzusetzen.
Der
Offene Brief endet mit der Forderung, Solidarität mit Palästinenser_innen
zu zeigen: „Bekennt Euch zu einer offenen Diskussion über die
verschiedenen Formen des Widerstands des Aktivismus und der Solidarität
“.
Unter
den Unterzeichner_innen, die in Dutzenden verschiedenen Organisationen
und Initativen aktiv sind, sind die Professoren Gadi Elgazi und Sami
Shalom Chetrit, die Filmregisseure Udi Aloni und Eyal Sivan,
feministische Aktivistinnen der israelischen Frauenkoalition für
Frieden wie Eilat Maoz und Dalit Baum, die Begründerin der Organisation
„Physicians for Human Rights“ Ruchama Marton,
Kriegdienstsverweiger_innen wie Matan Kaminer und Shimri Zameret, die
zwei Jahren lang inhaftiert waren, und bekannte Aktivist_innen des
gewaltfreien Widerstand gegen die Besatzung wie Adar Grayevsky und Ezra
Nawi.
Für
mehr Information können Sie uns in Deutschland kontaktieren:
Einat
Pudjarny (Englisch) 015784407903
Yossi
Bartal (Deutsch) 01601186111
An
die Fraktionsmitglieder der Partei DIE
LINKE.
Wir,
Linksaktivist_innen von verschiedenen Organisationen und Zusammenhängen
aus Israel, kritisieren Euren Fraktionsbeschluss vom 7. Juli. In diesem
Beschluss werden zwei grundverschiedene Themen vermischt, die demgegenüber
dringend voneinander unterschieden werden müssen, um Antisemitismus in
Deutschland und weltweit bekämpfen zu können. Darüber hinaus erhebt
der Beschluss ungeheuerliche Anschuldigungen gegen die Zivilgesellschaft
in Israel-Palästina und die internationale Solidaritätsbewegungen, die
einen gerechten Frieden in unserer Region unterstützen.
Wir
sind uns bewusst, dass Antisemitismus, ebenso wie Islamophobie und
andere Formen von Rassismus, Sexismus und Homophobie, auch in der europäischen
Linken verbreitet sind. Als Mitglieder der Partei DIE LINKE. ist es
dringend notwendig, dass Ihr eine klare Stellung zu diesem Thema bezieht
und wir unterstützen Eure eindeutige Verurteilung rassistischer und
anti-jüdischer Aktivitäten, Ideologien und Diskurse.
Wir
vertreten unterschiedliche Meinungen zu offenen Fragen und Strategien im
israelisch-palästinensischen Konflikt; auch bezüglich jener Punkte,
die Teil Eures Beschlusses sind: Die Ein-Staat-Lösung, die Kampagne für
Boykott/ Desinvestitionen/ Sanktionen (BDS) und die unterschiedlichen
Solidaritätsaktionen zur Durchbrechung der Belagerung des
Gaza-Streifens, darunter die „Gaza-Flotilla“.
Nichtsdestotrotz
sind wir überzeugt, dass keine dieser Aktionen oder Positionen grundsätzlich
etwas mit Antisemitismus zu tun haben. Zu unterstellen – wie in Eurem
Beschluss geschehen – dass eine offene Diskussion über diese Themen
antisemitisch sei, ist ein Affront gegenüber einer globalen
anti-rassistischen Bewegung, die sich gegen die illegale und brutale
Politik des Staates Israel gegen die Palästinenser_innen in seinen
anerkannten Grenzen, in den besetzten Gebieten und in der Diaspora
wendet. Wir zählen uns selbst mit Stolz zu dieser Bewegung.
Wir
glauben, dass die Solidarität mit dem palästinensischen Kampf für
Unabhängigkeit und Gerechtigkeit nicht nur ein moralischer Imperativ,
sondern auch im besten Interesse israelischer Staatsbürger_innen und
aller jüdischen Menschen weltweit ist. Das israelische Establishment
versucht, sich weltweit als einziger legitimer Vertreter der Jüdinnen
und Juden darzustellen. Dieser Anspruch wird in Deutschland und Europa
leider meist unhinterfragt akzeptiert. In den letzten Jahren bezeichnete
die israelische Regierung zunehmend jede Kritik an ihrer Politik als
antisemitisch und instrumentalisierte diese falsche Gleichsetzung, um
jegliche politische Auseinandersetzung um die Besatzung zu unterbinden.
Wir
bestehen darauf, dass Ihr auch zukünftig Eure klare Opposition zu
Antisemitismus ausdrückt und fordern, dass Ihr Solidarität mit den Palästinenser_innen
zeigt. Bekennt Euch zu einer offenen Diskussion über die verschiedenen
Formen des Widerstands, des Aktivismus und der Solidarität und über
die Vorschläge zur möglichen Beendigung des Konflikts, die auf
Menschenrechten und Demokratie basieren! Wir glauben, dass sich diese
Positionen in keiner Weise widersprechen sondern sich vielmehr zur
besten und wirksamsten linken Perspektive zum Konflikt ergänzen.
Wir
werden weiter unsere Opposition zu allen Formen von Rassismus und
Unterdrückung ausdrücken und hoffen, dass Ihr Euren Beschluss überdenkt
– damit wir gemeinsam für einen gerechten Frieden im Nahen-Osten
arbeiten können.
Mit
solidarischen Grüßen
|
Noa
Abend
|
Adar
Grayevsky
|
Ezra
Yitzhak Nawi
|
|
Gadi
Algazi
|
Ofir
Raul Graizer
|
Ofer
Neiman
|
|
Udi
Aloni
|
Benjamin
Greisman
|
David
Nir
|
|
Roey
Angel
|
Anat
Guthman
|
Norah
Orlow
|
|
Eli
Aronof
|
Amos
Gvirtz
|
Hava
Oz
|
|
Daniel
Atai
|
Connie
Hackbarth
|
Leiser
Peles
|
|
Nitzan
Aviv
|
Ran
HaCohen
|
Shachaf
Polakow
|
|
Daphne
Banai
|
Yasmine
Halevi
|
Yael
Politi
|
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Yossi
Bartal
|
Yuval
Halperin
|
Einat
Pudjarny
|
|
Ilil
Bartana
|
Sarrie
Handel
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Yisrael
Puterman
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Roi
Basha
Elisha
Baskin
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Iris
Hefetz
Shir
Hever
|
Hili
Razinsky
Moshe
Robas
|
|
Dalit
Baum
|
Yael
Kahn
|
Ben
Ronen
|
|
Yoav
Beirach
|
Matan
Kaminer
|
Yael
Ronen
|
|
Ronnen
Ben-Arie
|
Liad
Kantarowicz
|
Yehoshua
Rosin
|
|
Tamar
Berger
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Assaf
Kedar
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Timna
Rose
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|
Eitan
Bronstein
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Tal
King
|
Assaf
Ronel
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Cantor
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Yana
Knopova
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Dana
Rubin
|
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Sami
Shalom Chetrit
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Felicia
Langer
|
Assaf
Segal
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Hila
Fanya Chipman
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Moshe
Langer
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Sheinfeld
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Gerardo
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Maayan
Dak
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Adi
Liraz
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Kobi
Snitz
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Yossi
David
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Bilha
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Roy
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Shiri
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Eilat
Maoz
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Michael
Warschawsky
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Dror
Feiler
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Ruchama
Marton
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Yossi
Wolfson
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Tamar
Freed
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Anat
Matar
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Rotem
Yaniv
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Neta
Golan
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Abraham
Melzer
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Sergio
Yahni
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Goldstein
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Esti
Micenmacher
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Kim
Yuval
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Uri
Gordon
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Nuria
Montserrat
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Shimri
Zameret
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Chaya
Glazer
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Regev
Nathansohn
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|
Quelle:
e-Mail an die Redaktion
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|
Ein
Schritt zu viel
Position.
Zur aktuellen Debatte um »Antisemitismus« in der Partei Die Linke
Von
Knut Mellenthin
Quelle:
JungeWelt vom 15. Juni 2011
Auf
Kommunisten-online vom 29. Juni 2011 – Vom Strohhalm, der dem
vollbepackten Kamel das Rückgrat brach, ist in einem arabischen
Sprichwort die Rede. Die rechten Kräfte in der Partei Die Linke, die
alles aus dem Weg zu diffamieren versuchen, was für eine
Regierungsbeteiligung hinderlich sein könnte, haben ihrer Partei einen
Strohhalm zu viel zugemutet. Damit wurde ein Sturm von veröffentlichten
Protesten innerhalb und außerhalb der eigenen Reihen ausgelöst. Die
inhaltliche Auseinandersetzung, der sie ausweichen wollten, indem sie mißliebige
Positionen ins Reich des »Antisemitismus und Rechtsextremismus«hinüberdefinierten,
wird nun unumgänglich in der gesamten Partei geführt werden müssen.
Stein
des Anstoßes ist ein Text, der am 7. Juni von der Bundestagsfraktion
Die Linke verabschiedet wurde. Formal fiel die Entscheidung nach mehrstündiger,
teilweise hitziger Diskussion einstimmig, weil die Gegner der Resolution
– die Angaben über ihre Zahl variieren – es vorzogen, sich am Votum
nicht zu beteiligen. Bei diesem Verhalten soll die angebliche Rücktrittsdrohung
des Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi eine zentrale Rolle gespielt
haben.
Der
Beschluß hat folgenden Wortlaut: »Die Abgeordneten der Fraktion Die
Linke werden auch in Zukunft gegen jede Form von Antisemitismus in der
Gesellschaft vorgehen. Rechtsextremismus und Antisemitismus haben in
unserer Partei heute und niemals einen Platz. Die Fraktion Die Linke
tritt daher entschieden gegen antisemitisches Gedankengut und
rechtsextremistische Handlungen auf. Die Mitglieder der
Bundestagsfraktion erklären, bei all unserer Meinungsvielfalt und unter
Hervorhebung des Beschlusses des Parteivorstandes gegen Antisemitismus
vom 21. Mai 2011: Wir werden uns weder an Initiativen zum
Nahostkonflikt, die eine Ein-Staat-Lösung für Palästina und Israel
fordern, noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der
diesjährigen Fahrt einer ›Gaza-Flottille‹beteiligen. Wir erwarten
von unseren persönlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den
Fraktionsmitarbeiterinnen und Fraktionsmitarbeitern, sich für diese
Positionen einzusetzen.«
Der
letzte Satz bedeutet eine knallharte Kündigungsdrohung, wie die
parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion, Dagmar Enkelmann,
schon eine Woche vorher dem Berliner Tagesspiegel (31.5.2011) anvertraut
hatte: »Explizit will sie auch die Aktivitäten von
Fraktionsmitarbeitern unter die Lupe nehmen.›Wenn die Grundwerte der
Partei und der Fraktion negiert werden, muß das Konsequenzen haben –
bis zur Trennung.‹«
Keinerlei
Argumente
Die
am 7. Juni verabschiedete Resolution enthält zu den aufgezählten drei
Punkten linker Nahostpolitik kein Wort der Begründung. Das wäre auch
schwierig, da es dazu bisher keine in der Partei diskutierten und
verbindlichen Positionierungen gibt. Lediglich zur Boykottkampagne ist
eine knappe inhaltliche Aussage in der Erklärung des Parteivorstandes
vom 21. Mai zu finden, die im Fraktionsbeschluß erwähnt wird. Diese
Stellungnahme trägt übrigens keineswegs die Überschrift »Gegen
Antisemitismus«, sondern»Linke weist Antisemitismusvorwürfe zurück«,was
in der aktuellen Debatte einen riesigen Unterschied bedeutet. In der
einstimmig verabschiedeten Erklärung heißt es, der Parteivorstand
halte eine Boykottkampagne gegen israelische Waren in Deutschland »vor
dem Hintergrund unserer spezifischen Geschichte für ein völlig
ungeeignetes Mittel der Auseinandersetzung mit israelischer
Regierungspolitik«.
Trotzdem
wurde die Kampagne aber damals keineswegs als antisemitisch und
rechtsextremistisch bezeichnet. Im Gegenteil folgten in der
Stellungnahme des Parteivorstandes unmittelbar die Sätze: »Wir weisen
zurück, wenn berechtigte Kritik an der Politik der israelischen
Regierung in Antisemitismus umgedeutet wird. Ebenso weisen wir Vorwürfe
eines angeblichen Vormarsches antisemitischer Positionen in der Linken
zurück.«
Im
Unterschied dazu hat die Parteiführung mit der am 7. Juni beschlossenen
Fraktionsresolution offenbar ganz bewußt das mächtigste Geschütz
eingesetzt, das überhaupt in Stellung zu bringen ist: den
Antisemitismusvorwurf. Dadurch werden erhebliche, ernstzunehmende Teile
der internationalen Friedensbewegung, einschließlich der israelischen,
aufs schwerste diffamiert.
Wenn
es lediglich um eine »freiwillige Selbstverpflichtung« der
Abgeordneten im Stil vergangener Zeiten gegangen wäre, könnte man die
Nichtbeteiligung an dieser Abstimmung als akzeptablen individuellen
Ausweg respektieren. In dem Kontext der Resolution, ihrer Überschrift–
»Entschieden gegen Antisemitismus« – und ihrer
pseudoantifaschistischen Präambel kann dieses Verhalten aber nur mit
der Note »ungenügend« bewertet werden. Einige Abgeordnete, so Annette
Groth und Andrej Hunko, haben ihre Position nachträglich durch öffentliche
Stellungnahmen geklärt.
An
eine versehentliche Ungeschicklichkeit der Antragsteller bei der
Konstruktion des Zusammenhangs zwischen Gaza-Hilfsflottille,
Boykottbewegung und Ein-Staat-Diskussion einerseits,»Antisemitismus und
Rechtsextremismus« andererseits wird hoffentlich niemand glauben? Falls
doch: An der Spitze des Unternehmens stand mit Gregor Gysi ein
erfahrener Anwalt und Politiker. Man kann ihm manches vorwerfen und
zutrauen, aber ganz gewiß nicht fehlenden Blick für kontextuelle
Zusammenhänge oder gar Artikulationsprobleme.
Einer,
der trotzdem so tut, als hätte er gar nicht verstanden, was man gerade
beschlossen hat, ist ausgerechnet der Abgeordnete Stefan Liebich, einer
der Wortführer der Parteirechten. In einem Interview mit dem Neuen
Deutschland (11.6.2011) antwortete Liebich auf die Frage, ob er die
Unterstützung der Gaza-Flottille für antisemitisch halte: »Nein. Ob
es auch Antisemiten auf den Schiffen gab, will ich nicht beurteilen. Den
Vorwurf, daß Bundestagsabgeordnete der Linken Antisemiten seien, habe
ich immer zurückgewiesen, denn wenn das stimmte, müßte ich ihren
Ausschluß fordern.« Und etwas später: »Ich sage nicht, daß man den
Schiffskonvoi nicht für richtig halten kann. Aber es gibt auch andere
Mittel.« Welt online hatte Liebich allerdings am 8. Juni noch mit der
Aussage zitiert, es mache ihm »absolute Freude«, daß sich die Partei
endlich klar gegen Antisemitismus positioniert habe.
Nun
scheint auch Gregor Gysi angesichts des von ihm selbst mitverschuldeten
Schlamassels nicht ganz glücklich zu sein. In einem Gespräch mit der
Nachrichtenagentur dapd (13.6.2011) verwahrt er sich gegen die imaginäre
– von niemandem explizit formulierte – Behauptung, wer Israel
kritisiere, sei antisemitisch. Mit dieser Unterstellung geschehe »grobes
Unrecht«. Mit Blick auf die Linke sprach der Fraktionschef plötzlich
nur noch von der einen oder anderen deplazierten Äußerung, die aber »gar
nicht antisemitisch gemeint« gewesen sei.
Selbstverständlich
ist mit dem Fraktionsbeschluß vom 7. Juni das Theater um die »Antisemiten
in der Linke«nicht beendet, sondern wird jetzt erst richtig losgehen.
Nachdem die Fraktion, ob nun bewußt oder aus panischer Feigheit,
Hilfsflottille, Boykott und Ein-Staat-Diskussion als antisemitisch und
rechtsextremistisch gebrandmarkt hat, wird die Führung der Linken künftig
permanent mit Fragen der Mainstreammedien und der konkurrierenden
Parteien bombardiert werden, wann sie endlich»konsequent« gegen
Mitglieder vorgeht, die immer noch aus der Reihe tanzen. Der schon seit
einigen Jahren strapazierte Vorwurf, die Partei distanziere sich nur aus
taktischen Gründen, dulde aber in Wirklichkeit Antisemitismus in ihren
eigenen Reihen, kann sich künftig auf den Fraktionsbeschluß berufen.
Das einzige noch halbwegs taugliche Notmittel wäre, die Resolution als
total mißglückt aufzuheben, ihre praktischen Inhalte vernünftig zu
diskutieren – im Kontext linker Nahostpolitik und nicht im
Antisemitismuszusammenhang –, und anschließend über eine völlig
neue Vorlage abzustimmen, falls das dann noch für notwendig gehalten würde.
Viel
heiße Luft
Was
hat den rasanten Kurswechsel der Linken-Führung zwischen der
vergleichsweise ausgewogenen Erklärung des Parteivorstandes vom 21. Mai
und dem katastrophal dummen, mit nichts zu verteidigenden
Fraktionsbeschluß vom 7. Juni bewirkt? Es scheint, daß hauptsächlich
das als»Aktuelle Stunde des Bundestages« inszenierte Tribunal der
etablierten Parteien gegen die Linke am 25. Mai bei den zentristischen
Kräften, denen wohl auch Gregor Gysi zuzurechnen ist, die panische
Vorstellung produzierte, man müsse unbedingt ganz schnell einen
Befreiungsschlag landen, indem man einfach der von allen anderen
Parteien erhobenen Forderung nachkam, die Linke solle sich endlich von
den»Antisemiten« in ihren eigenen Reihen abgrenzen. Gleichzeitig waren
die prozionistischen Kräfte in der Partei um den Bundesarbeitskreis (BAK)
Shalom der Linksjugend, Petra Pau, Bodo Ramelow, Halina Wawzyniak und
andere offenbar der Meinung, daß die günstigste Stunde für eine
Entscheidungsschlacht gekommen sei.
Das
Allparteientribunal vom 25. Mai gehört unter den zahlreichen Beispielen
einer Instrumentalisierung der deutschen Verbrechen am jüdischen Volk für
kleinkarierte, selbstsüchtige Zwecke zu den ekelhaftesten. Es ist
schade, daß der Zentralrat der Juden in Deutschland darauf verzichtete,
sich von diesem selbstgefälligen, scheinheiligen Theater deutscher
Dummschwätzer und Schaumschläger mit einem klaren »Nicht in unserem
Namen!« zu distanzieren.
Was
hatte den etablierten Parteien Anlaß geboten, gegen die Linke eine »Aktuelle
Stunde« anzusetzen, als sei plötzlich der nationale Notstand
ausgebrochen? Der offizielle Titel des Tribunals lautete: Debatte über
»Aktuelle sozialwissenschaftliche Untersuchungen zu möglichen
antisemitischen und israelfeindlichen Positionen und Verhaltensweisen in
der Partei Die Linke«. Schon die Pluralform »Untersuchungen« war eine
platte Lüge, die Substanz suggerieren sollte, wo sie einfach nicht
vorhanden war. Tatsächlich ging es nur um ein einziges Papier, das
hochtrabend als »wissenschaftliche Studie« bezeichnet und schlagartig
in sämtlichen Mainstreammedien zum Heißluftballon aufgeblasen worden
war.
Selbst
bei der heute erreichten Gleichschaltung der Medien und der Absenkung
journalistischer Standards ist schwer vorstellbar, daß man mit ähnlicher
Einstimmigkeit und absoluter Kritiklosigkeit eine »wissenschaftliche
Studie«bekennender Atomkraftfanatiker hochjubeln würde, in der gegen
den Ausstieg aus der Nuklearenergienutzung polemisiert wird.
Um
nichts anderes handelt es sich aber bei dem 16-Seiten-Papier von Samuel
Salzborn und Sebastian Voigt unter dem Titel»Antisemiten als
Koalitionspartner? Die Linkspartei zwischen antizionistischem
Antisemitismus und dem Streben nach Regierungsfähigkeit«. Das Pamphlet
wurde inzwischen von der Frankfurter Rundschau ins Internet gestellt.
Sebastian
Voigt, der sich NATO-Bodentruppen nach Libyen wünscht (Jungle World,
28.4.2011), ist Gründungsmitglied des Bundesarbeitskreises (BAK) Shalom
innerhalb der Linken-Jugendorganisation »Solid«. Diese äußerst agile
und aggressive Kampftruppe beschäftigt sich, wenn sie nicht gerade»Antisemiten«
in den eigenen Reihen jagt, hauptsächlich mit dem Schwenken
israelischer und US-amerikanischer Fahnen und dem Bejubeln der militärischen
Heldentaten ihrer Idole. Ob Gaza-Feldzug (Januar 2009) oder gezielte
Todesschüsse auf unbewaffnete Demonstranten an einer von keinem Staat
der Welt anerkannten »Grenze« auf dem Golan: Für den BAK Shalom ist
alles, was die israelischen Streitkräfte tun, legitime
Selbstverteidigung. Susanne Witt-Stahl hat dieses abstoßende Phänomen
punktgenau auf den Begriff gebracht, als sie von »einer schaurigen
Freude am Tanz auf den Gräbern der ausgemachten Feinde« sprach.
(Semit, Januar 2011)
Samuel
Salzborn publiziert unter anderem in der Jungle World, die den »Antideutschen«
nahesteht, und auf Henryk Broders Blog »Achse des Guten«. Inzwischen
ist er durch seine ständigen Attacken gegen die Linke auch für die
Mainstreammedien interessant geworden. Über seinen Geisteszustand gibt
ein Artikel Auskunft, den Salzborn am 29. April 2010 auf der »Achse des
Guten« veröffentlichte. Gegenstand war ein als »Podiumsdiskussion«
deklariertes Tribunal, das die Jüdische Gemeinde Berlin in der Neuen
Synagoge gegen die jüdisch-israelische Journalistin Iris Hefets
veranstaltet hatte. Dabei waren einige Personen, mehrheitlich
anscheinend ebenfalls jüdische Israelis, aufgestanden, hatten Plakate
hochgehalten und gefordert, die Angegriffene aufs Podium zu lassen.
Salzborn schätzt ihre Zahl, im Einklang mit den meisten Berichten, auf
etwa 20 – in einem stramm prozionistisch eingestellten Publikum von
mehreren hundert Menschen. Das hinderte Salzborn aber nicht, hemmungslos
zu halluzinieren: »Der Schritt zu massiven Handgreiflichkeiten in der
Synagoge war nicht weit, das Überschwappen einer solchen gegen die Jüdische
Gemeinde zu Berlin gerichteten Eskalation zum Pogrom lediglich eine
Gratwanderung. Man sollte sich nicht ausmalen, zu welchen Szenen es
gekommen wäre, hätte es vor Ort keine Polizeipräsenz gegeben. Die
antisemitische Stimmung, die sich schwerlich als
›nur‹antizionistisch zu tarnen vermag, bewegt sich am Rande des
Ausnahmezustandes …« Klare Schlußfolgerung:»Damit tritt als eine
zentrale Aufgabe der polizeilichen Tätigkeit der nächsten Jahre auf
die Agenda: Antisemiten daran zu hindern, ihren Aggressionen freien Lauf
zu lassen.«
Wahnhaftes
Weltbild
Schon
vor einem Jahr beschrieb Salzborn in der Welt (9.6.2010) die Situation
der Linken so: »Die Vorfälle in der Partei, die einem nur mühsam als
antiisraelisch kaschierten antisemitischen Weltbild entspringen, nehmen
seit Jahresbeginn dramatisch zu. (…) Daß Linksparteifunktionäre
inzwischen gemeinsame Sache mit radikalen Islamisten machen, die noch
nie einen Hehl aus ihren antisemitischen Motiven gemacht haben, ist
Folge eines rasanten Radikalisierungsprozesses der Partei.« »Die
Linkspartei steht nun vor einer einfachen, aber folgenschweren
Entscheidung: Entweder werden die Antizionisten und Antisemiten aus der
Partei gedrängt, oder die Linkspartei wird zur originären
parteipolitischen Heimat des Antisemitismus. Den bisherigen Eiertanz
fortzusetzen ist nicht mehr möglich, die Linkspartei muß sich
entscheiden: für die Demokratie oder für den Antisemitismus.«
Nach
demselben wahnhaften Weltbild ist auch die hochgejubelte»Studie«
gestrickt, von der in einigen prozionistischen Blogs sogar
wahrheitswidrig behauptet wird, sie sei»universitär«. In Wirklichkeit
erreicht sie kaum das durchschnittliche intellektuelle Niveau einer
Propagandabroschüre des israelischen Außenministeriums. Gregor Gysi
soll gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung (19.5.2011) geäußert
haben: »Die in der Studie aufgestellten Behauptungen sind schlicht Blödsinn«.Falls
er das wirklich gesagt hat, hätte er recht.
Salzborn
und Voigt behaupten in ihrer »Studie«,daß die Linke nicht nur
antisemitische Positionen toleriere, sondern daß diese »innerparteilich
immer dominanter« würden und heute schon »die äußere
Wahrnehmbarkeit der Partei« prägen. Dämonisierung Israels, einseitige
Parteinahme zugunsten der Palästinenser, »bis hin zu einer offenen
Solidarisierung mit den terroristischen Kräften innerhalb dieses
Spektrums«, seien »seit Anfang des Jahres 2010 zunehmend zur konsensfähigen
Position« der Linken geworden. Heute dominiere »ein antizionistischer
Antisemitismus« die dort »öffentlichkeitswirksamen Positionierungen«.
Damit sei zum allerersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte eine
Partei, »die sich explizit zu einer Artikulationsform des
Antisemitismus bekennt«, in den Vorhof bundesweiter
Regierungsverantwortung gelangt. Dafür muß man den Autoren neben
hysterischen Wahnvorstellungen auch völlige Ignoranz gegenüber der
deutschen Nachkriegsgeschichte attestieren.
Mit
dem Gysi zugeschriebenen Wort »Blödsinn«wäre unter normalen Verhältnissen
eigentlich alles Notwendige über dieses primitive Politpamphlet gesagt.
Die Dramatik der Lage der Linken, sowohl der Partei als auch anderer Kräfte,
mit und ohne Großbuchstaben drückt sich jedoch darin aus, daß ein
derart flacher, sachlich unhaltbarer Mist offenbar völlig ausreicht, um
eine mehrwöchige Hexenjagd sämtlicher Mainstreammedien und etablierten
Parteien zu entfesseln. Diesen Kräften scheint selbst der dümmste Anlaß
recht, um Die Linke in die Enge zu treiben – und das anscheinend sogar
mit öffentlichem Erfolg.
Dieses
beachtliche und erschreckende Phänomen hat sehr viel zu tun mit dem,
was Gregor Gysi in seiner Rede auf einer Tagung der
Rosa-Luxemburg-Stiftung (14.4.2008) durchaus zustimmend mit der Formel
bezeichnete, die »Solidarität mit Israel«sei »deutsche Staatsräson«.
Was»Solidarität mit Israel« genau bedeutet, weiß in Wirklichkeit
kein Mensch, und auch Gysi hat es in seiner Rede mit keinem Wort
konkretisiert. Sicher ist nur, daß diese »Solidarität« ganz
allgemein mit beängstigenden Zusätzen wie »bedingungslos«und »ohne
Wenn und Aber« verbunden wird. In erster Linie bedeutet sie, neben Gefügigkeit
gegenüber den Wünschen der jeweiligen israelischen Regierung, die
Bereitschaft der Mainstreammedien und Parteipolitiker –bisher mit
Ausnahme der der Linken –, sich zur blutgierigen Meute zu formieren,
sobald scheinbar zentrale Interessen Israels auf dem Spiel stehen.
Deutsche
Staatsräson
Selbstverständlich
gilt das erst recht, wenn die eine deutsche Staatsräson sich mit einer
mindestens ebenso wichtigen zweiten verbindet, nämlich dem Prinzip, daß
Linke unbedingt von der Regierungsmacht ferngehalten werden müssen und
daß eine Partei erst dann in den Wartesaal zum großen Glück
eingelassen werden darf, wenn ihre führenden Politiker die Gewähr dafür
bieten, innerhalb und außerhalb des Dienstes jederzeit für die
aggressive Politik der westlichen Allianz einzutreten. Um die sachliche
Richtigkeit der Vorwürfe und der daran geknüpften Artikel wird sich
unter solchen Umständen kaum noch ein verantwortlicher Redakteur kümmern.
Oft ist das Thema ohnehin fest von Autoren besetzt, die extrem
prozionistisch eingestellt sind und es mit den Tatsachen nicht immer
hundertprozentig genau nehmen. Einige von ihnen kommen ganz
offensichtlich aus dem Spektrum der»Antideutschen« und vom BAK Shalom.
Für
diejenigen in der Partei Die Linke, für die internationale Solidarität
und Antiimperialismus noch nicht»obsolet« sind, ergeben sich daraus
extrem schwierige Arbeitsbedingungen. Die Mainstreammedien werden immer
als mächtige Verstärkeranlage der Parteirechten wirken, während sie
alle Gegenargumente bis zur Unkenntlichkeit verdrehen und diffamieren
werden. Die Diskussion um eine linke Nahostpolitik ist in der deutschen
Öffentlichkeit überhaupt nicht rational zu führen, wie sich soeben
wieder gezeigt hat. Solange die maßgeblichen Kräfte in der Parteiführung
danach streben, sich in absehbarer Zeit in irgendeine
Regierungskoalition auf Bundesebene einzubringen, stehen im Grunde sämtliche
zentralen außenpolitischen Koordinaten der Linken zur Disposition.
»Erbärmlicher
Maulkorberlaß« – Aus Stellungnahmen zur Erklärung »Entschieden
gegen Antisemitismus«
Pax
Christi
Sehr
geehrter Vorstand der Fraktion Die Linke,
die
Linke war bislang eine Partei, die den Spagat ausgehalten hat zwischen
der Betonung israelischer Interessen und dem Eintreten für die Rechte
der Palästinenser. Seit dem Maulkorberlaß ist das nicht mehr so.
Der
Fraktionsvorstand hat sich für vermeintlich israelische Interessen
entschieden. Vermeintlich deshalb, weil Sicherheit und Frieden für
Israel nur über Gerechtigkeit und Frieden für die Palästinenser
erlangt werden können. Gerade das Anprangern von
Menschenrechtsverletzungen und die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen
sind jetzt erforderlich.
Die
Fraktionsführung versucht nun, diejenigen aus der Partei auszugrenzen,
die sich glaubwürdig gegen die Kollektivstrafe Gaza-Blockade wenden,
indem sie an der Gaza-Flotte teilnahmen, die gegen die völkerrechtswidrige
israelische Besatzung protestieren, indem sie auf den Kauf von
Siedlungsprodukten verzichten oder die überlegen, was passiert, falls
die Zwei-Staaten-Lösung scheitert. Durch Anpassung an die Merkelsche
Staatsräson kann die Partei vielleicht Konflikten aus dem Weg gehen.
Sie verliert aber an Glaubwürdigkeit, weil sie ihre eigenen Werte mit
dem erbärmlichen Maulkorberlaß untergräbt.
Mit
freundlichen Grüßen, Wiltrud Rösch-Metzler, Pax-Christi-Vizepräsidentin
Die
Linke. Kreis Soest
Liebe
Genossinnen und Genossen der Bundestagsfraktion!
Der
Vorstand Die Linke. Kreis Soest hat folgende Resolution beschlossen: »Resolution
zur Unterstützung der Gaza-Flottille«. Die erneute Entsendung der
Friedensflotte ist notwendig, weil ein erfolgreiches Durchbrechen der
Blockade ein starkes politisches Signal für eine Beendigung der
Blockade und damit für einen gerechten Frieden in Nahost ist und Israel
durch die Blockade das Gazastreifens die Versorgung mit Nahrungsmitteln,
Baumaterialien und Medikamenten behindert. Die Wirtschaft im
Gazastreifen ist zusammengebrochen. Die langjährige Blockade das
Gazastreifens nimmt den Menschen jede Entwicklungsperspektive und
demoralisiert sie dadurch. Die Blockade stärkt in Israel die extreme
Rechte und die Stellung des Militärs. Auch auf palästinensischer Seite
geraten diejenigen Kräfte ins Hintertreffen, die eine gerechte Lösung
für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern
anstreben. Beide Gesellschaften werden militarisiert und
entdemokratisiert. Die Blockade versperrt nicht nur die Versorgungswege,
sondern auch jeden Schritt auf dem Weg zu einem Frieden im Nahen Osten.
Deshalb fordern wir die Aufhebung der rechtswidrigen und unmenschlichen
Blockade des Gazastreifens und den sofortigen Stopp der
Waffenlieferungen und der militärischen Zusammenarbeit mit Israel.«
Liebe
Genossinnen und Genossen!
Ein
sensibles Thema wie die Positionierung zum Nahostkonflikt muß
solidarisch diskutiert werden. Drohungen, Denk- und Handlungsverbote
haben dabei zu unterbleiben. Euren Beschluß vom 7. Juni und sein
Zustandekommen sehen wir deshalb äußerst kritisch. Wir sind der Überzeugung,
daß die unterschiedlichen Meinungen in der Bundestagsfraktion und auch
die Unterstützung der Gaza-Flottille durch linke Abgeordnete und durch
die Friedensbewegung nichts mit Antisemitismus zu tun haben. Die Linke
ist und bleibt antimilitaristisch und antirassistisch. Mit solidarischen
Grüßen
Für
den Vorstand Die Linke. Kreis Soest
Michael
Bruns
Murat
Cakir, Sprecher des Kreisverbandes Die Linke. Kassel-Stadt
Ohne
Zweifel, die innerparteiliche Auseinandersetzung um den Nahostkonflikt
bedarf einer klärenden Antwort. Diese Antwort durch eine
Grundsatzdebatte unter Einbeziehung aller Parteimitglieder zu suchen,
ist eine dringliche Aufgabe. Durch eine von Parteioberen aufoktroyierte
Meinung wird diese Antwort sicherlich nicht zu finden sein. Aber durch
eine offene, auf den antifaschistischen, antirassistischen und
demokratischen Traditionen stehende und sich an der historischen
Verantwortung am Holocaust sowie den Grundwerten der Linken
orientierende Debatte wäre dies möglich.
Daß
der Fraktionsbeschluß für eine solche Debatte untauglich ist, wird an
dem endgültigen Charakter der drei Punkte (Ein-Staaten-Lösung,
Boykottaufruf und Gaza-Flottille) deutlich, weil der Beschluß keine
grundsätzlichen Fragen zuläßt. Das Stellen und Beantworten von grundsätzlichen
Fragen ist aber unabdingbar für eine linke Antwort, die von einer überwältigenden
Mehrheit der Parteimitglieder getragen werden kann. (…)
Landesarbeitsgemeinschaft
Migration, Integration, Antirassismus der Partei Die Linke. NRW
Der
Beschluß fällt nicht nur dem Freiheitskampf der Palästinenserinnen
und Palästinenser, sondern auch den Forderungen eines Teils der
israelischen Friedensbewegung in den Rücken. Viele israelische Linke
fordern, wie schon der Linkszionist Martin Buber, die Ein-Staaten-Lösung
für Israel/Palästina. Sie fordern einen Staat, in dem Menschen jüdischer
und arabischer Herkunft gleichberechtigt zusammenleben können. (…)
Ein
Aufruf zum Boykott israelischer Waren ist nicht antisemitisch, wie in
dem Beschluß unterstellt wird. Die israelische Linke beteiligt sich am
Boykott israelischer Waren aus den widerrechtlich errichteten Siedlungen
in den besetzten Gebieten. (…)
Die
Teilnahme von Bundestagsabgeordneten unserer Partei u.a. an der
Gaza-Flotille in 2010 wurde von der israelischen und jüdischen
Friedensbewegung weltweit als mutiger Schritt gelobt. Die Solidarität
mit unterdrückten Völkern gehört zum Selbstverständnis linker,
internationaler Politik. Warum dies nicht auch für das palästinensische
Volk gilt, erschließt sich uns nicht. (…)
Düsseldorf,
13.6.2011, Sprecherinnen und Sprecher der LAG MIA der Partei Die Linke.
NRW
Dr.
Peter Strutynski, Sprecher des Friedensratschlags
Der
Mainstream-Diskurs von FAZ bis zur taz versucht seit geraumer Zeit, der
ungeliebten Linkspartei alle möglichen Stolpersteine und Fallen in den
Weg zu stellen, um sie zumindest wieder aus den westdeutschen Landtagen
zu vertreiben. Die uneingeschränkte Solidarität mit den USA und mit
Israel gehört zu den Kernelementen (west-)deutscher Außenpolitik, die
von Kanzlerin Merkel anläßlich ihrer Knesset-Rede zum 60jährigen
Bestehen des Staates Israel zur»Staatsräson« erhoben wurde und damit
so etwas wie Verfassungsrang erhalten hat. Dumm nur, daß es auf seiten
der Linken eine Reihe von Leuten in »höheren Ämtern« gibt, die auf
Teufel komm raus nach Anschlußfähigkeit zu den etablierten Kräften
dieser Republik suchen, sei’s, weil sie von der Gedankenwelt der
Bourgeoisie angesteckt wurden, sei’s, weil sie darin einen
realpolitischen Zugang zur Regierungsfähigkeit mit den Parteien des
herrschenden Blocks vermuten. Beide Wege, die freiwillige Anpassung an
die herrschende Ideologie und das realpolitische Kalkül der »Machtpolitiker«,
enden in einer Sackgasse, in der die Linke als gesellschaftspolitische
Alternative zum herrschenden kapitalistischen Weltsystem zerrieben wird.
(…)
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„Die
Linke war bislang eine Partei, die den Spagat
ausgehalten hat zwischen der Betonung israelischer Interessen und dem
Eintreten für die Rechte der Palästinenser. Seit dem Maulkorberlass
ist das nicht mehr so.“
Wiltrud
Rösch-Metzler, pax christi Vizepräsidentin an sen Fraktionsvorstand
der Partei Die Linke im Bundestag zur Israel Resolution
auf
Kommunisten-online am 13. Juni 2011
An
den
Vorstand der Linksfraktion
Gregor Gysi
Dietmar Bartsch
Ulla Lötzer
Ulrich Maurer
Petra Sitte
Dagmar Enkelmann
Petra Pau
Gesine Lötzsch
Klaus Ernst
Cornelia Möhring
Wolfgang Neskovic
10.
Juni 2011
Sehr
geehrter Vorstand der Fraktion DIE LINKE,
die
Linke war bislang eine Partei, die den Spagat ausgehalten hat zwischen
der Betonung israelischer Interessen und dem Eintreten für die Rechte
der Palästinenser. Seit dem Maulkorberlass ist das nicht mehr so.
Der
Fraktionsvorstand hat sich für vermeintlich israelische Interessen
entschieden. Vermeintlich deshalb, weil Sicherheit und Frieden für
Israel nur über Gerechtigkeit und Frieden für die Palästinenser
erlangt werden können. Gerade das Anprangern von
Menschenrechtsverletzungen und die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen
sind jetzt erforderlich.
Die
Fraktionsführung versucht nun, diejenigen aus der Partei auszugrenzen,
die sich glaubwürdig gegen die Kollektivstrafe Gaza-Blockade wenden,
indem sie an der Gaza-Flotte teilnahmen, die gegen die völkerrechtswidrige
israelische Besatzung protestieren, indem sie auf den Kauf von
Siedlungsprodukten verzichten oder die überlegen, was passiert, falls
die Zwei-Staaten-Lösung scheitert. Durch Anpassung an die Merkel' sche
Staatsräson kann die Partei vielleicht Konflikten aus dem Weg gehen.
Sie verliert aber an Glaubwürdigkeit, weil sie ihre eigenen Werte mit
dem erbärmlichen Maulkorberlass untergräbt.
Mit
freundlichen Grüßen
Wiltrud
Rösch-Metzler, pax christi Vizepräsidentin
Unterzeichnende per Email:
Hilu
Barth, Mitglied der pax christi Nahostkommission
Winfried Belz, pax christi und „Palästina/Nahost-Initiative
Heidelberg“
Gabi Bieberstein, Internationaler Versöhnungsbund - Deutscher Zweig
Juliane Bieberstein, Internationaler Versöhnungsbund, Deutscher Zweig
Dr. Sabine Farrouh, IPPNW-Vorstand
Martin Forberg, Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für
Menschenrechte
Barbara Fuchs, Attac AG Globalisierung und Krieg
Dr. Andreas Grüneisen, EAPPI Netzwerk
Joachim Guilliard, Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg
Dr. Khaled Hamad, Deutsch-Paläst. Med. Gesellschaft (DPMG e.V.)
Dagmar Kirsche, Deutscher Koordinationskreis Palästina Israel für
ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden (KoPI)
Renate Khurdok, Salam und Schalom in Salem
Prof. Dr. Mohssen Massarrat, Osnabrück
Odilo Metzler, Mitglied der pax christi Kommission Friedenspolitik
George Rashmawi, PGD-Deutschland
Ellen Rohlfs, pax christi und Gush Shalom
Prof. Heiner Schmitz, Ruhrpreisträger 2009 für Kunst und Wissenschaft
Gisela Siebourg, stellvertretende Vorsitzende der DPG
Barbara Stoller, pax christi und friedens räume Lindau
Peter Strotmann, Redakteur von „Sand im Getriebe“, Newsletter von
ATTAC
Prof. Dr. Rolf Verleger, ehem. Mitglied des Zentralrats der Juden in
Deutschland, Buchautor „Israels Irrweg. Eine jüdische Sicht“
Marie-Dominique Vernhes, Mitglied der AG Palästina von attac Hamburg
Marie Voss, Munich American Peace Committee
Rosemarie Zur Nieden, Pfr. i. R., EAPPI-Netzwerk
weitere Unterzeichnende
Harald
Etzbach, Historiker, Journalist und Übersetzer
Gernot Steinweg, Dokumentarfilmer und Journalist
Dr. Anne Maximiliane Jäger-Gogoll, Marburg
Privatdozent Dr. Johannes M. Becker, Marburg
Gerlef Gleiss, Mitglied im Landesverband Hamburg
Helga Ebel, Sprecherin der LAG GesundheitSoziales NRW
Institut für Palästinakunde e.V., Bonn
Angela Klein, Redakteurin Sozialistische Zeitung
Doris Ghannam, Berlin
Michael Marquardt, Stellvertretender Vorsitzender der
Mitarbeitervertretung alsterdorf assistenz west gGmbH
Thies Gleiss, Stellvertretender Landessprecher DIE LINKE – NRW
Inge Jurk-Prommersberger
Souhail Kahla, Palestinan Students for Peace!
Jürgen Jung
Ursula Behr- Taubert, Kunstmalerin Berlin, www.atelier-behr.de
Erhard Arendt, Das Palästina Portal
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|
Anmerkung
Roter Webmaster von Kommunisten-online
Die
Partei Die Linke ein verlässlicher
Partner gegen den Krieg?
Wohl
kaum!
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
vom 30. Juni 2011 – Euer Engagement für die Rechte des
palästinensischen Volkes, auch Eure Kritik an der Haltung des
rechten Flügels der Partei Die Linke in dieser Frage findet
unsere ungeteilte Sympathie.
Aber
Ihr schreibt auch:
„
Bleibt DIE LINKE ein verläßlicher Partner für uns oder ist
dieser Beschluss der erste Schritt, sich einer Staatsraison zu
unterwerfen, die jede Aktion israelischer Regierungen, auch
menschenrechts- und völkerrechtswidrige, gutheißt und unterstützt.““
Ein
verlässlicher Partner in dieser Frage? In Fragen der Rechte der
Völker, des Kampfes gegen Krieg und Imperialismus ist die
Linkspartei schon aus der Zeit, als sie sich noch PDS nannte,
nicht. So trat Gysi bereits 2001 für eine „Polizeiaktion“
in Afghanistan ein. Der frühere Europaabgeordnete Andre Brie
erklärte zum Bundeswehr am Hindukusch:
„Die
Truppe macht eine sehr gute und verantwortungsvolle Arbeit. So
weit ich das einschätzen kann, wird das Engagement vor Ort als
ehrlich akzeptiert.“
Und:
„Das
Mandat ist aus zwei Gründen problematisch: Erstens, weil es
keine klare Trennung von den kämpfenden Truppen im Rahmen des
Anti-Terror-Einsatzes „Enduring Freedom“ gibt. Zweitens,
weil die Schutztruppe Isaf mit ihren Wiederaufbau-Teams die
Arbeit der zivilen Organisationen vor Ort gefährdet.“
Die
Bundeswehr soll. lt. A. Brie:
„Unterstützung
bei der Entwaffnung der privaten Milizen, Ausbildung
afghanischer Polizei und Armee, Absicherung von Wahlen.“
Folglich
macht sie da eine „sehr
gute und verantwortungsvolle Arbeit“
Das
nur zur Friedenpolitik weiter Teile der Führung der
Linkspartei. Verlässlich ist sie, aber offenkundig nicht für
Euch, nicht für Menschen die ernsthaft für die Rechte unterdrückter
Völker, die für Frieden und gegen Kriege des Imperialismus kämpften.
Im
Gegenteil, wer auf die PDL baut, kann sicher sein, verraten zu
werden. Ich weiß, wovon ich rede, ich war lange genug Mitglied
und Funktionär der PDS.
Sicher,
es gibt in der PdL auch Mitglieder, die ernsthaft für Frieden
und gegen Krieg eintreten. Aber die sind das Feigenblatt der
Gysi und Konsorten und werden verheizt. Selbst in der
Bundestagsfraktion ist das soso.
Ihr
schreibt zu Recht, dass nicht alle an der Abstimmung teilnahmen.
Ja, richtig. Sie haben feige den Schwanz eingezogen und haben
Gysi die Möglichkeit geboten, von „Einstimmig“ zu
schwafeln. Warum haben sich die 22 Fraktionsmitglieder nicht
gegen diesen Beschluss offen ausgesprochen? Warum hat Sahra
Wagenknecht, die Musterkommunistin, die ihr Kommunist-Sein mal
eben ruhen lässt – am
gleichen Tag Interviews gab, deren Inhalt sich auch mit diesem
Thema beschäftigte, das Ansinnen aber, dass Gysi am gleichen
Tag durch die Fraktion peitschte, aber mit keinem Wort erwähnt.
Nein,
die 22 haben sich feige verhalten. Verlässlicher Partner? Wohl
kaum
G.A. |
|
Zum
rassistischen Maulkorbbeschluss
eines Teils der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke vom 6.
Juni 2011
Pressemitteilung
Menschen
aus der Friedens,- Menschenrechts- und Solidaritätsbewegung drängen
auf Dialog mit der Basis der Partei DIE LINKE.
Internetplattform
Israel – Palästina – DIE LINKE jetzt online.
Quelle:
Mail an die Redaktion
Auf
Kommunisten-online am 30. Juni 2011 – Der einstimmige
Beschluss der Bundestagsfraktion DIE LINKE vom 8. Juni zum Thema
„Antisemitismus“, an dem allerdings keineswegs alle MdB der
Fraktion teilgenommen haben, sorgt seit Tagen für aufgeregte
Debatten in der Partei selbst sowie in der breiteren Öffentlichkeit.
Zahlreiche Organisationen (z.B. Pax Christi) und Einzelpersonen
aus den außerparlamentarischen Bewegungen sehen in diesem
Beschluss die völlig unzulässige Vermengung des Kampfes gegen
Antisemitismus mit politischen Vorstellungen und Aktionen, über
die sowohl in Israel, Palästina als auch in der Bundesrepublik
zwar kontrovers diskutiert wird, die aber nicht unter
Antisemitismus-Verdacht gestellt werden können:
Die
Einstaatenlösung wird sowohl in der Friedensbewegung Israels
als auch bei palästinensischen Gruppen diskutiert und von
einigen befürwortet.
Große
Gruppen der israelischen Friedensbewegung boykottieren Waren,
die in den von Israel besetzten Gebieten hergestellt und als
Produkte aus Israel etikettiert werden.
Die
zweite internationale Gaza-Hilfsflotte ist nicht nur moralisch
legitim, sondern auch völkerrechtlich legal, da die israelische
Regierung den Gaza-Streifen trotz gegenteiliger UN-Beschlüsse
weiterhin abriegelt.
In
den außerparlamentarischen Gruppen der Bundesrepublik wird
dieser Beschluss vielfach als der Versuch des rechten Parteiflügels
(Ramelow, Bartsch, Pau u.a.) gewertet, regierungskompatibel zu
werden. Diese Kräfte, an ihrer Spitze der „BAK Shalom“ in
der Jugendorganisation „solid“, betätigen sich als
Stichwortgeber und Resonanzboden für kampagneartige Angriffe in
den Mainstream-Medien gegen die bisherige Antikriegspolitik der
Partei DIE LINKE. Da ihnen aber bisher die Mehrheiten für einen
Bruch mit dieser Politik fehlen, benutzen sie schamlos den
Begriff des „Antisemitismus“, um ihre Widersacher innerhalb
und außerhalb der Partei mit dem Mittel des Rufmords zu
erledigen.
Die
Verantwortlichen für das neue Internetportal http://www.israel-palästina-die-linke.de/
erklären:
„Wir
sind keine Mitglieder der Partei DIE LINKE, sondern Menschen aus
der Friedenbewegung, die diese Webseite in Leben gerufen haben.
Uns empört die Art wie diskussionswürdige politische
Forderungen und Aktionen mit dem Todschlagargument
„Antisemitismus“ belegt werden. Wir dokumentieren auf
unserer Webseite den Ursprung und Verlauf dieser Angelegenheit.
Unser Ziel ist es, einen Diskussionsprozess zwischen örtlichen
Gruppen der Friedens-, Menschenrechts- und Solidaritätsbewegung
mit örtlichen Gliederungen der Partei DIE LINKE in Gang zu
setzen über die Frage:
-
Bleibt DIE LINKE ein verläßlicher Partner für uns oder ist
dieser Beschluss der erste Schritt, sich einer Staatsraison zu
unterwerfen, die jede Aktion israelischer Regierungen, auch
menschenrechts- und völkerrechtswidrige, gutheißt und unterstützt.“
Bonn
29.06.2011
Arbeitskreis
Israel – Palästina – DIE LINKE
Kontakt:
mail@xn--israel-palstina-die-linke-uec.de |
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