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Der Marktgraf ist tot

Ein Nachruf auf Otto Graf Lambsdorff, einem  Liberalen, der Beispiele setzte

Von Gerd Höhne

Kommunisten-online vom 13. Dezember 2009 – Gleich vorneweg: Ein Anlass zur Trauer besteht nicht. Es gab wohl keinen Politiker der Nachkriegs-BRD, der so korrupt, kaltschnäuzig und unverfroren war, wie er. Da übertraf er sogar den legendären Umfaller. FDP-Chef und Ritterkreuzträger Erich Mende.

Dass Lambsdorff bis über beide Ohren in diverse Skandale verwickelt war – so die Flick-Affäre – hat nur vorübergehend seiner Karrtiere geschadet. Irgendwie stand er immer wieder auf. Solche Leute werden eben in der Politik des kapitalistischen Staates gebraucht.

Lambsdorff entstammt dem deutschstämmigen baltischen Adel. Einer seiner Vorfahren war sogar Außenminister des letzten russischen Zaren: Wladimir Nikolajewitsch Graf von Lambsdorff. Dessen reaktionäre Politik führte dann während der Revolution von 1905 zu dessen Entlassung. Er war nicht mehr zu halten.

Die Oktoberrevolution setzte dann der gräflichen Herrlichkeit in Russland ein Ende. Die Lambsdorffs kehren heim ins Reich zurück.

Verarmt waren sie nicht. Der spätere Marktgraf Otto besuchte ein preußisches Edelgymnasium, die Ritterakademie in Brandenburg. Musste aber dann dem Führer dienen, wurde Offiziersanwärter und musste in den Krieg.

Verwundet kehrte er zurück, machte sein Abitur in der BRD, studierte Jura und macht Karriere – so heißt es bei Wikipedia: „Von 1955 bis 1971 war er im Kreditgewerbe tätig, zuletzt als Generalbevollmächtigter der Düsseldorfer Privatbank Trinkaus. Seit 1960 war er als Rechtsanwalt zugelassen. Von 1971 bis 1977 war er Mitglied des Vorstandes der Victoria-Rückversicherung AG.“[1]

Das Wappen derer von Lambsdorff

Nach seiner aktiven politischen Laufbahn: „Lambsdorff bekleidete einen Posten im Advisory Board der GML (Group Menatep), deren Mehrheitsaktionär Michail Chodorkowski war.“[2]

Chodorkowski ist einer, der sich schamlos am Volksvermögen des sowjetischen Volkes nach Ende der SU bereicherte. Als dann seine Figur an der Spitze des russischen Staates, Boris Jelzin, abtreten musste, war unter dessen Nachfolger Putin die russische Justiz gezwungen, Chodorkowski vor ein Gericht zu stellen und in den Knast zu schicken. Da sitz der immer nach. Nur der arme deutsche Marktgraf verlor einen  gut dotierten Posten.

Über seine Rolle in der deutschen Politik will ich mich nicht weiter auslassen. Sicher diente er bereits in der SPD-Regierung Helmut Schmidt als Mann der mit der Säge am Ast der Sozialleistungen sägte. Aber in dessen Schatten konnte es dann Schmidt umso besser machen. Verschlechterungen in der Einkommenssteuer für Normalverdiener und Verbesserungen für die Reichen, gab es damals auch schon. Ebenso Verschlechterungen im Bereich der Arbeitslosenunterstützung. Der Graf diente immer nur als Vorprescher – die SPD folgte willig.

Als Mann, der beste Beziehungen zur Industrie  und dem Geldgewerbe hatte, betätigte er sich auch fleißig am Einsammeln illegaler Geldgeschenke für seine Partei – steuernsparend für die Spender.

Eine der größten Spendenskandale, der Flick-Affäre – flog aber, dank eines korrekten Steuerfahnders, auf. Lambsdorff landete vor Gericht und wurde verurteilt. Bestraft wurde er tatsächlich nie, denn seine Geldstrafe von DM 180.000 werden ihm seine Günner gern ersetzt haben, zumindest dürfte es der Graf aus seiner Portokasse bezahlt haben können.

Er verdingte sich auch in der Nachwuchsförderung. So ist einer seiner politischen Ziehsöhne

Die FAZ schreibt im Nachruf für Lambsdorff hierzu zweideutig: „Er versorgte diejenigen, die er für talentiert hielt, mit schriftlichen Zweizeilern und hielt ansonsten väterlich-aristokratische Distanz. So hat der Graf Westerwelle schon beim zweiten juristischen Staatsexamen und bei der Promotion beigestanden.“[3]

Was der Verfasser dieses Artikels mit „beigestanden“ wohl gemeint hat? Mit Zweizeilern an den Promovenden  Westerwelle? Das wäre weniger hilfsreich gewesen. Oder mal Beziehungen spielen lassen? Schon eher. Was auch immer: Lambsdorff stand Westerwelle nicht nur beim Staatsexamen und der Promotion bei, sondern baute den eitlen Ehrgeizling Guido auch ganz systematisch auf.

Mit Lambsdorff starb am 5. Dezember 2009 sicher einer der schillerndsten Figuren der deutschen Politik. Er zog im Hintergrund die Fäden, er drehte und intrigierte, er förderte und ließ fallen. Das bekam auch Möllemann zu spüren. Als der sich nämlich bei einer Bundestagswahl versspekulierte und die FDP nicht ihr Wahlziel erreichte, Möllemann dann ein Flugblatte in die Welt setzte, das den Parteigängern der Herrschenden in Israel nicht gefiel, wurde er fallen gelassen. Möllemanns politischer Freund, der die damalige Kampagne mit in die Welt setzte, es aber vermied, sich zu weit aus dem Fenster zu hängen, ging auf Distanz zu seinen Freund. Der Graf wird im Hintergrund die Fäden gezogen haben.

Jedenfalls war Möllemanns Karriere zu Ende, er hatte ein Strafverfahren am Hals und ließ ich schließlich bei einem Fallschirmabsprung mit geschlossenem Schirm in den Tod fallen.

So regelt man in des Marktgrafen Partei eben die Probleme.

Nein, dem Grafen braucht man nicht nach zu weinen. Er repräsentierte die korrupteste >Seite des Kapitalismus und stand immer fest zu seinen Sponsoren mit dem vielen Geld. Er hat auch würdige Nachfolger gefunden. Man betrachte nur mal seinen Ziehsohn Weserwelle. Bei dem besteht nicht die Gefahr, dass er sich ohne geöffneten Fallschirm vom Himmel fallen lässt. Zum einen ist er kein Fallschirmspringer, aber der geht zwar hoch hinaus, aber beim Absturz sorgt er dafür, dass es nicht allzu tief geht und auch gut gepolstert ist.

Der Graf starb hoch  dekoriert – trotz seiner aktiven Beteiligung an der Pflege der politischen Landschaft“ mittels fetter Geldzahlungen durch den Flick-Konzern:

Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, der höchsten Auszeichnung dieses Landes [4] 

G.H.


[1]  Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Graf_Lambsdorff

[2]  ebenda

[3]  FAZ

[4]  Lambsdorff bekam den NRW-Orden gemeinsam mit Bodo Hombach. Der war unter Schröder Bundesminister und musste gehen, weil er in diverse Skandale um sein Edelhaus verwickelt war. Später spielte er dann im Kosovo eine etwas zwielichtige Rolle und ist heute hoch dotierter Geschäftsführer des WAZ-Konzerns in Essen.

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