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Lidl
und andere Gestalten:
Die
schöpferische Kreativität der Schreiberlinge des Kapitalismus
Von
Günter Ackermann/30. März 2008
Der
„Stern“ fand es heraus und verkündete es der Welt: „Die Stasi-Methoden
von Lidl“. Was meinte die Illustrierte aus Hamburg damit? Ist der
Besitzer von Lidl jetzt Kommunist geworden und heuert die Mitarbeiter des
ehemaligen MfS nun an, um ihn vor den kapitalistischen Übergriffen von
Aldi, Plus und Co zu schützen? Oder was geht da ab beim „Stern“ und
den anderen Erzeugnissen de bürgerlichen Presse? Die klugen Köpfe, die
hinter der FAZ stecken, schreiben gar von „Wirtschaftsstalinismus“.
Also noch schlimmer. Der Herr Lidl (ich weiß, der Besitzer von Lidl heißt
nicht so, sondern Dieter Schwarz und ist sehr öffentlichkeitsscheu) ist
stalinistischer Kommunist und hat jetzt den NKWD angeheuert? grusel, grusel.
Dabei macht Lidl überhaupt
nichts Ungewöhnliches. Jaja, Lidl bespitzelte seine Angestellten. Aber
das machen alle Konzerne. Die Sorge der Kaufhaus- und Discouterkonzern-Herren geht
um, ihre Milliardengewinne könnten um einige Millionchen durch Diebstähle,
zu häufiges Gehen der Beschäftigten zur Toilette usw.
geschmälert werden. Auch in anderen Firmen sind Detektive tätig,
die aufpassen sollen, ob die Beschäftigten was klauen.
Und nicht nur das: Alle Großbetriebe
der produzierenden Wirtschaft unterhalten einen
Werksschutz. Das sind nicht nur die Pförtner, die die Betriebsausweise
kontrollieren, sondern die haben auch ganz handfeste Aufgaben einer
Werkspolizei und arbeiten mit den Polizeidiensten des Staates eng zusammen
– übrigens auch mit dem Verfassungsschutz und der politischen Polizei.
Lidl hat es nur etwas übertrieben – Lidl ist ein
buntschillernder Paradiesvogel im Verein der Lebensmitteldiscounter und
deren jüngstes Kind. Der Discounter, dessen Chef Dieter Schwarz, im schwäbischen Heilbronn seine bescheidene Hütte
hat, ist der viertreichste Deutsche (mehr als zehn Milliarden Euro).
In der Rangliste der reichsten Deutschen sind nur nach die Brüder
Albrecht (Aldi) und der Clan Porsche/Piëch (Porsche, VW) vor ihm. Dieter
Schwarz soll
mit dem Drogerieketten-Besitzer Schlecker befreundet sein, dessen Märkte
auch schon manchen Skandal hinter sich haben. Ansonsten sponsert er
gelegentlich den örtlichen Fußballclub und ist äußerst Öffentlichkeitsscheu.
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Mister
Lidl, alias Dieter Schwarz
Jugendbild |
Aber offenbar doch nicht so scheu, dass er für Ehrungen
unempfindlich ist. Er gehört zur Jury des Ordens „Goldener
Zuckerhut“, was allerdings keineswegs ein Karnevalsorden ist, wie
der im Rheinischen vergebene „Blooworschtorden“, sondern –
nach Angaben der Verleiher – „der höchsten Auszeichnung im
Lebensmittelhandel“, also eine Art Bundesverdienstkreuz der Milch,
Käse- und Gemüsekrämer. Naja, immerhin.
Er soll auch einen Orden des Landes Baden-Württemberg abgelehnt
haben – er wollte nicht fotografiert werden, denn das wäre dabei
unvermeidlich gewesen. Und deshalb gibt es nur das hier gezeigte
Uralt-Bild von Mister Lidl, alias Dieter Schwarz. Die
„Süddeutsche“ schreibt, er sei der „geheimnisvollste Unternehmer Deutschlands“, der „Stern“
„Der geheimnisvolle Discounter-Pate“, die „Welt“ bezeichnet
in als „Phantom-Chef“ |
Aber das alles als
„Stasi“ oder gar „stalinistisch“ zu bezeichnen, zeugt nicht nur
von Kreativität, sondern auch von kaltschnäuziger Lügnerei und Verfälschung
der Realität durch die Lohnschreiber des Kapitals.
Was war wohl die Aufgabe
des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR? Den Lidls, Albrechts,
Thyssens und Konsorten ihre Profite zu sichern? Aufzupassen, dass denen
auch nicht das kleinste Kaviarei vom Brötchen des Profits genommen würde?
Doch wohl eher nicht.
Immerhin hatte man in der
damaligen sowjetische besetzten Zone und späteren DDR die Konzerne, wie
IG-Farben, Krupp und Konsorten enteignet und in Eigentum des Volkes
verwandelt, desgleichen den Großgrundbesitzern das Land weg genommen und
es den Bauern gegeben. Ein Gesetz der sowjetischen Militäradministration
in der SBZ hatte ausdrücklich festgelegt, dass alles Eigentum von Nazis
und Kriegsverbrechern enteignet wird.
Das wollten die alten
Besitzer natürlich zurück haben und machten diverse Versuche die
Wirtschaft der DDR zu destabilisieren und den friedlichen Aufbau zu stören.
Sie bekamen tatkräftige Hilfe von Deiten der Bundesregierungen und den
westlichen Parteieen. Die SPD unterhielt mit ihren Ostbüro sogar einen
eigenen Spionage- und Sabodage-Geheimdienst.
Diese Dienste gingen nicht nur mittels der Rundfunkpropaganda vor, sondern auch mittels
krimineller Methoden.
Und genau dafür war das
MfS (Stasi) geschaffen worden. Seine Aufgabe war nicht die Sicherung der
Profite der Lidl und Co, sondern das Gegenteil. Es sollte als Mittel der
Macht des Staates der Arbeiter und Bauern gegen die Versuche der
Konzernherren eingesetzt werden, ihre Macht zurück zu gewinnen. Es sollte
ein Mittel sein zu verhindern, dass die Geister von vor 1945 wieder die
Macht im Osten Deutschlands ergreifen.
Es gab in der jüngeren
deutschen Geschichte noch eine andere Schutztruppe eines deutschen
Staates. Die war geschaffen worden, damit sie dafür sorgt, dass alle, die
der Politik des deutschen Großkapitals nach Krieg und Eroberungen
ablehnen, niedergehalten werden. Damals galt das Führerprinzip. Der Chef
eines Konzerns war der Führer, die Beschäftigten die Gefolgschaft. Wer
sich dagegen stellte, war Feind und wurde verfolgt. Ich meine die
faschistische Gestapo.
Nach der Niederlage des
Faschismus wanderten die Gestapo-Verbrecher in der SBZ/DDR in den Knast, im
Westen – nach einer gewissen Schamfrist – bei der politischen
Polizei, Verfassungsschutz und beim BND.
Es waren ja Experten.
Mit deren Methoden vergleicht der „Stern“ das, was
bei Lidl abläuft, nicht, sondern mit denen des ehemaligen MfS der DDR. Nur
leider passen die nicht dazu, denn – wie bereits oben erwähnt – das
MfS hatte ganz andere Aufgaben als die Milliarden des Dieter
Schwarz vor den Zugriffen seiner Beschäftigten und Kunden zu schützen.
Die
bürgerliche Presse verfälschte die Realität. Ziel ist, zu verbreiten:
So schlimm ist der Kapitalismus ja gar nicht, denn es gibt ja uns, die
freie Presse und wir passen auf, dass keine kommunistische Stasi die
Leute bespitzelt. Es ist die Methode „Haltet den Dieb“, in der
erzeugten Aufregung verschwinden die anderen Schweinereien.
Wie
sehr die „freie“ Presse der Gleichschaltung erlegen ist, sieht man an
diversen Pressekampagnen: sei es in der Berichterstattung über dem Irak,
Afghanistan, Tibet, China, Russland usw. Man braucht nur ein Blatt
aufzuschlagen oder Fernseher und Radio einzuschalten, hört und liest man
immer nur die Version, die der Herrschenden. Ich habe
manchmal den Eindruck, als sei das Reichspropagandaministerium unseligen
Andenkens wieder erstanden.
Und
zu Lidl: Was da der Schwanz-Händler und Mister Lidl sich geleistet hat,
zeigt ganze Verachtung der Menschen, die seinen Reichtum erst
erarbeiten. Deren Persönlichkeitsrechte
sind ihm schnuppe. Daran ändert auch seine Entschuldigung nichts. Die wäre
nie gekommen, wäre er nicht erwischt worden. Die Beschäftigten, die ihm immerhin das Konto füllen,
wurden (werden sie es vielleicht immer noch?)
ausgeschnüffelt und zu potentiellen Betrügern und Dieben
gestempelt. Dieter Schwarz bedient sich der Methoden der Gestapo. Oder
nennen wir das die Methoden des Verfassungsschutzes. Das entspricht der
gegenwärtigen Realität und schließt die Traditionen, in der dieses Amt
steht, mit ein: die der Gestapo.
G.A.
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