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Die
superreichen Leistungs(weg)träger:
Immer
mit einem Bein im Knast –
aber
nie mit beiden
Von
Günter Ackermann/21. Februar 2008
Die
Medien überschlagen sich wegen der Steueraffäre des deutschen
Generalpostmeisters Zumwinkel, der schlappe 1 Million Euros nach
Liechtenstein ins Exil schickte. Natürlich an der Steuer vorbei.
Die
Propaganda der Bourgeoisie in allen Medien versucht jetzt den Spieß
umzudrehen. Einer von ihnen, steigerte sich sogar da hinein, dass er die
Oberschicht als das Opfer der Globalisierung hinstellte, die immer mit
einem Bein im Knast wäre. Das Steuerrecht sei so kompliziert, das man
sich kaum noch auskenne. Da bleibe es eben nicht aus, wenn
seinesgleichen etwas von der Knete ins landschaftlich schöne Duodezfürstentum
Liechtenstein transferierten. Die Bedauernswerten! Und Steuerberater
sind ja so teuer.
Man
müsse, tönt es, das Steuerrecht vereinfachen. Damit ist gemeint, die
Steuern für die, die weniger verdienen, weiter zu erhöhen, für die
Großverdiener aber noch weiter zu senken. Um die damit sinkenden
Staatseinnahmen abzufangen, müsse man eben die Subventionen abbauen
(aber bitte nicht jene, von denen der jeweilige Jammerlappen seine
Steuern sparenden Millionen verdient) und natürlich den Sozialbereich
abspecken. Das hat dann noch den Vorteil, dass die Betroffenen größere
Bereitschaft zeigen, auch für Hungerlöhne eine Arbeitsstelle
anzunehmen. Das wiederum tut den Nummerkonten in Liechtenstein gut.
Es
sind eh nicht die Leistungsträger, die von Sozialleistungen leben oder
die, die tagtäglich zur Arbeit gehen. Leistungsträger sind nach
kapitalistischer Schreibweise nicht jene, die was leisten, also durch
Arbeit Werte schaffen, sondern es sind jene, die diese Werte sich
aneignen und dann auf Nummernkonten in Liechtenstein wegtragen. Daher
eben Leistungsträger – eigentlich Leistungswegträger.
Das
mit Zumwinkel war ein Fehler in der Regie. Eigentlich weiß man, dass
Superreiche ihre Millionen in der Schweiz und Liechtenstein an der
Steuer vorbei parken. Das ist den Regierenden bekannt, den Steuerbehörden
auch und nicht zuletzt auch der Justiz – die Spatzen pfeifen es von
den Dächern. Solche Steueroasen gibt es in Europa mehrere. So gibt es
einige britische Inseln, auf denen ähnliche Bestimmungen herrschen, wie
in Liechtenstein. Auch Luxemburg, also eines der Gründungs- und Kernländer
der EU, gilt als Steueroase und auch Österreich, Monaco – alles EU-Länder.
Man
will den Superreichen solche Steuerschlupflöcher offen halten. Wenn man
ernsthaft dagegen vorgehen wollte, hätte man innerhalb der EU schon längst
etwas machen können. Das jetzt ist reiner Theaterdonner.
Da
gibt es den „Liechtenstein
Global Trust“, die LGT-Bank. Mehrheitsaktionär ist der blaublütige Fürst
von Gottes Gnaden Johannes Adam
Ferdinand Alois Josef Maria Marko d'Aviano Pius von und zu
Liechtenstein, genannt Hans
Adam II. Seine Durchlaucht persönlich ist auch der nominelle Chef der
LGT-Finanzgruppe. Das Vermögen des Fürsten wird auf 4,4
Milliarden Euro beziffert, der damit einer der reichsten von Gott begnadeten Herrscher
Europas ist – allerdings einer der kleinsten an Land und Untertanen.
Nur
zur Klarstellung: Die deutschen und anderen Leistungsträger tragen die
sich angeeigneten Leistungen nicht zum Fürsten persönlich weg, aber
natürlich profitiert der davon.
Aber
dann passierte vor ein paar Jahren eine Panne. Einer, der bei der Bank
beschäftigten Untertanen des Fürsten Johannes
Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marko d'Aviano Pius von und zu
Liechtenstein, klaute Daten reicher Deutscher, die den deutschen Fiskus
betuppt hatten und versilberte jetzt die silberne Datenscheibe an den
deutschen Auslandsgeheimdienst. Eigentlich eine peinliche Sache für die
Bank des Fürsten und die deutschen Behörden.
Was
aber sollten die braven deutschen Beamten mit Schlapphut tun? Sie
kauften im guten Glauben, dem Vaterland zu dienen und auch um ihre Gehälter
zu sichern. Die Offiziellen in Berlin mussten das Geld locker machen.
Damit hatte man die Information unter Kontrolle, womöglich wäre alles
in die falschen Hände geraten und hätte zu Erpressungen genutzt werden
können oder. schlimmer noch, wäre womöglich noch publiziert worden.
Was
aber machen mit der brisanten silbernen Datenscheibe? Ein Sprecher des
Bundesfinanzministers Peer Steinbrück sagte, es werde gegen „sehr,
sehr viele bekannte und weniger bekannte „Leistungsträger“ wegen
Steuerflucht nach Liechtenstein ermittelt“. Das Finanzministerium riet
Betroffenen zur Selbstanzeige, was das deutsche Strafrecht vorsieht.
Das
war natürlich nicht so ernst gemeint, wie es scheint. Man wollte nur richtig Theaterdonner
machen und ein Bauernopfer bringen. Das Bauernopfer war der oberste Herr
der gelben Briefkastenfirma Deutsche Post AG. Sein Laden befindet sich
(noch) in Staatsbesitz, er geht demnächst in Rente, gehört nicht zu
den Superreichen, auch nicht zum hohen Geldadel der Nation. Also wie
geschaffen zum Sündenbock. Auch war die Summe, um die es sich handelt,
Peanuts von nur einer schlappen Million
Euro. Das haben die ganz Großen des Geldadels in ihrer Portokasse.
Jetzt
veranstalteten die Ermittlungsbehörden eine spektakuläre Haussuchung
und posaunten alles durch die Medien. Die anderen, die ganz reichen
Steuerhinterzieher, waren jetzt gewarnt und konnten belastendes Material
schnell im Schredder zu Konfetti verarbeiten und im Kamin verbrennen.
Eine Hausdurchsuchung – wenn sie denn käme – können sie mit
Gelassenheit entgegen sehen. Das belastende Material auf der
Datenträgerscheibe ist vor Gericht nichts wert: Es wurde illegal und
strafrechtlich relevant beschafft.
Das
war Sinn und Zweck der spektakulären Medienkampagne. Die Täter können
jetzt auch noch die Medienkampagne durchziehen, sich als Opfer der
Globalisierung aufspielen und sich über die ach so hohen Steuern in
Deutschland auslassen.
Eigentlich
genial. So wird im Moment der scheinbaren Niederlage ein Sieg gemacht,
aus Verbrechern werden Gutmenschen, aus Steuerschwindlern werden arme
Schlucker, die in Notwehr handelten, Und Medien, die sich als seriös
aufspielen, machen treudoof mit. Wenn die braven millionenschweren
Globalisierungsopfer Glück haben, werden die Steuergesetze geändert,
was ihnen weitere Millionen zum Wegtragen nach Liechtenstein beschert.
G.A.
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