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Über
Heinz Marohn, die KPF (Kommunistische
Plattform der PDS), Peter Hartz und die Ehrenbürger
von Berlin
Von
Helmut Lucas/26. Februar 2007
Es
ist nicht leicht über Elend zu schreiben, schon gleich gar nicht über
das Elend der kommunistischen Bewegung in Deutschland, aber manchmal geht
es nicht anders.
Da
schreibt Dr. Heinz Marohn, Chefredakteur der „Mitteilungen der
Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS“, im Februarheft in seiner
monatlichen Kolumne:
„Es
ist höchste Zeit, die anstößig gewordene Bezeichnung Hartz IV
abzuschaffen. Wie lange noch sollen ehrliche Frauen und Männer
diese Bezeichnung ertragen?“
Zuvor
lamentiert er darüber, dass den früheren VW-Manager seine Bewährungs-
und Geldstrafe nicht kratzt, und auch nicht die schlechten Daten von Geschäftsklimaindex
und Kaufklimaindex. Man merkt, da macht sich einer schwer Gedanken.
Marohns
Vorschlag ist nicht gerade neu. Führende Sozialdemokraten und
IG-Metaller, sind schon längst vor ihm auf diese Idee gekommen, weil
ihnen ihr Peter peinlich geworden ist. Nun fragen wir uns, warum soll
diese schöne Bezeichnung abgeschafft werden? Sie ist kurz und praktisch.
Und Vorschläge macht er auch keine.
Wie
wäre es mit „Verelendungsgesetz IV“? Oder können das Marohns
ehrliche Frauen und Männer auch nicht ertragen? Dann nennen wir es doch
„Wohlfahrtsgesetz IV“. Dann wäre doch alles prima. Oder?
Den
Chefredakteur plagen noch andere dräuende Fragen. Nachdem er sich darüber
gefreut hat, dass Berlin nun eine Rudi-Dutschke-Straße hat (Rudi Dutschke
war Antikommunist!), kommt dieses:
„Jene
die Biermann zum Ehrenbürger kreieren wollen, weise ich auf die
Erinnerungs-Leerstellen hin, auf Biermanns antipazifistische Äußerungen,
auf seine Befürwortung des Kosovo-Krieges der NATO (1999) und des von
Bush und seinen Verbündeten geführten Überfalls auf den Irak ( 2003).
Sollen die bisherigen Ehrenbürger Berlins beleidigt und das Andenken an
sie beschädigt werden?“
(Hervorhebungen von mir, H.L.)
Die
Fragestellungen sind schon arg verwunderlich, fallen sie doch in den
klassischen Zuständigkeitsbereich des bekannten Fachblatts für niedrige
Instinkte. Die BILD hat sich schon immer als Anwalt beleidigter Interessen
verstanden und seien sie noch so dumm!
Kommen
wir aber nun zur Sache! Wir haben schon an anderer Stelle mehrfach gesagt,
die Hartz-Gesetze sind, mit der „Gesundheitsreform“, das größte
soziale Verbrechen seit 1945! An dieser Beurteilung hat sich nichts geändert.
Wie denn auch, wenn Hartz IV noch ständig verschärft wird? Zuletzt mit
Zwang, erwerbslosen jungen Menschen bis zum Alter von 25 Jahren, den
Auszug aus dem Elternhaus zu verwehren und bei kleinsten Kleinigkeiten,
Zahlungssperren von ALG II zu verhängen. Und jetzt soll ganz aktuell die
Pflicht zur Zwangsarbeit
verschärft werden.
Die
größte Unverschämtheit von Hartz IV aber ist nach wie vor die
programmierte Armut bei Erwerbslosigkeit. Auch wer dreißig Jahre lang und
länger geschuftet hat, landet nach spätestens zwei Jahren beim
Existenzminimum. Und wer fleißig gespart hat, muß bis auf einen kleinen
Rest erst das Ersparte für seinen Lebensunterhalt aufwenden, bevor er
Anspruch auf ALG II hat.
Und
da kommt Heinz Marohn daher und meint, der Name sei
nicht zu ertragen, als machte es irgendeinen qualitativen
Unterschied, ob man das Verbrechen Hartz oder Hutzliputzli nennt! Ganz im
Gegenteil! Wir müssen uns fragen, was führt jemand im Schilde, der einer
schlechten Sache einen guten Namen geben will?
Wie
viele Kriegsminister gibt es heute noch? Keinen einzigen, weltweit! Dafür
gibt es jede Menge Kriege, deren ausführende Kriegsherren
Verteidigungsminister heißen. Die Verwendung dieser Euphemismen
ist Methode. Soll bezahlbarer Wohnraum vernichtet werden, um profitablere
Büroflächen oder Luxuswohnungen zu schaffen, belegt man seit einigen
Jahren auch den schlichten Abriss eines Hauses mit dem schönen Wort Rückbau
und das hässliche Wort Entlassung wurde schon längst durch Freisetzung
ausgetauscht. Die Beispiele gegen ins Unendliche.
Peter
Hartz ist genau die Charaktermaske, die Kapitalisten für die Führung
ihrer Geschäfte brauchen und für die sie gerne Extramillionen zur Verfügung
stellen. Als er vor einigen Jahren die VW-Arbeiter und gleich auch noch
die IG Metall mit seinem Vorschlag „5000 mal 5000“ über den Tisch
zog, wurde er schon öffentlich gefeiert. Dabei wurde der Haustarifvertrag
unterlaufen, die Bezahlung Neueingestellter gesenkt und „flexible“
Arbeitszeit ganz nach den Bedürfnissen von VW organisiert, das einem
schlecht werden konnte. Und das selbstverständlich mit Flankenschutz und
Einflussnahme auf die Gewerkschaften von Kanzler Gerhard-Genosse-der-Bosse
Schröder. (Der GegenStandpunkt äußerte sich in seiner Ausgabe 3-01
umfassend dazu)
Der
öffentliche Skandalfall Peter Hartz hängt sich aber gar nicht an diesen
Verbrechen auf, sondern belegt Nebenkriegsschauplätze. Kapitalistische
Verarmung und Verelendung soll und darf
auch nicht zu Aufsehen führen, sondern Normalität im praktischen
Leben und Denken werden. Da passt es doch gut, dass er den
Betriebsratsvorsitzenden bestochen (so mussten es nicht die Aktionäre
tun) und ihn und andere zum Ficken, Fressen und Saufen mit Edelhuren in Fünf-Sterne-Hotels
nach Bangkok und anderswo eingeladen hat. Davon haben Aufsichtsrat und
Vorstand selbstverständlich nichts gewusst – wie denn auch bei ihrer
schweren Arbeit und Verantwortung?
Die
Klassenjustiz setzte noch eins drauf. Noch vor Prozessbeginn machte ihm
das Gericht ein Angebot. Sollte er geständig sein, würde nicht nur keine
Beweisaufnahme stattfinden, sondern auch keine Verurteilung über zwei
Jahre Gefängnis auf Bewährung plus Geldstrafe ergehen. Sogar die Höchstzahl
der Tagessätze der Geldstrafe wurde ihm zugesichert. Nach diesem
freundlichen Angebot konnte es für ihn nur noch besser werden. Ein
Angeklagter allererster Klasse eben. Kein Ladendieb hat bislang eine
solche Vorzugsbehandlung bekommen.
Und
gerade weil es so ist, weil Peter Hartz für Untreue, Betrug, Bestechung,
schlimmste Ausbeutung, Armut und Verelendung steht, ist die Bezeichnung
„Hartz IV“ für das Verelendungsprogramm auch eine angemessene
Bezeichnung! Noch einmal deutlich, damit keine Missverständnisse
entstehen: Aufgabe von uns Kommunisten ist es hier, für die Abschaffung
dieser Sozialverbrechen und für eine Grundsicherung, die diesen Namen
auch verdient, zu kämpfen, nicht uns den Kopf des Klassenfeindes über
euphemistische Namensgebungen zu zerbrechen! Das fehlte noch, dass
ausgerechnet wir ihnen helfen, ihre Widerwärtigkeiten zu verschleiern!
Kommen
wir nun zu den Ehrenbürgern
von Berlin. Und vorweg können wir da gleich sagen, hätte Peter Hartz
einen hübschen Betriebsteil von VW Wolfsburg nach Berlin verlegt, er wäre
ganz sicher Ehrenbürger geworden. Aber jetzt zu Biermann.
„Sollen
die bisherigen Ehrenbürger Berlins beleidigt und das Andenken an sie
beschädigt werden?“
Es
widerstrebt mir, mich mit der Person Wolf Biermann im Einzelnen zu
befassen, er ist als Reaktionär, Antikommunist und Kriegshetzer hinlänglich
bekannt. Aber seit wann soll das ein Grund sein, nicht Ehrenbürger von
Berlin zu werden? Er befände sich dort in ausgesprochen guter
Gesellschaft.
Da
gehören die Bundespräsidenten Theodor Heuss, Gustav Heinemann und
Heinrich Lübke ebenso dazu, wie Generalfeldmarschall und Reichspräsident
Paul von Hindenburg, der Hitler den Weg an die Macht geebnet hat,
Reichskanzler Otto von Bismarck wie Zar Nikolaus der I.. Auf keinen Fall
sollten wir die US-Präsidenten George Bush (sen.) und Ronald Reagan
vergessen, die ja weltweit für ganz besondere Friedfertigkeit stehen.
Wir
müssen uns also fragen, welche Ehrenbürger von Berlin, denn mit Biermann
beleidigt werden würden? Es sind auch ordentliche Leute unter den Ehrenbürgern,
die echte Verdienste haben, wie etwa die Ärzte Robert Koch und Rudolph
Virchow oder der Zeichner Heinrich Zille.
Allerdings
gibt es nicht wenige, die mal Ehrenbürger von Berlin waren, zum Beispiel:
Wilhelm
Pieck, Erster Präsident der DDR, aberkannt in West-Berlin am 16.12.1948,
in Berlin geführt bis 1992,
Walter
Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR, aberkannt 29.9.1992,
Erich
Honnecker, Staatsratsvorsitzender der DDR, aberkannt 1989,
auch
die beiden Soldaten, die am 8. Mai 1945 die rote Flagge auf dem
Reichstagsgebäude gehisst hatten, sind der Säuberungsaktion des Berliner
Senats zum Opfer gefallen.
Halten
wir hier mal als Zwischenergebnis fest, dass es Heinz Marohn mehr auf die
Ehrenbürger von Berlin und deren Gedenken ankommt, als um die „Nicht-mehr-Ehrenbürger“,
die ihm in seiner Zeit als DDR-Bürger und Kommunist als vorbildlich
galten.
Wenn
man schreibt und veröffentlicht, möchte man natürlich, dass das
Geschriebene auch gelesen wird. Die Tätigkeit des Lesens wird nun
vorzugsweise von Lebenden ausgeführt, deshalb wenden wir uns jetzt mal
den lebenden Ehrenbürgern von Berlin zu.
Von
George Bush, ehem. Präsident der USA und CIA-Chef, war schon die Rede. An
ehemaligen Bundespräsidenten wären da Richard von Weizsäcker, Roman
Herzog und Johannes Rau zu nennen, an Bundeskanzlern Helmut Schmidt und
Helmut Kohl, als führende Politiker ihrer Zeit sind da noch Egon Bahr und
Hans-Dietrich Genscher. Nicht vergessen wollen wir aber auch Michail
Gorbatschow, der die Sowjetunion von innen aufgemischt hat und Edzard
Reuter, der als Vorstandsvorsitzender von Daimler-Benz für explodierende
Profite, Ausbeutung und Arbeitslosigkeit gleichermaßen steht. Ein
illustrer Kreis.
Und
darum, das sich diese ganze Bagage durch die Ehrenbürgerschaft von Wolf
Biermann beleidigt fühlen könnte, sorgt sich ein führender Kopf der
„Kommunisten Plattform der Linkspartei.PDS“! Geht’s noch?
Mit
Gorbatschow (Konterrevolution in der Sowjetunion), George Bush (2.
Golfkrieg) und Hans-Dietrich
Genscher (Zerlegung und Kriege in Jugoslawien) haben wir schon drei der übelsten
Vertreter des Imperialismus. Das macht aber die Herren Helmut Schmidt,
Helmut Kohl und die anderen eben Genannten auch nicht besser. Es ist mir
zu mühsam, all die Verbrechen dieser Ehrenbürger
von Berlin hier im Einzelnen zu
dokumentieren. Darum geht es in diesem Artikel auch nicht.
Keiner
dieser Herrschaften hat auch nur den geringsten Respekt von Kommunisten
verdient und damit geht es um die Verkommenheit
der Kommunistischen Plattform!
Hartz IV umbenennen zur Verschleierung des Elendsprogramms und sich sorgen
um die Reputation von Charaktermasken. Was soll man dazu noch sagen?
Ich
kann nur das Wiederholen, was ich schon mehrfach geäußert habe. Die KPF
ist nichts weiter als der linke Schwanz der Bourgeoisie!
Eu|phe|mis|mus <gr.-nlat.> der; -,
...men: mildernde, verhüllende, beschönigende Umschreibung für ein
anstößiges od. unangenehmes Wort (z. B. dahinscheiden für sterben).
(Fremdwörterduden)
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