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Naziterror – staatlich gehegt und gepflegt

Quelle: Arbeit-Zukunft vom 15. November 2011

Auf Kommunisten-online am 21. November 2011 – Nur durch einen Zufall wurde nun bekannt, dass seit vielen Jahren eine faschistisches Terrornetzwerk, der so genannte „Nationalsozialistische Untergrund“ eine Mordserie in Deutschland verübt hat. Mindestens 9 so genannte „Döner-Morde“ und der Mord an einer Polizistin in Heilbronn gingen auf das Konto dieser Terrortruppe. Weitere terroristische Anschläge wurden von ihnen verübt wie ein Nagelbombenanschlag in Köln. Mittlerweile werden viele ungeklärte Verbrechen überprüft, ob sie auch von dieser Terrorgruppe, die viele Jahre ihr mörderisches Unwesen trieb, zugeordnet werden können.

Doch es wird nicht nur der Naziterror sichtbar, sondern auch die beständige staatliche Förderung dieser Terrorgruppe durch den Verfassungsschutz.

- Zwei der Naziterroristen gehörten dem „Thüringer Heimatschutz“ an. Diese Nazigruppe, die durch brutalen Terror auffiel, wurde von einem Verfassungsschutzagenten Tino Brandt geleitet, der zugleich ein bekannter NPD-Funktionär war.

- 1997 fielen die zwei auf, weil sie in Jena mit einer Bombe ohne Zünder gedroht und fertige Bomben in ihrem Haus hatten. Merkwürdigerweise konnten sie mit falschen Pässen spurlos verschwinden. Offensichtlich wurden sie auch finanziell unterstützt. Und obwohl sie über längere Zeit wieder in Zwickau lebten, wurden sie nie entdeckt.

- 2001 flog der Skandal um Tino Brandt auf. Der Chef des Thüringer Verfassungsschutzes hatte den Terroristen Tino Brandt mit vielen zehntausenden Euros „bezahlt“ und damit dessen rechtsradikale Tätigkeit unterstützt. Es kam heraus, dass weitere Rechtsradikale in den Diensten des Verfassungsschutzes standen und dafür fürstlich entlohnt wurden. Damals musste der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Helmut Roewer, seinen Job aufgeben.

- Auch der hessische Verfassungsschutz ist wohl tief in die Verbrechen verstrickt. Bei einem der „Döner-Morde“ am 6. April 2006 in Kassel an dem türkisch-stämmigen Betreiber eines Internetcafés war dort ein Beamter des hessischen Verfassungsschutzes anwesend. Er wurde wegen Mordverdachts festgenommen, aber rasch wieder freigelassen, weil er aussagte, er habe das Internetcafé eine Minute vor dem Mord verlassen. Die Spur wurde nicht mehr verfolgt. Nun gibt es Hinweise, dass er auch noch zum Zeitpunkt des Mordes und bei weiteren fünf Morden anwesend war. In seinem Heimatort wird dieser Beamte des Verfassungsschutzes „Kleiner Adolf“ genannt, da er als bekennender Nazi gilt. In seinem Haus fand man zahlreiche Nazi-Schriften daruner mehrere Ausgaben von „Mein Kampf“.

- Ein Komplize, der in Hannover festgenommen wurde, hatte für die Terrorgruppe 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt. Dazu hatte er mehrfach Wohnmobile für die Gruppe angemietet u. a. das Wohnmobil, dass beim Mord an einer Polizistin in Heilbronn verwendet wurde. Offensichtlich verfolgte die Polizei diese Spur jedoch nie. Sonst hätte sie bereits damals die Verbindung zu Neonazis feststellen können, statt haltlose Spekulationen über einen Mafia-Mord zu verbreiten.

Erinnert wird man bei diesen Aktionen an frühere terroristische Machenschaften des Verfassungsschutzes.

Als Celler Loch wurde die Aktion Feuerzauber der niedersächsischen Landesbehörde für Verfassungsschutz bekannt, bei der am 25. Juli 1978 ein rund 40 Zentimeter großes Loch in die Außenmauer der Justizvollzugsanstalt Celle gesprengt wurde. Damit sollte ein Anschlag zur Befreiung von Sigurd Debus vorgetäuscht werden, der als RAF-Angehöriger im Celler Hochsicherheitsgefängnis einsaß... Als involviert und informiert gelten die GSG 9 des Bundesgrenzschutzes, die Landesregierung unter Ernst Albrecht (CDU) sowie die Anstaltsleitung. (laut Wikipedia) Damals hatte der Verfassungsschutz einen Mercedes SL präpariert, Munition und gefälschte Papiere besorgt, den Fahrer gestellt und zwei Kriminelle zur Durchführung der Tat angeheuert. Dazu hatte der Verfassungsschutz Ausbruchswerkzeug in die Zelle von Debus schmuggeln lassen, um seine Tatbeteiligung zu „beweisen“. Erst 1986 kam heraus, dass nicht die RAF den Anschlag ausgeführt hatte, sondern der Verfassungsschutz, um ihn der RAF in die Schuhe zu schieben.

Ähnliches gilt für das Oktoberfest-Attentat von 1980, bei dem 13 Menschen ermordet und 211 zum Teil schwer verletzt wurden. Spuren, die auf eine Tatbeteiligung des Verfassungsschutzes und rechtsradikaler Gruppen hinwiesen, wurden nicht verfolgt. Beweisstücke wurden vernichtet. Zeugenaussagen, dass mehrere Personen an dem Attentat beteiligt waren, wurden ignoriert. Stattdessen wurde beharrlich von einem verrückten Einzeltäter geredet. Da dieser selbst beim Attentat umgekommen war, hatte man einen „Täter“ und konnte alle Zweifel und Fragen „beerdigen“.

Dass staatliche Stellen auf dem rechten Auge „blind“ sind, ist schon lange bekannt. Die NPD wird mit Millionen Euro Wahlkampfkostenerstattung gefüttert. Sie ist die Nahtstelle zum rechten Terrorismus. Bei ihr finden viele aus der Terrorszene Unterschlupf. Sie prägt den Hass von Jugendlichen und erzieht sie zu brutalen Faschisten. Doch auch hier hält der Verfassungsschutz seine schützende Hand über die Partei. Beim ersten Verbotsverfahren gegen diese Partei kam heraus, dass große Teile der NPD-Führung aus Verfassungsschutzspitzeln besteht. Und weil dies so ist, weigerte sich das Bundesverfassungsgericht ein Verbotsverfahren einzuleiten. Weil ein großer Teil der NPD-Spitzenfunktionäre auf der Gehaltsliste des deutschen Staates steht, sind diese geschützt und können ihr Unwesen treiben.

Doch jetzt zeigt sich eine Spur der Verwicklung in Mord. Offensichtlich sind die Nazis wie schon vor 33 Hilfstruppen des Kapitals, die die Menschen mit ihrem Terror einschüchtern sollen. Offensichtlich werden sie von staatlichen Stellen geduldet, gefördert, gesteuert, finanziert. Dies zeigt, wie verkommen dieses System und dieser Staat sind.

Wir fordern:

Verbot aller faschistischen Organisationen!

Verbot aller faschistischen Propaganda und Betätigung!

Aufklärung der staatlichen Verbrechen beim Naziterror!

Auflösung des Verfassungsschutzes!

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Der staatsmonopolistische Kapitalismus faschistischer Prägung

Quelle: Der Imperialismus der BRD. Dietz Verlag Berlin 1971. Institut für Gesellschaftswissenschaften Berlin. [Auszug]

Reinhold Schramm (Bereitstellung) 19.11.2011,

Auf Kommunisten-online am 21. November 2011 – »Während des Faschismus erlebte der staatsmonopolistische Kapitalismus in Deutschland eine bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannte Entwicklung. Zur Durchsetzung seiner Autarkiebestrebungen, seiner ungeheuren Rüstungsvorgaben und zur Organisierung einer allumfassenden Kriegswirtschaft entstand ein staatsmonopolistisches System, das mit brutaler Gewalt alle Ressourcen den verbrecherischen Revanchezielen des deutschen Imperialismus unterordnete.

Mit dem Faschismus errichteten die „reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“ [1/73] in Deutschland ihre offene terroristische Diktatur mit dem Ziel, ihr Streben nach brutaler Unterdrückung nach innen und Aggression nach außen in die Tat umzusetzen. Die herrschende Klasse vermochte nur dadurch aus der Krise ihres gesamten Systems zeitweilig herauszukommen, dass sie die staatsmonopolistische Entwicklung mit faschistischen Herrschaftsformen in bisher nie dagewesener Weise vorantrieb. Ihr Ziel war, damit die Neuaufteilung der Welt, das heißt den zweiten Weltkrieg, vorzubereiten und zu führen. Im Eroberungskrieg sah das Monopolkapital zugleich das Mittel zur Lösung seiner inneren Widersprüche und damit zur zeitweiligen Stabilisierung seiner Herrschaft.

Es zeigte sich, wie berechtigt die Warnung der Kommunisten war: Hitler - das ist der Krieg. Im Oktober 1933 – Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, 1935 – Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, 1936 – Besetzung des Rheinlandes und Beginn der Aggression in Spanien, 1938 – Annexion Österreichs und von Teilen der Tschechoslowakischen Republik, 1939 – völlige Liquidierung dieses Staates durch die Faschisten und Raub des Memelgebietes – das sind nur einige Etappen der aggressiven Politik des deutschen Imperialismus zur Zeit des Faschismus.

Offen und unverhohlen errichteten die Monopolherren und Militaristen ihre Diktatur gegenüber dem werktätigen Volk. Die Kommunistische Partei Deutschlands als konsequenteste Vertreterin der Interessen der Arbeiterklasse wurde verboten; das gleiche Schicksal erlitten später die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die Gewerkschaften und andere Organisationen der Werktätigen. Hunderttausende von Antifaschisten wurden in die Zuchthäuser und Konzentrationslager geworfen. Unzählige kamen während der faschistischen Barbarei ums Leben.«

Diktatur der Ausbeuter wurde Staatsgesetz

»Jahrzehntelang hatten Arbeiter und Angestellte einen erbitterten Kampf gegen die Diktatur der Ausbeuter geführt und, vor allem in der Novemberrevolution, eine Anzahl demokratischer Rechte erkämpft. Die Faschisten raubten sie ihnen ohne Ausnahme wieder. Die Betriebsräte wurden aufgelöst. Die Nazis setzten sogenannte Treuhänder der Arbeit ein (Syndizi der ehemaligen Arbeitgeberverbände und andere Monopolvertreter), die im Interesse der Unternehmer diktatorische Regelungen in Lohn- und Arbeitsfragen durchsetzten. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 erhob die Diktatur der Ausbeuter zum Staatsgesetz.« 

Verlängerung der Arbeitszeit, Abbau der Sozialleistungen und Renten

»Die Tarifverträge sowie die Freizügigkeit der Arbeiter wurden aufgehoben, und es wurde faktisch die Zwangsarbeit eingeführt. Bereits im Jahre 1938 gab es rund eine Million Dienstverpflichtete, die gezwungen wurden, in Rüstungsbetrieben, beim Bau des sogenannten Westwalles usw. zu arbeiten. Verlängerung der Arbeitszeit, Zunahme der Betriebsunfälle, Abbau der Sozialleistungen, der Renten und andere Faktoren führten bereits in den ersten Jahren des Faschismus, vor allem aber in der Kriegszeit, zur raschen Verschlechterung der Lebenslage der Arbeiter. Durch einen Lohnstopp wurden die Löhne auf dem niedrigsten Niveau stabilisiert« {...}

Militärzuchthaus und Kriegsmaschinerie

»Politisch entrechtet und ihrer Organisationen beraubt, wurde die Arbeiterklasse im Faschismus Objekt der wachsenden Ausbeutung durch die Unternehmer zu deren Bereicherung und durch den Staat zur Finanzierung von Aufrüstung und Krieg. Zunächst in Deutschland, später auch in den besetzten Gebieten, wurde für die Arbeiter ein Militärzuchthaus ungeheurer Brutalität und riesigen Ausmaßes errichtet mit dem Ziel der verstärkten Ausbeutung der Werktätigen und ihrer Einbeziehung in die faschistische Kriegsmaschinerie.

Doch nicht nur die Arbeiterklasse wurde einer brutalen Diktatur unterworfen; auch die Bauernschaft und die Mittelschichten spürten die Auswirkungen der imperialistischen Politik des faschistischen Regimes. Von 1933 bis 1939 verschwanden in Deutschland 217.500 Bauernwirtschaften (insbesondere kleinbäuerliche Betriebe), während die Zahl der großen Güter (über 1.000 ha) [über 10 km²] um 891 anstieg. In der gleichen Zeit waren etwa 700.000 Handwerker gezwungen, ihre Betriebe aufzugeben. -

Dabei versuchten die Faschisten, ihre Diktatur den breiten Volksmassen mit demagogischen Mitteln schmackhaft zu machen. Mit einem umfangreichen System der ideologischen Beeinflussung, ihren Lügen vom angeblich fehlenden Lebensraum, von der „Bedrohung Deutschlands“ durch andere Staaten usw. gelang es ihnen, breite Schichten der Bevölkerung irrezuführen.

In der Zeit des Faschismus schritt der Prozess der Konzentration und Zentralisation der Produktion besonders rasch weiter ...« {...}

Monopolisierung und „Arisierung“ von Industriebetrieben

»Die Monopole realisierten mit Hilfe der faschistischen Wirtschaftspolitik riesige Rüstungs- und Kriegsprofite und vergrößerten damit ihre Kapitale. Außerdem ergriff der Staat eine Vielzahl von Maßnahmen, die der weiteren Zentralisation des Kapitals dienten. Hier sei vor allem auf das Gesetz über die Bildung von Zwangskartellen vom 15. Juli 1933 verwiesen. Eine im Jahre 1937 durchgeführte Aktienrechtsreform förderte die Monopolbetriebe.

Die Monopole vergrößerten ihre Macht durch den Diebstahl jüdischen Eigentums, durch die „Arisierung“ von Banken und Industriebetrieben, im Kriege durch den Raub von Industriebetrieben, Bergwerken, Banken usw. in den von den Faschisten okkupierten Ländern. Der Göring-Konzern beispielsweise, der sich bei diesen Räubereien besonders hervortat, zählte schließlich 177 Industriebetriebe, 69 Bergwerke und Hütten, 156 Handelsgesellschaften, 46 Verkehrsbetriebe und 15 Baufirmen und sonstige Firmen.«

Verschmelzung der Macht der Monopole und des Staates   

»Die Verschmelzung der Macht der Monopole mit der Macht des Staates schritt rasch voran. Die Monopolisten erhielten mehr und mehr unmittelbare staatliche Vollmachten. Am 15. Juni 1933 berief Hitler den Generalrat der deutschen Wirtschaft. Zu ihm gehörten Krupp, Thyssen, Vögler, Bosch, Siemens, Schröder und andere Monopolisten sowie Ley und Backe. Diese Institution bemühte sich um eine straffe Organisation der gesamten Wirtschaft im Interesse der Kriegsvorbereitung. Das im Februar 1934 erlassene Gesetz zur Vorbereitung des organischen Neuaufbaues der deutschen Wirtschaft verfügte dementsprechend die Bildung von sechs Reichsgruppen, die sich weiter untergliederten. Alle Unternehmer waren verpflichtet, diesen Gruppen beizutreten. Das Gesetz verwandelte die Unternehmerorganisationen praktisch in einen Teil des faschistischen Staatsapparates, gab ihnen auf solchen Gebieten wie der Rohstoffversorgung, der Verteilung von Rüstungsaufträgen, der Kreditgewährung, der Preisbildung usw. bedeutende Befugnisse.

Mehr und mehr erhielten Monopolvertreter, nachdem sie zum Teil bereits als „Betriebsführer“ zu unumschränkter Herrschaft in den Betrieben ernannt worden waren, auch in anderen Bereichen staatliche Machtbefugnisse und wichtige Positionen. So wurden ab Dezember 1937 etwa 400 führende Monopolvertreter zu Wehrwirtschaftsführern ernannt.«

Kriegsvorbereitung und Rohstoffversorgung

»Dem Anfang 1938 von Göring als Beauftragten für den „Vierjahresplan“ gebildeten Kriegswirtschaftsrat gehörten so bekannte Monopolvertreter an wie Klöckner, Borsig, Warlimont von den I. G. Farben. -

Die Mächtigsten der Monopole und die Repräsentanten des Militarismus lenkten bereits ab 1933 ihr besonderes Augenmerk auf die ökonomische Kriegsvorbereitung. Um die Rohstoffversorgung für den Kriegsfall zu sichern, unternahmen sie große Anstrengungen zur Erringung der Autarkie und fassten die entsprechenden Maßnahmen in dem berüchtigten „Vierjahresplan“ zusammen. Diese Bemühungen waren besonders auf die Versorgung mit Treibstoffen, Gummi, Eisenerzen, Textilrohstoffen, Leichtmetallen, Fetten usw. gerichtet.  -

Daneben wurden die Rohstoffbewirtschaftung eingeführt und staatliche Rohstoffreserven angelegt. Um auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die eigene Rohstoffproduktion zu erweitern (Kohleverflüssigung, Buna-, Zellwollproduktion usw.), ging man daran, entsprechende neue Kapazitäten zu schaffen.

Während durch ein straffes System der Investitionskontrolle Investitionen in einzelnen Zweigen der Wirtschaft eingeschränkt oder verboten wurden, erfolgten in wichtigen Sphären Zwangsinvestitionen, unter anderem auf dem Wege der Bildung sogenannter Pflichtgemeinschaften. Die erste dieses Art wurde durch eine Verordnung vom 28. September 1934 geschaffen. Sie erhob von jeder Braunkohlengrube pro Tonne Braunkohle eine Pflichtabgabe von 2 Reichsmark und finanzierte damit einen beträchtlichen Anteil der Braunkohlen-Benzin-AG (Brabag). Dieser Betrieb errichtete in der Folgezeit eine Anzahl Hydrierwerke. [2/76]«

Arbeitskräftelenkung und Lohnstopp

»Weiter wurden Anstrengungen unternommen, um die Industrieproduktion durch Rationalisierung zu steigern. Verstärkte Ausbeutung in allen Bereichen, eine rücksichtslose Arbeitskräftelenkung, Lohn- und Preisstopp - das waren einige der weiteren Maßnahmen zur Vorbereitung des zweiten Weltkrieges durch den deutschen Imperialismus. -

Der wesentlich von Schacht ausgehende sogenannte Neue Plan sah bereits im Jahre 1934 eine straffe Lenkung des Außenhandels und verschärfte Devisenbewirtschaftung im Interesse der raschen Aufrüstung vor. Dazu wurden immer größere Bereiche der Wirtschaft auf Rüstungsproduktion und die Erzeugung von Bedarfsgütern für die Wehrmacht umgestellt.

Zur Finanzierung der Aufrüstung behielt man die in der Weltwirtschaftskrise gestiegenen Steuern und Abgaben bei, erhöhte sie teilweise sogar noch und führte neue ein. Daneben bediente man sich langfristiger Anleihen und, in Anlehnung an entsprechende Methoden des Jahres 1932, nunmehr in sehr breitem Umfang des Mittels der Defizitfinanzierung.« -

Notenpresse zur Verwirklichung der Finanzierung

»Rüstungsbetriebe legten zum Teil zur Finanzierung ihrer staatlichen Aufträge der 1933 mit einem Kapital von einer Million Reichsmark gegründeten Metallforschungsgesellschaft mbH Wechsel vor (Mefo-Wechsel). Mit dem Akzept dieser Scheinfirma versehen, wurden diese Wechsel von der Reichsbank übernommen und eingelöst. Für die Reichsbank waren sie, wie der ehemalige faschistische Finanzminister ausdrücklich betonte, „Deckung für den Druck von Banknoten“ [3/77] -

Bereits frühzeitig bediente man sich also der Notenpresse zur Finanzierung der Aufrüstung und trieb so die inflationistischen Tendenzen kräftig voran. Insgesamt wurden von 1934 bis 1937 Mefo-Wechsel in Höhe von rund 12 Milliarden Reichsmark ausgegeben.

Zur Verwirklichung dieser Vorhaben wurden bestehende Institutionen mit neuen Vollmachten ausgestattet, es entstanden neue Leitungsgremien und Instrumente zur Lenkung der Wirtschaft.

Diese gesamte Entwicklung ging keineswegs reibungslos vonstatten, im Gegenteil, es tauchten die vielfältigsten objektiven und subjektiven Gegensätze auf. Unbeschadet dessen gelang es dem deutschen Imperialismus, sich auf den zweiten Weltkrieg ökonomisch besser vorzubereiten als auf den ersten. -

General Thomas, der Chef des Wehrwirtschaftsstabes, konnte 1939 nicht unberechtigt feststellen: „Die Geschichte kennt nur wenige Fälle, in denen ein Land in Friedenszeiten all seine wirtschaftlichen Kräfte bewusst und systematisch auf die Kriegserfordernisse abgestellt hat, wie es Deutschland ... tat.“ [4/78] «

[Ein Auszug.]

Anmerkungen

1/73  Georgi Dimitroff: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale im Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus. In: Wilhelm Pieck / Georgi Dimitroff / Palmiro Togliatti: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunisten im Kampf für die Volksfront gegen Krieg und Faschismus, Berlin 1960, S. 87.

2/76  Siehe: Der deutsche Imperialismus und der zweite Weltkrieg, Bd. 3, Berlin 1962.

3/77  Lutz Graf Schwerin von Krosigk: Wie wurde der zweite Weltkrieg finanziert? In: Bilanz des zweiten Weltkrieges, Oldenburg, Hamburg 1953, S. 316.

4/78  Zit. In: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Bd. 2, Nürnberg 1947, S. 249.

Vgl.: Die Herausbildung des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Deutschland und seine Entwicklung in der BRD (Historischer Abriss). - 1.1.6. Staatsmonopolistischer Kapitalismus faschistischer Prägung (1933 bis 1939).  

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