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Acht
Thesen und viele Fragen zu einem längst verfaulten Justizsystem
DIE
MEXIKANER TÖTENDEN KUGELN VERKAUFT MAN FRÖHLICH IN DEN USA
von Ignacio Taibo II, La
Jornada, Mexiko
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
16. Januar 2011, Cubadebate / La Jornada. (auf Kommunisten-online
am 18. Januar 2011) – Seit über drei Jahren hat der
die Geschicke Mexiko leitende Mann den mexikanischen Drogenkartellen den
Krieg erklärt. Im Verlauf dieses seit über drei Jahren geführten
Kriegs in Mexiko bezahlten diesen Krieg über 31.000 Mexikaner mit ihrem
Leben. Dies sind die amtlichen Zahlen.
Hinzu
kommt eine unbezifferte Anzahl von Verletzten. Der Großteil der
Einwohnerschaften solcher Großstädte wie Ciudad Juárez, Chihuahua,
Monterrey, Tampico, Morelia, Culiacán, Mazatlán lebt in ständiger
Angst und Schrecken unter Bedingungen des Ausnahmezustands. Ganze
Gebiete wurden von ihren Bewohnern verlassen. Etliche ländliche
Gegenden sind heute Niemandsland. Etliche Landstraßen sind unbefahrbar.
17 Bundesstaaten Mexikos befinden sich in einer schweren Krise voller
Unsicherheit.
Es
gibt eine vierstellige Zahl an Beschwerden, die bei den
Menschenrechtskommissionen vorliegen. Und dies bezieht sich nur auf die
öffentlich zugänglichen Klagen. Sie bilden die Spitze des Eisbergs.
Der weitaus größere Teil der Beschwerden über die Menschenrechtslage
kann nicht an die Öffentlichkeit gelangen, weil die Beschwerdeführer
Angst vor Vergewaltigungen, gewaltsam erzwungenen Entführungen,
Geiselnahmen mit Schutzgelderpressung, rechtswidrigen Razzien, Raubüberfällen
und allen Arten von Misshandlungen auch seitens der Polizei, der
Regierungsstreitkräfte und in geringerem Maße auch der Marine in ihren
städtischen Siedlungen oder Industriegebieten haben, wohin sich weder
Steuerprüfer noch Gesundheitsbehörden trauen, weil die Droge zum alltäglichen
Zustand geworden ist.
Wie
ist es dazu gekommen?
Wie
kann diese Dynamik gestoppt werden, bevor Mexiko sich entleert von
Menschen inmitten der Angst und des Terrors in einem Holocaust der
abgetrennten Köpfe, der Schießereien mit unschuldigen Bürgern als
Kollateraler Opfern, der Haus- und Wohnungstüren eintretenden
Polizeikommandos und deren Plünderungen bis hin zum letzten Stück Käse
auf dem Küchentisch, der Gefängnissen unter Herrschaft der Mafiabosse
mit systematischer Folter an den gewöhnlichen Gefangenen, der amtlichen
Verlautbarungen über Fortschritte und Erfolge ohne jede Glaubhaftigkeit
bei nicht mal den Söhnen aus großbürgerlichen Familienverhältnissen
in den mexikanischen Großstädten, der geschlossenen Fabriken und Geschäften,
der im Protest gegen den Mord ihrer eigenen Töchtern ermordeten Mütter?
Mexikos
Staatschef Calderón handelte diesen „Krieg gegen die Drogen“ mit
US-Präsident Bush zu dessen Amtszeit aus. Dieser Krieg geht also nicht
auf den zuletzt zum US-Präsidenten gewählten Obama zurück. Calderón
handelte ihn unter Bedingungen aus, dass er im Aktentaschenfach
angeboten werden konnte.
Er
handelte absurde Bedingungen aus. Der Krieg gegen die Drogen war weder
ein mexikanischer Krieg noch sollte er dies jemals sein. Denn er ist dem
Wesen nach ein US-Krieg. Er wird verursacht durch den weltweiten
Hauptkonsum von Drogen auf dem Territorium der USA.
Somit
musste der Vorschlag der mexikanischen Seite nicht über ein Angebot zur
Unterstützung eines Kriegs auf US-Territorium hinausgehen, um die
Verteilernetze, Finanzstrukturen und grenzüberschreitenden Aktivitäten
unter Kontrolle zu bringen. Auf deren US-Staatsgebiet, und nicht auf
unserem mexikanischen Staatsgebiet!
Aber
so lief es eben nicht. In den drei Kriegsjahren gab es nicht mehr als
ein halbes Dutzend wichtiger Einsätze auf nur einer Seite der Grenze
zwischen Mexiko und den USA sowie die blutigsten Auseinandersetzungen in
Mexiko seit der Christianisierung.
Eindrücke:
Ich schaffe es, einiges aufzudecken. Ich lese alle Lokalzeitungen von
Acapulco mit ihren Behauptungen, den Meldungen zuvor ... von den 15 geköpften
Männern sind zwei noch Minderjährige: ein Autowäscher, ein Müllfahrer,
ein Mechaniker, zwei Arbeitslose, ein Ortspolizist, drei Maurer,
Infanterie-Angehörige der Garnison von Acapulco ... sie alle
massakriert von der Gruppe eines Chapo Guzmán laut von den Inspektoren
jenes Tatorts neben den Leichen gefundenen Kärtchen.
Für
die Regierung Calderón dauerte es ein Jahr lang, bis sie die
US-Amerikaner darum bat, den Waffenhandel zu kontrollieren. Und seit sie
die US-Seite darum bittet, hat sie keinerlei Ergebnis erreicht.
Laut
amtlichen Zahlen geht es da um ca. 50.000 schwere Feuerwaffen (wer sie
wohl „amtlich gezählt“ hat?), Munition, Artilleriewerfer, schwere
Maschinengewehre. All dies kam nach Mexiko hinein und stattete die
Mafia-Kartelle mit einer Feuerkraft aus, welche den regulären Streitkräften
überlegen ist. Noch heute können Lakaien der Drogenbosse Munition in
jedem Baumarkt in Houston kaufen gehen, als handele es sich da um
Tiermedikamente für die Ziege. Die
die Mexikaner tötenden Kugeln verkauft man fröhlich in den USA.
Man
muss keinen Sun Tsu oder Friedrich Engels gelesen haben, um zu wissen,
dass vor Beginn eines Krieges der Staat über Ergebnisse einer soliden
geheimdienstlichen Aufklärungsarbeit verfügen muss. Was aber lag da
denn vor? Wo sind diese Erkenntnisse? Wo sind die geheimdienstlichen
Verbindungen? Wie ist die Finanzstruktur? 1001 Fragen, die einer Antwort
harren.
Heute
wissen wir, dass zum Zeitpunkt des Beginns des Drogenkriegs von Calderón
die gesamte oder der Großteil der mexikanischen Staatsorgane bereits in
den Händen von Drogenmafiosi waren, welche die höchsten Polizeichefs für
ihre Ziele einsetzten und so die Einsätze gegen rivalisierende Banden
leiteten, so dass da ständig in ein Hornissennest gestochen wurde. Und
das scheint kein Ende zu nehmen.
Wie
groß ist der Teil des Polizei-Apparates, welcher direkt für die
Mafiabosse tätig ist? Polizeichefs, Einsatzgruppen zur Bekämpfung der
organisierten Kriminalität, die SIEDO, AFI-Kommandeure, Ermittler, usw.
Bis zum heutigen Datum weiß es der mexikanische Staat selbst nicht und
will es auch gar nicht wissen. Bis heute ist der gesamte
Sicherheitsapparat durchsetzt mit Drogenmafia, arbeitet umgedreht, zerstückelt.
Und er ist nach seinen eigenen Darstellungen völlig handlungsunfähig.
Die
Justiz ist verrottet. Sie verrottet schon seit vielen Jahren.
Disqualifizierte Staatsanwälte, korrupte Richter, absolute
Wirkungslosigkeit gegenüber dem organisierten Verbrechen bis hin zu völliger
Komplizenschaft mit der organisierten Kriminalität kennzeichnen die
Justiz Mexikos heute. Mit einer derartigen Struktur ist kein Krieg gegen
die Drogenmafia möglich.
Wie
viele Schwerverbrecher sind in den vergangenen drei Jahren freigekommen?
Wie viele Schwerverbrecher haben lächerlich geringe Strafen angesichts
der Schwere ihrer Verbrechen erhalten?
Pepe
Reveles erzählte am nächsten Tag, wie jene, die die Leichen in das
Leichenhaus brachten (und wir sprechen von über hundert Toten) bald
wieder freien Fußes herumliefen, weil der Staatsanwalt sie nach oberflächlicher
Ermittlung nur wegen unerlaubten Waffen- und Drogenbesitz anklagte. Es
herrscht ein schlimmes Chaos, wie es durchaus in der Justiz Mexikos üblich
ist. Und es besteht aus Unfällen und Zufälligkeiten. Wir leben in
einem Territorium des Rückstaus jeglicher Anfragen, der verwirrenden
Meldungen, ohne wissenschaftlich gestützte Ermittlung, des Fehlens
einer Fingerabdruck-Datenbank, des Fehlens eines für alle
Polizeistellen zugänglichen Informationssystems.
Wie
oft haben wir in der Presse gelesen, dass der Festgenommene noch kürzlich
im Gefängnis gewesen ist? Wer ließ ihn frei?
Im
Gefängnis von Torreón folterte die Leiterin die Gefangenen. In einem
anderen Gefängnis hatten die in Banden organisierten Gefangenen die
Genehmigung, nachts rauszugehen und Rivalen zu erschießen. In weiteren
10 Gefängnissen sind Massenausbrüche der Häftlinge organisiert
worden.
Es
gibt Klagen über die Macht und die Privilegien der Mafia in allen
Haftanstalten einschließlich jener mit höchster Sicherheitsstufe. Über
ein Dutzend Gefängnisleiter wurden in den letzten Monaten entlassen.
Hat
sich die innere Lage dadurch verändert? Ohne vorherige Säuberung des
Gefängniswesens kann man in keinen Krieg gegen die Drogenkartelle
gehen.
Eindrücke,
erschreckende Geschichten: in Torreón stoppt ein Mann im Licht eines
Scheinwerfers. Als das Licht vor ihm grün wird, hält das Auto vor ihm
an. Er hupt und beginnt zu zweifeln. Das sind keine Zeiten, um mit Hupen
etwas zu erreichen. Der Verkehr steht still. Es vergeht einige Zeit, das
Licht leuchtet wieder rot. Er entschließt sich und steigt aus dem Auto
aus. Er fragt freundlich jene im anhaltenden Auto, ob er ihnen irgendwie
helfen kann. Der Fahrer jenes Autos zeigt ihm eine Pistole und gibt ihm
200 Pesos. Er sagt: „Man sieht, dass Sie ein anständiger Mensch sind.
Ich habe gerade eine Wette mit diesem Kerl hier verloren (und er zeigt
auf seinen Beifahrer, der ihm mit strahlendem Lächeln seine
Uzi-Maschinenpistole zeigt). Dass Sie wegen uns hupen würden und ich
auf Sie schieße. Das ist Ihr Glückstag, mein Freund.“ Ihr Auto
springt wieder an. Der freundliche Mann bleibt zurück, mit kaltem
Schweißausbruch.
Dollarpakete
Conan
Doyle pflegte aus dem Mund von Sherlock Holmes zu sagen, wenn eine
Geschichte nicht klar war: „Folge dem Geld!“ Man muss dem Geld
folgen, der ökonomischen Spur. Der Drogenhandel, wie der
Alkoholschmuggel in den USA in der Zeit der Prohibition oder der
Autodiebstahl in Mexiko sind ein kriminelles Geschäft unter teils
sichtbaren Regeln mit Investitionen in die Produktion und die
Verteilung.
Ein
Teil des Geldes, der Milliarden an Dollars, bewegt sich in Form von Päckchen
voller Dollarnoten in Zeitungspapier im Samsonite-Koffer. Aber ein
anderer vielleicht noch viel wichtigerer Teil des Geldes wird zur
Investition in Häuser, Luxuswagen, Büros, Hotels, Geschäfte und
Restaurants.
In
der Zeit von Caro Quinterón wurde eine Siedlung in Ciudad Juárez
scherzhafterweise Disneylandia genannt. Sie war voller extravaganter
Villen und Märchenschlösser im gehobenen kalifornischen Stil und teils
verkitscht als Kopie von 1001 Nacht oder buddhistischer Tempel. Die
ganze Stadt wusste, dass dies die Wohngegend der Drogenbarone war. Das
Geld ist zu sehen.
Und
die Route dieses Geldes, seine Routen aus den USA, ist etwa nicht zu
sehen? Die US-Finanzbehörde SAT als Steuerbehörde ist sehr bemüht,
jedem US-Amerikaner Steuern aufzuerlegen, der sich darum nicht weiter kümmert.
Ist es etwa nicht fähig, die Millionen an Dollars aufzuspüren, die von
der US-Seite der Grenze her nach Mexiko fließen?
Die
mexikanische Regierung hat tausende Barrieren in den Bankgeschäften für
die Bürger eingerichtet, die da ihr Geld bewegen. Aber sie hat keine
Großuntersuchung über die Bankbewegungen eingeleitet, welche das
Riesengeschäft der Drogenmafia begleiten.
Bei
den hunderten Beschlagnahme-Fällen, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen
haben keine Scheckbücher und Bankkonten Spuren und Beweise von
Geldbewegungen offengelegt? Warum wird davon nie gesprochen? Warum hat
die mexikanische Regierung die US-Behörden nie um deren Eingreifen
gebeten, um den Geldzufluss an die Drogenmafia zu unterbinden?
Ohne
eine solide Finanzmitteluntersuchung und einen zweiseitigen Vertrag
zwischen Mexiko und den USA zur Blockierung des Drogengeldes kann man in
keinen Drogenkrieg gehen.
Eindrücke:
Ein Geschäftsführer der Santander-Bank informierte vor zwei Jahren
seinen Regionalleiter, dass er ungeklärte Gelder erhielt. Als Antwort
hieß es nur: „Money is money.“
Ein
Armee-Konvoi in La Laguna fährt zu einem Hochsicherheitsgefängnis. Sie
transportieren einen wichtigen Gefangenen dorthin. Weil sie die Gegend
nicht kennen, hat man ihnen eine Patrouille der örtlichen Polizei
zugewiesen, die vor ihnen fährt, sowie eine weitere, welche hinter
ihnen fährt.
An
einer Ampel hält die Patrouille an. Das Ampellicht leuchtet dreimal
auf. Gleich darauf flüchtet die Patrouille an der Konvoispitze mit
einer Geschwindigkeit von 150 km/h. Die Patrouille hinter dem
Gefangenentransporter macht dasselbe, aber in entgegen gesetzte
Richtung. Aus den Seitenstraßen laufen bewaffnete Männer herbei und
schießen auf den Armee-Konvoi.
Die
Patrouillen tauchten nie wieder in der Öffentlichkeit auf. In diesem
großartigen Drogenkrieg von Calderón gibt es über sie nichts weiter
zu berichten.
Zwischen
Monterrey und Tampico ist ein Konvoi von Leih-Lastern auf dem Rückweg
und wird von der Polizei um eine Lücke herum über eine Landstraße
umgeleitet. Am Ende der Schotterpiste lauert eine Gruppe von
schwerbewaffneten Männern mit Maschinenpistolen auf sie. Die Fahrer
werden misshandelt, gefoltert und ausgeraubt.
Heute
wissen wir dank der Aussagen geschützter Zeugen, dass jahrelang hohe
Polizeifunktionäre die Drogentransporte eskortieren ließen und selbst
Einfluss nahmen, um sie vor Kontrollen zu schützen. Aber nicht nur die
Polizei, die Polizeiverbände, viele Polizeistellen handeln da als
Kollaborateure, unterstützen, informieren, beschützen das Drogengeschäft.
Der Staat hat es mit Kadern versorgt.
Tagtäglich
neu ist in den Zeitungen nachzulesen, dass einer von drei Gefangenen ein
Polizist oder ehemaliger Polizist bzw. Militärangehöriger ist. Vor
einigen Jahren fragte ich den Leiter einer Tageszeitung in Tijuana,
warum in den Tagen zuvor bei Schießereien unter Polizisten ein Dutzend
Polizisten bei einem Zusammenstoß rivalisierender Banden getötet
worden war.
Er
antwortete mir, dass es billiger ist, einen Polizisten zu kaufen, als
einen Auftragskiller auszubilden. Wie ist es möglich, dass die
mexikanische Armee (und auch die US Army) militärische Elitekräfte
ausgebildet haben, die später gruppen- und blockweise paramilitärische
Mafiabanden bilden? Wenn schon alle Mexikaner wissen, dass die
organisierte Kriminalität in tausenden Fällen eine Kriminalität von
Polizeikräften ist, - weiß dies dann der mexikanische Staat nicht?
Kann
man seinen Lohn verheimlichen, wenn er von 15.000 Pesos plötzlich auf
250.000 Pesos monatlich steigt? Wie viele Stunden Untersuchung seiner
wirtschaftlichen Verhältnisse kann ein Polizei-Angehöriger
widerstehen, bevor aufgedeckt ist, dass er sechs Häuser in Siedlungen
des Staates Mexiko hat?
Gibt
es niemanden in Mexiko, der mit dem Lügendetektor umzugehen versteht?
Oder scheut der mexikanische Staat nur davor zurück, diesen Lügendetektor
einzusetzen, weil er sich selbst damit dem Risiko aussetzt, dass die große
Mehrheit seiner eigenen Angehörigen damit sofort der Lüge überführt
wäre? Die Mehrheit? 10%? 90%? Gibt es überhaupt einen funktionierenden
Lügendetektor in einem Polizeibüro? Oder ist er verkauft worden, um
Getränke im nächsten Supermarkt zu kaufen?
Alles
stammt aus einigen Ordnungskräften, deren Moral einfach nur pervertiert
ist. Und dies ist eine alte mexikanische Geschichte. Sie erreichte ihren
Höhepunkten zur Zeit von Alemán.
Ihr
Schlüssel ist die Straflosigkeit. Wir Mexikaner wissen, dass die
Polizei und die Streitkräfte historisch keine Ordnungskräfte sind,
sondern sie sind halblegalisierte kriminelle Unterdrückungskräfte. Die
Regierung Calderón weiß dies und muss es wissen, sonst könnte man
sich ihren Grad an Verblödung schon nicht mehr vorstellen.
Wie
kann sie einen Drogenkrieg mit diesen Leuten führen? Einen Krieg, der
nicht nur nicht gewonnen werden kann, sondern der erst gar nicht
begonnen werden kann, ohne die Ordnungskräfte zu säubern. Aber wie
sollen sie zu säubern sein, ohne zugleich das Unterdrückungswesen des
Staates in Mexiko zu schwächen?
Ein
General a.D. erzählte mir, dass er keine Zweifel daran hat, dass es in
der Armee etwa hundert ehrliche Hauptleute und höhere Offiziere gibt.
Aber genau diese ehrlichen Militärs haben keinerlei
Entscheidungsbefugnisse.
Mit
solchen Leuten kann man keinen Drogenkrieg führen. Die Lage lässt sich
gar nicht verändern, wenn die vorherrschende Moral in den Streitkräften
wie die heutige ist.
Eindrücke:
Jeder Bürger mit Handy kann sie aufzeichnen. Auf der Schnellstraße von
Tampico nach Matamoros fahren Konvois aus jeweils vier oder fünf
schwarzen Lastern. Sie sind seitlich mit den Initialen CG markiert, Cártel
del Golfo, Golfkartell!
Firmen,
die Schutzgeld erpressen
Heute
ist das Drogengeschäft nicht nur ein Dutzend bewaffnete Gruppe, die
einen der bedeutendsten Wirtschaftsbereiche Mexikos beherrschen. Es sind
Firmen, die Schutzgeld erpressen.
So
zum Beispiel im Fall aller Kaufleute von Cancún. Sie beherrschen alle
Straßenverkäufer in Monterrey. Sie sind die Justiz in ganzen
Siedlungsgegenden von Michoacán, wo La Familia misshandelnde Ehemänner
und Schäden verursachende Schuldner unter Druck setzt (lest bitte die
Meldungen von Arturo Cano in La Jornada). Sie üben die Kontrolle auf
den großen Bundesstraßen aus, wo Straßenbenutzungsgebühren erhoben
werden. Sie bieten Restaurant-Betreibern in Ciudad Juárez an und
stellen gegen Schutzgeld für sie sicher, dass weder Hygiene- noch
Steuerkontrollen bei ihnen stattfinden.
Sie
beherrschen den Menschenhandel und die Schleusungen sowie die
schlimmsten Entführungen weltweit. Sie bieten Jugendlichen in
grenznahen Gegenden bestbezahlte Jobs. In einem sehr großen Teil des
Territoriums Mexikos sind sie der Staat im Staate! Sie ersetzen einen
misshandelnden und unterdrückenden Staat durch einen anderen
misshandelnden und unterdrückenden Staat. Jeder dieser Staaten gründet
sich auf Missbrauch und Korruption.
Ein
Mechaniker der Rolltreppe in Chihuahua zahlte dem Drogenhändler 200
Pesos pro Woche für die Benutzung des Gehwegs mit seinem Wagen. Vorher
zahlte er 300 Pesos an die Polizei dafür. Wer kostet wie viel.
Warum
soll ein Uniformierter im Gefängnis sein, wenn er doch gar nicht den
Wahlbetrug begangen hat, welcher dem Volk seine Bestimmung nahm? Wenn er
mit seinem spärlichen Gehalt keine drei Schlösser in Frankreich
kaufte. Solange der mexikanische Staat seinen Bürgern keine ehrliche
Beziehung gewährleisten kann, kann man keinen Krieg gegen die
Drogenbarone führen.
Eindrücke:
Einige Kinder auf einem Foto auf der ersten Seite von La Jornada zeigen
ein Plakat, auf welchem steht: „Liebe Könige, wir wollen nicht den
Krieg von Calderón.“
Aber
es reicht nicht, ihn nicht zu wollen. Man muss ihn stoppen. Und dies
bedeutet, unter anderem, die acht Probleme zu lösen, die hier dargelegt
sind.
Foto:
Nach einer Verfolgungsjagd von über zwei Kilometern töteten Polizisten
aus Coahuila gestern auf der Schnellstraße Saltillo-Torreón einen
Menschen von 24 Jahren, welcher einen Laster von Saúl Vara Rivera fuhr,
dem kürzlich ermordeten Bürgermeister von Zaragoza aus dem gleichen
mexikanischen Bundesstaat
Foto
Alberto Puente
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/
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