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Kapitalistische
Marktwirtschafter panschen Milch -
(nicht
nur) in China
Von
rws (Berlin)
kommunisten-online
vom 20. September 2008 - In
der Marktwirtschaft des „harmomischen“ (sprich: dem der neuen
Bourgoisie) Sozialismus gibt es keine (zukünftige)
gesellschaftspolitische Harmonie; ebenso wenig in Japan, USA,
Neuseeland*, Deutschland und EU-Europa!
Profitorientierte
Milchpanscherei, stand und steht überall und zu allen Zeiten in hoher
Konjunktur, so auch in Europa!
Mit
Melamin, eine Chemikalie, die in der Herstellung von Plastik, in
Reinigungsmitteln und als Kunstharz (auch in der Möbelindustrie)
Verwendung findet, lässt sich minderwertige oder verwässerte Milch
aufwerten: der enthaltene Stickstoff täuscht einen hohen Proteingehalt
des kontaminierten Materials vor. Die Milch gilt damit als hochwertig
und kann profitabel verkauft werden!
Als
Beimengung zu Hunde- und Katzennahrung ist Melamin im Frühjahr 2007
auffällig geworden, die in die USA exportiert worden war. Auch hatte
eine Verfütterung von Melamin an tausenden Schweinen stattgefunden und
ist somit fortgesetzt in die damit kontaminierte Nahrungskette, als zukünftig
noch gesundheitlich folgenschwerer Wirkstoff, geraten. Auch muss
man (weltweit) damit rechnen, dass die Substanz als illegale Beimengung
zu Kraftfutter dient. Der profitablen und bewusst mörderischen realen
Praxis sind keine Grenzen gesetzt (die nüchterne Realität)!
Die
„Beijing Rundschau“ schreibt unter anderem: „In seinem Kommentar
in der >China Daily< vom 15. September stellt der Journalist You
Nuo die Wirksamkeit des Systems der Lebensmittelkontrolle in Zweifel und
macht sich für eine Ergänzung der staatlichen Überwachungsmaßnahmen
durch Nichtregierungsorganisationen stark“. You Nuo, in seinem
Kommentar in der „China Daily“ schreibt: „Es sollte eine dritte
Kraft der Qualitätskontrolle ins Leben gerufen werden, die durch unabhängige
Experten, Verbraucherorganisationen und Industrieverbände gebildet
wird. Sie sollte immer auf der Hut sein und direkte Kontakte zur
landesweiten Presse unterhalten, damit Regierung und Gesellschaft
rechtzeitig alarmiert werden können.“
Meine
Meinung hierzu: Alleine mit sozialdemokratischen Reformen der
kapitalistischen Gesellschaftsordnung und analogen Gesetzgebung und
Kontrolle, nicht nur in China, kann man das Problem der bewussten
Nahrungsmittelvergiftung, aus Profit-, Absatz- und Konkurrenzgründen,
nicht lösen. Auch in China, ebenso in den USA, Japan, Russland,
Deutschland und EU-Europa, bedarf es einer gesellschaftspolitischen -
sozialen, ökologischen und ökonomischen - Umwälzung und Aufhebung der
bestehenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Nur auf der Grundlage
des gesellschaftlichen Eigentums aller entwickelten Produktionsmittel
und Produktionsverhältnisse, auch in der Nahrungsmittelindustrie - auf
der Grundlage gesunder (gesellschaftlicher) Nahrungsmittel, gibt es für
die Zukunft eine Lösung.
Anmerkung
zum möglichen Gegenargument: Natürlich muss man schnelle und wirksame
durchgreifende Lösungen sofort gezielt umsetzen, ohne Rücksicht auf
die beteiligten Personen und Kapitalinteressen!
Der Weg des „harmonischen“ Bourgeoissozialismus, des Kapitalismus
und Imperialismus, dient ausschließlich den privaten Eigentums,
Kapital und Profitinteressen einer gesellschaftlichen Minderheit, zum
Nachteil der Mehrheit der werktätigen Bevölkerungen; dient der
Bourgeoisie, deren Administration und Kollaborateuren; - so auch den
deutschen „harmonischen“ Freundschafts-Ideologen, Antikommunisten und
Faschisten.
Für die „Beijing Rundschau“ - am 18.09.2008 - hat Matthias
Mersch einen lesenswerten Bericht geschrieben: „Milchskandal und das
Vertrauen der Verbraucher“ -
*An den Verbrechen in China und anderen Ländern sind auch neuseeländische
Milch-Profiteure beteiligt. - Bericht aus der „Beijing
Rundschau“ lesen
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Milchskandal
und das Vertrauen der Verbraucher
von
Matthias Mersch
Quelle:
Beijing
Rundschau vom 18.09. 2008
Der
Skandal um Melamin in Milchpulver aus China weitet sich aus: bislang
sind drei Babys nach der Bildung von Nierensteinen an akutem
Nierenversagen gestorben, 6244 Säuglinge sind erkrankt. Mit Melamin
verseuchtes Milchpulver des Marktführers Sanlu
steht dabei als Verursacher nicht allein am Pranger. Von einer Rückrufaktion
sind mittlerweile 22 Hersteller von Milchpulver betroffen, darunter
Mengniu (und sein skandinavischer Partner Arla), Yili, Yashili, Qingdao
Suokang und Bright Dairy. In einer Pressekonferenz gab Chinas oberster
Lebensmittelwächter Li Changjiang am Mittwoch bekannt, dass Gebinde des
kontaminierten Pulvers auch in den Export geraten sind: Bangladesch,
Jemen, Myanmar, Burundi und Gabun stünden auf den Lieferlisten. Bisher
seien in China tonnenweise Milchpulver vor allem der Firma Sanlu aus dem
Verkehr gezogen worden. Rund 5 000 Inspekteure seien landesweit auf der
Suche nach Ladenbeständen des tödlichen Milchpulvers, 10 000 Kinder
sollen bislang in Reihenuntersuchungen untersucht worden sein.
Angeblich
wurden bereits vier Molkereibesitzer oder Bauern verhaftet, die
gestanden haben sollen, große Mengen Milch mit der Chemikalie versetzt
zu haben. Andere Quellen sprechen von insgesamt 19 Verhaftungen, unter
den Festgesetzten befindet sich auch die Generalmanagerin von Sanlu,Tian
Wenhua. Ihrer Ämter enthoben wurden Ji Chuntang, der Bürgermeister von
Shijiazhuang, Zhang Fawang, stellvertretender Bürgermeister und
verantwortlich für die Landwirtschaft, sowie Zhang Yi, Direktor der örtlichen
Lebensmittelkontrolle. Shijiazhuang ist die Hauptstadt der
nordchinesischen Provinz Hebei und Sitz der Sanlu Gruppe.
Was
hier wie rasches und entschlossenes Handeln der chinesischen Regierung
aussieht, hat in Wirklichkeit aber eine erstaunlich lange Vorgeschichte.
Yang
Chongyong, Vizegouverneur von Hebei, wirft den Lokalbehörden von
Shijiazhuang vor, „die Öffentlichkeit nicht rechtzeitig von diesem
gravierenden Fall mangelnder Lebensmittelsicherheit unterrichtet zu
haben.” Sanlu habe den Behörden Details des Vorfalls bereits am 2.
August, also kurz vor Beginn der Olympischen Spiele, mitgeteilt,so hieß
es in der Zeitung „The New Zealand Harald”. Sanlu seinerseits hat es
jedoch ebenfalls vorgezogen, gegenüber der Öffentlichkeit zu
schweigen. Es erging aber lediglich eine Rückrufaktion an den
Einzelhandel.
Fonterra,
der neuseeländische Erzeuger von Milchprodukten, der mit 43 Prozent an
Sanlu beteiligt ist, sitzt mit drei Mitgliedern im Aufsichtsrat des
chinesischen Unternehmens, von dem es am 2. August über den Nachweis
von Melamin im Milchpulver in Kenntnis gesetzt wurde. Den Weg nach
Neuseeland scheint diese Nachricht aber nicht leicht gefunden zu haben:
die neuseeländische Botschaft in Beijing habe zwar am 14. August vom
Vorfall Kenntnis erlangt, sich jedoch nicht veranlasst gesehen, dies
nach Auckland durchzureichen. Fonterra wandte sich erst am 5. September
an das Büro der neuseeländischen Premierministerin Helen Clark, die
nach einer Regierungssitzung am 8. September den Botschafter des Landes
in Beijing angewiesen hat, die chinesische Regierung zu informieren.
Nicht
nur die „Grünen” im Parlament in Auckland fragen nun Fonterra,
warum es die Schadensmeldung über einen Monat unter der Decke gehalten
habe.
Andrew
Ferrier, CEO von Fonterra, antwortet in der Art eines antiken Orakels:
man habe, so zitiert ihn der ”New Zealand Herald”, „nicht gesehen,
wie wir einen angemessenen Einfluss auf die Entscheidung hätten nehmen
können, die Ware aus den Regalen der Supermärkte zu räumen. Wir
hatten keine Gewähr dafür, dass wir bei einer Aktion außerhalb des
Systems irgendetwas hätten ausrichten können.“
Die
Erklärung, was es mit diesem ominösen „System“ auf sich hat,
liefert vielleicht Steve Dickinson in der neuseeländischen Zeitung „The
Dominion Post“. Der erfahrene Anwalt ist seit den frühen achtziger
Jahren mit den Gepflogenheiten der chinesischen Lebensmittelindustrie
vertraut: „Die Wirklichkeit sieht doch so aus: wenn du eine
43-prozentige Beteiligung an einem Betrieb in China hast, bist du ein
Nichts. Du weißt nichts, du hast keinerlei Macht.“
Doch
damit nicht genug: der Fall scheint eine noch viel längere
Inkubationszeit zu haben, seine Ursprünge liegen weit vor Anfang August
und sollen auf Februar oder März 2008 zu datieren sein. Die „Dominion
Post” stützt sich dabei auf Angaben von Jamil Anderlini, Beijinger
Korrespondent der „Financial Times”. Dieser schätzt Berichte als
glaubwürdig ein, in denen davon die Rede ist, dass eine betroffene
Familie in einer Internet-Aktion auf das verdächtige Milchpulver
hingewiesen habe, von Sanlu und chinesischen Behörden aber eingeschüchtert
worden sei. „Offensichtlich gab es ein paar chinesische Reporter, die
darüber schon vor Monaten recherchiert haben, aber von der Regierung
zurückgepfiffen worden sind. Die inzwischen verhaftete Generalmanagerin
von Sanlu Tian Wenhua soll die Behörden bereits Anfang Juli über die
Verunreinigung informiert haben.
Die
Äußerung des Parteisekretärs und stellvertretenden
Gesundheitsminister Gao Qiang, man habe schnell gehandelt, scheint also
mehr einem frommen Wunsch zu entspringen, als den Realitäten. Der Chef
der obersten Aufsichtsbehörde für Lebensmittelsicherheit, Li Changjing,
schätzt es stets, die Sicherheit von Lebensmitteln in Prozentzahlen
auszudrücken: mochte nach seiner Rechnung letztes Jahr wenigstens
„nur” ein Konsument von hundert durch chinesische Lebensmittel gefährdet
sein, sind es seit diesem Mittwoch schon zwanzig: „Ungefähr 80
Prozent der überprüften Milchpulver sind in einwandfreiem Zustand.”
Der
Einfluss Fonterras auf seinen Joint-Venture Partner Sanlu mag begrenzt
sein, aber auch im ureigenen Haus scheint es Probleme zu geben: am 16.
September veröffentlichte Fonterra China, eine hundertprozentige
Tochter des neuseeländischen Stammhauses, eine Mitteilung über eine
„freiwillige Rückrufaktion“, die ein unter dem Markennamen ANMUM
Materna vertriebenes kurioses Produkt betrifft: „prenatal milk“,
also eine Art „Vorgeburtsmilch“. Ihre Einnahme wird schwangeren
Frauen empfohlen, zu welchem Zweck, bleibt im Dunklen. Die rückgerufene
Ware sei in Lizenz von Sanlu wahrscheinlich auf der Grundlage
verseuchter Milch hergestellt und auf Chinas Festland vertrieben worden.
Andere Artikel des Unternehmens seien von der Rückrufaktion nicht
betroffen, da sie ausschließlich mit neuseeländischer Milch
hergestellt worden seien.
Es
lohnt sich, einen etwas genaueren Blick auf den Erzeuger „pränataler
Milch“ zu werfen. Fonterra ist ein ungewöhnliches Unternehmen: seit
Dezember 2005 besteht das Joint-Venture mit Sanlu. Für rund 88 Mio.
Euro haben sich die Neuseeländer in die Milch von Hebei eingekauft.
Heute gilt Fonterra als weltgrößter Händler von Milchprodukten, das
mit rund 5,6 Mrd. Euro umsatzstärkste Unternehmen Neuseelands hat sich
zum Ziel gesetzt, mittelfristig 10 Prozent seines Umsatzes in China zu
realisieren. Südamerika ist ein weiteres Feld seiner geschäftlichen
Expansion. In letzter Zeit aber lief nicht alles so rund für das
Unternehmen, das eine ungewöhnliche Geschichte hat: es ist eigentlich
eine Kooperative von 11 000 milcherzeugenden Landwirten, die über ganz
Neuseeland verteilt sind. Seit knapp einem Jahr gibt es heftig
umstrittene Pläne, die Kooperative unter Wahrung gewisser Privilegien
der Genossen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Schon Ende August,
also vor der offiziellen Bekanntgabe des Milchskandals in China, wurde
ein entsprechender Vorschlag von der Unternehmensleitung zurückgezogen,
da keine Aussicht auf Zustimmung durch die Genossen bestand. Jetzt steht
zu fragen, welche Auswirkungen der Skandal auf den Umbau von Fonterra
haben wird. Ohne Börsengang werden die nötigen Mittel für eine
weitere Expansion auf dem Weltmarkt fehlen.
Aber
zurück nach China und zur Milchpanscherei, die überall und zu allen
Zeiten in hoher Konjunktur gestanden ist: durch Melamin, eine
Chemikalie, die in der Herstellung von Plastik, in Reinigungsmitteln und
als Kunstharz Verwendung findet, lässt sich minderwertige oder verwässerte
Milch enorm aufwerten: der im Melamin enthaltene Stickstoff täuscht
einen hohen Proteingehalt des damit kontaminierten Materials vor. Die
Milch gilt somit als hochwertig.
Im
Frühjahr 2007 ist Melamin schon einmal auffällig geworden als
Beimengung zu Hunde- und Katzennahrung, die aus China in die USA
exportiert worden war. Auch in die Nahrungskette ist der Wirkstoff
geraten, da eine Verfütterung an mehreren tausend Schweinen
stattgefunden hat. Zudem muss man damit rechnen, dass die Substanz als
illegale Beimengung zu Kraftfutter dient. Auch wenn sich die
amerikanischen Behörden damals zunächst zurückhaltend zu den
Gesundheitsrisiken durch Melamin äußerten, wurde ein Importverbot von
Tiernahrung aus China verfügt, das sich durch den Tod etlicher
Haustiere durch Nierenversagen als gerechtfertigt erwies. Dem üblichen
Reflex der „Schadensbegrenzung“ durch Zurückweisung eines
Zusammenhangs mit dem eigenen Produkt folgte die chinesische Regierung
auch damals. Am 29. April 2007 zitiert „USA Today“ eine
Verlautbarung des chinesischen Außenministeriums: „Es gibt keine
eindeutigen Beweise dafür, dass Melamin in Zusammenhang mit der
Vergiftung oder dem Tod von Haustieren steht.“
In
seinem Kommentar in der „China Daily“ vom 15. September stellt der
Journalist You Nuo die Wirksamkeit des Systems der Lebensmittelkontrolle
in Zweifel und macht sich für eine Ergänzung der staatlichen Überwachungsmaßnahmen
durch Nichtregierungsorganisationen stark: „Es sollte eine dritte
Kraft der Qualitätskontrolle ins Leben gerufen werden, die durch unabhängige
Experten, Verbraucherorganisationen und Industrieverbände gebildet
wird. Sie sollte immer auf der Hut sein und direkte Kontakte zur
landesweiten Presse unterhalten, damit Regierung und Gesellschaft
rechtzeitig alarmiert werden können.“
Es
mangelt nicht an Gesetzen, Vorschriften und Ausführungsbestimmungen zur
Lebensmittelsicherheit in China. Das System krankt vielmehr an unklar
definierten Zuständigkeiten, überlappenden Kompetenzen und Schwerfälligkeit
der Verwaltung. Allein auf der Ebene der Zentralregierung gibt es fünf
Ministerien und Behörden, die jeweils einen Zipfel der Zuständigkeit für
Fragen der Lebensmittelsicherheit in Händen halten. Während der
Olympischen Spiele konnte für Beijing ein aufwändiges aber wirksames
System der Lebensmittelüberwachung implementiert werden. Den Babys aus
der armen Provinz Gansu und dem wohlhabenden Zhejiang hat dieses System
nicht das Leben retten können.
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