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Die Lobby sitzt in Brüssel mit am Tisch und rafft sich die Taschen voll

Leserbrief zum Preiswucher bei Molkereiprodukten 

Von Reinhard Stranz (1. August 2007)

Liebe Redaktion,

bei diesem Lebensmittelpreiswucher ist es angebracht Ross und Reiter zu nennen.

Vor kurzem noch geisterte durch die Medien ein Bericht vom Hunger in Afrika und dessen Ursachen.

Da geben Bauern auf, verlassen die Dörfer und flüchten nach Europa. Der Grund, in den Regalen in Afrika taucht Milchpulver, Fleisch aus Europa auf zu Dumpingpreisen, drauf steht zum Beispiel ALA. Möglich ist dies, weil in Brüssel die EU jährlich mit rund 40 Milliarden € den Export von Milchprodukten von unseren Steuergeldern subventioniert. Das Ergebnis, Milchprodukte hier werden knapp, also erhöht man den Preis dafür und langt noch einmal hin. Doch schlimmer noch, wer sich die Subventionen in die Tasche steckt, ist nicht der Bauer hier, sondern die Agroindustrie.

Diese Lobby sitzt in Brüssel mit am Tisch und rafft sich die Taschen voll. Die Agroindustrie hat einen Namen. Das sind Fleischgiganten wie VION oder Nestlé. Erst kürzlich schmückte die Wirtschaftsförderung Lüneburg die Fleischheuschrecke VION. Jetzt herrscht dort gähnende Leere. VION weg , Subventionen auch.

Doch diese Irreführung der Öffentlichkeit, besonders der Bauern, gipfelt in den Sprüchen des Bauernverbandspräsidenten Sonnleitner, der von Gewöhnen an die hohen Preise spricht, aber auch der GRÜNEN Politiker im Europaparlament Dr. Graefe zu Baringdorf stellt sich hin und behauptet diese Subventionen wären zu Ende. Aber gerade erst hat die EU-Kommission das Subventionsverfahren vereinfacht. Und der Verband der Milchviehzüchter, der eigentlich als erster auf die Barrikaden gehen müßte für seine Mitglieder, verbreitet nur lauwarme Töne.

Und wenn China deutschen Milchdurst haben sollte, auch dort stehen wegen der Landflucht die Felder leer.[1]

Man sollte sich merken, Globalisierung ist nur eine Einbahnstraße, fairer Handel auf Gegenseitigkeit gibt es nicht. Von der Festung europäische Agroindustrie geht Hunger in die Welt raus. Würden Agrarprodukte aus den Hungerländern wettbewerbsgerecht auch hier erscheinen, käme das den Verbraucher zu Gute. Agroindustrie samt Bauernverband aber hauen den Bauern in die Pfanne, treiben ihn in den Ruin. Wir Verbraucher müssen den teuren Ramsch bei den Discountern kaufen. Und die Agroindustrie hat die EG-Normen so frisiert, dass wegen unbezahlbarem Aufwand die Bauern nicht direkt vermarkten können. Einer der gegen die Großkopfteten der Agrarindustrie kämpfte, speziell Nestlé, war Gotlieb Duttweiler in der Schweiz mit seiner MIGROS Genossenschaft. In den 20er Jahren fuhr er sogar mit seinen Verkaufswagen durch Berlin bis ihn Oetker mit Hitler verjagte. Heute nun hat eine Bande von Managern die MIGROS Genossenschaft zerschlagen. Duttweiler selbst einmal Kaffeebauer in Brasilien, kämpfte stets für gute Preise für die Bauern.

Zum Beispiel kaufte sie ganze Ernten von Frühgemüse aus Albanien. Dann war einmal Schluss. Die Bauern in Albanien blieben auf ihrer Ernte sitzen und flüchteten in die Stadt. Heute ist Albanien wieder das Armenhaus Europas.

In Mechtersen gab es einmal 11 Milchbauern, heute sind es nur noch zwei. Nestlé läßt grüßen!

Dafür kommt Strom aus der Steckdose, Milch aus dem Supermarkt. Nach dem letzten Kriege konnte auch ich als Säugling überleben, weil es auf dem Lande noch Bauern gab und etwas zu Essen, in den ausgebombten Städten dagegen nichts.

Eine durch Klimawandel und Agrarindustrie zerstörte Landschaft wünsche ich mir nicht.

Reinhard Stranz


[1]  Zu erwähnen wäre, dass Milch und Milchprodukte in der Ernährung der Chinesen keine Rolle spielen. Rinderhaltung, also auch Milchviehzucht, ist in China so gut wie unbekannt. Folglich können die Chinesen uns gar nicht die Milch wegtrinken, Butter und Käse wegessen, das tun sie auch nicht. (Anmerkung Roter Webmaster)

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