|
Der
Große Vorsitzende an den kleinen Vorsitzenden
MLPD-Chef
Stefan Engel schreibt einen Brief
Von Günter Ackermann/1.
Juni 2005
zum
Text
|
Klaus
Ernst ist Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Wahlalternative Arbeit &
soziale Gerechtigkeit (WAsG). |
„Diesen
Kapitalismus muss man gestalten”
Klaus
Ernst
 |

|
|
Die
Möchtegern-Mitgestalter des Kapitalismus:
Stefan
Engel (MLPD), Oskar Lafontaine (Ex-SPD), Heinz Stehr (DKP)
(unten. v. l. n.r.) |
|

|

|

|
Der
Große Vorsitzende schreibt an den kleinen Vorsitzenden
MLPD-Chef
Stefan Engel schreibt einen Brief
Von Günter Ackermann/1.
Juni 2005
Stefan Engel, Vorsitznder
der MLPD, schreibt an den
umtriebigen Klosterschüler Oskar Lafontaine:
„Wir würden diese Kandidatur (die
der MLPD), Red. K-online) allerdings zurückstellen, wenn es tatsächlich gelänge,
ein linkes Wahlbündnis aller relevanten linken Parteien mit Ihnen an
der Spitze zustande zu bringen.“
Oskar
Lafontaine wird vom Ex-Vorsitzenden der SPD zum Quasi-Vorsitzenden der
MLPD befördert. Das alles zusammen mit der PDS und WASG, wobei
allerdings noch die DKP kommen soll – jedenfalls folgt man dem
DKP-Chef Stehr (siehe). Dieser MLPD-WASG-PDS-DKP werden noch jene
kommen, sie simpel genug denken, hier käme unter der Herrschaft des Bäckersohns
Lafontaine wirklich etwas Linkes heraus.
Der
Große Vorsitzende Engel sieht zwischen ihm und Oskar „wesentliche
Übereinstimmungen im Kampf gegen Hartz IV, das als Ganzes zurückgezogen
werden muss, einer tatsächlichen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf
Kosten der Unternehmergewinne, einer Verteidigung der sozialen
Errungenschaften der Arbeiterbewegung, einer aktiven Friedenspolitik,
einem aktiven Schutz der natürlichen Umwelt und einem Vorrang für
Kreislaufwirtschaft und erneuerbarer Energie, einem aktiven Kampf für
wirkliche Gleichberechtigung der Frauen, im antifaschistischen Kampf
usw.“
Also
das ganze politische Spektrum wird abgedeckt. Da sind die Unterschiede
zweitrangig:
„Zwischen
den Parteien gibt es selbstverständlich auch wesentliche strategische
Unterschiede, die allerdings in der jetzigen Situation zur Schaffung
einer neuen linken Opposition zurückgestellt werden müssten.“
Was
meint er wohl damit? Was will Engel einfach mal unter den Teppich
kehren? Nehmen wir zwei Beispiele aus dem Programm der MLPD, die Engel
„zurückstellen“ müsste und es wohl auch will:
„Erst
durch den Sturz der kapitalistischen Herrschaft und den Aufbau der
sozialistischen Gesellschaftsordnung werden alle Formen der Ausbeutung
und Unterdrückung der werktätigen Massen abgeschafft. Die
Wirtschaftskrisen und die Kriegstreiberei werden überwunden, die
Produktivkräfte von den kapitalistischen Fesseln befreit und die
Einheit von Mensch und Natur wiederhergestellt und höherentwickelt.“
Das
müsste Engel garantiert zurückstellen – wenn er es nicht bereits
getan hat. Denn weder Oskar, noch die PDS und schon gar nicht WASG haben
vor, den Kapitalismus zu stürzen. Im Gegenteil, sie wollen – und
sollen – dazu beitragen, den Kapitalismus zu erhalten.
Auch
zurückgestellt werden müsste dieses im Programm formulierte Ziel der
MLPD:
„Die
Arbeiterklasse muss nach dem Sturz der Diktatur der Monopolkapitalisten
und der Eroberung der Staatsmacht die Diktatur des Proletariats
errichten und die Produktionsmittel in gemeinsames Eigentum des gesamten
werktätigen Volkes
überführen.“
Wir
wollen Oskar und den anderen ja nicht Böses unterstellen. Jedoch weder
mit Revolution, schon gar nicht mit der Diktatur des Proletariats und
die Übereignung der Produktionsmittel in die Hände des Proletariats
haben sie was am
Hut.
Stefan Engel meint. Man könne es im Zuge der Einheit aller mal eben zurückstellen.
Geht
das überhaupt, kann eine kommunistische Partei mal eben das Ziel der
proletarischen Revolution „zurückstellen“?
Marx
und Engels schreiben im Kommunistischen Manifest:
„In
allen diesen Bewegungen heben sie die Eigentumsfrage, welche mehr oder
minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge, als die
Grundfrage der Bewegung hervor.
Die
Kommunisten arbeiten endlich überall an der Verbindung und Verständigung
der demokratischen Parteien aller Länder.
Die
Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu
verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht
werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen
Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer
kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr
zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
Stefan
Engel preist Oskar Lafontaine die parlamentarischen Erfahrungen in der
Kommunalpolitik an. Er meint, dass es in verschiedenen
Kommunalparlamenten eine AUF gibt. AUF gibt an, nichts mit der MLPD zu
tun zu haben und vollkommen selbständig zu sein – auch, wenn z.B. in
Gelsenkirchen das MLPD-ZK-Mitglied und Ehefrau des Großen Vorsitzenden Monika
Gärtner-Engel sowohl AUF-Oberbürgermeister-Kandidatin war, wie auch
AUF-Ratsfrau ist.
Meint
Engel im Rahmen der engen Familienbande da von den Erfahrungen seiner
Frau für die Partei etwas abbekommen zu haben oder meint er, AUF sei
eigentlich nur eine Tarnorganisation der MLPD? Jedenfalls weder in der
Wahlwerbung während der Kommunalwahlen 2004 und auch nicht in der
aktiven Kommunalpolitik hat sich AUF bisher als besonders links präsentiert.
Der unbefangene Beobachter hält AUF für eine Art WASG in der
Kommunalpolitik.
Meint
Engel etwa, sein Liebesbrief an Oskar solle so etwas wie AUF nun auch
auf Bundesebene werden?. Oskar als Spitzenmann, daneben Bisky, Gysi
von der PDS und Engel mit Stehr von der DKP gemeinsam im Bundestag. Die
große Einheitsfront von Reformisten Revisionisten, Klassenversöhnlern
und kleinbürgerlichen Träumern.
Das
könnte spannend werden. Noch 2004 hat die MLPD zwei
Montagsdemonstrierer aus Leipzig wegen Beleidigung verklagt. Die könnte
Engel und seine Gattin nun wiedertreffen.
Zum
Schluss des Liebesbriefes nach Saarbrücken schreibt der
MLPD-Vorsitzende:
„Ich
glaube, dass es Millionen gibt, die die Einheit der Linken bei den
Bundestagswahlen begrüßen würden.“
Darin
sind gleich mehrere Denkfehler.
1.
Dass die „Millionen“ im Kapitalismus der Manipulation der Medien
ausgesetzt sind und ihnen wichtiges Hindergrundwissen verwehrt bleibt, führt
– Engel mag’s bei Lenin nachlesen – dazu, dass sie
nur-gewerkschaftliches Bewusstsein entwickeln, aber noch lange kein
kommunistisches. Das müsste der Vorsitzende einer Partei, die sich
marxistisch-leninistisch nennt, eigentlich wissen.
Folglich halten sie das für links und oppositionell, was ihnen die
bürgerlichen Medien als solche verkaufen.
2.
Aus einem Bündnis MLPD-WASG-PDS-DKP
unter dem Vorsitz Oskar Lafontaines muss nichts Linkes herauskommen. Es
ist eher unwahrscheinlich. Dass da nichts herauskommt, was auch nur die
Ausgangslage für Kommunisten verbessert, halte ich für sicher.
3.
Der dritte Denkfehler ist, dass es nicht um die Einheit der Linken
geht. Sie sind ein buntscheckiges Konglomorat
der verschiedensten Richtungen. Deren Einheit kann es nicht geben und, wenn
überhaupt, dann eine Aktionseinheit. Aber dazu bedarf es eines Kerns, der weiß,
wo es lang geht, eines kommunistischen Kerns. Also einer starken
Kommunistischen Partei. Das aber kann und wird die MLPD nicht sein, denn
diese kommunistische Partei wird ihre revolutionären Ziele nicht
je nach Bedarf rausholen oder zurückstellen können und wollen.
4.
Engel erweckt in seinem Brief den Eindruck, durch die von ihm
beschworene Einheit der Linken könne man die sozialen Schweinereien der
Schröder-Regierung und die neuen der Merkel-Regierung zurücknehmen
oder verhindern. Er meint, das könne durch die
durch eine MLPD-WASG-PDS-DKP-Bundestagsfraktion erreicht werden.
Sicher, wenn sich eine entschiedene Opposition im Parlament mit einer
ebenso entschiedenen kämpferischen Massenbewegung außerhalb des
Parlaments ergänzen würden, wäre das von Nutzen.
Aber das müsste eine kommunistische Partei sein.
Ich
habe da gelinde Zweifel, ob das bei diesem Kreis gewollt ist. Nicht nur,
weil weder Oskar, noch die PDS und WASG das wirklich wollen. Sie wollen
brav im Parlament dagegen stimmen, aber nichts dagegen machen.
Die
DKP ist in weiten Teilen kaum politikfähig und steht unter einer
revisionistischen Führung, die ihre Partei im Schlepptau der PDS halten
möchte.
Und
die MLPD hat 2004 zwar einen Teil der Montagsdemos beeinflusst, aber das
unter reformistischen Losungen und Zielen. Das hat dazu geführt, dass
die ursprüngliche Massenbewegung mehr und mehr versandete und schließlich
sanft entschlief.
Die MLPD-WASG-PDS-DKP
soll, folgt man Stefan Engel, dann die Bewegung gegen den Sozialraub
anführen? Nein, danke, lieber nicht. Die Niederlage ist
vorprogrammiert.
Kommunisten
sollten stattdessen diese Einheitsbesoffenheit nicht mitmachen und sie
auch nicht fördern. Sie sollten mit richtigen Argumenten an die Öffentlichkeit
gehen und sich zusammenraufen. Sie müssen Massenkampf, Massenwiderstand
und die Organisierung des Klassenkampfs auf ihre Fahne schreiben. So
gehört es sich und nicht der Vereinsmeierei frönen.
Massenkampf,
Massenwiderstand und die Organisierung des Klassenkampfs aller
Kommunisten wäre auch die Aufgabe der MLPD, wäre sie das, was sie
vorgibt, nämlich marxistisch-leninistisch. Ich zweifle aber immer mehr
daran.
Das
würde zehnmal mehr für die Menschen unseres Landes einbringen, als tausend Oskars Hand in Hand mit tausend Stefan Engels.
Wir brauchen
keinen Club von Reformisten, Revisionisten und Rechtsopportunisten, wir
brauchen eine KPD!
|