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Judäische Volksfront
Wie zieht man einem Bündnis
den Zahn?
Leute, so schwer ist das gar nicht! Jedes Bündnis
lässt sich klein kriegen, ob es mit kommunal-, friedens- oder
sozialpolitischem Anspruch auftritt.
Es gibt viele Möglichkeiten. Und - aufgepasst! - hier haben wir
eine besonders elegante:
Als Grundausstattung braucht man lediglich
ein gut geschultes Mitglied der Judäischen Volksfront (JVF). Keine
Bange, eines reicht – sobald seine Versuche durchschaut sind, das Bündnis
insgeheim auf seine Strategie festzulegen, haben politisch erfahrene
Mitstreiter die Lust verloren.
Unser sympathisches JVF-Mitglied zeichnet
sich durch Fleiß und Zuverlässigkeit, weniger durch Ideenreichtum und
politisches Gespür aus. Es reißt sich darum, Extra-Arbeiten für das Bündnis
zu übernehmen: Texten von Flugblättern (die Vorlagen holt man sich
fix per Internet aus Gelsenkirchen) oder Formulieren von
Grundsatzerklärungen und Statuten (die sich, wie man später
erstaunt feststellt, fast wortgleich bei JVF-„Bündnissen“ wieder
finden).
Erstes Ziel unseres Mannes ist es, von
Anfang an die Weichen in Richtung JVF-Strategie zu stellen. Beginnen wir
mit der Namensfindung. Was liegt näher, als das Bündnis „RUNTER“
zu taufen (rrradikal-unabhängig-nebulös-theorielos-eloquent-redefreudig)?
„RUNTER -Bündnisse gibt es haufenweise“, erfahren wir überrascht.
„Alles ganz breite Bündnisse, bei denen sogar die DKP mitmacht!“
Die allerdings weiß nichts von irgendwelchen Bündnissen mit der JVF.
Erstaunlich auch, dass man im Internet keinen Haufen, sondern nur ein Häufchen
dieser bundesweit revolutionären Volksbewegung findet.
Grundsatzerklärung und Statut sind für unseren Mann wichtige Hebel.
Ist dort doch mit der harmlosen Passage „das Bündnis ist überparteilich,
das heißt keiner weltanschaulichen Richtung verpflichtet“ eine
Art politisches Immunsystem eingebaut, das jede Kritik an
JVF-Machenschaften als statutenwidrig denunzieren lässt. Genial! Unser
Mann hört es offenbar auch nicht gerne, wenn man ihn öffentlich mit
seiner Partei und deren Strategie in Verbindung bringt – da ist es
schon besser, sich in der Vorstellungsrunde des Bündnisses als nur
„der JVF nahe stehend“ zu präsentieren. Was zur allgemeinen
Heiterkeit beiträgt. Es ist halt wie im Film „Das Leben des Brian“ (Monty Python): Always
look at the bright side of life … Politik
muss schließlich auch Spaß machen.
Hat man ihn dabei erwischt, wie er das Bündnis
für die JVF vereinnahmen will, entwickelt er neue Qualitäten,
die ihn für eine Familiensoap im Vorabendprogramm
qualifizieren. Einfach genial, wie er es versteht, die Unschuld
zu mimen, den Unverstandenen, das Opfer böser DKP-Machenschaften. Unser
JVF-Mann ist halt ein flexibler Bursche, er lässt sich auch durch Rückschläge
nicht entmutigen. Wird er überstimmt, schließt er sich blitzschnell
der Mehrheitsmeinung an, wird er vorne heraus geworfen, kommt er durch
die Hintertür wieder hinein. Jeder Staubsaugervertreter würde vor Neid
erblassen.
Seiner Rhetorik merkt man gründliche
Schulung an – er redet viel, schnell, lange. Und mit Vorliebe über
die Tagesordnung. Damit das Publikum nicht zu kurz kommt, wird alles
mindestens einmal wiederholt. Sind die Zuhörer erst einmal genügend
narkotisiert, heben sie bei der Abstimmung entnervt die Hand – auch
wenn sie gar nicht so recht verstanden haben, worum es unserem
Volksfreund eigentlich genau ging.
Parteiauftrag erfüllt, unser Freund kann
der JVF-Zentrale in Gelsenkirchen voller Stolz Vollzug melden. Und
weitere Anweisungen entgegennehmen. Was ja ganz praktisch ist, erspart
ja eigenes Denken.
Was ist denn jetzt eigentlich diese JVF?
Kommunistische Partei? Verein von Volksfreunden? Politische
Folkloretruppe? Autistische Sekte? Philantropischer Geheimbund? Werden
in den Parteisitzungen Mysterien und exorzistische Rituale gefeiert?
Wird zur Götterdämmerung im Schneidersitz inbrünstig „OM“
gemurmelt? Immerhin, eine Affinität zum Religiösen scheint vorzuliegen
– außer der katholischen Kirche leistet sich in Deutschland nur noch
die JVF ein ZK.
Man weiß leider nicht genau, was die JVF
eigentlich ist. Ihre Sitzungen finden im Geheimen statt, ihre
theoretischen Papiere sind spärlich und zeichnen sich durch
schablonenhafte Formulierungen aus. Aber verdammt modern sind sie,
unsere wackeren Revolutionäre. Irgendjemand in der Parteizentrale muss
mal ein Buch über Werbepsychologie gelesen haben.
Gründer der Partei ist der verstorbene Jupp
Dünnmütze (der große Vorsitzende habe ihn selig), dem die JVF
sogar ein eigenes Museum eingerichtet hat. Es wird gemunkelt, der
Gelsenkirchener Kommunal-Ableger der JVF, die von Parteichefs-Gattin
Monika Luzifer geführte RUNTER, wolle sogar den Bau eines Mausoleums
betreiben. Geld dafür ist genug da, die Partei soll ein Vermögen von
etwa acht Millionen Euro haben (Woher, zum Teufel? Pardon - zum Engel?).
Das Rätsel JVF ist schwer zu lösen.
Einiges spricht dafür, dass sie eine bizarre Polit-Sekte ist, von denen
wir seit den 70er Jahren ein halbes Dutzend haben untergehen sehen. Für
diese These spricht auch, dass die JVF aus mehreren dieser Sekten, vor
allem der KABD, hervorgegangen ist. Aus der nordrhein-westfälischen SPD
stammt übrigens die von der JVF empört bestrittene Behauptung, die
Partei sei ein besonders geschickt getarnter Scientology-Ableger. Das
wird wohl nicht so stimmen – aber eines scheint ziemlich sicher zu
sein: „Marxisten-Leninisten“, wie sich die JVFler gerne nennen, sind
sie nicht mehr. Dieses Stadium haben sie längst hinter sich gelassen.
Sie sind „Marxisten-Dünnmützisten“.
Die weitere Ausarbeitung dieser theoretischen Weiterentwicklung sollte
die JFV der deutschen Linken nicht vorenthalten. Wir erwarten die
allseitige und umfassende Vertiefung theoretischer Erkenntnisse
und bahnbrechende Impulse für die Bündnisarbeit.
Brian
Himself
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