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Mumia
muß raus!
Von
Jürgen Heiser
JungeWelt
vom 09.12.2011 (auf Kommunisten-online am 10. Dezember 2011)
– Die gute Nachricht am heutigen 30. Jahrestag der Verhaftung
des Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Mumia Abu-Jamal lautet: Das
Todesurteil, das am 3. Juli 1982 gegen ihn verhängt wurde, ist endgültig
vom Tisch! Am Mittwoch erklärte Bezirksstaatsanwalt Seth Williams in
Philadelphia, er werde nicht länger darauf drängen, die Todesstrafe
gegen Abu-Jamal durchzusetzen. Er tat dies im Beisein von Maureen
Faulkner, der Witwe des Polizisten Daniel Faulkner, den Abu-Jamal am 9.
Dezember 1981 erschossen haben soll. Anwesend war auch die rechte
Polizeibruderschaft Fraternal Order of Police (FOP), die noch vor kurzem
»Grillt Mumia!«-Aufkleber verteilte.
Unerwähnt
blieb der wahre Grund, warum die »Law and Order«-Troika sich nun damit
zufriedengeben will, daß Abu-Jamal »bis an sein Lebensende im Gefängnis
bleibt«: Zwischen 2001 und 2011 haben die US-Bundesgerichte mehrfach darüber
befunden, daß das Todesurteil gegen Abu-Jamal »verfassungswidrig« sei,
weil die Jury 1982 im Prozeß falsch instruiert worden war. Die
Geschworenen nahmen damals an, strafmildernde Umstände nur einstimmig
anerkennen zu dürfen und verhängten deshalb die Todesstrafe.
Für
die Bundesgerichte ergab sich aus dem Rechtsfehler unzweifelhaft, daß
schon damals lebenslange Haft als Höchststrafe möglich gewesen wäre.
Sie ordneten deshalb die Umwandlung des Todesurteils in lebenslange Haft
an. Noch in diesem Herbst versuchte die Staatsanwaltschaft, diese
Entscheidung per Antrag zu Fall zu bringen. Sie »stürzte« aber selbst,
als der Oberste Gerichtshof der USA am 11. Oktober 2011 den Antrag zurückwies.
Seit
drei Jahrzehnten hatten Staatsanwaltschaft und FOP nichts unversucht
gelassen, das Recht zu beugen. Sie wollten den zum »Cop killer« erklärten
mutigen Journalisten, der in seiner Arbeit Rassismus und Polizeikorruption
angeprangert hatte und sich auch in der Todeszelle keinen Maulkorb umhängen
ließ, in die Hinrichtungskammer bringen.
Abu-Jamal,
über den seit seiner Arbeit als junger Pressesprecher der Black Panther
Party Ende der 1960er Jahre eine über 700 Seiten umfassende FBI-Akte geführt
wurde, sollte als unbequemer Journalist und Oppositioneller durch ein
politisches Urteil aus dem Verkehr gezogen werden. Er selbst hat immer
erklärt, den Polizisten Faulkner, der seinen Bruder Billy in einer
Verkehrskontrolle mißhandelt hatte, nicht getötet zu haben. Bis zum höchsten
US-Gericht wurden die Unschuldsbeweise jedoch ignoriert. Die
Wiederaufnahme des Verfahrens wurde nicht zugelassen, weil sonst der
Justizskandal von 1981/82 aufgeflogen wäre.
Die
investigativ arbeitenden US-Journalisten Dave Lindorff und Linn Washington
haben in der jW vom 7. Dezember 2011 dargelegt, daß Mumia Abu-Jamal
ungeachtet der immer noch zu klärenden Schuldfrage unter einem
verfassungswidrigen Urteil fast 30 Jahre lang illegal der verschärften
Isolationshaft in US-Todestrakten
unterworfen war. Für Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty
International erfüllen diese Haftbedingungen den Tatbestand der Folter.
Der südafrikanische Bischof Desmond Tutu fordert deswegen dazu auf, sich
einem dringenden Aufruf anzuschließen: »Da nun klar ist, daß Mumia
niemals hätte im Todestrakt sein dürfen, dient es nicht der
Gerechtigkeit, ihn für den Rest seines Lebens ins Gefängnis zu
verbannen. Das ist nur eine andere Form der Todesstrafe.« Unter Berufung
auf die Mindestgarantien der international gültigen Menschenrechte
verlangt Tutu, »Mumia sofort und bedingungslos freizulassen«.
Die
ARD-Tagesthemen nannten Abu-Jamal nun »eine Symbolfigur gegen die
Todesstrafe«. Der Solidaritätsbewegung ist es damit gelungen, nach
jahrzehntelangem harten Ringen um Abu-Jamals Leben und Freiheit den
rassistischen Verfechtern der Todesstrafe als Institution einen Teilsieg
abzuringen. Sie und ihre Bündnispartner von Amnesty International,
deutschem P.E.N.-Zentrum, Gewerkschaften, Partei Die Linke, VVN-BdA und
viele andere stehen nun vor der Aufgabe, Mumia Abu-Jamals Freiheit zu erkämpfen,
ohne im Engagement für die Abschaffung der Todesstrafe nachzulassen.
Einer der Orte für die politische Diskussion dazu ist die jährlich von junge Welt veranstaltete Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin, auf
der Mumia Abu-Jamal seit 1998 durch seine Beiträge präsent ist. Auch auf
der kommenden am 14. Januar 2012 wird er wieder zu Wort kommen. |