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Beiträge auf dieser Seite:

Nazi-Förderer als Kunstmäzene erhalten Abfuhr in Lion

Weiß gewaschen, Quelle: german-foreign-policy vom 19.12.2008

HAMBURG/LYON/BASEL

Mitveranstalterin einer deutsch-französischen Akademie für zeitgenössische Kammermusik in Lion, das Conservatoire national supérieur musique et danse, will kein Geld von Stiftung des Nazi-Förderers Alfred Toepfer – die aber kontern mit „antideutsche Ressentiments“. Die historischen Fakten sprechen aber eine andere Sprache

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Erben von Nazi-Förderer klagen wegen ihrer „Menschenrechte“

von  Gerd Höhne mehr

Menschenrecht mehr

Widerstand gegen deutsche ,,Mäzenaten" mehr

Nicht verstrickt, Quelle: German-Foreign-Policy  26.01.2007 mehr

Nazistiftung macht auf Antifaschismus

Neue Legitimität

HAMBURG/MÜNCHEN/PARIS

(german-foreign-policy vom 27.01.2011) mehr

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Der edle Stifter

Die Lage von Schloss Kalkhorst

links: Schloss Kalkhorst

Im 13. Jahrhundert wurde das Gebiet des Klützer Winkels besiedelt und um 1220 der Bau der Kalkhorster Kirche begonnen. Aus dem Jahre 1729 ist der Beginn des geschlossenen Gutsbesitzes überliefert, der eng mit dem Wirken der Familie von Both verbunden ist. Mit dem Kauf des Rittergutes durch Baron Wilhelm von Biel im Jahre 1848 und der Übergabe an seinen Sohn Baron Thomson von Biel beginnt das neuere Kapitel.

(offizielle Fremdenverkehrswerbung)

Erben von Nazi-Förderer klagen wegen ihrer „Menschenrechte“

von  Gerd Höhne

In Hamburg gibt es eine „Alfred Toepfer Stiftung“. Der Namensgeber und seine Stiftung haben sich während der Zeit des Faschismus aktiv an den Verbrechen der Nazis beteiligt. Der Stifter Alfred Toepfer hat darüber hinaus auch am Mord von Juden ein gutes Geschäft gemacht. Er lieferte z.B. den Löschkalk für die Massengräber der Ermordeten des Ghettos Litzmannstadt (Lódz). Auch an der Vertreibung und Germanisierung der besetzten polnischen Gebiete verdiente er gut. Seine Firma bekam für Häuserbau von dorthin umgesiedelter Deutscher fette Aufträge.

Eine der Liegenschaften der Toepfer-Stiftung ist Gut Kalkhorst, das bis 1945 als ,,Reichsführerschule"  den Nazis diente. Dort wurden u.a. ausländische Kollaborateure ausgebildet, um Statthalterschaften des Deutschen Reiches in fast sämtlichen Staaten Europas zu übernehmen. Alfred Toepfer selbst hielt dort Rassenvorträge über die blutliche Einheit der arischen Rasse, hier traf er sich mit Nazigrößen, u.a, mit dem Führer-Stellvertreter Rudolf Hess..

Seine in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Besitztümer (mehrere hundert Hektar) wurden von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) entschädigungslos enteignet. Rechtsgrundlage war ein Gesetz, dass den Besitz von aktiven Nazis und Kriegsverbrecher enteignete.

Das, Gut deshalb zu enteignen, so meint die „Alfred Toepfer Stiftung“, sei ein Verstoß gegen die Menschenrechte und zog vor den europäischen Gerichtshog für Menschenrechte.

Folglich, nach der Logik der Alfred Toepfer Stiftung: Nazis, die den Massenmord und die Unterdrückung der Völker mitmachten und unterstützten oder daran verdienten, müssen dadurch belohnt werden, dass ihr Eigentum zu Sonderkonditionen zurück gegeben oder sie wertgerecht entschädigt werden müssen. Auf jeden Fall aber, so meinen die Toepfers von dieser edlen hanseatischen Stiftung, war ihre Enteignung nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone, ein Verstoß gegen die Menschenrechte.

„Alfred Toepfer Stiftung“ wurde nach der Annexion der DDR schon einmal entschädigt. Aber das war den Herrschaften zu wenig, sie wollen marktgerechte Preise.

Der Nazi mit höchster Protektion

Toepfer war nach 1945 zwar kurz im Knast, aber bald wieder frei und genoss in höchsten Kreisen der BRD Protektion. Er war ein  wackerer Wanderbursche und Naturschützer, so steht es auf der Homepage einer von Toepfer finanzierten Institution, der  Alfred Toepfer Akademie für Natuschutz (NNA). Von seiner Nazi-Vergangenheit steht hier allerdings kein Wort.

Das Wandern hatte es Dr. Alfred Toepfer (1894-1993), einem erfolgreichen Hamburger Kaufmann, schon in Jugendjahren angetan. Durch diese Aktivität lernte er die Natur kennen und lieben. Vor allem der Lüneburger Heide gehörte bis zu seinem Tod sein weitreichendes Engagement.“[1]

Diese Akademie, die den Namen des Ex-Nazi führt, gehört übrigens dem Land Niedersachsen, dessen Ministerpräsident bekanntlich bis 1998 Gerhard Schröder hieß (die Akademie gibt es schon seit 1981, nannte sich aber Norddeutsche Naturschutz-Akademie) [2]

Toepfer betätigt sich als Mäzen nicht nur hier. Seine Stiftungen verleihen Preise mit wohlklingenden Namen: Freiherr vom Stein-Preis, Mozart-Preis, J.W. von  Goethe-Preis, Herder-Preis, Fritz-Bauer-Preis, Puschkin-Preis... Ein wahrer Gemischtwarenladen von Preisen stiftete Toepfer, Seine Stiftung, die Alfred Toepfer Stiftung, bestand bereits vor 1945 und diente den Nazis zur Kulturpolitik auch im Ausland (die BRD bediente hierbei auch ebenfalls der Alfred-Toepfer-Stiftung). So wundert es nicht, dass kritische Stimmen im Ausland laut werden:

„Trifft es zu, dass die Goethe-Stiftung wichtige nationalsozialistische Persoenlichkeiten bzw. dem Nationalsozialismus nahestehende Kulturschaffende mit sogenannten Kulturpreisen auszeichnete und Alfred Toepfer die auswaertige Kulturpolitik des Dritten Reiches und der Bundesrepublik Deutschland in den Nachbarstaaten durch verschiedene Kulturpreise finanzierte, um teilweise auch gegen die Schweiz nationalsozialistische Kulturpropaganda zu treiben?“[3]

Sein Straßbourg-Preis für deutsch-französische Verständigung darf in Paris wegen der Nazi-Vergangenheit des Stifters nicht mehr verliehen werden.

Bei soviel Mäzenatentum des spendablen Hanseaten bleibt es nicht aus, dass er selbst Preise bekommt. Eine Ehrendoktorwürde bekommt er auch (Uni Basel). 1991 schließlich bekam der Hochbetagte (geb. 1893) in Weimar die „Maecenas-Ehrung“, eine Ehrung für Stinkreiche, die sich als Mäzene betätigen des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e.V. In trauter Gemeinsamkeit mit  dem Backpulver-König Oetker (1989), Marion Ermer (1993) [4], 1995 an Henri Nannen (Stern-Herausgeber als der Stern die gefälschten Hitler-Tagebücher veröffentlichte und dafür Millionen zahlte – auch eine Art Mäzenatentum) und 1997 Paul Sacher (Schweizer Dirigent und Mäzen).

Überhaupt legte Toepfer eine Nebelwand von „gemeinnützigen“ Aktivitäten an den Tag. Nicht nur seine Stiftungen im In- und Ausland, auch seine von ihm verliehenen Preise befassen sich vom Naturschutz, Ethnologie, Literatur, Kunst usw., vom Goethe-Preis über den Mozart-Preis bis hin zum Puschkin-Preis. Alles Preise, von den kritische Historiker meinen, sie dienten  allein der Verschleierung der Nazivergangenheit des Stifters.

Der Historiker Karl Heinz Roth von der Stiftung für Sozialwissenschaft des 20. Jahrhunderts an der Universität Bremen bringt es auf den Punkt. „Alles, was man in den letzten Jahren zu Toepfer geschrieben hat, ist marginalisiert geblieben, weil Toepfer einer der wichtigsten Männer der Bundesrepublik Deutschland war. An seiner Beerdigung haben der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und der frühere englische Premier Edward Heath gesprochen. Man kann sagen das er die europäische Führungselite eingekauft hat. Er war unangreifbar. Toepfer hat sehr geschickt alle vereinnahmt, die ihn in irgend einer Weise hätten kritisieren können.“ Selbst in seinem engeren Umfeld wüssten viele heute nicht, so Roth, was er alles getan habe.“[5]

Diese Beziehungsgeflecht, die Symbiose von Geld und Politik, bewahrte Toepfer noch nach seinem Tod vor Enttarnung als Nazi.

Die SPD steckt dick drin in dieser dubiosen Stiftung

Staatsministerin Christina Weiss und Ex-Umweltministerin und SPD-MdB Monika Griefahn

Seit 1995 trägt die NNA (Norddeutsche Naturschutz-Akademie) den Namen Alfred Toepfer. Diese Akademie ist staatlich und untersteht, wie schon erwähnt, dem Land Niedersachsen. 1995, bei der Namensänderung, war der heutige Bundeskanzler Gerhard Schröder Regierungschef in Hannover und die heutige SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn war niedersächsische Umweltministerin. Dass sie hier einen ehemaligen Nazi ehrte, focht beide nicht an.

Wie sollten sie auch. Der große Alte der SPD, Ex-Kanzler Helmut Schmidt, stand am Grabe des Mäzens der Mächtigen – denen vor und nach 1945 – als der zu Grabe getragen wurde. Für die deutsch-französische Verständigung habe er sich eingesetzt, meinte der Ex-Kanzler..

Eine weiteres führendes Spitzenmitglied der Alfred Toepfer Stiftung ist die „Bundeskultusministerin“ Dr. Christina Weiss, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, sie ist Staatsministerin beim Bundeskanzler und zugleich Leiterin einer obersten Bundesbehörde. Seit dem 22. Oktober 2002 hat Staatsministerin Christina Weiss das Amt inne.

Unter ihr arbeiten rund 190 Beschäftigte in Bonn und Berlin für die Belange der Kultur und der Medien.. 

Frau Weiss ist Mitglied des Kuratoriums Max-Brauer-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung, Hamburg.[6]

Der Kreis schließt sich

Mit einem dichten Geflecht von Beziehungen, Abhängigkeiten, Nobelesse gelingt es dem aktiven Förderer der Nazis und Geschäftemacher mit den Nazis nach 1945 zu verdecken, dass er keineswegs der noble, demokratisch gesinnte, der Völkerverständigung verpflichtete, Förderer der Kultur und Wissenschaft ist. Es gelingt ihm sogar einen Ehrendoktorhut im Ausland zu erhaschen.

Da nach 1945 die bundesdeutsche Justiz durchsetzt ist mit Nazirichtern, die zwar jeder kommunistischen Aktivität mit größtem Eifer nachjagen, nicht aber die Verbrechen der Nazis aufarbeiten, gelingt es vielen, sich vor dem Knast zu bewahren.

Toepfer mag strafrechtlich nicht zu belangen gewesen sein, aber er ist nicht dieser edle Mäzen, als der er sich aufbaute. Aber er machte es geschickt und geschickt macht es auch seine Stiftung nach dem Tod des Chefs bis heute.

Als nämlich offenkundig wurde, dass Toepfer Dreck am Stecken hat, berief die Stiftung eine Kommission, die seine Kumpanei mit den Nazis untersuchen sollte. Das war vor einige n Jahren, ein Ergebnis liegt noch immer nicht vor – wie sollte es auch? Aufgabe dieser Kommission ist nicht, die Verstrickung Alfred Toepfers mit den Nazis herauszufinden, sondern eher das Gegenteil.


[2] Die NNA gibt es seit dem 1. April 1981. Sie ist eine Einrichtung des Landes Niedersachsen und gehört zum Geschäftsbereich des Umweltministeriums. Mit ihrem Hauptsitz auf dem alten Heidebauernhof Möhr bei Schneverdingen liegt die Akademie ein wenig abseits vom Regierungsbetrieb in Hannover. (...)Ihrem Gründungsvater Alfred Toepfer zu Ehren wurde  die ehemalige „Norddeutsche Naturschutzakademie“ – daher die Abkürzung NNA – 1995 in „Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz“ umbenannt.

[3] Diese Interpellation am 12.4.1999 von PD Dr. Ueli Maeder im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt eingereicht." http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/BEITRAG/diskusio/nszeit/nszeit16.htm

[4] Marion Ermer ist wohl die schillernste Figut der edlen Mäzene. Sie bekam nach Annexion der DDR für 150 Millionen Mark Immobilien. Einen Teil, 10 Millionen, wollte sie in eine Stiftung stecken  und zahlte auch 6 Millionen ein. Aber nun sind die 150 Millionen weg, angeblich von ihrem Geschäftsführer veruntreut. Das Land Thüringen, das leichtfertig die Preisvergabe übernommen hat,  verklagt nun Frau Ermer um die restlichen 4 Millionen für die Stiftung.

Mitveranstalterin einer deutsch-französischen Akademie für zeitgenössische Kammermusik in Lion, das Conservatoire national supérieur musique et danse, will kein Geld von Stiftung des Nazi-Förderers Alfred Toepfer – die aber kontern mit „antideutsche Ressentiments“. Die historischen Fakten sprechen aber eine andere Sprache

Weiß gewaschen

Quelle: german-foreign-policy vom 19.12.2008

HAMBURG/LYON/BASEL

(Eigener Bericht) - In einem neuen Anlauf sucht die Hamburger Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. französische Kritik wegen der NS-Aktivitäten ihres Gründers abzuschütteln. Toepfer hatte enge Kontakte zu höchsten SS-Kreisen unterhalten und als Abwehroffizier in Frankreich Kollaborateure betreut. Erst kürzlich hat eine französische Institution deswegen eine Finanzierung durch die Stiftung abgelehnt, die als einzige private Kulturstiftung im NS-Reich zugelassen blieb und bis heute den Namen ihres Gründers trägt. Jetzt kündigt die Stiftung an, ein Stipendium an einen französischen Historiker vergeben zu wollen, der „den aktuellen Forschungsstand“ zu den Auseinandersetzungen um Alfred Toepfer aufarbeiten soll. Zur Abwicklung des Plans wird das Generalkonsulat Frankreichs in Hamburg herangezogen. Die bislang von der Stiftung in Auftrag gegebenen Studien über Toepfers NS-Aktivitäten werden von Historikern scharf kritisiert. Schwer nachvollziehbare Bewertungen ließen ihn vor allem vermuten, dass „ein führender Mann der braunen Privatwirtschaft aus der Wehrmachtsabwehr, also aus der zweiten Reihe der NS-Funktionselite, weiß gewaschen“ werden soll, urteilt der Baseler Historiker Dr. Michael Fahlbusch im Gespräch mit dieser Redaktion. Wie Fahlbusch berichtet, erhebt sich auch in der Schweiz scharfe Kritik an der Stiftung sowie an mit ihr verquickten Organisationen.

„Agitation“

Auslöser für den jüngsten Streit um die Hamburger Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. war die Zurückweisung eines 1.000-Euro-Zuschusses durch das Conservatoire national supérieur musique et danse in Lyon. Die Institution ist Mitveranstalterin einer deutsch-französischen Akademie für zeitgenössische Kammermusik, in deren Sponsorenkreis auch die Toepfer Stiftung eintreten wollte. Das Conservatoire wies das deutsche Ansinnen zurück, nachdem es über die NS-Aktivitäten des Stiftungsgründers informiert worden war. Wie die Hamburger Stiftung erklärt, sei sie Opfer von „Agitation“ geworden. Die französischen Toepfer-Kritiker, die das Conservatoire auf die historischen Hintergründe aufmerksam gemacht hatten, hätten „antideutsche Ressentiments“ geschürt, behauptet der Historiker Hans Mommsen, der einst einer Historikerkommission der Stiftung angehört hatte.[1] Man sei „rufschädigend, beleidigend und komplett realitätsfern“ dargestellt worden, heißt es in der Hamburger Stiftungszentrale, die ankündigt, „fortan vor Gerichten in Frankreich und Deutschland“ gegen „rufschädigende“ Kritik vorgehen zu wollen.[2]

Deutsches Volkstum

Hintergrund der Auseinandersetzungen sind die NS-Aktivitäten des Hamburger Kaufmanns Alfred Toepfer und seiner Stiftung F.V.S. Toepfer entstammt der völkischen Jugendbewegung des beginnenden 20. Jahrhunderts und orientierte sich schon als Heranwachsender an nationalistischen Kreisen, die ein „Niederdeutschland“ von Holland bis Riga errichten wollten - aus Gebieten, in denen Deutsch oder ein vermeintlicher Dialekt des Deutschen (Niederländisch) gesprochen wurde. In den 1920er Jahren, als er zu Geld zu kommen begann, gründete Toepfer gemäß dieser Ideologie Jugendherbergen in denjenigen Gebieten deutscher Grenznachbarn, auf die völkische Kräfte in Deutschland Territorialansprüche erhoben - für die völkische Jugendbewegung. 1931 erweiterte er seine Einflussarbeit durch die Gründung der Stiftung F.V.S., die „der Förderung des deutschen Volkstums in Europa“ gewidmet war.[3] Seine bald folgende Kooperation mit den NS-Machthabern beruhte auf seiner völkischen Orientierung, die für die damalige Tätigkeit der Stiftung F.V.S. prägend war.

Höchste SS-Kontakte

Toepfer hat im NS-Reich entsprechend Karriere gemacht. Während des Zweiten Weltkrieges verfügte er „über ein Netzwerk bis hin zu höchsten SS-Kreisen“, berichtet der Historiker Dr. Michael Fahlbusch im Gespräch mit dieser Redaktion. Zu Toepfers Netzwerk gehörten unter anderem SS-Obergruppenführer Werner Best, der in Frankreich und Dänemark die Deportation der jüdischen Bevölkerung betrieb, oder SS-Obergruppenführer Werner Lorenz. Lorenz war als Chef der Volksdeutschen Mittelstelle verantwortlich für die „Heimführung“ deutschstämmiger Ausländer, um deren „Deutschtum“ sich Toepfer schon in den 1920er Jahren bemüht hatte, aber auch für Maßnahmen zur „Eindeutschung“ polnischer und slowenischer Kinder. Als Lorenz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wegen seiner NS-Verbrechen angeklagt wurde, habe Toepfer den Verteidiger bezahlt, berichtet Fahlbusch. Wie der Historiker in Erinnerung ruft, war Toepfer während des Krieges außerdem als Abwehroffizier in Frankreich im Einsatz und „kontrollierte (...) den französischen Widerstand und die Kollaborateure“.[4] „In den neutralen Ländern beschaffte er kriegswichtige Rohstoffe und oder Devisen“, sagt Fahlbusch: Er war „eine der zentralen Personen der deutschen Kriegswirtschaftsplanung und Abwehr.“

„Locker arrangiert“

Bereits Mitte der 1990er Jahre hat die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. wegen der stets wiederkehrenden Vorwürfe gegen ihren Gründer eine Historikerkommission eingesetzt, um die Vergangenheit von Stifter und Stiftung aufzuklären. Die Ergebnisse der Kommission, der unter anderem Hans Mommsen angehörte, sind bis heute scharfer Kritik ausgesetzt. „Ich sehe die Rolle des Stifters anders als die Mitglieder der Historikerkommission“, sagt Fahlbusch im Gespräch mit german-foreign-policy.com: „Diese verharmlosen die zwölf Jahre der NS-Zeit des Stifters mit dem Hinweis auf den Lebenszyklus des Stifters von 40 Jahren erfolgreicher Nachkriegszeit.“[5] Fahlbuschs These bestätigt ein aktueller Pressebericht, in dem es mit Bezug auf Stiftungsquellen über Toepfer heißt: „Mit seiner 1931 gegründeten Kulturstiftung verfolgte er locker ein völkisch-nationales Programm. Mit den Nazis hat er sich arrangiert, ohne jedoch mit ihnen zu paktieren“.[6] „Wird diese Arbeitsweise künftig auf andere Eliten übertragen“, warnt Fahlbusch, dann „wird die deutsche Geschichtswissenschaft partiell ihr Ansehen im Ausland verlieren, große Namen wie Hans Mommsen hin oder her“.

Übersetzung

Anlässlich der jüngsten Auseinandersetzungen um ihre Aktivitäten in Frankreich hat die Toepfer Stiftung angekündigt, die Ergebnisse ihrer heftig kritisierten Historikerkommission „und einzelne Folgeaufsätze“ ins Französische übersetzen zu lassen.[7] Außerdem stellt sie ein Stipendium zur Verfügung, mit dem ein französischer Historiker „den aktuellen Forschungsstand“ über die Vergangenheit von Stifter und Stiftung aufarbeiten soll. Analysen französischer Historiker über die Toepfer Stiftung liegen zwar schon vor, darunter ein kürzlich in deutscher Sprache publizierter Aufsatz [8]; allerdings bestätigen sie die stiftungskritischen Positionen. Um nicht der Bestellung eines Gefälligkeitsgutachtens bezichtigt zu werden, hat die Stiftung für ihr aktuelles Vorhaben nun die französische Diplomatie eingeschaltet. „Das Stipendium wird über das Französische Generalkonsulat in Hamburg vergeben“, teilt die Toepfer Stiftung mit.[9]

Regio Basiliensis

Die Proteste gegen die Stiftungs-Aktivitäten in Frankreich sind nicht die einzigen. Auch in Basel wird Unmut laut. Dort ist seit genau 40 Jahren eine Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung aktiv, die mit der Hamburger Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. eng verquickt und ebenfalls von Alfred Toepfer gegründet worden ist. „Diese Baseler Stiftung vergab, obwohl der Regio Basiliensis verpflichtet, Kulturpreise an ehemalige Nationalsozialisten aus Österreich und Rumänien bis in die 1980er Jahre“, berichtet Michael Fahlbusch.[10] Besonders umstritten war eine Preisverleihung an die Schriftstellerin Gertrud Fussenegger, eine Österreicherin, die bereits Jahre vor der Annexion Österreichs der NSDAP beitrat und ihre Karriere dem NS-Reich verdankt. Die mit Toepfer-Geldern gegründete Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung „verlieh nach dem Krieg von der Schweiz aus Kulturpreise an ehemalige Nazis und Rechtsextremisten in Österreich und Deutschland“, resümiert Fahlbusch: „Das ist alles andere als philanthropisch.“

Bitte lesen Sie auch unser Interview mit Dr. Michael Fahlbusch sowie unsere Rezension des Bandes Ingo Haar, Michael Fahlbusch (Hg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften.

[1] Der lange Atem der Geschichte; taz Nord 04.12.2008
[2] Aktuelle Debatten und Publikationen; www.toepfer-fvs.de
[3] Jan Zimmermann: Alfred Toepfer, Hamburg 2008
[4], [5] s. dazu Nicht philanthropisch
[6] Der lange Atem der Geschichte; taz Nord 04.12.2008
[7] Aktuelle Debatten und Publikationen; www.toepfer-fvs.de
[8] s. dazu Ingo Haar, Michael Fahlbusch (Hg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften
[9] Aktuelle Debatten und Publikationen; www.toepfer-fvs.de
[10] s. dazu Nicht philanthropisch

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Menschenrecht

Quelle: german-foreign-policy.com

KALKHORST (Eigener Bericht) - Die Alfred Toepfer Stiftung (Hamburg) verlangt neue Entschädigung für ihre NS-Liegenschaften und klagt vor dem Europäischen Gerichtshof. In Gütern der Stiftung war die Eroberung der deutschen Nachbarstaaten vorbereitet worden, die germanisiert werden sollten. Die früheren NS-Gelände umfassen mehrere hundert Hektar und unterliegen Folgebestimmungen des Potsdamer Abkommen. Sie wurden beschlagnahmt, ,,um die Wiederkehr (...) des deutschen Militarismus und Nazismus für immer zu verhindern". Nach Meinung der Kläger wurde dadurch ihr ,,Menschenrecht" verletzt. Die berüchtigte Stiftung gehört zu einer einflussreichen Gruppe deutscher Ethno-Organisationen und erfreut sich direkter Kontakte zur Bundesregierung. Unter dem Dach der Toepfer-Stiftung ist die Staatsministerin im Berliner Bundeskanzleramt, Christina Weiss (SPD), tätig.

Wie der Europäische Gerichtshof bestätigt, trug die Toepfer-Stiftung am vergangenen Donnerstag in Strasbourg vor, sie genieße den Schutz der Europäischen Menschenrechtskonvention. Zwar sei sie für den Verlust ihrer Güter 1994 entschädigt worden, jedoch ,,weit unter dem gegenwärtigen Verkaufswert" des früheren NS-Besitzes.

Arische Welt

Zu den NS-Liegenschaften der Toepfer-Stiftung gehörte u.a. Gut Kalkhorst, das bis 1945 als ,,Reichsführerschule" fungierte. Dort wurden ausländische Kollaborateure ausgebildet, um Statthalterschaften des Deutschen Reiches in fast sämtlichen Staaten Europas zu übernehmen. Grundlage der Planungen war die rassische ,,Neuordnung" des Kontinents nach ethnischen Normen. Der Stifter persönlich hielt auf Kalkhorst Rasse-Vorträge und beschwor die blutliche Einheit der arischen Welt (,,Blutsgenossen").

Mäzen

Toepfer, ein Hamburger Industrieller, betätigte sich im Zweiten Weltkrieg u.a. in Paris, wo er Nachschub für die deutschen Besatzer organisierte. Wie französische Historiker berichten1), belieferten seine Firmen auch das polnische Okkupationsgebiet. Für die Massengräber des Ghettos von Lodz verkauften sie Löschkalk. Die NS-Verbrechen überstand der Firmenchef nach kurzer Haftzeit und investierte seine schmutzigen Reichtümer in neue Ethno-Aktivitäten. Nach denselben Quellen2) beschäftigte Toepfer in der Bundesrepublik mehrere Nazi-Verbrecher, darunter den Verantwortlichen für die Deporation von 400.000 (vierhunderttausend) ungarischen Bürgern jüdischer Herkunft. Wie es weiter heißt, bezahlte der Stifter in den 1960er Jahren einen Nazi-Schriftsteller, der durch das Leugnen der Morde von Auschwitz bekannt wurde.

Brauchtum

Wegen der Stiftungs-Hintergründe kam es in Frankreich zu mehreren Skandalen. Stiftungspreise, die der Mäzen in u.a. in Strasbourg vergab (,,Straßburg-Preis"), mussten ausgesetzt werden; weitere Proteste französischer Historiker verhinderten einen Auftritt der Toepfer-Stiftung im Deutschen Historischen Institut (DHI) der französischen Hauptstadt.3) Trotz einer parlamentarischen Anfrage in der Schweiz, in der Toepfer als ,,NS-Täter"4) bezeichnet wurde, und trotz fragwürdiger Stiftungsaktivitäten im Ethno-Milieu blieb die Stiftung in Deutschland unbehelligt. So nahm der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Spaeth, im Januar 2003 einen in Basel vergebenen Stiftungs-Preis entgegen.5) Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die ,,dem Bundeskanzler direkt zugeordnet" ist, arbeitet für Toepfer in Hamburg. Dort ist Frau Weiss in der früheren NS-Stiftung, die ihr ,,Menschrecht" einklagt, für ,,die Förderung (...) des Brauchtums" der Hansestadt zuständig.

1) s. dazu http://www.german-foreign-policy.com/de/news/article/1039475308.php
2) s. dazu
Remise du Prix Joseph Rey de la fondation allemande Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung de Bâle, le samedi 11 janvier 2003 à Colmar, à M. Lothar Spaeth, ancien ministre-président du land de Baden-Wurtemberg.
3) s. dazu Widerstand gegen deutsche ,,Mäzenaten"
4) Interpellation Kanton Basel vom 12.04.1999
5) s. dazu Gau Oberrhein und ,,Goethe" in Colmar

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Widerstand gegen deutsche ,,Mäzenaten"

PARIS (Eigener Bericht) - Das Deutsche Historische Institut in Paris ist bei dem Versuch gescheitert, einem Vertreter der Alfred-Töpfer-Stiftung (Hamburg) als Forum zu dienen. Der Namensgeber der Stiftung war wohlhabender Hamburger Kaufmann und berüchtigter NS-Ideologe. Er finanzierte über mehrere Jahrzehnte separatistische Bewegungen sowohl in Frankreich wie im übrigen Europa. In der Nachkriegszeit setzte Töpfer seine Tätigkeit unter dubiosen Umständen fort. Gegen den Auftritt der Töpfer-Stiftungen in Paris protestieren zahlreiche französische Historiker und Intellektuelle. Das Deutsche Historische Institut musste die für den 10. Dezember geplante Veranstaltung deswegen absagen.

Das Institut, das der Berliner Regierung untersteht, hatte für den Auftritt des Töpfer-Vertreters mit Hinweisen auf ,,das Elsaß deutscher Kultur" geworben und angekündigt, man wolle über ,,die Zukunft" des Hamburger Mäzenatentums in Frankreich debattieren. Die Ankündigung wurde insbesondere in den ehemals okkupierten Gebieten, die das nationalsozialistische Berlin von Frankreich losreißen wollte (Alsace und Lorraine), als Provokation verstanden. Dort steht der Name Töpfer für territorialen Raub und kulturelle Diktatur des separatistischen ,,Deutschtums", dessen völkische Umtriebe der deutsche Mäzen sowohl als angebliche Privatperson wie auch als Besatzer in NS-Uniform organisierte. Raub und Wirtschaftsplünderungen werden den Töpfer-Betrieben in Polen und in Spanien vorgeworfen.

Kulturelle Vorwände

Stiftungsgelder für völkische Umtriebe sind in der Nachkriegszeit aber nicht nur nach Frankreich überwiesen worden. Die Töpfer-Unternehmungen wurden überall dort aktiv, wo sie auch vor 1945 den ,,Schutz der Minderheiten" pflegten und die deutsche Hegemonie unter kulturellen Vorwänden abzusichern suchten. So taucht der Name des vorgeblichen Mäzens in Zusammenhang mit separatistischen Aktivitäten u.a. in Ostbelgien auf. Töpfer-Gelder fließen seit der deutschen Vereinigung auch nach Osteuropa.

Reigen des Revisionismus

Zum wiederholten Mal steht ein Deutsches Historisches Institut im Verdacht, revisionistische Geschichtslügen zu begünstigen. Heftige Angriffe gegen die bekannte Wehrmachtsausstellung des Historikers Hannes Heer wurden von einem Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts in Warschau vorgetragen. Relativierende Darstellungen über deutsche Kriegsverbrechen an Italienern werden einem leitenden Angestellten des Deutschen Historischen Instituts in Rom vorgeworfen.
Bitte beachten Sie den Volltext eines französischen Kommuniques zur Rolle Alfred Töpfers: Vers la réhabilitation d'une fondation allemande au lourd passé au service du nazisme, grâce aux bons offices de l'Institut Historique Allemand à Paris?  

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Siehe auch: Erben von Nazi-Förderer klagen wegen ihrer „Menschenrechte“ von  Gerd Höhne mehr

Nicht verstrickt

Quelle: German-Foreign-Policy  26.01.2007

HAMBURG/LODZ

(Eigener Bericht) - Die heute beginnenden Feiern zum 75-jährigen Bestehen der Alfred Toepfer Stiftung werden von massiven Protesten begleitet. Toepfer war Inhaber eines Hamburger Handelshauses und investierte Teile seines Vermögens in die Förderung nationalistischer und antisemitischer Aktivitäten, die während des Zweiten Weltkriegs kulminierten. Nach 1945 umgab sich Toepfer mit Aktivisten der NS-Massenverbrechen und finanzierte den Autor eines Buches über die „Auschwitz-Lüge“. Gegen die europaweiten Umtriebe des Stiftungsunternehmens protestierten mehrfach ausländische Historiker und Künstler. Die französische Theaterregisseurin Ariane Mnouchkine lehnte 2005 die Annahme eines Toepfer-Preises ab. Der „braunen Vergangenheit“ wolle die Stiftung an diesem Wochenende durch Verleihung eines „Europäischen Kulturpreises“ begegnen, urteilt der Basler Historiker Michael Fahlbusch. Der Preis ist mit 75.000 Euro dotiert und wird an den Berliner Musikwissenschaftler Albrecht Dümling vergeben. Dümling lasse sich „instrumentalisieren“, urteilen französische Kritiker unter Hinweis auf zahlreiche „Blut und Boden“-Preisträger aus der NS-Stiftungszeit. Die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Stiftungsbestehen werden ausgerechnet am Auschwitz-Gedenktag fortgesetzt und ehren den zweifelhaften Gründer unter anderem im Hamburger Schauspielhaus. Die Hamburger St. Johanniskirche stellt sich für religiöse Weihen zur Verfügung. Toepfer sei ein notorischer „Kriegstreiber“ gewesen, heißt es in einer Fallstudie des Toepfer-Analysten Dr. Karl-Heinz Roth.

Toepfer kämpfte bereits während des Ersten Weltkriegs an der Westfront und widmete sich auch beim zweiten deutschen Kriegsabenteuer der militanten Verbreitung des „Deutschtums“ im Ausland. In Wehrmachtsuniform und Zivil arbeitete Toepfer für die NS-Auslandsspionage. Ziel war es, insbesondere Belgien und Frankreich zu germanisieren und die staatliche Einheit der Nachbarländer aufzulösen: Europa unter deutscher Hegemonie.

Rasse

Dieser Aufgabenstellung dienten zahlreiche Kulturpreise, mit denen Toepfer intellektuelle Kollaborateure und Nutznießer seines Stiftungsreichtums heranzog. Die französischen Kritiker der bevorstehenden Stiftungsveranstaltungen erinnern an zahlreiche Musik-Preisträger, denen Toepfer die mit Fantasienamen versehenen Finanzförderungen zudachte, so an mehrere NS-Gefolgsleute aus den Niederlanden, der Schweiz und dem später besetzten Alsace. Allein zwischen 1935 und 1945 wurden 80 Vertreter deutscher Rasseanschauungen im europäischen Ausland geehrt, heißt es in dem französischen Pressekommuniqué.[1]

Massenvernichtung

Um das entsprechende Geldvermögen anzuhäufen, habe sich Toepfer in den von deutschen Truppen besetzten Ländern an Wirtschaftsplünderungen beteiligt, weisen Studien des Bremer Historikers Karl-Heinz Roth nach.[2] Bis heute undementiert ist die Behauptung, Toepfer-Firmen hätten an der NS-Massenvernichtung verdient: durch Lieferung von Löschkalk für das Ghetto Lodz („Litzmannstadt“). Toepfer stellte seine Immobilien der NS-Führungsriege zur Verfügung, so das norddeutsche Schlossgut „Kalkhorst“, wo noch in den letzten Kriegstagen NS-Größen vom Schlage Heinrich Himmlers verkehrten. 2004 versuchte die Toepfer-Stiftung per Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, Entschädigung für die 1945 erfolgte Enteignung von „Kalkhorst“ zu erhalten.[3]

Auschwitz-Lüge

In der Nachkriegszeit habe Toepfer „wichtige Kostgänger“ des Nationalsozialismus mit Preisen seiner Stiftung versorgt oder diesen Personenkreis zu seinen engsten Mitarbeitern gemacht, stellt der Basler Historiker Michael Fahlbusch in einer Stellungnahme zur bevorstehenden Verleihung des „Europäischen Kulturpreises“ fest.[4] Fahlbusch nennt prominente Beispiele, so den Rektor der Hamburger Universität, Gustav Adolf Rein, „der die Gleichschaltung der Hamburger Uni und Entlassung unerwünschter Wissenschaftler vorantrieb (...). Schätzungsweise sind ein Drittel der Preisträger der Nachkriegszeit einstige NS-Mitstreiter Toepfers gewesen.“ Zu den Lieblingen des Toepfer'schen Imperiums gehörte unter anderem Thies Christophersen, Autor des Buches „Die Auschwitz-Lüge“. Christophersen wurde von Toepfer finanziell unterstützt. Ausgerechnet am diesjährigen Auschwitz-Gedenktag hat die Stiftung ihre Toepfer-Feierlichkeiten angesetzt.

Arisch

Vor diesem Hintergrund appellieren französische Kritiker an den Berliner Laureaten Albrecht Dümling, dem Beispiel der Pariser Theaterregisseurin Mnouchkine zu folgen und den Preis abzulehnen.[5] Dümlings international anerkannte Arbeit, die an die Komponisten der „entartet“ genannten Musik erinnert, solle offensichtlich instrumentalisiert werden. „Würden sich die Überlebenden und Erben der verfolgten (...) Musiker (...) wirklich geehrt fühlen, wenn sie erfahren könnten, dass der Mäzen Toepfer zwischen 1935 und 1945 achtzig Preise verlieh, die der Ideologie von ‚Blut und Boden' gewidmet waren, davon allein sechs für ‚arische' Komponisten“, fragen die Absender den Laureaten des „Europäischen Kulturpreises“ 2007.

Unter Glockengeläut

In einem kühlen Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt, hat Dümling den französischen Appell zurückgewiesen. Er handele in Kenntnis der Toepfer-Geschichte und gehe davon aus, dass „Toepfer selbst (...) in keine Judenverfolgungen verstrickt war.“ Diese Annahme, die den offenkundigen Tatsachen nicht gerecht wird, scheint 2007 zu genügen, um mit dem Preisgeld der Toepfer-Stiftung auch die Vergangenheit des Gründers zu schönen – unter Glockengeläut der Hamburger St. Johanniskirche.

Bitte lesen Sie die Auszüge aus dem Pressekommuniqué sowie weitere Texte zur Toepfer-Stiftung: Widerstand gegen deutsche „Mäzenaten“, „Goethe“ in Colmar, Gau Oberrhein, Menschenrecht, Ethnisch Rein, Wille und Vorstellung, Gesamteuropäische Perspektive sowie in französischer Sprache Vers la réhabilitation d'une fondation allemande au lourd passé au service du nazisme, grâce aux bons offices de l'Institut Historique Allemand à Paris? und Remise du Prix Joseph Rey de la fondation allemande Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung de Bâle, le samedi 11 janvier 2003 à Colmar, à M. Lothar Spaeth, ancien ministre-président du land de Baden-Wurtemberg.

[1] german-foreign-policy.com dokumentiert Auszüge.
[2] Bitte lesen Sie die gesamte Studie.
[3] s. dazu Menschenrecht
[4] Bitte lesen Sie die gesamte Stellungnahme.
[5] s. dazu Wille und Vorstellung

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Nazistiftung macht auf Antifaschismus

Neue Legitimität

HAMBURG/MÜNCHEN/PARIS

(german-foreign-policy vom 27.01.2011) – Die wegen der NS-Vergangenheit ihres Namensgebers schwer belastete Alfred Toepfer Stiftung (Hamburg) tritt als Bewahrerin des Erbes der von den Nazis ermordeten Geschwister Scholl auf und kündigt eine Scholl-Gedenk-Ausstellung in den Hamburger Toepfer-Räumen an. Sie soll Ende Januar beginnen. Alfred Toepfers Betriebe lieferten an die SS-Verwaltung des Ghettos Lodz (Litzmannstadt) Löschkalk für die rückstandslose Beseitigung der Leichen von Juden. Die Geschwister Scholl starben etwa zur selben Zeit unter der Guillotine der NS-Führung, die von Toepfer hofiert wurde und mit der er persönlich bekannt war. Die Ausstellung in den Räumen eines prominenten NS-Täters wird von der Münchner Weiße Rose Stiftung e.V. ausdrücklich begrüßt. Auch deutsche Historiker nehmen an den Toepfer-Aktivitäten teil, so der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der im Auftrag der Toepfer-Stiftung mehrfach tätige Hans Mommsen. Proteste kommen fast ausschließlich aus dem Ausland, wo seit Jahrzehnten darauf hingewiesen wird, dass die Stiftung einer eindeutigen Abkehr von der Politik ihres Namensgebers noch immer auszuweichen suche. Die millionenschwere Stiftung, deren Vorstandsvorsitzender ein früherer Bertelsmann-Projektleiter ist, lehnt eine Entschuldigung für die Taten Toepfers ab. Toepfer beschäftigte in der Nachkriegszeit mehrere hochrangige NS-Verbrecher, darunter der Beauftragte des Deutschen Reichs in Ungarn, Edmund Veesenmayer. Veesenmayer ist für die Deportation von 430.000 ungarischen Juden zur Ermordung nach Auschwitz persönlich verantwortlich.

Unter dem Titel „Hamburg und die Weiße Rose“ lädt die Münchner Weiße Rose Stiftung e.V. zu einer zweimonatigen Veranstaltungsreihe ein, die am kommenden Montag in der Hansestadt eröffnet wird. Die zentrale Ausstellung der Reihe („Widerstand von Studenten gegen Hitler“) richtet die Alfred Toepfer Stiftung aus. Die Stiftung veranstaltet außerdem einen Themenvortrag über „Menschen zwischen Selbstbehauptung, Zivilcourage und Widerstand“ sowie eine Stadtrundfahrt zu „Erinnerungsorten der Weißen Rose in Hamburg“.

Fünfte Kolonne

Die mit dem Namen eines NS-Täters belastete Toepfer Stiftung ist gern gesehener Kooperationspartner jenes Kreises, der an die NS-Opfer Scholl – die Weiße Rose – erinnert. Vorstandsvorsitzende ist die Gattin des Münchner SPD-Politikers Georg Kronawitter. Die Weiße Rose Stiftung gilt als katholisch-konservativ. Entsprechende Interpretationen kündigt die Hamburger Veranstaltungsreihe an. Unter dem Titel „Der Kampf gegen die Heraufkunft des Antichrist/Die Weiße Rose im Widerstand“ hält der Historiker Hans Mommsen einen prominent beworbenen Vortrag an der Hamburger Universität. Mommsen ist Beiratsmitglied im Münchner Verein und zugleich Auftragnehmer einer Studie über Alfred Toepfer, die die Toepfer Stiftung bezahlte. Die Studie wird international als „Grauwäsche“ [1] bezeichnet, weil Toepfers Täterschaft beschönigt werde. Ähnliche Vorwürfe begleiteten auch Mommsens Auftragsarbeit über die NS-Vergangenheit des VW-Konzerns.[2] Mommsen nennt Historiker, die Toepfers NS-Umtriebe bereits in den 1990er Jahren aufdeckten, „eine fünfte Kolonne, die antideutsche Ressentiments schüren“ (sic).[3]

Karriere

Zu den Erkenntnissen der „fünften Kolonne“ gehören Einzelheiten über den Lebensweg eines radikalisierten deutschen Kleinbürgers aus dem Hamburger Handelsmilieu, der seine politische Karriere nach dem Ersten Weltkrieg an den Maschinengewehren eines antidemokratischen Freikorps begann [4] und anschließend beim „Volkstumskampf“ um das verlorene „Reich“ (Frankreich, Polen) seine Kaufmannsgewinne erfolgreich einsetzte. Ökonomische Herrschaft und staatliche Gewalt bestimmten auch seinen weiteren Aufstieg. Während der NS-Zeit arbeitete Toepfer für den deutschen Geheimdienst und seine klandestinen Abteilungen im Ausland (Minderheiten, Sabotage, Terror, Mord); Toepfers Betriebe waren an der wirtschaftlichen Expansion im eroberten Europa beteiligt und verdienten daran, die Spuren des Holocaust zu tilgen. Diese Karriere mündete in die Bundesrepublik, wo die „europäischen“ Hegemonialziele der deutschen Eliten mit den Tätern von einst, aber unter veränderten Verhältnissen neu justiert und begründet wurden.[5]

Bewährte Erfahrungen

Zum Syndikus seiner Nachkriegsgeschäfte machte Toepfer den Stellvertreter des NS-Verbrechers Edmund Veesenmayer, der die antisemitischen Massendeportationen in Ungarn beaufsichtigt hatte: Kurt Haller.[6] Haller kümmerte sich in Hamburg um eine Neuauflage des „Volkstumskampfes“ mit Minderheiten. Darin kannte er sich, wie Toepfer, gut aus - als vormaliger NS-Geheimdienstspezialist für die kulturell verbrämte Unterwanderung der deutschen Nachbarstaaten. Die seit 1953 erfolgte „Anknüpfung an bewährte Erfahrungen und Arbeitserfolge“ [7] galt dem Wiederaufbau des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland (VDA) - mit Hilfe von Toepfer. Überlebende Kader der antisemitischen NS-Organisationen unterstützte Toepfer ebenso wie zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilte Nazis.[8] Den Beihelfer zum Massenmord an den ungarischen Juden, Kurt Haller, ehrte Toepfer 1961 in seiner Hauspostille.

Europa

Gleichzeitig hüllte der Großkaufmann, der im westdeutschen Nachkriegsboom zum Multimillionär geworden war und eine eigene Schiffsflotte besaß, seine „Volkstums“-Aktivitäten in ein europäisches Gewand. Unter Auslassung der offen rassistischen Anteile schrieb es die „Neuordnung“ Europas fort.[9] Diese ideelle Überwölbung deutscher Herrschaftsansprüche, deren NS-Ausformung nur eine von mehreren Varianten war, unterfütterte Toepfer mit hoch dotierten „Kultur“-Preisen. Dabei suchte der Stifter die Nähe zu jüdischen Persönlichkeiten, deren Ahnungslosigkeit er ausnutzte, oder zeichnete politische Größen der NATO-Staaten aus. Jede dieser Preisverleihungen stärkte die Aura einer vermeintlichen Seriosität. Erst mit den Veröffentlichungen der französischen Historiker Lionel Boissou und Gérard Loiseaux fielen 1996 die Hüllen [10]: Die Universität Strasbourg kündigte ihre Zusammenarbeit mit Toepfer auf, die Leiterin des Pariser Théatre du Soleil [11] wies den ihr zugedachten Toepfer-Preis zurück.

Unerwähnt

Gegen die Veröffentlichungen ging die Toepfer-Stiftung einerseits mit Rechtsmitteln vor [12], andererseits gab sie eine „kritische Bestandsaufnahme“ in Auftrag und bezahlte dafür mehrere Autoren. Deutungen des 2006 erschienenen Auftragswerks mit Beiträgen von Hans Mommsen grenzen ans Groteske: Toepfer sei niemals Mitglied der NSDAP gewesen, heißt es dort entlastend. Dass er sich selbst als Fördermitglied der SS bezeichnete, bleibt unerwähnt.[13]

Nicht hilfreich

Der paradoxen Taktik bekennenden Leugnens entspricht die Weigerung des Stiftungsvorstands, sich für die Untaten des Stifters umfassend, unzweideutig und vorbehaltlos zu entschuldigen. Das „Konzept der Entschuldigung“ sei „nicht hilfreich“, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Toepfer Stiftung und bietet an, „Verantwortung zu übernehmen“.[14] Damit weicht die Stiftung der Aufforderung aus, in einer auch von den Kritikern anerkannten Weise mit dem Erbe der europaweiten „Kultur“-Subversion, die den Namen Toepfers trägt, nachvollziehbar zu brechen.

Bezahlt

Dass die Münchner Weiße Rose Stiftung das Andenken an die NS-Opfer Sophie und Hans Scholl ausgerechnet der Stiftung des NS-Täters Toepfer anvertraut (aber dies in ihrem jüngsten Newsletter verschweigt [15]), ist kein Einzelfall. In der Toepfer Stiftung ist auch der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme aktiv.[16] Unter dem Signum der Stiftung gehört er einem Prüfgremium an, das über Toepfer-Stipendien entscheidet - für die bezahlte Erforschung der Vita des Namensgebers. Wegen seines kommenden Auftritts bei der Toepfer Stiftung in Hamburg haben französische Opfer, die einst im KZ Neuengamme gefangengehalten wurden, den Gedenkstättenleiter um Auskunft gebeten.

Wiedergefunden

Wie die Hamburger Ereignisse zeigen, sind gutwillige (wie auch berechnende) Personen an der Übernahme der Opfergeschichte in den Fundus der früheren Täter beteiligt. Dies verleiht deren Erbe neue Legitimität und verwischt die Spuren der deutschen Eliten, deren wiedergefundene Weltmachtrolle weitgehend unbelastet und demokratisch geläutert erscheinen soll.

Weitere Berichte über die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. und ihren Gründer finden Sie hier: Gesamteuropäische Perspektive, Persilschein, Nicht verstrickt, Blut und Boden, Kriegstreiber, Förderer der SS, Europäische Werte, Weiß gewaschen, Nicht philanthropisch, Rezension: Ingo Haar, Michael Fahlbusch (Hg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften, Bedingungslos zur Verfügung, Graugewaschen, Rezension: Jan Zimmermann: Alfred Toepfer und Rezension: Michael Fahlbusch, Ingo Haar (Hg.): Völkische Wissenschaften und Politikberatung im 20. Jahrhundert.

[1] Michael Pinto-Duschinsky: Der Kampf um Geschichte. Der Fall Alfred C. Toepfer und der Nationalsozialismus, in: Michael Fahlbusch, Ingo Haar (Hg.): Völkische Wissenschaften und Politikberatung im 20. Jahrhundert. Expertise und „Neuordnung“ Europas, Paderborn 2010. Eine Rezension zu dem Band finden Sie hier.
[2] s. dazu Graugewaschen
[3] Der lange Atem der Geschichte; www.taz.de 04.12.2008
[4] Jan Zimmermann: Alfred Toepfer, Hamburg 2008. Eine Rezension zu dem Band finden Sie hier.
[5] Lionel Boissou et al.: Ombres et Lumières sur les fondations Toepfer, Strasbourg 1996. Karl Heinz Roth: Alfred Toepfer. Großkaufmann, Kulturimperialist und Kriegstreiber, in: 1999 Nr. 14 (1999). Michael Pinto-Duschinsky: Der Kampf um Geschichte. Der Fall Alfred C. Toepfer und der Nationalsozialismus, in: Michael Fahlbusch, Ingo Haar (Hg.): Völkische Wissenschaften und Politikberatung im 20. Jahrhundert. Expertise und „Neuordnung“ Europas, Paderborn 2010.
[6] Christian Gerlach, Götz Aly: Das letzte Kapitel, Frankfurt am Main 2002. Jan Zimmermann: Alfred Toepfer, Hamburg 2008.
[7] Walter von Goldendach, Hans-Rüdiger Minow: Von Krieg zu Krieg. Die deutsche Außenpolitik und die ethnische Parzellierung Europas, Berlin 1999
[8] Michael Pinto-Duschinsky: Der Kampf um Geschichte. Der Fall Alfred C. Toepfer und der Nationalsozialismus, in: Michael Fahlbusch, Ingo Haar (Hg.): Völkische Wissenschaften und Politikberatung im 20. Jahrhundert. Expertise und „Neuordnung“ Europas, Paderborn 2010.
[9] John Laughland: The Tainted Source. The Undemocratic Origins of the European Idea, London 1997
[10] Lionel Boissou et al.: Ombres et Lumières sur les fondations Toepfer, Strasbourg 1996
[11] Ariane Mnouchkine
[12] Gegendarstellung der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., 2008
[13] Georg Kreis et al.: Alfred Toepfer. Stifter und Kaufmann, Hamburg 2006
[14] Brief von Ansgar Wimmer an Dr. Michael Pinto-Duschinsky vom 11. Januar 2010: „I find the concept of 'apologizing' (...) not helpful.“
[15] Newsletter der Weiße Rose Stiftung e.V. vom Januar 2011, Ziffer 4: Hamburg und die Weiße Rose
[16] Dr. Detlef Garbe

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