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Die Affäre Filbinger:

Der Mythos vom Widerstand der katholischen Kirche gegen Hitler 

Ist Filbinger der Beweis dafür?

von Günter Ackermann/21. April 2007

Zum Text

Die Rechtfertigung Filbingers und der Beweis für seine Gegnerschaft gegen die Nazis?

Der angebliche Beweis für die Gegnerschaft Filbingers zu den Nazis entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Beweis dafür, dass Filbinger eher das Gegenteil war:

Filbinger hatte Recht, wenn er 1933 über seinen Jungendbund Neudeutschland im Gaubrief schrieb:

„Darum brauchen wir keine Gesinnungsänderungen vorzunehmen: wir sind und waren immer vaterländisch (…) Unser Dienst am Vaterland ist unabhängig davon, wer an der Spitze steht.“ 

An der Spitze stand seit Januar dieses Jahres Adolf Hitler!

Sein Jugendbund Neudeutschland lief mit fliegenden Fahnen den Nazis nach.

Es ist in dem Zusammenhang unwichtig, dass der Jugendbund Neudeutschland 1935 gleichgeschaltet und aufgelöst wurde. Das wurden auch andere reaktionäre Verbände, wie der „Stahlhelm“ und die deutschnationalen Studentenverbindungen. Deren Mitglieder gingen dann in entsprechende Naziverbände, wie SA. SS, HJ usw. auf und fühlten sich dabei ganz wohl und dienten dem Vaterland – oder das, was sie dafür hielten.

Die Nazis duldeten eben keine Konkurrenz, auch keine völkische und/oder völkisch-katholische.

Quelle: offizielle Homepage Prof. Dr. Hans Filbinger siehe


Als Verantwortlicher für die Mannheimer Gruppen des katholischen Jugendbunds Neudeutschland versandte Filbinger den 10. Gaubrief im Jahr 1933 (siehe oben/Auszug)

Der Bund wurde 1919 vom Kölner Erzbischof Felix von Hartmann gegen die Revolution von 1918 und die Weimarer Republik gegründet und vertrat eine stramme nationalkonservative Haltung, also nicht weit weg von der NSDAP.Die

Die Affäre Filbinger

Der Mythos vom Widerstand der katholischen Kirche gegen Hitler

Ist Filbinger der Beweis dafür?

Von Günter Ackermann/20. April 2007

Gliederung

1. Öttingers Rede mehr

2. Reichkonkordat mehr

3. Exkurs 

Erzbischof Michael von Faulhaber mehr

4. Katholizismus und die Nazis in Deutschland mehr

5. Die antikommunistische und antidemokratische Gesinnung vereinte den Vatikan mit den Faschisten mehr

6. Bundesdeutsche Geschichtsfälschungen mehr

1. Öttingers Rede

„Ich will alles dafür tun, damit die Arbeit in Baden-Württemberg bleibt.“ Das lässt Oettinger auf seine persönliche Internetseite schreiben.[1] Er stellt sich also als schwäbischer Provinzpolitiker vor – das mag er auch sein. Bei seiner Lob- und Trauerrede auf seinen Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, den berüchtigten Hans Filbinger, hat er sich so richtig als solcher verkauft. Da stilisiert er einen Rechtsradikalen und Ewig-Gestrigen, einen erzkatholischen Nazi-Symp und Blutrichter zum Widerstandskämpfer. Dümmer gings nimmer. Dass er dann noch nachlegte, schließlich an der Sache vorbei redete und zum Schluss alles zurück nahm, wirft ein beredtes Licht auf den Ministerpräsidenten des Ländle, das so stolz ist auf seinen Wein, seine Häuslebauer und seine Tüftler – und seine Schönredner á la Theodor Heuss.

Jedenfalls hat Öttinger die gesamte Rechtfertigung für sein Nazihandeln von Filbinger selbst übernommen. Man kann es noch nach dessen Tod auf dessen Internetseite finden.

Die Intention: Weil Filbinger katholisch war, sogar aktiv in einem katholischen Wandervogelverein, kann er kein Nazi, sondern muss ein Widerständler gewesen sein. Es wird sogar ein Text zitiert, den Filbinger selbst als „Gauleiter“ dieses katholischen Jugendbundes „Neudeutschland“ geschrieben hat.

Aber: Entweder halten Filbinger und seine Berater die Leser der Filbingerschen Internetseite für total bescheuert oder sie haben gar nicht gemerkt, dass hier genau das Gegenteil bewiesen wird: Filbinger empfahlt damals seinen Neudeutschen brav Hitler nachzulaufen und nicht gegen die neue Regierung von 1933 etwas zu unternehmen. War das Filbingers Widerstand?

Jedenfalls ist die Mitgliedschaft in diesem Jugendbund Neudeutschland kein Anhaltspunkt der Widerstandstätigkeit und schon gar nicht der Beweis dafür. Dass Filbinger Gegner der Nazis oder gar Widerständler war, ist zu bezweifeln und unwahrscheinlich.

Kardinal Felix von Hartmann

Der katholische Jugendbund Neudeutschland wurde 1919 von Jesuiten gegründet. Geistiger Vater der Gründung war der Erzbischof von Köln, Felix Kardinal von Hartmann.[2]

Hartmann gehörte zum reaktionärsten und nationalistischsten Teil des deutschen Katholizismus. Ihm war sogar die erzkatholische Zentrumspartei suspekt. Als 1918 in Preußen das Dreiklassenwahlrecht zu Gunsten eines allgemeinen Wahlrechts abgeschafft wurde, war von Hartmann dagegen. Er meinte, das stärke die gottlose Sozialdemokratie.

Während des 1. Weltkrieges war von Hartmann Befürworter des Krieges. 1915 reiste er im Auftrag der kaiserlichen Regierung nach Rom um dort den deutschen Einmarsch ins neutrale katholische Belgien zu rechtfertigen.

Als 1916 der belgische Kardinal Mercier die deutschen Bischöfe aufforderte, die belgische Bevölkerung vom Vorwurf des Partisanenkrieges zu entlasten – mit dem Vorwand gegen Partisanen vorzugehen, hatten die deutschen Besatzer die belgische Zivilbevölkerung drangsaliert – wollte der Kölner Kardinal in eine wüste nationalistische Polemik gegen Mercier einsteigen. Auch unterhielt er noch nach dem Sturz des Kaisers Wilhelm den Letzten. mit dem jetzt zum Ex-Kaiser gewordenen, freundschaftliche Kontakte.

Also eine nicht eben progressive Persönlichkeit, der Gründervater von Filbingers katholischen Jugendbund Neudeutschland.

Dieser wurde dann auch als Gegenbewegung zur eben entstandenen Weimarer Republik gegründet. Sein Einfluss beschränkte sich allerdings auf die Kinder der katholischen bürgerlichen Bildungsschicht an den Gymnasien. Burgen- und Wandervogelromantik, verbunden mit deutschnationalen Gedankengut und klerikaler Intoleranz war die Ideologie. In vielen entsprachen die Denkinhalte denen der Nazis – mal abgesehen vom Klerikalismus.

Einige aus der bürgerlichen Widerstandsbewegung gegen Hitler waren zwar im Jugendbund Neudeutschland gewesen, aber es gab auch Widerständler aus anderen bürgerlichen und nationalistischen Organisationen, so der reaktionäre Königsberger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler. Der gehörte z.B. der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) an, also der Partei, die ihren Einfluss auf Hindenburg 1933 nutzte, damit dieser im Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler machte.

Ja, sogar in der schlimmsten aller Naziorganisationen, der SS, gab es Widerständler. So z.B. der SS-Offizier Kurt Gerstein. Gerstein versuchte die Verbrechen der Vergasungen an die Alliierten zu verraten.

Aber niemand würde ernsthaft behaupten, die Mitgliedschaft in der SS sei ein Beleg dafür, jemand sei Widerständler gegen den Faschismus gewesen.

Der katholische Jungendbund Neudeutschland war auch kein Gegner des Faschismus, sie bevorzugten nur die klerikale Variante. Das gilt auch für die katholische Amtskirche.

2. Reichkonkordat

Die katholische Kirche hatte großes Interesse daran, ihren Einfluss zu festigen und zu erhalten. Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert, dem weitgehenden Verschwinden der buntschillernden feudalen Romantik und dem Erstarken der sozialistischen Arbeiterbewegung, hatte sie ihren alten Einfluss weitgehend eingebüßt. Der Faschismus an der Macht, so glaubten die Kleriker, könne das wieder herstellen.

Es ging dem Klerus vor allem um den Schul- und Bildungsbereich, die Sicherung der Verkündung ihrer Glaubensinhalte, aber auch um alte überholte Privilegien. So z.B. durfte einem Geistlichen kein Vermögen gepfändet werden. Die Kleidung der Kleriker durfte nur von Klerikern getragen werden. Die erhielt den gleichen Rang, wie das unbefugte Tragen von Uniformen. Staatsfinanzierungen von kirchlichen Einrichtungen durften nur mit Zustimmung der Kirche abgeschafft werden. Ferner:

Garantie der katholisch-theologischen Fakultäten.

Katholischer Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach.

Katholische Religionslehrer dürfen nur mit Zustimmung des Bischofs eingestellt werden.

Beibehaltung und Neueinrichtung katholischer Bekenntnisschulen.

Erlaubnis zur kirchlichen Trauung vor der Ziviltrauung in Todesgefahr und „Fällen sittlichen Notstandes“

Garantie der Militärseelsorge,

Verpflichtung des Klerus, „für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes“ zu beten

Katholische Vereinigungen dürfen nur innerhalb staatlicher Verbände tätig werden, außerhalb davon nur für rein religiöse, rein kulturelle und karitative Aufgaben. Welche Verbände das sind, wird später vereinbart. Staatliche Verbände werden religiöses Verhalten nicht behindern.

Keine Mitgliedschaft oder Tätigkeit von Geistlichen und Ordensleuten in politischen Parteien.

Das Reich wird für nicht-katholische Konfessionen gleichartige Regelungen treffen.

Die Initiative zur Aufnahme der Verhandlungen mit dem Vatikan ging von der Naziregierung aus, Vernadlungsführer war Vizekanzler Franz v. Papen, der des Vatikan war Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII.

Die katholische Kirche hatte sicherlich Interesse am Konkordat, aber mehr Interesse hatte Hitler. Seine Regierung genoss international geringes Ansehen und seine Partei unter Katholiken nicht minder. Dort war die Zentrumspartei, die ebenfalls einen klerikalfaschistischen Flügel hatte, immer noch die herausragende rechte Strömung.

Zentrumschef

Prälat Ludwig Kaas 

Schon bei der Abstimmung um das Ermächtigungsgesetz im Februar 1933 kam das Zentrum Hitler entgegen. Nach der Geschäftsordnung des Reichstags wäre eine Zweidrittelmehrheit ohne die Stimmen des Zentrum, die für das Ermächtigungsgesetz notwendig war, nicht möglich gewesen. Also sprach die Hitlerregierung, wahrscheinlich Vizekanzler und Ex-Mitglied des Zentrum, Franz von Papen, Zentrumschef Ludwig Kaas (1881-1952) an und köderte ihn mit dem Konkordat. Das Zentrum stimmte dem Ermächtigungsgesetz zu.

Den Preis, den die katholische Kirche mit dem Konkordat zu zahlen hatte – und zu zahlen bereit war – war das Aufgeben einer eigenen politischen Partei, das Zentrum. Zentrumschef Ludwig Kaas lebte fortan im Hof des Papstes in Rom, wo das Ausbuddeln der Knochen des Apostels Paulus unter dem Petersdom leitete.

Inhaltlich stammt der Text des Reichkonkordats von Kardinal Michael von Faulhaber, Erzbischof von München und Freising. Faulhaber wird heute als der Bischof der am entschiedensten  (neben dem Bischof von Münster Galen) Widerstand gegen die Nazis leistete.

Betrachten wir das mal etwas näher.

Dokument3. Exkurs Erzbischof Michael von Faulhaber:

Ich betrachte es als keine Besonderheit, dass der katholische Klerus von unten nach oben reaktionär war und es noch heute ist – abgesehen von ein paar Ausnahmen. Faulhaber war da keine Ausnahme.

Als Alibi werden immer Faulhabers kritische Anmerkungen zur Nazi-Ideologie genannt. Tatsächlich stammt diese Distanzierung aus der Zeit lange vor 1933. Nach Hitlers Machtantritt sieht alles anders aus.

Bereits zum Ermächtigungsgesetz 1933 schreibt Faulhaber an die bayrischen Bischöfe, sie sollten

"mehr Toleranz gegen die neue Regierung (…) üben, die heute nicht bloß im Besitz der Macht ist, was unsere Grundsätze nicht umstoßen könnte, sondern rechtmäßig wie noch keine Revolutionspartei in den Besitz der Macht gelangte."[3]

Im November 1936 trafen sich Adolf Hitler, Rudolf Heß und Faulhaber auf dem Obersalzberg. Faulhaber schreibt in seinem Gedächtnisprotokoll über dieses dreistündige Gespräch u.a.:

Faulhaber zu Hitler: Die deutschen Bischöfe haben auf Ihre erste Reichstagsrede hin, in der Sie vom Konkordatsfrieden mit der Kirche sprachen, ihre früheren Bedenken zurückgenommen und in einer gemeinsamen feierlichen Erklärung (Datum war mir nicht gegenwärtig) sich zur friedlichen Mitarbeit mit dem Neuen Reich bereit erklärt, und immer wieder haben die deutschen Bischöfe ihren Klerus ermahnt, in den Predigten alle politischen Seitensprünge zu unterlassen und auch in Privatgesprächen die Zunge zu beherrschen“[4]

Und

Sie sind als das Oberhaupt des Deutschen Reiches für uns gottgesetzte Autorität, rechtmässige Obrigkeit, der wir im Gewissen Ehrfurcht und Gehorsam schulden.“

Hitler, bezeichnete den Bolschewismus als Feind der Kirche und des Nationalsozialismus. Faulhaber stimmte nicht nur zu, sondern setzte eins drauf: Der Bolschewismus sei von Juden geführt und seine Wurzel sei der Atheismus.

Er meinte weiter hierzu: Von kirchlicher Seite, Herr Reichskanzler, wird dem Staat nicht verwehrt, im Rahmen des Sittengesetzes in gerechter Notwehr diese Schädlinge von der Volksgemeinschaft fernzuhalten. In diesem Obersatz sind wir einig. Wir gehen aber auseinander in der Frage, wie sich der Staat gegen das Verderbnis der Rasse wehren kann.“[5]

Und zum „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchs“ von Juli 1933 sagte der Erzbischof und angebliche Widerstandskämpfer zu Hitler, mit Berufung auf den Jesuiten und Rassetheoretiker Hermann Muckermann[6]: Ich habe Muckermann erklärt: „Ihre Ziele sind, sozial gesehen, überaus schön und hoch, aber statt der körperlichen Verstümmelung[7] müssen andere Abwehrmittel versucht werden, und es gibt noch ein solches Mittel: die erbkranken Menschen internieren.“[8]

Faulhaber schreibt am Schluss seiner Aufzeichnung: „„So wird sich auch in anderen Fragen, in denen die Kirche ihren dogmatisch sittlichen Standpunkt nicht verlassen kann, trotzdem ein modus vivendi finden, ohne dass man von einem Kampf der Kirche gegen den Staat sprechen muß. „Ich dankte dem Führer durch eine Verneigung.“[9]

Soweit Faulhaber als Widerstandskämpfer gegen Hitlerfaschismus.

Zwei Episoden von Faulhaber:

1. Eine sozialdemokratische Exilzeitung in Prag veröffentlichte eine Predigt, die Faulhaber zugeschrieben wurde, in der er sich gegen die Judenverfolgungen wandte. Faulnager reagiert empört und schrieb an Ministerien und Zeitungen im In- und Ausland. Das seien, meinte er, „wahnsinnigen Behauptungen“ und eine „marxistische Fälschung und eine schamlose Lüge.“

Richtig ist vielmehr, folgendes: „Am 5. April 1933 wandte sich der katholische Geistliche (!) Alois Wurm, Herausgeber der Monatszeitschrift „Seele“ an Michael Faulhaber mit der Bitte, in der katholischen Presse gegen den Judenboykott zu argumentieren. Faulhaber wies die Bitte schroff zurück.“[10]

2. Eine Nazizeitung veröffentlichte die Behauptung, Papst Pius XI. habe eine jüdische Mutter gehabt, sei also Halbjude. Dazu schreibt Faulhaber: „Die persönlich gehässigste Unwahrheit gegen den Heiligen Vater, Pius XI., wurde zum ersten Tag dieses Jahres dem deutschen Volk von einer deutschen Zeitung ... vorgesetzt: Der Papst sei Halbjude, seine Mutter sei eine holländische Jüdin gewesen. Ich sehe, meine Zuhörer fahren vor Entsetzen empor. Diese Lüge ist besonders geeignet, in Deutschland das Ansehen des Papstes dem Gespött preiszugeben.“[11]

Die Erzdiözese München und das Staats- und das Stadtarchiv veranstalteten 2002 eine Faulhaber-Ausstellung aus Anlass seins 50. Todestages. Auf der entsprechenden Internet-Seite brachte man im Lebenslauf nur Ereignisse, die eine angebliche Widerstandstätigkeit belegen: so etwas der Versuch aufgebrachter Nazis in der Reichsprogromnacht das erzbischöfliche Palais zu stürmen. „Widerstand“ leistete der Münchener Erzbischof aber nur, wenn es um die partikularen Interessen der Kirche ging. Als z.B. Nonnen aus staatlichen Schulen entfernt wurden, protestierte Faulhaber.

Interessant ist, dass Faulhaber die Richtung vorgab, die einst auch der junge Filbinger ging: Die Hitler-Regierung ist nicht schlecht, sondern gut. Immerhin ist sie gegen die Juden und die Bolschewiken. Solange sie sich nicht unsere katholische Pfründe beschneidet, unterstützen wir sie – bis zum bitteren Ende und auch noch danach.

Für seine Freilassung intervenierte Faulhaber nach Kriegsende: 

Slowakischer Quisling, Faschistenführer und katholischer Priester Jozef Tiso

Auf dem Weg in die Vernichtung nach Auschwitz:

Slowakische Juden im KZ Zilina

Faulhaber intervenierte nach dem Krieg für im Knast einsitzende Nazi-Kriegsverbrecher, namentlich den slowakischen Quisling, Faschistenführer und katholischen Priester Jozef Tiso. Für letzteren hat das Engagement des Münchner Oberpriesters nichts genützt: Tiso endete im April 1947 in Bratislava am Galgen. Für Widerständler aus der Weißen Rose – auch gläubige Katholiken, einer war sogar im Jugendbund Neudeutschland gewesen, rührte der Bischof keinen Finger.

Ende Exkurs

4. Katholizismus und die Nazis in Deutschland

Wie oben schon beschrieben, brauchte die Nazi-Regierung dringend eine Imageverbesserung. Die Umstände der Machtübernahme durch Hitler, Reichstagsbrand, Verfolgungen der Arbeiterbewegung und dann auch der bürgerlich-demokratischen Opposition, die neu entstandenen Konzentrationslager, in denen fürchterliche Zustände herrschten, der Judenboykott usw. hatten dem Ansehen der neuen Reichsregierung aus Nazis und Deutschnationalen nicht gut getan.

Da bot es sich einfach an, mit dem Vatikan einen Vertrag zu schließen, der das Verhältnis von Kirche und Nazistaat regelte. Der Vatikan hatte schon lange solch ein Reichskonkordat angestrebt, aber es war nie zustande gekommen. Es ging dem Vatikan vor allem um seine partikularen Interessen, also die Möglichkeiten und Rechte des Klerus, die staatlichen Zuwendungen für kirchliche Einrichtungen usw. Die Zentrumspartei, die von Seiten des Klerus nichts anderes war, wie der verlängerte Arm der Kirche in die Politik, hatte eh ausgedient und war verschlissen. Sie wurde zur Manipulationsmasse im Spiel um das Konkordat.

Präses Ludwig Kaas, der langjährige Vorsitzende der Zentrumspartei, trat im Mai 1933 von dieser Funktion zurück. Sein Nachfolger im Parteivorsitz wurde der ehemalige Reichskanzler Heinrich Brüning (1885-1970), der eigentlich das Zentrum erhalten wollte. Indem er mit Hitler paktierte. Der Verlust der Unterstützung durch den Vatikan und der deutschen Bischöfe machten das jedoch unmöglich. Am 5. Juli 1933 löste sich das Zentrum, als letzte der deutschen bürgerlichen Parteien, selbst auf. Kaas geht nach Rom, Brüning zunächst in die Niederlande, dann in die USA wo er bis 1951 Professor Politische Wissenschaften an der Harvard-Universität ist, 1951 an der Uni Köln. Heinrich Brüning stirbt 1970 in den USA.

In der restlichen Nazizeit ist nichts vom aktiven Widerstand dieser Partei bekannt. Anders als die Arbeiterparteien, SPD, KPD, die vom Ausland aus Widerstand organisierten und auch im Inneren illegalen Widerstandsgruppen unterhielten, die sogar – vor allem die KPD – in Zuchthäusern und KZs Organisationsstrukturen hatten, waren es aus den bürgerlichen Parteien einige wenige, die aktiv Widerstand leisteten. Die meisten, wie z.B. Theodor Heuss von den Liberalen, arrangierten sich mit den Nazis.

5. Die antikommunistische und antidemokratische Gesinnung vereinte den Vatikan mit den Faschisten

Faschistenfreund Papst Pius XII.

Faschistenführer Hitler und Franco

Pius XII. zeichnete vor allem aus: Seine extrem reaktionäre antidemokratische und antikommunistisch/sozialistische Einstellung. Mit dieser Einstellung dürfte er der Grundeinstellung der meisten hohen Kleriker entsprochen haben.

Es ist anzunehmen, dass er, der Spitzendiplomat seines Amtsvorgängers Pius XI., sehr genau wusste, dass das Konkordat Hitler hoffähig machte.

Sie hatte an Terrain verloren, denn die Arbeiterbewegung, die in Deutschland besonders stark war, entzog sich des Einflusses der Religion und der Kirchen. Der Vatikan hatte bereits im 19. Jahrhundert versucht mit der sog. Katholischen Soziallehre und mit christlichen Gewerkschaften, der sozialistischen Bewegung Konkurrenz zu machen und war kläglich gescheitert.

Als nach dem 1. Weltkrieg in Russland die Oktoberrevolution siegte und die Bolschewiki Sowjetrussland errichteten, hatte nicht nur das das Großkapital, sondern auch die reaktionären Teile der Kirchen ein neues Feindbild. In der KPD sahen sie den verlängerten Arm der Bolschewiki in Deutschland und lagen damit auf der gleichen Wellenlänge, wie das Finanzkapital und die Faschisten. Pacelli wusste sehr genau, dass es das erste sein wird, das die neue Reichsregierung 1933 in Angriff nimmt, die „gottlose“ Arbeiterbewegung zu zerschlagen, was ja auch geschah.

Hitler tanzte zwar nicht nach der Pfeife des Vatikan, aber im Großen und Ganzen  erfüllte er die Erwartungen. Auch gegen die Aufrüstung des Deutschen Reiches und den Bruch des Versailler Vertrags hatten die Kleriker nichts einzuwenden, richtete sich das doch gegen den Hauptfeind, den Bolschewismus.

Zunächst aber begann in Spanien 1936 der Bürgerkrieg. Eine demokratisch gewählte Regierung war in Madrid an die Macht gekommen und begann den Einfluss der Großgrundbesitzer zurück zu drängen. Das passte denen natürlich nicht und so putschten Teile des Militärs unter Francisco Franco gegen die Regierung. Der hohe spanische Klerus war vom ersten Tag an auf Seiten der Putschisten – mit Ausnahme des Klerus des Baskenlandes.

Der Franco-Putsch wäre sicher ein Fiasko geworden, wenn nicht die faschistischen Mächte Italien und Hitlerdeutschland, mit Waffen und Truppen geholfen hätten. Am 1. April 1939 war Spanien in den Händen der Faschisten und Franco verkündete seinen Sieg über die Republik.

Am gleichen Tag, also eben mal einen Monat nach seiner Papstwahl, schickte ihm Pacelli, inzwischen Papst Pius XII., folgende Glückwunschbotschaft:

„Indem Wir unser Herz zu Gott erheben, sagen Wir zusammen mit Ihrer Exzellenz innigen Dank für den Sieg des katholischen Spanien, den Wir herbeisehnten. Wir wünschen uns, daß dieses uns so teure Land, nachdem der Friede erreicht ist, seinen alten Traditionen, die es so groß gemacht haben, neue Kraft verleihe. Wir erteilen Ihrer Exzellenz und dem gesamten edlen spanischen Volk Unseren apostolischen Segen.“

Schon sein Amtsvorgänger Pius XI. empfing angebliche Flüchtlinge aus Spanien und erklärte:

„Höchste Kirchenfürsten, Priester, Schwestern, Laien aller Klassen und Berufe, selbst das heilige Schweigen der Gräber, all dies wurde auf die gröbste und barbarischste Weise von wildgewordenen, unfaßbar grausamen Kräften zerstört, die die Ausgeburt einer tiefst gesunkenen menschlichen Natur sind ... Kräfte suchen von Rußland bis China, von Mexiko bis Südamerika jede Ordnung umzustürzen. Die schrecklichen Taten in Spanien bezeugen beredt, daß äußerstes Unheil droht, und daß dieses Unheil eine Ausgeburt wahrhaft satanischen Hasses gegen Gott und die erlöste Menschheit ist, in erster Linie gerichtet gegen die Religion und die katholische Kirche.“[12]

Denen er das sagte, waren alle fanatische Anhänger von Franco.

Pius XII. Haltung gegenüber den Faschisten in Europa war einerseits wohlwollend und ihre Kriegsziele, Zerschlagung des Bolschewismus, fördernd. Auch die antijüdische Haltung der Nazis dürfte ihm nicht zuwider gewesen sein.

Als ab 1943 italienische Juden nach Auschwitz deportiert wurden, schwieg der Papst, obwohl er von vielen Seiten bedrängt wurde, die Juden zu schützen. Es werden wohl mindestens 40.000 Menschen jüdischer Herkunft in deutschen Vernichtungslagern ermordet worden sein.

Allerdings haben eine ganze Reihe katholischer Priester Verstecke für jüdische Menschen zur Verfügung gestellt. Der Papst aber schwieg und der Nazibotschafter beim Vatikan, von Weizsäcker (der Vater des ehemaligen Bundespräsidenten), hebt das in einen Bericht an Ribbentrop lobend hervor.

Nachen dem Krieg gelangten viele Nazikriegsverbrecher mit Hilfe des Vatikan nach Südamerika. Darunter einige der meistgesuchten Verbrecher. Unter den Flüchtigen befanden sich unter anderem Klaus Barbie, Gerhard Bohne, Adolf Eichmann, Berthold Heilig, Josef Mengele, Ante Pavelić (koatischer Faschistenführer und Kollaborateur), Erich Priebke, Walter Rauff, Eduard Roschmann (Schlächter von Riga), Josef Schwammberger, Franz Stangl, Gustav Wagner („lächerlnder Todesengel“ im KZ Sobibor), Friedrich Warzok und Ludolf-Hermann von Alvensleben.

Das CIC, wie der US-Geheimdienst damals hieß, organisierte die Flucht mit Hilfe von Nazi-Hilfsorganisationen und der katholischen Kirche – auch des Vatikan und des Internationalen Roten Kreuzes. So konnten Naziverbrecher, Kollaborateure der besetzten Länder und Spitzenfaschisten ihren Richtern entkommen. Diese Fluchtlinie wurde Klosterlinie oder Rattenlinie genannt. Sie führte über Norditalien und Rom zu italienischen Häfen und von dort über Spanien nach Südamerika. Betreut wurden sie von kirchlichen Stellen, ausgerüstet mit Pässen des Internationalen Roten Kreuzes,[13]

Im Vatikan war zuständig der österreichische Titularbischof und Träger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP, Alois Hudal. Hudal war von Pius XII. mit weitreichenden Vollmachten in dieser Sache ausgestattet.

Ich fasse zusammen: Es gab keinen organisierten Widerstand der katholischen Kirche gegen die Faschisten. Ganz im Gegenteil. Die Interessen der katholischen Kirche und die der Faschisten waren zu ähnlich, als das die katholische Kirche Widerstand hätte leisten wollen. Es gab einige Kleriker und katholische Laien, die im Widerstand waren und Opfer des Faschismus wurden. Die Amtskirche und die hohen Würdenträger, bis hin zum Papst, verhielten sich eher zustimmend zum Faschismus.

Selbst die inzwischen selig gesprochene Galionsfigur des angeblichen Widerstands gegen Hitler, Kardinal Clemens August Graf von Galen, war kein Widerständler. Ich gehe nicht näher darauf ein, denn Kommunisten-online hat bereits anlässlich seiner Seligsprechung darüber berichtet.[14] Thomas Mann charakterisierte Galen als „unbelehrbaren Geistlichen.“

6. Bundesdeutsche Geschichtsfälschungen

Es ist bekannt und wundert einen Kommunisten schon nicht mehr, wenn die Herrschenden den proletarischen Widerstand totschweigen wollen und es wundert auch nicht, dass sie den, der Offiziere und bürgerlichen Hitlergegner überbewerten. Das ist von den Herrschenden der BRD nicht anders zu erwarten.

Aber es ist auch schon von Anfang an üblich gewesen, schwerst belastete Nazimitläufer bis in die höchsten Ränge der BRD gelangen zu lassen. Dass einer von ihnen, Filbinger, in den 70er Jahren stolperte, ist die Ausnahme. Aber Filbinger fiel über seine eigenen Füße. Er benahm sich einfach zu dumm und tollpatschig, als dass man das durchgehen lassen konnte. Er trat als Ministerpräsident zurück und wurde angesehener Mann im Hintergrund und am rechten Rand der Südwest-CDU. Dass der heutige Ministerpräsident dieses Landes ihn zum Widerständler hochstilisierte, liegt an der verengten Sichtweise dieser Leute. (weiter im Text)

Ex-Nazis, die in der BRD nach 1945 Karriere machen

Adenauer-Berater und Rasse-Jurist unter den Nazis

Hans Globke

 

Photo: Bundespräsident Heinrich Lübke nach seiner Vereidigung, 1959

KZ-Baumeister und Bundespräsident

Heinrich Lübke

Zum Bundeskanzler aufgestiegener Mitarbeiter des Reichspropagandaministers Göbbels

 

mit 16 Jahren (1931) in die Hitler-Jugend, mit 18 Jahren in die SS (1933). 

1937 Mitglied der NSDAP.
Schleyer war während des Krieges in Tschechien persönlicher Sekretär von Dr. Bernhard Adolf, der maßgeblich für die „Arisierung“ und Germanisierung der böhmischen Industrie verantwortlich war.

In der BRD Karriere bei Daimler-Benz (bis zum Vorstandsmitglied. Personal- und Sozialwesen). 

Er wurde Präsident des Bundes der Deutschen Industrie und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

In der BRD – ganz im Gegensatz zur DDR – ist nie das Nazireich aufgearbeitet worden. Selbst der millionenfache Judenmord war lange Zeit in der Öffentlichkeit tabu. Als in den 70er Jahren der US-Film „Holocaust“ im Fernsehen gezeigt werden sollte, gab es vor .allem von den CDU und CSU-Ländern Widerspruch. Der Film wurde dann in die 3. Programme verbannt und dort gezeigt. Obwohl der Film ein schrecklicher Schinken nach Western-Manier ist, führte er doch dazu, dass wenigstens das Thema Judenverfolgung in die öffentliche Diskussion rückte.

Wem wundert es dann, wenn aktive Mordbuben des faschistischen Repressionsapparats zu Widerständlern gemacht werden, wie eben jener Herr Filbinger. Filbinger ist nicht der Beweis für den katholischen Widerstand, sondern vielmehr für die katholische Unterstützung der Nazis.

Um der Wahrheit gerecht zu werden, auch in den evangelischen Kirchen war der Widerstand schwach ausgeprägt. Selbst Teile der Bekennenden Kirche segneten die Waffen der Nazis. Aber einen Mann wie Martin Niemöller sucht man unter den katholischen Klerikern vergeblich – allerdings war auch Niemöller eine einsame Größe in seiner Kirche. Er hat nie verschwiegen, dass er 1933 Hitler begrüßt hatte und erst später zum Gegner des Faschismus wurde. Solche offenen Worte gab es nicht von anderen evangelischen und katholischen Würdenträgern – bis heute nicht.

G.A.


[2]  geboren 1851, gestorben 1919

[5]  ebenda

[6]  Hermann Muckermann, Jesuit, Anthropologe am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik; Vorstandsmitglied der Berliner Ortsgruppe der „Gesellschaft für Rassenhygiene“. Setzte sich für die Eugenik als „familienfreundliche Wissenschaft“ ein; „Erbgesunden“ sollten staatlich gefördert, „Erbkranke“ in Anstalten ausgesondert werden. Muckermann war einer der Autoren der Rasseideologie, die hinter dem Gesetz stand. Er wurde nach dem Krieg nie für seine Arbeiten an der Verfolgung von geistig Behinderten zur Rechenschaft gezogen. Er leitete das Berliner Institut für Anthropologie, war wissenschaftliches Mitglied der Max-Blanck-Gesellschaft und Ordinarius für Anthropologie und Sozialethik an der Technischen Universität Berlin. Er erhielt sogar für seine zweifelhaften Verdienste das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Muckermann hatte insofern Glück, dass er den – logischen – Schritt, den die Nazis gingen; erbkrank = nicht lebenswert, also Tötung, nicht mit vollzog. Er wollte sie nur an der Zeugung von Nachwuchs hintern. Das machte Muckermann für die Nazis suspekt und die entfernten ihn aus dem Staatsdienst. So wurde auch er zum Widerstandskämpfer.

[7]  Gemeint ist hier offenbar die Zwangssterilisierung der angeblich erbkranken, die Faulhaber ablehnt und sie lieber in Anstalten sperren will.

[9]  ebenda

[11]  ebenda

[14]  Siehe: Ein Antisemit und Kriegsfreund, mehr

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Leserbrief von E.W./22. April 2007 zum Beitrag:

Die Affäre Filbinger: Der Mythos vom Widerstand der katholischen Kirche gegen Hitler 

Ist Filbinger der Beweis dafür? von Günter Ackermann/21. April 2007

Lieber Günter Ackermann,

die Exkursion zum Thema Filbinger und dem Klerus finde ich super.

Ergänzend dazu einige kleine Einzelheiten entnommen seinem Buch „Die geschmähte Generation“ erschienen bei Bechtle 1994 mit dem Vermerk „Die Wahrheit aus den Stasiakten“.

Auf Seite 1932 berichtet er über seinen Freiburger Freundeskreis, konkret über einen Vortrag von Friedrich August von Hayek[1] in Cambridge am 28.Febr. 44 gehalten. Sein „Freund“ Walter Eucken[2], plädierte in der „Freiberger Schule“ für eine freiheitliche am Marktgeschehen orientierte Wirtschaftsordnung. Wörtlich: „Ihre Lehre war eine totale Absage an die von jedweden Sozialismus vertretene Auffassung, dass nur Planwirtschaft oder Staatsintervention die soziale Frage lösen könnte.

Weiter erwähnt er das Walter-Eucken-Institut, dessen Arbeiten Ludwig Ehrhard, Müller-Armack und andere beeinflusst haben. Auf Seite 35 kann man dann Mitleid tanken, weil es einigen seiner Stuttgarter Stammtischrunde zu der Eugen Bolz, Gebhard Müller, der nachmalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, gehörte.

Dann erwähnt er die Audienz, die Papst Pius XII am 23. August 1944 Winston Churchill gab,  weil sie einen wirksamen Beitrag zur künftigen Neugestaltung Deutschlands leisten wollte!!! Wie kam denn Churchill eigentlich nach Rom?

Auch für die Schweiz sind umtriebige Aktivitäten hoher Staatsdiener aus dem feindlichen Ausland bekannt. Ebenfalls war der Schweizer Botschafter einer fleißigsten und umtriebigsten in Nazideutschland, mitten im Bombenhagel schlug er seine Zelte im berüchtigten Rheinhotel auf, - Nachtigall ich hör dir trapsen!!!

Weiter zu Filbinger, auf Seite 57 schildert er wie er 1940 zur Marine eingezogen wurde und dann nach dreijähriger Ausbildung in Glückstadt als Leutnant aus dem Dienst entlassen wurde, gleichzeitig aber für die höhere Marinejustizlaufbahn vorgesehen war. Das wollte er vermeiden und meldete sich deshalb Februar 1943 freiwillig zur Seeoffizierslaufbahn mit dem Ziel, zur U Boot Waffe zu kommen. Da die U-Boote um diese Zeit aber miserable Aussichten hatten, kam es nicht zu der Laufbahn.

Nach einigen Ämtern in der Marinejustiz nahte nun das Ende. Am 2. Februar 1944 bricht Finnland die Beziehungen zu Deutschland ab, dann Oktober 1944 begann die Großoffensive der Roten Armee, mit dem Ziel, den deutschen Truppen den Rückzug abzuschneiden.

Das konnte Filbinger nun doch nicht zulassen, als einer der letzten reterierte er von Finnland nach Norwegen, Januar 45 dann machte die Rote Armee ernst. Filbinger schildert als Hoffnungsträger des neuen Deutschland die Greueltaten der Russen.

Die Kriegsmarine vollbrachte bei der Errettung vor den Russen wahre Heldentaten, kurz geagt das Schicksal von Hunderttausenden hing also von der Disziplin der Marine ab, wörtlich :  „Ich kann mir den Befehlshaber in Norwegen nicht vorstellen der gesagt hätte „Nun lassen wir jeden laufen, wie er will“ In diesem Sinne sprang ihm auch Verleger Bucerius[3] bei. Dann versteckt er sich hinter dem Erlass von Dönitz vom 27.April 43 „Fahnenflucht ist eines der schimpflichsten soldatischen Verbrechen“

In dieser Situation wo das Schicksal des deutschen Volkes auf dem Spiel stand „entschloss ich mich, das Schicksal anzunehmen und es als Herausforderung zu betrachten - mein Amt als Richter wie es meiner Gesinnung und innersten Überzeugung zu führen“

Am Ende des Buches folgt dann eine Dokumentensammlung, Dokument 11 ist ein Brief seines Anwaltes an den lieben Herrn Professor Gerstenmeier, der ihm wohl eifrig beigesprungen war, abgedruckt, darin findet sich der Satz „Die Marine hatte sich geschworen, daß ihr niemals wieder ein 9. November 1918 passieren würde. Sie war in diesem Punkte sehr viel empfindlicher als das Heer.“

Wer ist hier mit „Marine“ gemeint? Handelt es sich nicht hierbei um eine noch heute andauernde gigantische Intrige gegen das Volk?

Damit ist die Katze aus dem Sack, um auch nur die vage Möglichkeit einer sozialen Revolution nach dem schmählichen Ende im Keim zu ersticken, haben die edlen Ritter der nicht kommunistischen Welt, vom Papst, über Churchill, Dulles und Filbinger bis hin zu Kurt Schuhmacher und Franz Neumann in Berlin „selbstlos“ zusammengearbeitet.

Wer will dieser Stütze der deutschen Nachkriegsrepublik den Dank des Vaterlandes verweigern?

mfg E. W., Kelmis


[1]  Friedrich August von Hayek (1899-1998) war während der 1930er und 1940er Jahre als bedeutendster Vertreter der Österreichischen Schule und Opponent von John Maynard Keynes. In seiner gesamten Lehre galt Hayeks Aufmerksamkeit der Auseinandersetzung mit jeder Art von Sozialismus. Schon in den 1920er-Jahren argumentierte er, dass in einer arbeitsteiligen Gesellschaft auch das Wissen aufgeteilt sei und einzelne Planer das Gesamtsystem nicht bis ins Detail überblicken könnten, eine Zentralverwaltungswirtschaft also prinzipiell nicht funktionsfähig oder zumindest einer Marktwirtschaft weit unterlegen sei. Seine Theorie erweiterte er später um anthropologische, kulturelle und informationstheoretische Überlegungen (s. unten). Er bezweifelte dabei nicht, dass einige Sozialisten moralisch anspruchsvolle Ziele verfolgten, nur hielt er den vorgeschlagenen Weg, insbesondere jede Art von staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft, für gefährlich. (siehe)

[2]  Walter Eucken (1891- 1950) „Mit seinen grundlegenden Erkenntnissen über die Funktionsbedingungen einer freiheitlichen Wirtschafts- und Sozialordnung schuf er die Basis für die soziale Marktwirtschaft und damit für den Wiederaufbau in Deutschland nach 1945.“ (Eigenlob Walter-Eucken-Institut), das auf ihn zurück geht.

„Das Walter Eucken Institut ist eine unabhängige Einrichtung, die sich wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Forschung widmet, insbesondere der Untersuchung von Problemen, deren Lösung für die Erhaltung und Weiterentwicklung einer marktwirtschaftlichen Ordnung von grundsätzlicher Bedeutung ist. Mit seinen Vorträgen, wissenschaftlichen Tagungen und Veröffentlichungen setzt sich das Institut zum Ziel, die Grundlagen und Prinzipien einer solchen Ordnung in der Öffentlichkeit deutlich zu machen und das Verständnis für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge zu fördern.“ (Eigenlob Walter-Eucken-Institut)

[3]  Gerd Bucerius (1906-1995), Verleger (Die Zeit) und CDU-Politiker

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Ein Nachruf auf den „furchtbaren Juristen“ Hans Filbinger:

Alt-Naziblutrichter war:

„Landesvater im besten Sinne“

Von Günter Ackermann/5. April 2007

So sagte der CDU-Ministerpräsident des „Ländle“ Baden-Württemberg über Hans Filbiger, Ehrendoktor und Ehrenprofessor in BaWü und Träger des höchsten Ordens der BRD.

Ich will hier nicht die seit Jahrzehnten bekannten Fakten über den „furchtbaren Juristen“, Ministerpräsident a.D. und – vorher – als Innenminister auch Verfassungsminister eines großen Bundeslandes, noch einmal aufwärmen.

Nachdem aufflog, wie viel Blut aus der Nazizeit ein Spitzenpolitiker der BRD an den Händen kleben hatte, als die Filbinger-Affäre  aufflog, erinnerte sich der saubere Herr auf einmal nicht mehr. Er leugnete, überhaupt an Todesurteilen beteiligt gewesen zu sein. Der Schwindel flog aber schnell auf, die Akten sprachen eine andere Sprache. So wusste er noch nicht einmal, dass er selbst als Ankläger an der Vollstreckung der Todesstrafe am Matrosen Walter Gröger (22) teilgenommen und das Exekutionsprotokoll unterschrieben hatte: „Das Kommando Feuer erfolgte um 16.02 Uhr. Der Verurteilte starb um 16.04 Uhr. Die Leiche wurde durch das Wachpersonal gesargt und zum Zwecke der Bestattung abtransportiert.“

Filbinger verteidigte sich dann gegenüber der Öffentlichkeit: „Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.“ Umgangssprachlich übersetzt heißt das ja nichts anderes als: Nazi-(Un)Recht war rechtens und ist es auch heute noch. Kann sich ein Altnazi, wie Filbinger (seit 1938 in der NSDAP) noch eindeutiger outen?

Seit Filbinger 1978 seinen Job als Landesvater aller Badenser und Schwaben verlor, betätigte er sich politisch am rechten Rand der CDU. Er hat sich kein einziges Mal kritisch über seine Verbrechen geäußert, sondern immer beton, er sei Opfer einer Intrige gewesen.

Auf seiner Internetseite teilt er uns noch posthum seine Unschuld mit[1]. Ob er das selbst aus dem Jenseits macht oder ob er willige Lohnschreiber hat, überlasse ich den Lesern zur Beurteilung. Jedenfalls wird sogar eine Parallele zur Affäre des Hauptmann Dreyfus gezogen, jenem französischen Stabsoffizier, den man wegen angeblicher Spionage lebenslänglich auf die Teufelsinsel verbannte. Ein Jude, meinte man, müsse für das deutsche Kaiserreich spionieren. Stattdessen war es ein ungarischer Offizier gewesen.

Filbinger war kein von den Nazis verfolgter Jude, sondern ein aktiver Nazi, der, wie so viele, in der Nachkriegszeit als Demokrat“ eine steile Karriere machte. In den Knästen saßen damals schon wieder Kommunisten, also Antifaschisten.

Für Filbinger, so teilt man uns auf der Filbinger Homepage mit, fehle „der Geist des Emile Zola, der das Unrecht, das man [Filbinger] angetan hat, auf die Gassen schreit.“[2]

Nein, der Geist des aufrechten Demokraten Emile Zola eilte Filbinger nicht zu Hilfe, aber der Teufel tat es:

„Filbinger, das können wir heute sagen, ist damals das Opfer einer Kampagne geworden. Seit der Wiedervereinigung wissen wir, in welchem Maße die Stasi der DDR mitverantwortlich war für diese Kampagne.“[3]

Na da ist ja alles klar. Ulbrichts und Honeckers Stasi war es, die Filbinger zu Fall brachte. Wenn sie wirklich an der Enttarnung des Blutjuristen, der den Biedermann nach 1945 mimte, beteiligt war, war das eine lobenswerte Sache.

Die bundesdeutschen Offiziellen jedenfalls behängten des Altnazi an dessen Händen Blut klebte, mit allerlei Ordensblech. So bekam er das Großkreuz des Bundesverdienstkreuzes, die höchste mögliche Auszeichnung des Nachfolgestaats des 3. Reiches, also eine Art ziviles Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern.

Es besteht kein Anlass zur Trauer um Filbinger. Er hat sein 93-jährigens Leben als Nazi, als Blutrichter, als Ministerpräsident des Ländle und als einer, der typisch für die BRD gelten kann, selig und friedlich beendet. Aber einen Fluch schicken wir ihn dennoch ins Grab. Das sind wir seinem Opfer, dem 22-jährigen Matrosen Walter Gröger und den unzähligen Opfern der Freislers, Globkes und Filbingers schuldig.

G.A.


[3]  Erwin Teufel, von 1991 bis 2005 Ministerpräsident in Baden-Württemberg

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