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Die
Affäre Filbinger
Der
Mythos vom Widerstand der katholischen Kirche
gegen Hitler
Ist
Filbinger der Beweis dafür?
Von
Günter Ackermann/20. April 2007
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Gliederung
1.
Öttingers Rede mehr
2.
Reichkonkordat mehr
3.
Exkurs
Erzbischof
Michael von Faulhaber
mehr
4.
Katholizismus und die Nazis in Deutschland
mehr
5.
Die antikommunistische und antidemokratische Gesinnung vereinte den
Vatikan mit den Faschisten mehr
6.
Bundesdeutsche Geschichtsfälschungen mehr |
1.
Öttingers Rede
„Ich
will alles dafür tun, damit die
Arbeit in Baden-Württemberg bleibt.“ Das lässt Oettinger
auf seine persönliche Internetseite schreiben.
Er stellt sich also als schwäbischer Provinzpolitiker vor – das mag er
auch sein. Bei seiner Lob- und Trauerrede auf seinen Vorgänger im Amt des
Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, den berüchtigten Hans
Filbinger, hat er sich so richtig als solcher verkauft. Da stilisiert er
einen Rechtsradikalen und Ewig-Gestrigen, einen erzkatholischen Nazi-Symp
und Blutrichter zum Widerstandskämpfer. Dümmer gings nimmer. Dass er
dann noch nachlegte, schließlich an der Sache vorbei redete und zum
Schluss alles zurück nahm, wirft ein beredtes Licht auf den Ministerpräsidenten
des Ländle, das so stolz ist auf seinen Wein, seine Häuslebauer und
seine Tüftler – und seine Schönredner á la Theodor Heuss.
Jedenfalls
hat Öttinger die gesamte Rechtfertigung für sein Nazihandeln von
Filbinger selbst übernommen. Man kann es noch nach dessen Tod auf dessen
Internetseite finden.
Die
Intention: Weil Filbinger katholisch war, sogar aktiv in einem
katholischen Wandervogelverein, kann
er kein Nazi, sondern muss
ein Widerständler gewesen sein. Es wird sogar ein Text zitiert, den
Filbinger selbst als „Gauleiter“ dieses katholischen Jugendbundes
„Neudeutschland“ geschrieben hat.
Aber:
Entweder halten Filbinger und seine Berater die Leser der Filbingerschen
Internetseite für total bescheuert oder sie haben gar nicht gemerkt, dass
hier genau das Gegenteil bewiesen wird: Filbinger empfahlt damals seinen
Neudeutschen brav Hitler nachzulaufen und nicht gegen die neue Regierung
von 1933 etwas zu unternehmen. War das Filbingers Widerstand?
Jedenfalls
ist die Mitgliedschaft in diesem Jugendbund Neudeutschland kein
Anhaltspunkt der Widerstandstätigkeit und schon gar nicht der Beweis dafür.
Dass Filbinger Gegner der Nazis oder gar Widerständler war, ist zu
bezweifeln und unwahrscheinlich.
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Kardinal
Felix von Hartmann |
Der
katholische Jugendbund Neudeutschland wurde 1919 von Jesuiten gegründet.
Geistiger Vater der Gründung war der Erzbischof von Köln, Felix
Kardinal von Hartmann.
Hartmann
gehörte zum reaktionärsten und nationalistischsten Teil des
deutschen Katholizismus. Ihm war sogar die erzkatholische
Zentrumspartei suspekt. Als 1918 in Preußen das
Dreiklassenwahlrecht zu Gunsten eines allgemeinen Wahlrechts
abgeschafft wurde, war von Hartmann dagegen. Er meinte, das stärke
die gottlose Sozialdemokratie.
Während
des 1. Weltkrieges war von Hartmann Befürworter des Krieges. 1915
reiste er im Auftrag der kaiserlichen Regierung nach Rom um dort den
deutschen Einmarsch ins neutrale katholische Belgien zu
rechtfertigen. |
Als
1916 der belgische Kardinal Mercier die deutschen Bischöfe aufforderte,
die belgische Bevölkerung vom Vorwurf des Partisanenkrieges zu entlasten
– mit dem Vorwand gegen Partisanen vorzugehen, hatten die deutschen
Besatzer die belgische Zivilbevölkerung drangsaliert – wollte der Kölner
Kardinal in eine wüste nationalistische Polemik gegen Mercier einsteigen.
Auch unterhielt er noch nach dem Sturz des Kaisers Wilhelm den Letzten.
mit dem jetzt zum Ex-Kaiser gewordenen, freundschaftliche Kontakte.
Also
eine nicht eben progressive Persönlichkeit, der Gründervater von
Filbingers katholischen Jugendbund Neudeutschland.
Dieser
wurde dann auch als Gegenbewegung zur eben entstandenen Weimarer Republik
gegründet. Sein Einfluss beschränkte sich allerdings auf die Kinder der
katholischen bürgerlichen Bildungsschicht an den Gymnasien. Burgen- und
Wandervogelromantik, verbunden mit deutschnationalen Gedankengut und
klerikaler Intoleranz war die Ideologie. In vielen entsprachen die
Denkinhalte denen der Nazis – mal abgesehen vom Klerikalismus.

Einige
aus der bürgerlichen Widerstandsbewegung gegen Hitler waren zwar im
Jugendbund Neudeutschland gewesen, aber es gab auch Widerständler aus
anderen bürgerlichen und nationalistischen Organisationen, so der
reaktionäre Königsberger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler. Der gehörte z.B. der Deutschnationalen
Volkspartei (DNVP) an, also der Partei, die ihren Einfluss auf Hindenburg
1933 nutzte, damit dieser im Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler machte.
Ja,
sogar in der schlimmsten aller Naziorganisationen, der SS, gab es Widerständler.
So z.B. der SS-Offizier Kurt Gerstein. Gerstein versuchte die Verbrechen
der Vergasungen an die Alliierten zu verraten.
Aber
niemand würde ernsthaft behaupten, die Mitgliedschaft in der SS sei ein
Beleg dafür, jemand sei Widerständler gegen den Faschismus gewesen.
Der
katholische Jungendbund Neudeutschland war auch kein Gegner des
Faschismus, sie bevorzugten nur die klerikale Variante. Das gilt auch für
die katholische Amtskirche.
2.
Reichkonkordat
Die
katholische Kirche hatte großes Interesse daran, ihren Einfluss zu
festigen und zu erhalten. Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert,
dem weitgehenden Verschwinden der buntschillernden feudalen Romantik und
dem Erstarken der sozialistischen Arbeiterbewegung, hatte sie ihren alten
Einfluss weitgehend eingebüßt. Der Faschismus an der Macht, so glaubten
die Kleriker, könne das wieder herstellen.
Es
ging dem Klerus vor allem um den Schul- und Bildungsbereich, die Sicherung
der Verkündung ihrer Glaubensinhalte, aber auch um alte überholte
Privilegien. So z.B. durfte einem Geistlichen kein Vermögen gepfändet
werden. Die Kleidung der Kleriker durfte nur von Klerikern getragen
werden. Die erhielt den gleichen Rang, wie das unbefugte Tragen von
Uniformen. Staatsfinanzierungen von kirchlichen Einrichtungen durften nur
mit Zustimmung der Kirche abgeschafft werden. Ferner:
Garantie
der katholisch-theologischen Fakultäten.
Katholischer
Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach.
Katholische
Religionslehrer dürfen nur mit Zustimmung des Bischofs eingestellt
werden.
Beibehaltung
und Neueinrichtung katholischer Bekenntnisschulen.
Erlaubnis
zur kirchlichen Trauung vor der Ziviltrauung in Todesgefahr und „Fällen
sittlichen Notstandes“
Garantie
der Militärseelsorge,
Verpflichtung
des Klerus, „für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes“ zu
beten
Katholische
Vereinigungen dürfen nur innerhalb staatlicher Verbände tätig werden,
außerhalb davon nur für rein religiöse, rein kulturelle und karitative
Aufgaben. Welche Verbände das sind, wird später vereinbart. Staatliche
Verbände werden religiöses Verhalten nicht behindern.
Keine
Mitgliedschaft oder Tätigkeit von Geistlichen und Ordensleuten in
politischen Parteien.
Das
Reich wird für nicht-katholische Konfessionen gleichartige Regelungen
treffen.
Die
Initiative zur Aufnahme der Verhandlungen mit dem Vatikan ging von der
Naziregierung aus, Vernadlungsführer war Vizekanzler Franz v. Papen, der
des Vatikan war Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der spätere
Papst Pius XII.
Die
katholische Kirche hatte sicherlich Interesse am Konkordat, aber mehr
Interesse hatte Hitler. Seine Regierung genoss international geringes
Ansehen und seine Partei unter Katholiken nicht minder. Dort war die
Zentrumspartei, die ebenfalls einen klerikalfaschistischen Flügel hatte,
immer noch die herausragende rechte Strömung.
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Zentrumschef
Prälat
Ludwig Kaas |
Schon
bei der Abstimmung um das Ermächtigungsgesetz im Februar 1933 kam
das Zentrum Hitler entgegen. Nach der Geschäftsordnung des
Reichstags wäre eine Zweidrittelmehrheit ohne die Stimmen des
Zentrum, die für das Ermächtigungsgesetz notwendig war, nicht möglich
gewesen. Also sprach die Hitlerregierung, wahrscheinlich Vizekanzler
und Ex-Mitglied des Zentrum, Franz von Papen, Zentrumschef Ludwig
Kaas (1881-1952) an und köderte ihn mit dem Konkordat. Das Zentrum
stimmte dem Ermächtigungsgesetz zu.
Den
Preis, den die katholische Kirche mit dem Konkordat zu zahlen hatte
– und zu zahlen bereit war – war das Aufgeben einer eigenen
politischen Partei, das Zentrum. Zentrumschef Ludwig Kaas lebte
fortan im Hof des Papstes in Rom, wo das Ausbuddeln der Knochen des
Apostels Paulus unter dem Petersdom leitete. |
Inhaltlich
stammt der Text des Reichkonkordats von Kardinal
Michael von Faulhaber, Erzbischof von München und Freising. Faulhaber
wird heute als der Bischof der am entschiedensten
(neben dem Bischof von Münster Galen) Widerstand gegen die Nazis
leistete.
Betrachten
wir das mal etwas näher.
3.
Exkurs Erzbischof Michael von Faulhaber:
Ich
betrachte es als keine Besonderheit, dass der katholische Klerus von unten
nach oben reaktionär war und es noch heute ist – abgesehen von ein paar
Ausnahmen. Faulhaber war da keine Ausnahme.
Als
Alibi werden immer Faulhabers kritische Anmerkungen zur Nazi-Ideologie
genannt. Tatsächlich stammt diese Distanzierung aus der Zeit lange vor
1933. Nach Hitlers Machtantritt sieht alles anders aus.
Bereits
zum Ermächtigungsgesetz 1933 schreibt Faulhaber an die bayrischen Bischöfe,
sie sollten
"mehr
Toleranz gegen die neue Regierung (…) üben, die heute nicht bloß im
Besitz der Macht ist, was unsere Grundsätze nicht umstoßen könnte,
sondern rechtmäßig wie noch keine Revolutionspartei in den Besitz der
Macht gelangte."
Im
November 1936 trafen sich Adolf Hitler, Rudolf Heß und Faulhaber auf dem
Obersalzberg. Faulhaber schreibt in seinem Gedächtnisprotokoll über
dieses dreistündige Gespräch u.a.:
Faulhaber
zu Hitler: „Die
deutschen Bischöfe haben auf Ihre erste Reichstagsrede hin, in der Sie
vom Konkordatsfrieden mit der Kirche sprachen, ihre früheren Bedenken zurückgenommen
und in einer gemeinsamen feierlichen Erklärung (Datum war mir nicht
gegenwärtig) sich zur friedlichen Mitarbeit mit dem Neuen Reich bereit
erklärt, und immer wieder haben die deutschen Bischöfe ihren Klerus
ermahnt, in den Predigten alle politischen Seitensprünge zu unterlassen
und auch in Privatgesprächen die Zunge zu beherrschen“
Und
„Sie
sind als das Oberhaupt des Deutschen Reiches für uns gottgesetzte Autorität,
rechtmässige Obrigkeit, der wir im Gewissen Ehrfurcht und Gehorsam
schulden.“
Hitler,
bezeichnete den Bolschewismus als Feind der Kirche und des
Nationalsozialismus. Faulhaber stimmte nicht nur zu, sondern setzte eins
drauf: Der Bolschewismus sei von Juden geführt und seine Wurzel sei der
Atheismus.
Er
meinte weiter hierzu: „Von
kirchlicher Seite, Herr Reichskanzler, wird dem Staat nicht verwehrt, im
Rahmen des Sittengesetzes in gerechter Notwehr diese Schädlinge von der
Volksgemeinschaft fernzuhalten. In diesem Obersatz sind wir einig. Wir
gehen aber auseinander in der Frage, wie sich der Staat gegen das
Verderbnis der Rasse wehren kann.“
Und
zum „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchs“ von Juli 1933 sagte
der Erzbischof und angebliche Widerstandskämpfer zu Hitler, mit Berufung
auf den Jesuiten und Rassetheoretiker Hermann Muckermann:
„Ich
habe Muckermann erklärt: „Ihre Ziele sind, sozial gesehen, überaus schön
und hoch, aber statt der körperlichen Verstümmelung
müssen andere Abwehrmittel versucht werden, und es gibt noch ein solches
Mittel: die erbkranken Menschen internieren.“
Faulhaber
schreibt am Schluss seiner Aufzeichnung: „„So
wird sich auch in anderen Fragen, in denen die Kirche ihren dogmatisch
sittlichen Standpunkt nicht verlassen kann, trotzdem ein modus vivendi
finden, ohne dass man von einem Kampf der Kirche gegen den Staat sprechen
muß. „Ich dankte dem Führer durch eine Verneigung.“
Soweit
Faulhaber als Widerstandskämpfer gegen Hitlerfaschismus.
Zwei
Episoden von Faulhaber:
1.
Eine sozialdemokratische Exilzeitung in Prag veröffentlichte eine
Predigt, die Faulhaber zugeschrieben wurde, in der er sich gegen die
Judenverfolgungen wandte. Faulnager reagiert empört und schrieb an
Ministerien und Zeitungen im In- und Ausland. Das seien, meinte er, „wahnsinnigen
Behauptungen“ und eine „marxistische Fälschung und eine schamlose Lüge.“
Richtig
ist vielmehr, folgendes: „Am 5. April 1933 wandte sich der katholische Geistliche (!) Alois
Wurm, Herausgeber der Monatszeitschrift „Seele“ an Michael
Faulhaber mit der Bitte, in der katholischen Presse gegen den Judenboykott
zu argumentieren. Faulhaber wies die Bitte schroff zurück.“
2.
Eine Nazizeitung veröffentlichte die Behauptung, Papst Pius XI. habe eine
jüdische Mutter gehabt, sei also Halbjude. Dazu schreibt Faulhaber: „Die
persönlich gehässigste Unwahrheit gegen den Heiligen Vater, Pius XI.,
wurde zum ersten Tag dieses Jahres dem deutschen Volk von einer deutschen
Zeitung ... vorgesetzt: Der Papst sei Halbjude, seine Mutter sei eine holländische
Jüdin gewesen. Ich sehe, meine Zuhörer fahren vor Entsetzen empor. Diese
Lüge ist besonders geeignet, in Deutschland das Ansehen des Papstes dem
Gespött preiszugeben.“
Die
Erzdiözese München und das Staats-
und das Stadtarchiv veranstalteten 2002 eine Faulhaber-Ausstellung aus
Anlass seins 50. Todestages. Auf der entsprechenden Internet-Seite brachte
man im Lebenslauf nur Ereignisse, die eine angebliche Widerstandstätigkeit
belegen: so etwas der Versuch aufgebrachter Nazis in der
Reichsprogromnacht das erzbischöfliche Palais zu stürmen.
„Widerstand“ leistete der Münchener Erzbischof aber nur, wenn es um
die partikularen Interessen der Kirche ging. Als z.B. Nonnen aus
staatlichen Schulen entfernt wurden, protestierte Faulhaber.
Interessant
ist, dass Faulhaber die Richtung vorgab, die einst auch der junge
Filbinger ging: Die Hitler-Regierung ist nicht schlecht, sondern gut.
Immerhin ist sie gegen die Juden und die Bolschewiken. Solange sie sich
nicht unsere katholische Pfründe beschneidet, unterstützen wir sie –
bis zum bitteren Ende und auch noch danach.
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Für
seine Freilassung intervenierte Faulhaber nach Kriegsende:
Slowakischer
Quisling, Faschistenführer und katholischer Priester
Jozef Tiso |

Auf
dem Weg in die Vernichtung nach Auschwitz:
Slowakische
Juden im KZ Zilina
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Faulhaber
intervenierte nach dem Krieg für im Knast einsitzende
Nazi-Kriegsverbrecher, namentlich den slowakischen Quisling, Faschistenführer
und katholischen Priester Jozef Tiso. Für
letzteren hat das Engagement des Münchner Oberpriesters nichts genützt:
Tiso endete im April 1947 in Bratislava am Galgen. Für Widerständler aus
der Weißen Rose – auch gläubige Katholiken, einer war sogar im
Jugendbund Neudeutschland gewesen, rührte der Bischof keinen Finger.
Ende
Exkurs
4.
Katholizismus und die Nazis in Deutschland
Wie
oben schon beschrieben, brauchte die Nazi-Regierung dringend eine
Imageverbesserung. Die Umstände der Machtübernahme durch Hitler,
Reichstagsbrand, Verfolgungen der Arbeiterbewegung und dann auch der bürgerlich-demokratischen
Opposition, die neu entstandenen Konzentrationslager, in denen fürchterliche
Zustände herrschten, der Judenboykott usw. hatten dem Ansehen der neuen
Reichsregierung aus Nazis und Deutschnationalen nicht gut getan.
Da
bot es sich einfach an, mit dem Vatikan einen Vertrag zu schließen, der
das Verhältnis von Kirche und Nazistaat regelte. Der Vatikan hatte schon
lange solch ein Reichskonkordat angestrebt, aber es war nie zustande
gekommen. Es ging dem Vatikan vor allem um seine partikularen Interessen,
also die Möglichkeiten und Rechte des Klerus, die staatlichen Zuwendungen
für kirchliche Einrichtungen usw. Die Zentrumspartei, die von Seiten des
Klerus nichts anderes war, wie der verlängerte Arm der Kirche in die
Politik, hatte eh ausgedient und war verschlissen. Sie wurde zur
Manipulationsmasse im Spiel um das Konkordat.
Präses
Ludwig Kaas, der langjährige Vorsitzende der Zentrumspartei, trat im Mai
1933 von dieser Funktion zurück. Sein Nachfolger im Parteivorsitz wurde
der ehemalige Reichskanzler Heinrich Brüning (1885-1970), der eigentlich
das Zentrum erhalten wollte. Indem er mit Hitler paktierte. Der Verlust
der Unterstützung durch den Vatikan und der deutschen Bischöfe machten
das jedoch unmöglich. Am 5. Juli 1933 löste sich das Zentrum, als letzte
der deutschen bürgerlichen Parteien, selbst auf. Kaas geht nach Rom, Brüning
zunächst in die Niederlande, dann in die USA wo er bis 1951 Professor Politische
Wissenschaften an der Harvard-Universität ist, 1951 an der Uni Köln.
Heinrich Brüning stirbt 1970 in den USA.
In
der restlichen Nazizeit ist nichts vom aktiven Widerstand dieser Partei
bekannt. Anders als die Arbeiterparteien, SPD, KPD, die vom Ausland aus
Widerstand organisierten und auch im Inneren illegalen Widerstandsgruppen
unterhielten, die sogar – vor allem die KPD – in Zuchthäusern und KZs
Organisationsstrukturen hatten, waren es aus den bürgerlichen Parteien
einige wenige, die aktiv Widerstand leisteten. Die meisten, wie z.B.
Theodor Heuss von den Liberalen, arrangierten sich mit den Nazis.
5.
Die antikommunistische und antidemokratische Gesinnung vereinte den
Vatikan mit den Faschisten
|

Faschistenfreund
Papst
Pius XII. |

Faschistenführer
Hitler und Franco |
Pius
XII. zeichnete vor allem aus: Seine extrem reaktionäre antidemokratische
und antikommunistisch/sozialistische Einstellung. Mit dieser Einstellung dürfte
er der Grundeinstellung der meisten hohen Kleriker entsprochen haben.
Es
ist anzunehmen, dass er, der Spitzendiplomat seines Amtsvorgängers Pius
XI., sehr genau wusste, dass das Konkordat Hitler hoffähig machte.
Sie
hatte an Terrain verloren, denn die Arbeiterbewegung, die in Deutschland
besonders stark war, entzog sich des Einflusses der Religion und der
Kirchen. Der Vatikan hatte bereits im 19. Jahrhundert versucht mit der
sog. Katholischen Soziallehre und mit christlichen Gewerkschaften, der
sozialistischen Bewegung Konkurrenz zu machen und war kläglich
gescheitert.
Als
nach dem 1. Weltkrieg in Russland die Oktoberrevolution siegte und die
Bolschewiki Sowjetrussland errichteten, hatte nicht nur das das Großkapital,
sondern auch die reaktionären Teile der Kirchen ein neues Feindbild. In
der KPD sahen sie den verlängerten Arm der Bolschewiki in Deutschland und
lagen damit auf der gleichen Wellenlänge, wie das Finanzkapital und die
Faschisten. Pacelli wusste sehr genau, dass es das erste sein wird, das
die neue Reichsregierung 1933 in Angriff nimmt, die „gottlose“
Arbeiterbewegung zu zerschlagen, was ja auch geschah.
Hitler
tanzte zwar nicht nach der Pfeife des Vatikan, aber im Großen und Ganzen
erfüllte er die Erwartungen. Auch gegen die Aufrüstung des
Deutschen Reiches und den Bruch des Versailler Vertrags hatten die
Kleriker nichts einzuwenden, richtete sich das doch gegen den Hauptfeind,
den Bolschewismus.
Zunächst
aber begann in Spanien 1936 der Bürgerkrieg. Eine demokratisch gewählte
Regierung war in Madrid an die Macht gekommen und begann den Einfluss der
Großgrundbesitzer zurück zu drängen. Das passte denen natürlich nicht
und so putschten Teile des Militärs unter Francisco Franco gegen die
Regierung. Der hohe spanische Klerus war vom ersten Tag an auf Seiten der
Putschisten – mit Ausnahme des Klerus des Baskenlandes.
Der
Franco-Putsch wäre sicher ein Fiasko geworden, wenn nicht die
faschistischen Mächte Italien und Hitlerdeutschland, mit Waffen und
Truppen geholfen hätten. Am 1. April 1939 war Spanien in den Händen der
Faschisten und Franco verkündete seinen Sieg über die Republik.
Am
gleichen Tag, also eben mal einen Monat nach seiner Papstwahl, schickte
ihm Pacelli, inzwischen Papst Pius XII., folgende Glückwunschbotschaft:
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„Indem
Wir unser Herz zu Gott erheben, sagen Wir zusammen mit Ihrer
Exzellenz innigen Dank für den Sieg des katholischen Spanien, den
Wir herbeisehnten. Wir wünschen uns, daß dieses uns so teure Land,
nachdem der Friede erreicht ist, seinen alten Traditionen, die es so
groß gemacht haben, neue Kraft verleihe. Wir erteilen Ihrer
Exzellenz und dem gesamten edlen spanischen Volk Unseren
apostolischen Segen.“ |
Schon
sein Amtsvorgänger Pius XI. empfing angebliche Flüchtlinge aus Spanien
und erklärte:
„Höchste
Kirchenfürsten, Priester, Schwestern, Laien aller Klassen und Berufe,
selbst das heilige Schweigen der Gräber, all dies wurde auf die gröbste
und barbarischste Weise von wildgewordenen, unfaßbar grausamen Kräften
zerstört, die die Ausgeburt einer tiefst gesunkenen menschlichen Natur
sind ... Kräfte suchen von Rußland bis China, von Mexiko bis Südamerika
jede Ordnung umzustürzen. Die schrecklichen Taten in Spanien bezeugen
beredt, daß äußerstes Unheil droht, und daß dieses Unheil eine
Ausgeburt wahrhaft satanischen Hasses gegen Gott und die erlöste
Menschheit ist, in erster Linie gerichtet gegen die Religion und die
katholische Kirche.“
Denen
er das sagte, waren alle fanatische Anhänger von Franco.
Pius
XII. Haltung gegenüber den Faschisten in Europa war einerseits
wohlwollend und ihre Kriegsziele, Zerschlagung des Bolschewismus, fördernd.
Auch die antijüdische Haltung der Nazis dürfte ihm nicht zuwider gewesen
sein.
Als
ab 1943 italienische Juden nach Auschwitz deportiert wurden, schwieg der
Papst, obwohl er von vielen Seiten bedrängt wurde, die Juden zu schützen.
Es werden wohl mindestens 40.000 Menschen jüdischer Herkunft in deutschen
Vernichtungslagern ermordet worden sein.
Allerdings
haben eine ganze Reihe katholischer Priester Verstecke für jüdische
Menschen zur Verfügung gestellt. Der Papst aber schwieg und der
Nazibotschafter beim Vatikan, von Weizsäcker (der Vater des ehemaligen
Bundespräsidenten), hebt das in einen Bericht an Ribbentrop lobend hervor.
Nachen
dem Krieg gelangten viele Nazikriegsverbrecher mit Hilfe des Vatikan nach
Südamerika. Darunter einige der meistgesuchten Verbrecher. Unter den Flüchtigen
befanden sich unter anderem Klaus Barbie, Gerhard Bohne, Adolf Eichmann,
Berthold Heilig, Josef Mengele, Ante Pavelić (koatischer Faschistenführer
und Kollaborateur), Erich Priebke, Walter Rauff, Eduard Roschmann (Schlächter
von Riga), Josef Schwammberger, Franz Stangl, Gustav Wagner („lächerlnder
Todesengel“ im KZ Sobibor), Friedrich Warzok und Ludolf-Hermann von
Alvensleben.
Das
CIC, wie der US-Geheimdienst damals hieß, organisierte die Flucht mit
Hilfe von Nazi-Hilfsorganisationen und der katholischen Kirche – auch
des Vatikan und des Internationalen Roten Kreuzes. So konnten
Naziverbrecher, Kollaborateure der besetzten Länder und Spitzenfaschisten
ihren Richtern entkommen. Diese Fluchtlinie wurde Klosterlinie oder
Rattenlinie genannt. Sie führte über Norditalien und Rom zu
italienischen Häfen und von dort über Spanien nach Südamerika. Betreut
wurden sie von kirchlichen Stellen, ausgerüstet mit Pässen des
Internationalen Roten Kreuzes,
Im
Vatikan war zuständig der österreichische Titularbischof und Träger des
Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP, Alois Hudal. Hudal war von Pius XII. mit weitreichenden Vollmachten in
dieser Sache ausgestattet.
Ich
fasse zusammen: Es gab keinen organisierten Widerstand der
katholischen Kirche gegen die Faschisten. Ganz im Gegenteil. Die
Interessen der katholischen Kirche und die der Faschisten waren zu ähnlich,
als das die katholische Kirche Widerstand hätte leisten wollen. Es gab
einige Kleriker und katholische Laien, die im Widerstand waren und Opfer
des Faschismus wurden. Die Amtskirche und die hohen Würdenträger, bis
hin zum Papst, verhielten sich eher zustimmend zum Faschismus.
Selbst
die inzwischen selig gesprochene Galionsfigur des angeblichen Widerstands
gegen Hitler, Kardinal Clemens August Graf von Galen, war kein Widerständler.
Ich gehe nicht näher darauf ein, denn Kommunisten-online hat bereits anlässlich
seiner Seligsprechung darüber berichtet.
Thomas Mann charakterisierte Galen als „unbelehrbaren Geistlichen.“
6.
Bundesdeutsche Geschichtsfälschungen
Es
ist bekannt und wundert einen Kommunisten schon nicht mehr, wenn die
Herrschenden den proletarischen Widerstand totschweigen wollen und es
wundert auch nicht, dass sie den, der Offiziere und bürgerlichen
Hitlergegner überbewerten. Das ist von den Herrschenden der BRD nicht
anders zu erwarten.
Aber
es ist auch schon von Anfang an üblich gewesen, schwerst belastete
Nazimitläufer bis in die höchsten Ränge der BRD gelangen zu lassen.
Dass einer von ihnen, Filbinger, in den 70er Jahren stolperte, ist die
Ausnahme. Aber Filbinger fiel über seine eigenen Füße. Er benahm sich
einfach zu dumm und tollpatschig, als dass man das durchgehen lassen
konnte. Er trat als Ministerpräsident zurück und wurde angesehener Mann
im Hintergrund und am rechten Rand der Südwest-CDU. Dass der heutige
Ministerpräsident dieses Landes ihn zum Widerständler hochstilisierte,
liegt an der verengten Sichtweise dieser Leute. (weiter
im Text)
| Ex-Nazis,
die in der BRD nach 1945 Karriere machen |
|
Adenauer-Berater und Rasse-Jurist unter den Nazis
Hans Globke
|
KZ-Baumeister und Bundespräsident
Heinrich Lübke |
|
Zum Bundeskanzler aufgestiegener Mitarbeiter des
Reichspropagandaministers Göbbels
|
mit
16 Jahren (1931) in die Hitler-Jugend, mit 18 Jahren in die SS
(1933).
1937
Mitglied der NSDAP.
Schleyer war während des Krieges in Tschechien persönlicher Sekretär
von Dr. Bernhard Adolf, der maßgeblich für die „Arisierung“
und Germanisierung der böhmischen Industrie verantwortlich war.
In
der BRD Karriere bei Daimler-Benz (bis zum Vorstandsmitglied.
Personal- und Sozialwesen).
Er
wurde Präsident des Bundes der Deutschen Industrie und der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände |
In
der BRD – ganz im Gegensatz zur DDR – ist nie das Nazireich
aufgearbeitet worden. Selbst der millionenfache Judenmord war lange Zeit
in der Öffentlichkeit tabu. Als in den 70er Jahren der US-Film
„Holocaust“ im Fernsehen gezeigt werden sollte, gab es vor .allem von
den CDU und CSU-Ländern Widerspruch. Der Film wurde dann in die 3.
Programme verbannt und dort gezeigt. Obwohl der Film ein schrecklicher
Schinken nach Western-Manier ist, führte er doch dazu, dass wenigstens
das Thema Judenverfolgung in die öffentliche Diskussion rückte.
Wem
wundert es dann, wenn aktive Mordbuben des faschistischen
Repressionsapparats zu Widerständlern gemacht werden, wie eben jener Herr
Filbinger. Filbinger ist nicht der Beweis für den katholischen
Widerstand, sondern vielmehr für die katholische Unterstützung der
Nazis.
Um
der Wahrheit gerecht zu werden, auch in den evangelischen Kirchen war der
Widerstand schwach ausgeprägt. Selbst Teile der Bekennenden Kirche
segneten die Waffen der Nazis. Aber einen Mann wie Martin Niemöller sucht
man unter den katholischen Klerikern vergeblich – allerdings war auch
Niemöller eine einsame Größe in seiner Kirche. Er hat nie verschwiegen,
dass er 1933 Hitler begrüßt hatte und erst später zum Gegner des
Faschismus wurde. Solche offenen Worte gab es nicht von anderen
evangelischen und katholischen Würdenträgern – bis heute nicht.
G.A.
Hermann Muckermann, Jesuit,
Anthropologe am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie,
menschliche Erblehre und Eugenik; Vorstandsmitglied der Berliner
Ortsgruppe der „Gesellschaft für Rassenhygiene“. Setzte sich für
die Eugenik als „familienfreundliche Wissenschaft“ ein;
„Erbgesunden“ sollten staatlich gefördert, „Erbkranke“ in
Anstalten ausgesondert werden. Muckermann war einer der Autoren der
Rasseideologie, die hinter dem Gesetz stand. Er wurde nach dem Krieg
nie für seine Arbeiten an der Verfolgung von geistig Behinderten zur
Rechenschaft gezogen. Er leitete das Berliner Institut für
Anthropologie, war wissenschaftliches Mitglied der
Max-Blanck-Gesellschaft und Ordinarius für Anthropologie und
Sozialethik an der Technischen Universität Berlin. Er erhielt sogar für
seine zweifelhaften Verdienste das große Verdienstkreuz der
Bundesrepublik Deutschland. Muckermann hatte insofern Glück, dass er
den – logischen – Schritt, den die Nazis gingen; erbkrank = nicht
lebenswert, also Tötung, nicht mit vollzog. Er wollte sie nur an der
Zeugung von Nachwuchs hintern. Das machte Muckermann für die Nazis
suspekt und die entfernten ihn aus dem Staatsdienst. So wurde auch er
zum Widerstandskämpfer.
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