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Nazi-Terror I

Wurden die Nazi-Mörder vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ ihrerseits ermordet?

Von Gerd Höhne

Kommunisten-online vom 22. November 2011 – Seit Tagen werden wir mit verwirrenden Meldungen  über die Nazimörder aus Sachsen vom NSU überhäuft. Da befasst sich der Innenausschuss des Bundestages damit und will „restlos aufklären“, der Bindesinnenminister will „restlos aufklären“, das Bundeskriminalamt will „restlos aufklären“, und der Verfassungsschutz auch Kein Politiker der bürgerlichen Parteien, der nicht „restlos aufklären“ will.

Nun, die Kunde hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Da kommt – ganz nebenbei – raus, dass die den angeblich den Behörden nicht bekannte Terrorgruppe von den Behörden beobachtet wurde, dass man bei der Frau im, Trio vor Jahren Waffen und Sprengstoff fand, sie aber ungeschoren ließ. Dass am Tatort einer der Morde ein Verfassungsschützer dabei war. Und vor allem: Der Tod der beiden Nazi-Mörder, angeblich Selbstmord, ist umstritten.

Und nun kommt der Verdacht auf, dass die beiden keineswegs in den Freitod gingen, sondern ermordet wurden. Das ganze Getue um den Tod der Mörder lässt – ist Freitod ausgeschlossen – nur einen Schluss zu: Die Beiden wurden von Auftragskillern im Dienste des Verfassungsschutzes beseitigt. Die Gruppe war zur Belastung der Schlapphüte geworden und sie wussten zuviel.

Dieser Gedanke sei abwegig? Finde ich nicht. Dass der NSU jahrelang vom Geheimdienst geführt wurde, steht für mich außer Zweifel. Sie hätten ihre Mordserie nicht so lange unbehelligt machen können. Also war deren Liquidierung für die Hintermänner die einzige Möglichkeit aus der Affäre einigermaßen ungeschoren heraus zu kommen. Das Herauskommen erleben wir zurzeit: Politiker mit Wordblasen, ganze Nebelwände von Erklärungen, aber das Wesendliche, wie weit der Verfassungsschutz da drin steckte, fehlt. Man spricht nur von Pannen, Fehlern oder Versagen. Keins davon stimmt wirklich.

„Nasse“ Aktionen, also Morde, sind im Geheimdienstmilieu üblich. Meines Wissens hat in der Vergangenheit nur ein Geheimdienst niemals eine nasse Aktion durchgeführt: Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR

Eine Panne für die Schlapphüte war nur, dass trotzdem einiges raus kam.

G.H.

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Nazi-Terror II

Kleiner Adolf

BERLIN

Quelle: german-foreign-policy.com/ vom 21.11.2011 - In heillosen Widersprüchen verfangen haben sich die deutschen Inlandsgeheimdienste wegen der Aufklärung ihrer möglichen Mittäterschaft bei rechtsradikalen Mordaktionen. Den Serienverbrechen des Femeverbundes „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) fielen in den vergangenen Jahren mindestens zehn Menschen zum Opfer. Angeblich war den Behörden davon nichts bekannt, obwohl die Anwesenheit eines staatlichen Geheimdienstmitarbeiters bei zumindest einer der Mordtaten unstrittig ist. Der mit der Observation der Mordgruppe betraute frühere Geheimdienstchef publiziert heute in rechtsnationalistischen Kreisen. Die offenkundige Durchmischung mit nationalsozialistischen Milieus führt zu Einflusskämpfen zwischen öffentlichen und geheimdienstlichen Teilen des Staatsapparats. Daraus geht das auch im Ausland tätige und als besonders aggressiv geltende Bundeskriminalamt (BKA) gestärkt hervor. Verfassungstreue Behördenspitzen fürchten um die Radikalisierung der nicht kontrollierten Dienste und bemühen sich um eine parteiübergreifende Symbolpolitik. Sie soll insbesondere das Ausland beruhigen.

Mit mehreren Veranstaltungen, die im deutschen Parlament anberaumt worden sind, versuchen sämtliche Bundestagsparteien ihre politische Kontrollfähigkeit über die NS- und Geheimdienstszene darzustellen. So soll am morgigen Dienstag ein gemeinsamer Auftritt der Fraktionsvorsitzenden im Reichstag stattfinden. Geplant sind Trauerveranstaltungen unter Zuhilfenahme religiöser Symbolik. Der sonst unbeachteten Integrationsbeauftragten der Bundesregierung wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Bildbericht eingeräumt, in dem sie ihrem Bedauern Ausdruck verleihen konnte. Bereits in der vergangenen Woche hatte der deutsche Bundespräsident verlautbart: „Wir gedenken der Toten und teilen hoffentlich jetzt noch viel mehr das Leid ihrer Angehörigen.“[1]

Mitfinanziert

Die Reaktionen der politischen Staatsspitzen gelten einem schwerwiegenden Legitimationsverlust, der unter den in Deutschland lebenden Ausländern und ihren Familien seit Bekanntwerden der NS-Mordtaten um sich greift. „Es kann nicht sein, dass auch die aus unseren Steuergeldern finanzierten Behörden nicht in der Lage sind, unsere Sicherheit zu gewährleisten“, sagte der Sprecher des Vereins „Unternehmer ohne Grenzen“, Kazim Abaci, nach Bekanntwerden der Mordhintergründe in Hamburg.[2] Für Leman Stehn, Sprecherin einer Gedenkinitiative, die an den bereits 1985 mit Baseballschlägern und Axtstielen umgebrachten türkischen Jugendlichen Ramazan Avci erinnert, steht fest: „Es sind Terroraktionen und Morde durch den Staat mitfinanziert (worden) – uf Umwegen“. In der türkischen Presse werden Parallelen zu rechten Geheimdienstgruppen gezogen, die in den 1980er Jahren an der Destabilisierung der Verfassungsorgane in Ankara beteiligt waren.

Plausibel

Erhebliche Widersprüche ruft die NS-Mordserie zwischen deutschen Behördenspitzen hervor. Weil sich die zentrale Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geheimdienstbeteiligung an einem NS-Mord in Kassel zu Ermittlungen beim hessischen Verfassungsschutz veranlasst sah, unterstellt der hessische Innenminister der deutschen Justiz „einen feindlichen Akt“.[3] Über den der Mittäterschaft verdächtigen hessischen Geheimdienstbeamten war zuvor bekannt geworden, er werde „kleiner Adolf“ genannt. Jedoch seien seine Alibis für die Tatzeit bei vier weiteren NS-Morden „plausibel“ [4], eine Tatbeteiligung „unwahrscheinlich“, heißt es in der Geheimdienstbehörde. Die doppelbödige Wortwahl lässt darauf schließen, dass von einer wirklichen Entlastung keine Rede sein kann. Weiter heißt es, zwar habe man bei dem Beamten Kopien des NS-Hetzwerks „Mein Kampf“ und andere verbotene Schriften sowie mehrere Schusswaffen und illegale Munitionsbestände gefunden, doch seien seine rechtsradikalen „Tendenzen“ sicherlich nur auf die Jugendzeit beschränkt und damals lediglich „vage“ gewesen. Der Beamte arbeitet bis heute in einer hohen hessischen Verwaltungsbehörde.

Helfer

Völlig ungeklärt sind die Umstände des angeblichen Doppelselbstmords der Täter vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Folgt man den deutschen Behördendarstellungen, haben sich die beiden NS-Rassisten in einem Wohnmobil erschossen, das sie gleichzeitig in Flammen aufgehen ließen. Als Suizidmotiv wird eine unmittelbar bevorstehende Entdeckung genannt. Damit in Widerspruch steht nicht nur der schwer zu erklärende Tötungsablauf; auch die Selbstanzeige einer dritten Person, die dem Täterkern des NSU angehört und sich inzwischen in Haft befindet, lässt die vorgebliche Selbsthinrichtung seltsam erscheinen. Dass die NS-Mörder von Dritten erschossen wurden, um Hintergründe der jahrelangen Mordserie zu verschleiern, scheint ebenso wenig ausgeschlossen wie ein interner Streit über ihre Verbindungen zu bisher unerkannten Helfern.

Notstandsregime

Die NS-Mordserie und ihr geheimdienstlicher Hintergrund erinnern an ähnliche Ereignisse in der Weimarer Republik. Damals verübten rechtsradikale Terroristen in Zusammenarbeit oder mit stillschweigender Duldung einzelner Behördenteile zahlreiche Mordanschläge, bei denen mehre hundert Menschen starben.[5] Trotz unterschiedlicher Anlässe und Opfer war das zentrale Anschlagsmotiv mehrheitlich rassistisch geprägt und darin den heutigen Morden ähnlich. Die Weimarer Mordgruppen zielten auf die Überführung der bürgerlich-demokratischen Verfassungsverhältnisse in einen autoritären Gefolgschaftsstaat „germanischer“ Ordnung. Eine fast deckungsgleiche Perspektive bieten hunderte NS-Gruppen, die in der Bundesrepublik straflos Propaganda betreiben, der krisengeschüttelten deutschen Gesellschaft auch heute an. Kreise des deutschen Establishments, die ohne persönlichen Bezug zur NS-Szene sind, beschäftigen sich in jüngster Zeit verstärkt mit den Grenzen demokratischer Verfassungsverhältnisse.[6] In beiden Milieus gern zitierter Autor ist der NS-Theoretiker Carl Schmitt, dessen Hauptwerk dem Notstandsregime gewidmet ist.[7]

Selbstreferenziell

Die Widersprüche zwischen unterschiedlichen Fraktionen des politischen Berlin führen auch in der Bundesregierung zu Auseinandersetzungen. Über Bundesinnenminister Friedrich (CSU) wird sowohl von eigenen Parteimitgliedern wie auch vom Koalitionspartner FDP öffentlich gestreut, er erfasse die staatliche Legitimationskrise nicht ganz.[8] Die Bundesjustizministerin kritisiert dieses Versagen, ist jedoch nicht in der Lage, grundlegende Änderungen zu bewirken. Ohne ernsthafte Analyse des tatsächlichen Umfangs der staatsdurchmischten NS-Aktivitäten und ihrer Ursachen, aber unter dem vermeintlichen Zwang, symbolische Akte setzen zu müssen, wird das Handlungsfeld deswegen neuen Apparataktivitäten der Geheimdienste überlassen. Die Konsequenzen sind selbstreferenziell.

Arbeitsgruppen

Da die Verfassungsschutzbehörden vorläufig als belastet gelten, ist es dem Chef des bereits jetzt mit Geheimdiensten kooperierenden Bundeskriminalamts (BKA) binnen weniger Tage gelungen, die Stellung seines konkurrierenden Amtes auszubauen. Unter BKA-Ägide soll ein weiteres Geheimdienstzentrum geschaffen werden. Welche Richtung dabei vorgegeben ist, zeigt ein Blick auf den Dienst, dessen Präsident Jörg Ziercke ist. In Zierckes Arbeitsbereich fallen auch Auslandseinsätze, deren fragwürdige Methoden Gegenstand von Auseinandersetzungen mit verfassungstreuen BKA-Mitarbeitern sind. So soll Ziercke Kenntnis von Folterpraktiken bei der Zusammenarbeit mit Geheimdiensten im Nahen Osten besitzen, ohne diesen Notstandsmaßnahmen nachgegangen zu sein.[9] Weitere Auslandskontakte unterhält das BKA unter anderem mit Repressionsbehörden der Schweiz, Belgiens und der Niederlande. Unter dem Namen „Remote Forensic Software User Group“ widmet sich eine gemeinsame „Arbeitsgruppe“ [10] der Geheimdienste dem verdeckten Ausspähen privater Computer („Staatstrojaner“) - auf deutsche Initiative. Die Aktivitäten wurden nach parlamentarischer Intervention erst vor wenigen Wochen bekannt. Der „Überwachungsapparat“ des BKA bilde „nach eigenem Gutdünken informelle 'Arbeitsgruppen', die „nur schwer“ zu „kontrollieren sind“, heißt es bei der Opposition im Deutschen Bundestag.[11]

Weitere Informationen zur Verflechtung von Inlandsgeheimdiensten und Neonazi-Organisationen finden Sie hier: Staatliche Aufbauhilfe für Neonazis.

[1] Wulff will Angehörige der Neonazi-Opfer einladen; www.wiwo.de 16.11.2011
[2] Rechtsextremismus in Deutschland. Dossier; Hamburger Abendblatt 14.11.2011
[3] Unmut über Bundesinnenminister Friedrich; Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.11.2011
[4] Range verteidigt Verfassungsschutz; Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.11.2011
[5] Emil Julius Gumbel: Vom Fememord zur Reichskanzlei. Mit einem Vorwort von Walter Fabian, Heidelberg 1962
[6] s. dazu Ein klein wenig Diktatur, Weniger Demokratie wagen und Weniger Demokratie wagen (II)
[7] Herfried Münkler: Erkenntnis wächst an den Rändern. Der Denker Carl Schmitt; Die Welt 07.04.2005
[8] Unmut über Bundesinnenminister Friedrich; Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.11.2011
[9] s. dazu Die Folterer und Und warten noch immer
[10] Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 17/138, 09.11.2011
[12] Den internationalen Trojaner-Stammtisch des BKA auflösen. Pressemitteilung von Andrej Hunko (Die Linke), 14.11.2011

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Europa erwache!

Nazi-Unterstzung

ERFURT

German-foreign-policy vom 23.11.2011 (auf Kommunisten-online  am 24. November 2011) – Mutmaßliche Unterstützer der Neonazi-Terrorgruppe NSU („Nationalsozialistischer Untergrund“) haben systematisch Beziehungen ins europäische Ausland aufgebaut. Auf Festivals, die sie organisierten, trafen mehrere Jahre lang extrem rechte Bands und Polit-Funktionäre aus einer Reihe europäischer Länder zusammen. Während in Städten wie Athen oder Lissabon derartige Treffen aufgrund von Massenprotesten oder staatlichem Einschreiten „gar nicht bzw. nur in eingeschränktem Maße stattfinden konnten“, sei „in der Thüringer rechtsextremen Szene relativ unbehelligt ein neuer Schwerpunkt europäischer Vernetzung“ entstanden, berichten Experten. Die Festivals intensivierten etwa die Kontakte deutscher Neonazis nach Ungarn und in die Tschechische Republik, die sich bis heute in deutscher Beteiligung an Demonstrationen oder an Gewalttaten mit extrem rechtem Hintergrund äußern. Zudem dienten sie zeitweise dem Aufbau der „European National Front“, einem europaweiten Parteienbündnis der extremen Rechten. Daran war die NPD beteiligt, die dafür bekannt ist, zahlreiche V-Männer des deutschen Inlandsgeheimdienstes auf ihren Führungsebenen zu beherbergen. Details über die womöglich auch steuernde Präsenz von V-Leuten in der Neonazi-Szene Thüringens und eventuell gar unter den Terror-Helfern werden bis heute geheimgehalten.

Unterstützer

Zu den mutmaßlichen Unterstützern des NSU („Nationalsozialistischer Untergrund“) gehörten jüngsten Berichten zufolge zwei einflussreiche Aktivisten der thüringischen Neonazi-Szene. Dabei handelt es sich um die langjährigen NPD-Funktionäre Ralf Wohlleben und Andre Kapke. Beide hatten bereits Mitte der 1990er Jahre Kontakt zu den zwei NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt; alle vier wohnten etwa 1996 in Erfurt einem Prozess gegen den Holocaustleugner Manfred Roeder bei. Roeder hatte 1980 die terroristischen „Deutschen Aktionsgruppen“ gegründet und war 1982 dafür verurteilt worden. Die Terrororganisation brachte bei einigen Sprengstoff- und Brandanschlägen zwei Migranten ums Leben. Wohlleben und Kapke entstammen wie Böhnhardt und Mundlos der Jenaer Neonazi-Szene, die in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eine erhebliche Gewalttätigkeit entwickelte. Während Böhnhardt und Mundlos Bomben bastelten und schließlich untertauchten, blieb es bei Wohlleben und Kapke bei gefährlicher Körperverletzung. Wohlleben sei eventuell einer der ersten Helfer des untergetauchten Terror-Trios gewesen und werde verdächtigt, Solidaritätskonzerte organisiert zu haben, während Kapke den Terroristen sein Auto zur Flucht zur Verfügung gestellt haben könnte, heißt es in Berichten.[1]

Fest der Völker

Zu den Veranstaltungen, die Wohlleben und Kapke zusammen in Thüringen organisierten, gehörte das internationale Neonazi-Festival „Fest der Völker“. Der Name des Events war dem „Olympia“-Film entlehnt, den die NS-Regisseurin Leni Riefenstahl über die Olympischen Spiele von 1936 im nationalsozialistischen Berlin produziert hat. NS-Bezüge waren auf den Festivals stets völlig offen erkennbar. Im Jahr 2007 etwa hieß es - in Anklang an die „Europäischen Freiwilligen“ der Waffen-SS - auf Plakaten: „Waffenbrüder Europas im Bunde für Freiheit“.[2] Im gleichen Jahr erklärte der damalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt in einer Rede beim „Fest der Völker“: „Am 8. Mai 1945 hat nicht nur Deutschland den Krieg verloren, sondern auch ein großer Europagedanke.“ Gemeint war das Konzept eines völkisch gegliederten Kontinents unter deutscher Führung. „Heil Deutschland - Heil Europa!“, rief etwa Zsolt Illés, ein führender Vertreter einer verbotenen ungarischen Neonazi-Organisation, 2007 auf dem Festival: Man werde „im Verbund der europäischen Nationalisten den internationalen Globalisierungswahnsinn beenden“.[3] Im Anklang an die NS-Parole „Deutschland erwache!“ hieß es damals auf dem Bühnentransparent: „Europa erwache!“.

Gegen die Alliierten verteidigt

Das „Fest der Völker“, das zwei mutmaßliche Unterstützer der Terrorgruppe NSU von 2005 bis 2009 organisierten, hat stark dazu beigetragen, Neonazivereinigungen im europäischen Ausland an die deutsche Neonazi-Szene anzubinden. Zsolt Illés etwa, der 2005 erstmals in Thüringen gastierte, trat später erneut in Deutschland auf. Bei einem „Europatag“ der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ erklärte der einflussreiche ungarische Rechtsextremist, die Anwesenden seien „Nachfolger und Erben der kämpfenden europäischen Helden“, die im Zweiten Weltkrieg „Europa gegen die Alliierten verteidigt haben“. Damit seien sie „Vorkämpfer für die Zukunft unserer weißen Kinder“.[4] Zuletzt war Illés Anfang Juli als Redner auf dem Pressefest der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ angekündigt. Ebenfalls als Redner vorgesehen war er für den diesjährigen „Tag der Ehre“ in Budapest, eine Gedenkveranstaltung, die alljährlich den gemeinsamen Ausbruch deutscher und ungarischer Truppen aus dem Budapester Kessel am 10. Februar 1945 in Erinnerung ruft. Allerdings wurde das Event, an dem auch deutsche Neonazis teilnehmen wollten, dieses Mal verboten.

Inspiriert durch die NPD

Neben den Kontakten nach Ungarn wurden auf Betreiben von Wohlleben und Kapke in Thüringen auch die Kontakte in die Tschechische Republik gestärkt. Nicht nur spielten tschechische Neonazi-Bands auf den thüringischen Festivals. Auch trat zum Beispiel im September 2008 Tomáš Vandas beim „Fest der Völker“ auf. Vandas war damals Anführer der „Arbeiterpartei“ („Dělnická Strana“), die nur wenige Wochen später - im November 2008 - an heftigen Straßenschlachten mit der Polizei beteiligt war. Tschechische Neonazis hatten in der Kleinstadt Litvínov zum „Sturm“ auf ein Roma-Viertel aufgerufen; Aktivisten der „Dělnická Strana“ waren involviert. An den höchst gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitsorganen Tschechiens nahmen auch ostdeutsche Neonazis teil. Die in Thüringen gestärkte deutsch-tschechische Neonazikooperation wurde eingeschränkt, als die „Dělnická Strana“ unter anderem wegen der Gewalttaten in Litvínov im Februar 2010 verboten wurde - im Unterschied zu ihrer deutschen Partnerorganisation NPD. Mit ihrer Nachfolgerin, der „Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit“ („Dělnická Strana Sociální Spravedlnosti“, DSSS), hat die NPD erneut eine enge Kooperation eingeleitet. Ende Mai forderte der NPD-Parteivorsitzende in Prag, sämtliche „nationalistischen Parteien“ müssten in einem „Europa der Völker“ kooperieren.[5] DSSS-Chef Vandas erklärte dazu: Dass die NPD es geschafft habe, „in Deutschland eine so starke nationalistische Partei“ zu werden, sei für seine Organisation „eine Inspiration dafür, das Gleiche mit ähnlichen Methoden in der Tschechischen Republik“ zu erreichen.

Döner-Killer

Ob bei den Neonazi-Festivals weitere mutmaßliche Unterstützer der Terrorgruppe NSU anwesend waren, ist nicht bekannt. Für das „Fest der Völker“ 2006, das aufgrund von Überlastung der Polizei abgesagt werden musste - es hätte während der Fußball-WM stattfinden sollen -, war die Neonazi-Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ angekündigt. Die Band hat 2010 die CD „Adolf Hitler lebt“ veröffentlicht, auf der ein Song mit dem Titel „Döner-Killer“ zu finden ist. Darin heißt es: „Neunmal hat er bisher brutal gekillt, doch die Lust am Töten ist noch nicht gestillt.“ Die Band hofft in diesem Song auf weitere Morde: „Neun sind nicht genug.“[6] Das „Staatsschutz-Dezernat“ des sächsischen Landeskriminalamts hat die CD letztes Jahr untersucht und wegen anderer Lieder bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die Indizierung beantragt. Das offenbare Wissen der Band um den neonazistischen Charakter der Morde führte nicht zu Ermittlungen in der thüringischen Neonazi-Szene, die auf dem „Fest der Völker“ stets zahlreich präsent gewesen ist.[7]

V-Männer

Dabei bauten die thüringischen Neonazis Beziehungen nicht einfach nur zu Gleichgesinnten unter anderem aus Großbritannien, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien, Russland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien auf, sondern insbesondere auch zu Parteien. Diese haben zumindest zeitweise eng mit der NPD kooperiert, die ihrerseits bekanntlich von sogenannten V-Männern des deutschen Inlandsgeheimdienstes durchsetzt ist. Rund 100 solcher V-Leute werden mittlerweile öffentlich eingestanden; Experten rechnen allerdings mit einer noch höheren Zahl. Die Kooperation mit der NPD fand über Jahre hin im Rahmen der „European National Front“ statt, die als Parteienbündnis für ganz Europa geplant war. Auch wenn sie bislang eher erfolglos blieb - die deutschen Repressionsorgane, die es anders als etwa die tschechischen Behörden vorziehen, extrem rechte Vereinigungen nicht zu verbieten, sondern sie mit Hilfe zahlloser V-Leute zu kontrollieren, dürften über die Vernetzungstreffen und über ihre Auswirkungen auf fremde Staaten stets bestens informiert und womöglich sogar an ihnen beteiligt gewesen sein.

Weitere Informationen zur Thematik finden Sie hier: Staatliche Aufbauhilfe für Neonazis und Kleiner Adolf.

[1] Mit ein wenig Hilfe von den Kameraden; Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.11.2011
[2], [3] Max Bauer: „Europa wächst zusammen“; Der Rechte Rand Nr. 108, September/Oktober 2007
[4] Anton Maegerle: Stabwechsel; www.bnr.de 20.09.2007
[5] Achse Berlin-Prag: NPD-Delegation in Tschechien; www.publikative.org 05.06.2011
[6] Rechtsrock - Begleitmusik für Mord und Totschlag; www.miteinander-ev.de
[7] Übersah Sachsens LKA Hinweis auf rechte Mörder? www.sz-online.de 18.11.2011

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