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Nazi-Terror
I
Wurden
die Nazi-Mörder vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ ihrerseits
ermordet?
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 22. November 2011 – Seit Tagen werden wir mit verwirrenden
Meldungen über die Nazimörder
aus Sachsen vom NSU überhäuft. Da befasst sich der Innenausschuss des
Bundestages damit und will „restlos aufklären“, der
Bindesinnenminister will „restlos aufklären“, das Bundeskriminalamt
will „restlos aufklären“, und der Verfassungsschutz auch Kein
Politiker der bürgerlichen Parteien, der nicht „restlos aufklären“
will.
Nun,
die Kunde hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Da kommt – ganz
nebenbei – raus, dass die den angeblich den Behörden nicht bekannte
Terrorgruppe von den Behörden beobachtet wurde, dass man bei der Frau
im, Trio vor Jahren Waffen und Sprengstoff fand, sie aber ungeschoren
ließ. Dass am Tatort einer der Morde ein Verfassungsschützer dabei
war. Und vor allem: Der Tod der beiden Nazi-Mörder, angeblich
Selbstmord, ist umstritten.
Und
nun kommt der Verdacht auf, dass die beiden keineswegs in den Freitod
gingen, sondern ermordet wurden. Das ganze Getue um den Tod der Mörder
lässt – ist Freitod ausgeschlossen – nur einen Schluss zu: Die
Beiden wurden von Auftragskillern im Dienste des Verfassungsschutzes
beseitigt. Die Gruppe war zur Belastung der Schlapphüte geworden und
sie wussten zuviel.
Dieser
Gedanke sei abwegig? Finde ich nicht. Dass der NSU jahrelang vom
Geheimdienst geführt wurde, steht für mich außer Zweifel. Sie hätten
ihre Mordserie nicht so lange unbehelligt machen können. Also war deren
Liquidierung für die Hintermänner die einzige Möglichkeit aus der Affäre
einigermaßen ungeschoren heraus zu kommen. Das Herauskommen erleben wir
zurzeit: Politiker mit Wordblasen, ganze Nebelwände von Erklärungen,
aber das Wesendliche, wie weit der Verfassungsschutz da drin steckte,
fehlt. Man spricht nur von Pannen, Fehlern oder Versagen. Keins davon
stimmt wirklich.
„Nasse“
Aktionen, also Morde, sind im Geheimdienstmilieu
üblich. Meines Wissens hat in der Vergangenheit nur ein Geheimdienst
niemals eine nasse Aktion durchgeführt: Das Ministerium für
Staatssicherheit der DDR
Eine
Panne für die Schlapphüte war nur, dass trotzdem einiges raus kam.
G.H.
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Nazi-Terror
II
Kleiner
Adolf
BERLIN
Quelle:
german-foreign-policy.com/
vom 21.11.2011 - In heillosen Widersprüchen verfangen haben sich
die deutschen Inlandsgeheimdienste wegen der Aufklärung ihrer möglichen
Mittäterschaft bei rechtsradikalen Mordaktionen. Den Serienverbrechen
des Femeverbundes „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) fielen
in den vergangenen Jahren mindestens zehn Menschen zum Opfer. Angeblich
war den Behörden davon nichts bekannt, obwohl die Anwesenheit eines
staatlichen Geheimdienstmitarbeiters bei zumindest einer der Mordtaten
unstrittig ist. Der mit der Observation der Mordgruppe betraute frühere
Geheimdienstchef publiziert heute in rechtsnationalistischen Kreisen.
Die offenkundige Durchmischung mit nationalsozialistischen Milieus führt
zu Einflusskämpfen zwischen öffentlichen und geheimdienstlichen Teilen
des Staatsapparats. Daraus geht das auch im Ausland tätige und als
besonders aggressiv geltende Bundeskriminalamt (BKA) gestärkt hervor.
Verfassungstreue Behördenspitzen fürchten um die Radikalisierung der
nicht kontrollierten Dienste und bemühen sich um eine parteiübergreifende
Symbolpolitik. Sie soll insbesondere das Ausland beruhigen.
Mit
mehreren Veranstaltungen, die im deutschen Parlament anberaumt worden
sind, versuchen sämtliche Bundestagsparteien ihre politische Kontrollfähigkeit
über die NS- und Geheimdienstszene darzustellen. So soll am morgigen
Dienstag ein gemeinsamer Auftritt der Fraktionsvorsitzenden im Reichstag
stattfinden. Geplant sind Trauerveranstaltungen unter Zuhilfenahme
religiöser Symbolik. Der sonst unbeachteten Integrationsbeauftragten
der Bundesregierung wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein
Bildbericht eingeräumt, in dem sie ihrem Bedauern Ausdruck verleihen
konnte. Bereits in der vergangenen Woche hatte der deutsche Bundespräsident
verlautbart: „Wir gedenken der Toten und teilen hoffentlich jetzt noch
viel mehr das Leid ihrer Angehörigen.“[1]
Mitfinanziert
Die
Reaktionen der politischen Staatsspitzen gelten einem schwerwiegenden
Legitimationsverlust, der unter den in Deutschland lebenden Ausländern
und ihren Familien seit Bekanntwerden der NS-Mordtaten um sich greift.
„Es kann nicht sein, dass auch die aus unseren Steuergeldern
finanzierten Behörden nicht in der Lage sind, unsere Sicherheit zu gewährleisten“,
sagte der Sprecher des Vereins „Unternehmer ohne Grenzen“, Kazim
Abaci, nach Bekanntwerden der Mordhintergründe in Hamburg.[2] Für
Leman Stehn, Sprecherin einer Gedenkinitiative, die an den bereits 1985
mit Baseballschlägern und Axtstielen umgebrachten türkischen
Jugendlichen Ramazan Avci erinnert, steht fest: „Es sind
Terroraktionen und Morde durch den Staat mitfinanziert (worden) – uf
Umwegen“. In der türkischen Presse werden Parallelen zu rechten
Geheimdienstgruppen gezogen, die in den 1980er Jahren an der
Destabilisierung der Verfassungsorgane in Ankara beteiligt waren.
Plausibel
Erhebliche
Widersprüche ruft die NS-Mordserie zwischen deutschen Behördenspitzen
hervor. Weil sich die zentrale Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts
der Geheimdienstbeteiligung an einem NS-Mord in Kassel zu Ermittlungen
beim hessischen Verfassungsschutz veranlasst sah, unterstellt der
hessische Innenminister der deutschen Justiz „einen feindlichen
Akt“.[3] Über den der Mittäterschaft verdächtigen hessischen
Geheimdienstbeamten war zuvor bekannt geworden, er werde „kleiner
Adolf“ genannt. Jedoch seien seine Alibis für die Tatzeit bei vier
weiteren NS-Morden „plausibel“ [4], eine Tatbeteiligung
„unwahrscheinlich“, heißt es in der Geheimdienstbehörde. Die
doppelbödige Wortwahl lässt darauf schließen, dass von einer
wirklichen Entlastung keine Rede sein kann. Weiter heißt es, zwar habe
man bei dem Beamten Kopien des NS-Hetzwerks „Mein Kampf“ und andere
verbotene Schriften sowie mehrere Schusswaffen und illegale
Munitionsbestände gefunden, doch seien seine rechtsradikalen
„Tendenzen“ sicherlich nur auf die Jugendzeit beschränkt und damals
lediglich „vage“ gewesen. Der Beamte arbeitet bis heute in einer
hohen hessischen Verwaltungsbehörde.
Helfer
Völlig
ungeklärt sind die Umstände des angeblichen Doppelselbstmords der Täter
vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Folgt man den
deutschen Behördendarstellungen, haben sich die beiden NS-Rassisten in
einem Wohnmobil erschossen, das sie gleichzeitig in Flammen aufgehen ließen.
Als Suizidmotiv wird eine unmittelbar bevorstehende Entdeckung genannt.
Damit in Widerspruch steht nicht nur der schwer zu erklärende Tötungsablauf;
auch die Selbstanzeige einer dritten Person, die dem Täterkern des NSU
angehört und sich inzwischen in Haft befindet, lässt die vorgebliche
Selbsthinrichtung seltsam erscheinen. Dass die NS-Mörder von Dritten
erschossen wurden, um Hintergründe der jahrelangen Mordserie zu
verschleiern, scheint ebenso wenig ausgeschlossen wie ein interner
Streit über ihre Verbindungen zu bisher unerkannten Helfern.
Notstandsregime
Die
NS-Mordserie und ihr geheimdienstlicher Hintergrund erinnern an ähnliche
Ereignisse in der Weimarer Republik. Damals verübten rechtsradikale
Terroristen in Zusammenarbeit oder mit stillschweigender Duldung
einzelner Behördenteile zahlreiche Mordanschläge, bei denen mehre
hundert Menschen starben.[5] Trotz unterschiedlicher Anlässe und Opfer
war das zentrale Anschlagsmotiv mehrheitlich rassistisch geprägt und
darin den heutigen Morden ähnlich. Die Weimarer Mordgruppen zielten auf
die Überführung der bürgerlich-demokratischen Verfassungsverhältnisse
in einen autoritären Gefolgschaftsstaat „germanischer“ Ordnung.
Eine fast deckungsgleiche Perspektive bieten hunderte NS-Gruppen, die in
der Bundesrepublik straflos Propaganda betreiben, der krisengeschüttelten
deutschen Gesellschaft auch heute an. Kreise des deutschen
Establishments, die ohne persönlichen Bezug zur NS-Szene sind, beschäftigen
sich in jüngster Zeit verstärkt mit den Grenzen demokratischer
Verfassungsverhältnisse.[6] In beiden Milieus gern zitierter Autor ist
der NS-Theoretiker Carl Schmitt, dessen Hauptwerk dem Notstandsregime
gewidmet ist.[7]
Selbstreferenziell
Die
Widersprüche zwischen unterschiedlichen Fraktionen des politischen
Berlin führen auch in der Bundesregierung zu Auseinandersetzungen. Über
Bundesinnenminister Friedrich (CSU) wird sowohl von eigenen
Parteimitgliedern wie auch vom Koalitionspartner FDP öffentlich
gestreut, er erfasse die staatliche Legitimationskrise nicht ganz.[8]
Die Bundesjustizministerin kritisiert dieses Versagen, ist jedoch nicht
in der Lage, grundlegende Änderungen zu bewirken. Ohne ernsthafte
Analyse des tatsächlichen Umfangs der staatsdurchmischten NS-Aktivitäten
und ihrer Ursachen, aber unter dem vermeintlichen Zwang, symbolische
Akte setzen zu müssen, wird das Handlungsfeld deswegen neuen
Apparataktivitäten der Geheimdienste überlassen. Die Konsequenzen sind
selbstreferenziell.
Arbeitsgruppen
Da
die Verfassungsschutzbehörden vorläufig als belastet gelten, ist es
dem Chef des bereits jetzt mit Geheimdiensten kooperierenden
Bundeskriminalamts (BKA) binnen weniger Tage gelungen, die Stellung
seines konkurrierenden Amtes auszubauen. Unter BKA-Ägide soll ein
weiteres Geheimdienstzentrum geschaffen werden. Welche Richtung dabei
vorgegeben ist, zeigt ein Blick auf den Dienst, dessen Präsident Jörg
Ziercke ist. In Zierckes Arbeitsbereich fallen auch Auslandseinsätze,
deren fragwürdige Methoden Gegenstand von Auseinandersetzungen mit
verfassungstreuen BKA-Mitarbeitern sind. So soll Ziercke Kenntnis von
Folterpraktiken bei der Zusammenarbeit mit Geheimdiensten im Nahen Osten
besitzen, ohne diesen Notstandsmaßnahmen nachgegangen zu sein.[9]
Weitere Auslandskontakte unterhält das BKA unter anderem mit
Repressionsbehörden der Schweiz, Belgiens und der Niederlande. Unter
dem Namen „Remote Forensic Software User Group“ widmet sich eine
gemeinsame „Arbeitsgruppe“ [10] der Geheimdienste dem verdeckten
Ausspähen privater Computer („Staatstrojaner“) - auf deutsche
Initiative. Die Aktivitäten wurden nach parlamentarischer Intervention
erst vor wenigen Wochen bekannt. Der „Überwachungsapparat“ des BKA
bilde „nach eigenem Gutdünken informelle 'Arbeitsgruppen', die „nur
schwer“ zu „kontrollieren sind“, heißt es bei der Opposition im
Deutschen Bundestag.[11]
Weitere
Informationen zur Verflechtung von Inlandsgeheimdiensten und
Neonazi-Organisationen finden Sie hier: Staatliche
Aufbauhilfe für Neonazis.
[1]
Wulff will Angehörige der Neonazi-Opfer einladen; www.wiwo.de
16.11.2011
[2] Rechtsextremismus in Deutschland. Dossier; Hamburger Abendblatt
14.11.2011
[3] Unmut über Bundesinnenminister Friedrich; Frankfurter Allgemeine
Zeitung 19.11.2011
[4] Range verteidigt Verfassungsschutz; Frankfurter Allgemeine Zeitung
18.11.2011
[5] Emil Julius Gumbel: Vom Fememord zur Reichskanzlei. Mit einem
Vorwort von Walter Fabian, Heidelberg 1962
[6] s. dazu Ein
klein wenig Diktatur, Weniger
Demokratie wagen und Weniger
Demokratie wagen (II)
[7] Herfried Münkler: Erkenntnis wächst an den Rändern. Der Denker
Carl Schmitt; Die Welt 07.04.2005
[8] Unmut über Bundesinnenminister Friedrich; Frankfurter Allgemeine
Zeitung 19.11.2011
[9] s. dazu Die
Folterer und Und
warten noch immer
[10] Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 17/138, 09.11.2011
[12] Den internationalen Trojaner-Stammtisch des BKA auflösen.
Pressemitteilung von Andrej Hunko (Die Linke), 14.11.2011
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Europa
erwache!
Nazi-Unterstzung
ERFURT
German-foreign-policy
vom 23.11.2011 (auf Kommunisten-online
am 24. November 2011) – Mutmaßliche Unterstützer der
Neonazi-Terrorgruppe NSU („Nationalsozialistischer Untergrund“)
haben systematisch Beziehungen ins europäische Ausland aufgebaut. Auf
Festivals, die sie organisierten, trafen mehrere Jahre lang extrem
rechte Bands und Polit-Funktionäre aus einer Reihe europäischer Länder
zusammen. Während in Städten wie Athen oder Lissabon derartige Treffen
aufgrund von Massenprotesten oder staatlichem Einschreiten „gar nicht
bzw. nur in eingeschränktem Maße stattfinden konnten“, sei „in der
Thüringer rechtsextremen Szene relativ unbehelligt ein neuer
Schwerpunkt europäischer Vernetzung“ entstanden, berichten Experten.
Die Festivals intensivierten etwa die Kontakte deutscher Neonazis nach
Ungarn und in die Tschechische Republik, die sich bis heute in deutscher
Beteiligung an Demonstrationen oder an Gewalttaten mit extrem rechtem
Hintergrund äußern. Zudem dienten sie zeitweise dem Aufbau der
„European National Front“, einem europaweiten Parteienbündnis der
extremen Rechten. Daran war die NPD beteiligt, die dafür bekannt ist,
zahlreiche V-Männer des deutschen Inlandsgeheimdienstes auf ihren Führungsebenen
zu beherbergen. Details über die womöglich auch steuernde Präsenz von
V-Leuten in der Neonazi-Szene Thüringens und eventuell gar unter den
Terror-Helfern werden bis heute geheimgehalten.
Unterstützer
Zu
den mutmaßlichen Unterstützern des NSU („Nationalsozialistischer
Untergrund“) gehörten jüngsten Berichten zufolge zwei einflussreiche
Aktivisten der thüringischen Neonazi-Szene. Dabei handelt es sich um
die langjährigen NPD-Funktionäre Ralf Wohlleben und Andre Kapke. Beide
hatten bereits Mitte der 1990er Jahre Kontakt zu den zwei
NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt; alle vier wohnten etwa
1996 in Erfurt einem Prozess gegen den Holocaustleugner Manfred Roeder
bei. Roeder hatte 1980 die terroristischen „Deutschen
Aktionsgruppen“ gegründet und war 1982 dafür verurteilt worden. Die
Terrororganisation brachte bei einigen Sprengstoff- und Brandanschlägen
zwei Migranten ums Leben. Wohlleben und Kapke entstammen wie Böhnhardt
und Mundlos der Jenaer Neonazi-Szene, die in der zweiten Hälfte der
1990er Jahre eine erhebliche Gewalttätigkeit entwickelte. Während Böhnhardt
und Mundlos Bomben bastelten und schließlich untertauchten, blieb es
bei Wohlleben und Kapke bei gefährlicher Körperverletzung. Wohlleben
sei eventuell einer der ersten Helfer des untergetauchten Terror-Trios
gewesen und werde verdächtigt, Solidaritätskonzerte organisiert zu
haben, während Kapke den Terroristen sein Auto zur Flucht zur Verfügung
gestellt haben könnte, heißt es in Berichten.[1]
Fest
der Völker
Zu
den Veranstaltungen, die Wohlleben und Kapke zusammen in Thüringen
organisierten, gehörte das internationale Neonazi-Festival „Fest der
Völker“. Der Name des Events war dem „Olympia“-Film entlehnt, den
die NS-Regisseurin Leni Riefenstahl über die Olympischen Spiele von
1936 im nationalsozialistischen Berlin produziert hat. NS-Bezüge waren
auf den Festivals stets völlig offen erkennbar. Im Jahr 2007 etwa hieß
es - in Anklang an die „Europäischen Freiwilligen“ der Waffen-SS -
auf Plakaten: „Waffenbrüder Europas im Bunde für Freiheit“.[2] Im
gleichen Jahr erklärte der damalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt in einer
Rede beim „Fest der Völker“: „Am 8. Mai 1945 hat nicht nur
Deutschland den Krieg verloren, sondern auch ein großer
Europagedanke.“ Gemeint war das Konzept eines völkisch gegliederten
Kontinents unter deutscher Führung. „Heil Deutschland - Heil
Europa!“, rief etwa Zsolt Illés, ein führender Vertreter einer
verbotenen ungarischen Neonazi-Organisation, 2007 auf dem Festival: Man
werde „im Verbund der europäischen Nationalisten den internationalen
Globalisierungswahnsinn beenden“.[3] Im Anklang an die NS-Parole
„Deutschland erwache!“ hieß es damals auf dem Bühnentransparent:
„Europa erwache!“.
Gegen
die Alliierten verteidigt
Das
„Fest der Völker“, das zwei mutmaßliche Unterstützer der
Terrorgruppe NSU von 2005 bis 2009 organisierten, hat stark dazu
beigetragen, Neonazivereinigungen im europäischen Ausland an die
deutsche Neonazi-Szene anzubinden. Zsolt Illés etwa, der 2005 erstmals
in Thüringen gastierte, trat später erneut in Deutschland auf. Bei
einem „Europatag“ der NPD-Jugendorganisation „Junge
Nationaldemokraten“ erklärte der einflussreiche ungarische
Rechtsextremist, die Anwesenden seien „Nachfolger und Erben der kämpfenden
europäischen Helden“, die im Zweiten Weltkrieg „Europa gegen die
Alliierten verteidigt haben“. Damit seien sie „Vorkämpfer für die
Zukunft unserer weißen Kinder“.[4] Zuletzt war Illés Anfang Juli als
Redner auf dem Pressefest der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“
angekündigt. Ebenfalls als Redner vorgesehen war er für den diesjährigen
„Tag der Ehre“ in Budapest, eine Gedenkveranstaltung, die alljährlich
den gemeinsamen Ausbruch deutscher und ungarischer Truppen aus dem
Budapester Kessel am 10. Februar 1945 in Erinnerung ruft. Allerdings
wurde das Event, an dem auch deutsche Neonazis teilnehmen wollten,
dieses Mal verboten.
Inspiriert
durch die NPD
Neben
den Kontakten nach Ungarn wurden auf Betreiben von Wohlleben und Kapke
in Thüringen auch die Kontakte in die Tschechische Republik gestärkt.
Nicht nur spielten tschechische Neonazi-Bands auf den thüringischen
Festivals. Auch trat zum Beispiel im September 2008 Tomáš Vandas beim
„Fest der Völker“ auf. Vandas war damals Anführer der
„Arbeiterpartei“ („Dělnická Strana“), die nur wenige
Wochen später - im November 2008 - an heftigen Straßenschlachten mit
der Polizei beteiligt war. Tschechische Neonazis hatten in der
Kleinstadt Litvínov zum „Sturm“ auf ein Roma-Viertel aufgerufen;
Aktivisten der „Dělnická Strana“ waren involviert. An den höchst
gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitsorganen
Tschechiens nahmen auch ostdeutsche Neonazis teil. Die in Thüringen
gestärkte deutsch-tschechische Neonazikooperation wurde eingeschränkt,
als die „Dělnická Strana“ unter anderem wegen der Gewalttaten
in Litvínov im Februar 2010 verboten wurde - im Unterschied zu ihrer
deutschen Partnerorganisation NPD. Mit ihrer Nachfolgerin, der
„Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit“ („Dělnická
Strana Sociální Spravedlnosti“, DSSS), hat die NPD erneut eine enge
Kooperation eingeleitet. Ende Mai forderte der NPD-Parteivorsitzende in
Prag, sämtliche „nationalistischen Parteien“ müssten in einem
„Europa der Völker“ kooperieren.[5] DSSS-Chef Vandas erklärte
dazu: Dass die NPD es geschafft habe, „in Deutschland eine so starke
nationalistische Partei“ zu werden, sei für seine Organisation
„eine Inspiration dafür, das Gleiche mit ähnlichen Methoden in der
Tschechischen Republik“ zu erreichen.
Döner-Killer
Ob
bei den Neonazi-Festivals weitere mutmaßliche Unterstützer der
Terrorgruppe NSU anwesend waren, ist nicht bekannt. Für das „Fest der
Völker“ 2006, das aufgrund von Überlastung der Polizei abgesagt
werden musste - es hätte während der Fußball-WM stattfinden sollen -,
war die Neonazi-Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ angekündigt.
Die Band hat 2010 die CD „Adolf Hitler lebt“ veröffentlicht, auf
der ein Song mit dem Titel „Döner-Killer“ zu finden ist. Darin heißt
es: „Neunmal hat er bisher brutal gekillt, doch die Lust am Töten ist
noch nicht gestillt.“ Die Band hofft in diesem Song auf weitere Morde:
„Neun sind nicht genug.“[6] Das „Staatsschutz-Dezernat“ des sächsischen
Landeskriminalamts hat die CD letztes Jahr untersucht und wegen anderer
Lieder bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die
Indizierung beantragt. Das offenbare Wissen der Band um den
neonazistischen Charakter der Morde führte nicht zu Ermittlungen in der
thüringischen Neonazi-Szene, die auf dem „Fest der Völker“ stets
zahlreich präsent gewesen ist.[7]
V-Männer
Dabei
bauten die thüringischen Neonazis Beziehungen nicht einfach nur zu
Gleichgesinnten unter anderem aus Großbritannien, den Niederlanden,
Spanien, Portugal, Italien, Russland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn,
Bulgarien und Rumänien auf, sondern insbesondere auch zu Parteien.
Diese haben zumindest zeitweise eng mit der NPD kooperiert, die
ihrerseits bekanntlich von sogenannten V-Männern des deutschen
Inlandsgeheimdienstes durchsetzt ist. Rund 100 solcher V-Leute werden
mittlerweile öffentlich eingestanden; Experten rechnen allerdings mit
einer noch höheren Zahl. Die Kooperation mit der NPD fand über Jahre
hin im Rahmen der „European National Front“ statt, die als Parteienbündnis
für ganz Europa geplant war. Auch wenn sie bislang eher erfolglos blieb
- die deutschen Repressionsorgane, die es anders als etwa die
tschechischen Behörden vorziehen, extrem rechte Vereinigungen nicht zu
verbieten, sondern sie mit Hilfe zahlloser V-Leute zu kontrollieren, dürften
über die Vernetzungstreffen und über ihre Auswirkungen auf fremde
Staaten stets bestens informiert und womöglich sogar an ihnen beteiligt
gewesen sein.
Weitere
Informationen zur Thematik finden Sie hier: Staatliche
Aufbauhilfe für Neonazis und Kleiner
Adolf.
[1]
Mit ein wenig Hilfe von den Kameraden; Frankfurter Allgemeine Zeitung
22.11.2011
[2], [3] Max Bauer: „Europa wächst zusammen“; Der Rechte Rand Nr.
108, September/Oktober 2007
[4] Anton Maegerle: Stabwechsel; www.bnr.de 20.09.2007
[5] Achse Berlin-Prag: NPD-Delegation in Tschechien; www.publikative.org
05.06.2011
[6] Rechtsrock - Begleitmusik für Mord und Totschlag;
www.miteinander-ev.de
[7] Übersah Sachsens LKA Hinweis auf rechte Mörder? www.sz-online.de
18.11.2011
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