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Einladung an ARD, ZDF usw. zum 9. November
„ICH
WILL AUCH MEINE OPFER-KOHLE!“
Seichte
Beichte von Jens-Torsten Bohlke, Redaktionsmitglied
Kommunisten-online
vom 9. November 2008 - Ihr Medien-Moguln der Dauerberieselung dieser
Tage und Wochen, warum habt Ihr mich
bisher nicht interviewt? Mehr als drei Jahrzehnte habe ich hinter Mauer
und Stacheldraht eingesperrt im dunklen Nichts namens „Berlin -
Hauptstadt der DDR“ / „Ostberlin“ bzw. Strausberg und Rostock
abgesessen und etwas übergewichtig geschmachtet. Und ich war so
schrecklich einsam im Knast namens DDR mit all den 16 Millionen anderen
DDR-Insassen dort, denn die Wärter ließen uns im Freigang ja nur bis
Warschau oder Schwarzes Meer mit wenig Spesen- und Taschengeld.
Ich
wurde schon in jüngsten Jahren nicht nur auf den Topf, sondern in die
Kinderkrippe und in den Kindergarten gezwungen, weil der Kindergarten ja
Teil des einheitlichen Volksbildungssystems der DDR war und eben
Schulpflicht dort bestand, oh wie schrecklich! Zwar kacke ich bis heute
nicht zu den Zeiten, wo es meinem Chef auf der Arbeitsstelle am meisten
recht wäre (also ausschließlich zuhause), aber ich komme zum Leidwesen
der Pharma-Heilsbringer immer noch ohne die vielgepriesenen Abführ- und
Stopfmittel aus.
Meine
Eltern konnten mich eher schlecht als recht aufziehen, denn sie gingen
ja beide vollzeitmäßig im Arbeiter- und Bauernstaat arbeiten. Ich
kannte als Heranwachsender keine solchen Errungenschaften
freiheitlich-westlicher Konsumgesellschaften wie Arbeitsamt, Sozialamt
oder kirchliche Suppenküche. Wir stürmten nie in Kaufhäuser zum
Ausverkaufserlebnis, stattdessen langweilte uns in mancher Schlange an
der Kaufhallenkasse die DDR mit dauerniedrigen staatlichen
Einheitspreisen.
Statt
nach der Schule herumzulungern und meine Knaststimmung mit Marihuana
oder Exstasy aufzumöbeln, war ich nach der Schule ehrenamtlich
Naturschutzhelfer der Gruppe Köpenick III oder lernte nebenher die
spanische Fremdsprache. Wir sahen zuhause in unserer engen Zelle aus
1400 Quadratmeter Gartengrundstück mit Holzhaus aus schwedischer Fichte
mindestens drei westliche und zwei östliche Fernsehprogramme, konnten
aber nie bei Gottschalk oder „Tutti Frutti“ live dabei sein.
Ach,
was haben wir gelitten!!!
Aber
der Hauptteil meiner Beichte fehlt noch. Ja, ich habe mich wirklich
getraut! Als uns Verwandte aus Westberlin Bananen mitbrachten, habe ich
da auch ganz mutig mit reingebissen. Ich habe mich getraut! Trotz all
der vielen Ängste, die ich empfand, denn es waren ja die Bananen des bösen
Klassenfeindes.
Wo
bitte bleibt meine Tapferkeitsmedaille heute? Wo ich doch so mutig war
und in die Banane aus Westberlin reingebissen habe. Mir dabei kalte
Schauer den Rücken herunter liefen. Was hätte passieren können, wenn
sie mich dabei erwischt hätten? Wenn mich meine Schwester oder der Hund
Beatle verpetzt hätten? Wie viel DDR-Honigmilch wäre mir als
Brechmittel wohl verabreicht worden?
Ich
will auch meine Opferkohle! Wo Ihr doch an alle ausschüttet wie zu
Zeiten des Begrüßungsgeldes. An den einsamen großen Helden der
Sendung „Klassenkampf auf dem Fußballplatz“, der mächtig gelitten
hat, weil er fast eine Hertha-BSC-Fangruppe in der DDR gründen wollte,
und dies doch so gar nicht gewollt sein konnte in der DDR. An den
anderen großen nicht ganz so einsamen Helden, der als Neonazi ein
politischer Häftling in der DDR war und erst nach seiner Freilassung
Ende 1989 so richtig frei und finanziell von politischen Kameraden gefördert
die braune Sau endlich mal rauslassen konnte. An Schabowski, den
Wendehals der Superlative! An all die widerlichen feisten Pfaffen, die
Eure Überweisungen schon vor dem Mauerfall jahrelang über kirchliche
Kanäle für treue Dienste empfingen.
Aber
wie ich alltäglich im bundesdeutschen Fernsehen sehe, bedient Ihr mit
der Opferkohle wieder nur diejenigen, die schon vor dem Mauerfall auf
Euren Gehaltslisten gestanden hatten. Und da war ich nicht dabei, denn
ich gehörte nie zur 5. Kolonne der BRD in der DDR. Wie sagte schon
meine Mutter gerne: Der Teufel scheißt immer nur auf den größten
Haufen! |