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Erste Ergebnisse des G8-Gipfels werden realisiert:

Pharma-Konzerne bekommen zusätzlich Milliarden für Medikamente gegen AIDS, Malaria und Tuberkulose zugeschustert

Von Gerd Höhne/16. Juli 2005

Sie sind die wahren Menschenfreunde. Die Schering, Bayer und Konsorten. Da forschen sie von früh bis spät um die Menschheit von Krankheiten zu befreien. Den Umsatz z.B. der Schering AG von 5,3 Mrd. € (2005) kam durch wahre Menschenfreundschaft zusammen und der Gewinn bestand im Helfen der Menschheit gegen Krankheiten und der Freude darüber.

Wer glaubt, wird bekanntlich selig – wer das den Schering und Konsorten abkauft, ist selbst dran schuld.

Die lassen sich ihre Patente mit Gold aufwiegen. Wenn Kranken geholfen wird, dann nur jenen, die die hohen Preise zahlen können, die sie für ihre Produkte verlangen. So ist es ihnen ein  Dorn in den Augen, dass die afrikanischen Staaten ihre AIDS-Medikamente aus Indien beziehen. Die sind billiger, verletzen aber westliche Patente. Daher wettern die Konzerne gegen Patentverletzungen durch die indischen Pharmaunternehmen und verweisen auf die hohen Forschungskosten.

In Afrika kann sich nur eine winzig kleine Gruppe die teuren Medikamente aus der Produktion der Konzerne leisten. Die anderen müssen eben sterben – so einfach ist das.

Wir alle wissen, dass die Durchseuchung der ärmsten Länder der Welt mit AIDS, Malaria und Tuberkulose sehr hoch ist. In manchen Ländern Afrikas ist AIDS die Todesursache Nummer 1. Aber die Konzerne denken nicht daran, ihre Medikamente kostenlos abzugeben oder auch nur billiger – warum sollten sie auch?

Aber der Kuchen, den Afrikanern die Pillen von Bayer reinwerfen zu können, ist ein Riesengeschäft – jedoch die Afrikaner können nicht zahlen.

Was also tun? Ein Beispiel, was sie tun:

Da gibt es das Antibiotikum Moxifloxacin, Markenname bei Bayer Avalox, das gegen schwere Erkrankung der Atemwege eingesetzt wird. Bayer wollte testen, ob es auch gegen Tuberkulose wirkt –  also ließ sich Bayer das aus einen Entwicklungshilfefonds mit schlappen 100 Millionen Dollar vergolden. Ich weiß nicht, ob die Tests noch laufen oder abgeschlossen sind. Aber wetten: Obwohl sie die Forschung bezahlt bekamen, geben sie das Medikament nicht zum Selbstkostenpreis in diese Länder. Ihr Argument ist, dass sie die Forschungskosten mitkalkulieren müssen. Außerdem werden so die Gelder aus Entwicklungsfonds auf die Konten von Bayer umgeleitet.

Ebenso verhält es sich mit anderen den Geldern, die für Medikamente für „Entwicklungsländer“ fließen sollen. So z.B. der 2002 von den Vereinten Nationen eingerichtete „Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria“ der bis 2010 mit insgesamt 44 Milliarden Euro ausgestattet werden soll. Das sind Staatsgelder der G8-Staaten. Kein Gedanke daran, die Konzerne zum Verzicht auf ihre Patentrechte zu zwingen, noch nicht einmal zu radikalen Preissenkungen. Die 44 Milliarden Euro sollen möglichst vollständig in die Kassen der Pharmariesen fließen. Die hohen Preise werden mit diesen Geldern herunter subventioniert. Aber nur für die Länder, die keine billigen Generika aus Indien einführen und sich vollständig dem Diktat der G8 unterwerfen.

Sie mästen sich also am Leid und dem Tod von Millionen Menschen und spielen sich dann auch noch als Menschenfreunde auf. Das ist eben der Kapitalismus.

G.H.

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Mordsgeschäfte (III)

Quelle: german-foreign-policy  vom11.07.2007

BERLIN/LEVERKUSEN

(Eigener Bericht) - Die deutsche Pharmaindustrie verlangt umfassende Profitgarantien für ihre Mitwirkung an der Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose in Entwicklungsländern. Die Mittel sollen von Fonds der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen zur Verfügung gestellt werden, deren Aufstockung beim G8-Gipfel im Juni beschlossen worden war. Dazu üben die Unternehmen erheblichen Druck auf UN-Abteilungen aus, die für die Bekämpfung tropischer Armutskrankheiten zuständig sind. Gefordert werden umfassender Patentschutz und Abnahmegarantien für die Medikamente, privilegierte Marktzugänge insbesondere in den Staaten Afrikas, der westlich orientierte Ausbau des dortigen Gesundheitswesens und die Ausbildung medizinischen Personals unter der Ägide der Arzneimittelkonzerne. Außerdem soll die Pharmaforschung subventioniert werden. Die Vereinten Nationen haben sich ihrerseits im Rahmen so genannter Public Private Partnerships auf eine enge Kooperation mit der Industrie festgelegt und sind zur Erfüllung von deren Bedingungen praktisch gezwungen. Zu den Profiteuren gehört der deutsche Bayer-Konzern, der sich die Erprobung eines umstrittenen Tuberkulose-Medikaments aus einem internationalen Hilfsfonds finanzieren lässt. Angebliche Hilfsgelder für die globalen Armutszonen fließen auf diese Weise nach Deutschland zurück.

Anlass der jüngst vorgetragenen Forderungen der deutschen Pharmaindustrie war die Ankündigung der sieben reichsten Industrienationen und Russlands auf dem G8-Gipfel im deutschen Heiligendamm. Dort hatte es geheißen, man wolle den 2002 von den Vereinten Nationen eingerichteten „Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria“ bis 2010 mit insgesamt 44 Milliarden Euro ausstatten.[1] Der Anteil der Bundesrepublik beläuft sich auf 400 Millionen Euro. Im Rahmen sogenannter Public Private Partnerships soll die Versorgung der größtenteils in Entwicklungsländern lebenden Kranken mit lebenswichtigen Medikamenten den führenden westlichen Arzneimittelunternehmen überlassen werden. AIDS, Tuberkulose und Malaria fordern jährlich etwa sechs Millionen Todesopfer weltweit - unter anderem, weil die notwendigen Präparate für die Betroffenen oftmals unerschwinglich sind.

Bedarfsplanung

Die deutschen Forderungen betreffen unter anderem die Lieferung von HIV/AIDS-Medikamenten an afrikanische Staaten. Dazu verlangte der Vorsitzende des deutschen Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Dr. Dr. Andreas Barner, von der Weltgesundheitsorganisation WHO und internationalen Hilfsorganisationen verbindliche „Voraussagen über die benötigten Präparatemengen“ und eine „systematische Bedarfsplanung“.[2] Um ihren Bevölkerungen den Zugang zu den lebenswichtigen Medikamenten zu ermöglichen, müssten die afrikanischen Staaten außerdem für die „Abschaffung der noch immer weit verbreiteten Einfuhrzölle und Steuern auf Medikamente“ sorgen. Nur so könne der „Boden für mehr internationale Hilfe“ unter Beteiligung der Pharmaunternehmen bereitet werden, erklärte Barner.

Monopole

Die Strategie der Arzneimittelkonzerne, die Lieferung lebensnotwendiger Medikamente an die Armen in Entwicklungsländern von Steuererleichterungen und Profitgarantien abhängig zu machen, setzt sich auf dem Gebiet der Patentrechte fort. Ohne diese Rechte, so Barner, würden die Unternehmen „das Interesse verlieren, erfinderisch tätig zu sein“, da jeder „beliebige Wettbewerber“ sie um die „Früchte der Arbeit“ bringen könne.[3] Durch Patentgebühren werden die Preise für Medikamente gegen HIV/AIDS und andere Armutskrankheiten wie Tuberkulose und Malaria künstlich hochgehalten. Dies beschert der Pharmaindustrie unabhängig von den Produktionskosten hohe Extragewinne. Ihr Kampf für den „Schutz des geistigen Eigentums“ richtet sich insbesondere gegen indische Arzneimittelhersteller, die die in Entwicklungsländern benötigten Präparate weit günstiger produzieren als ihre westlichen Konkurrenten und sie damit für die Betroffenen überhaupt erst bezahlbar machen.[4]

Vertrieb

Der VFA-Vorsitzende Barner hingegen hält es für einen „Irrtum“, dass „Gesundheitsprobleme“ durch das „Brechen von Patenten“ gelöst werden könnten.[5] Er fordert stattdessen von den Entwicklungsländern, die „Kompetenzen der forschenden Pharmaunternehmen“ künftig verstärkt in ihre Gesundheitsprogramme einzubeziehen und in eine „solide Gesundheitsinfrastruktur“, insbesondere in das Apothekenwesen, zu investieren. Vom Ausbau des Gesundheitssektors und der Schulung medizinischen Personals unter ihrer Ägide erhoffen sich die deutschen Arzneimittelkonzerne einen optimierten Vertrieb und damit eine Erhöhung des Absatzes ihrer Produkte.

Moxifloxacin

Exemplarisch führt die deutsche Bayer AG vor, wie angebliche Hilfsgelder in die Wohlstandszentren der westlichen Welt umgelenkt werden sollen. Der Pharmariese versucht derzeit mit Unterstützung einer internationalen Hilfsorganisation, sein Antibiotikum Moxifloxacin auf den Märkten der Entwicklungsländer zu etablieren. Die „Global Alliance for TB Drug Development“ (TB Alliance), die ihre Geldmittel von privaten Stiftungen und den Regierungen der USA, Großbritanniens, der Niederlande und Irlands erhält, finanziert mit 100 Millionen Dollar eine aufwendige Testreihe, die die Wirksamkeit von Moxifloxacin gegen Tuberkulose (TB) unter Beweis stellen soll. Die Forschungsförderung, die Bayer gewährt wurde, umfasst nach Aussage der TB Alliance Marktanalysen („(a)nalyze drug market conditions“) sowie die Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern, Arzneimittelhändlern und Anwälten in Entwicklungsländern.[6] Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass Moxifloxacin dort innerhalb kürzester Zeit nach Abschluss der Erprobungsphase als Standardmedikament zugelassen wird („ensure the rapid adoption of a new drug regimen“).

Millions of doses

Kritiker ziehen die Wirksamkeit von Moxifloxacin gegen Tuberkulose in Zweifel und verweisen auf gravierende Nebenwirkungen des Medikaments. Die Warnung erinnert an Ergebnisse unabhängiger Studien, denen zufolge deutsche Pharmakonzerne in Entwicklungsländern oft unsinnige und unwirksame Medikamente auf den Markt bringen. Wirksam hingegen sind die Gewinne. Das gilt auch für die Bayer AG und das umstrittene Moxifloxacin.[7] Das Unternehmen, das jährlich Moxifloxacin-Präparate im Wert von mehr als 500 Millionen Dollar absetzt, erwartet von positiven Testergebnissen den zusätzlichen Verkauf von Millionen Arzneimittelgaben („millions of doses“) in den Entwicklungsländern.[8]

[1] s. auch Strategie der Spannung
[2], [3] Richtige Weichenstellungen für Aids-Bekämpfung in Afrika; Pressemitteilung des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller e.V. Nr. 023/2007, 08.06.2007
[4] s. dazu Mordsgeschäfte und Abwehrbündnis
[5] Forschende Pharmaindustrie entschlossen, die Gesundheit in Afrika zu verbessern; Pressemitteilung des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller e.V. Nr. 021/2007, 31.05.2007
[6] New TB Drugs Urgently Needed to Replace Treatment from the 1960s. Second Gates Grant to TB Alliance Quadruples Initial Support; tballiance.org
[7] s. dazu
Mordsgeschäfte
[8] Bayer Offers New Antibiotic with Promise in Fight on TB; New York Times 18.10.2005

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