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Die
ARD und die Wahrheit
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 4. März 2012 – Wir
Kommunisten schimpfen immer die bürgerlichen Medien, dabei dürfen sie
ab und zu auch mal die Wahrheit verbreiten. Sie dürfen sie immer dann
verbreiten, wenn abends auf anderen Programmen spannende Filme,
Seifenopern, „volkstümliche“ (besser wäre: eigenartige) Musik
gezeigt werden oder eben spätabends, wenn sich die Anzahl der Zuschauer
schon aus Müdigkeitsgründen verringert hat. Eines dieser Programme der
ARD ist Monitor.
Nun
sind die Themen ziemlich verschieden und z.T. schon mächtig
ausgelutscht. Die letzte Monitor-Sendung behandelte Wulff, Imprägnierungen,
Spielsucht und Griechenland. Eine seltsame Zusammenstellung, ich weiß,
aber der geneigte Leser gestatte mir trotzdem (zumindest einige) Worte
dazu zu verlieren (poetisch ausgedrückt).
Den
wenigsten ist bekannt, dass Wulff zu Beginn seiner Amtszeit (oder war es
gar davor) eine Kürzung des Ehrensoldes forderte. Wir werden sehen, wie
sich die Sache entwickelt. Die Frage ist jedoch, warum ist der Ehrensold
so hoch?
1959
wollte die CDU „den Alten vom Rhein“, sprich: Bundeskanzler
Adenauer, nicht mehr zur Wahl als Bundeskanzler antreten lassen. Die CDU
forderte eine Verjüngung in diesem Amt und favorisierte den späteren
Amtsinhaber Ludwig Erhard. Um Adenauer einen Wechsel zum Bundespräsidenten
zu versüßen, wurde der damalige Ehrensold verdoppelt, weil: „Bei
Adenauer spielte das Materielle immer eine große Rolle.“ So sprach
der Ex-Bundesminister Windelen. Aber da Adenauer spitzkriegte, dass er
dann nichts mehr zu sagen habe, trat er von dieser Kandidatur wieder zurück.
Zum
zweiten Punkt, den Imprägnierungen. Es ist das alte neue Spiel der
Industrie, bestimmte Dinge als umweltneutral hinzustellen, die sich im
Nachtrab als größte Gifte erweisen. Wird dies publik, steigt die
Industrie auf andere Stoffe um, die gleich profitabel und meist gleich
giftig sind. Bestes Beispiel ist das Kältemittel HFKW-1234yf.
Im
dritten Teil beschäftigte sich Monitor mit einem neuen Gesetz, dass
eigentlich Spielsüchtige besser schützen soll. Bei der Anhörung im
Bundesministerium für Wirtschaft wurde dann klar, dass es nicht um den
Schutz der Menschen vor den Gefahren der Spielsucht geht, sondern um den
Schutz des Profits der Automatenhersteller. Herr Gauselmann, der Markführer
der Automatenhersteller, betonte ja auch: „Uns will man einschränken.“
Er hat Angst um den Profit, der sich in den letzten Jahren auf 4,5 Mrd.
€ fast verdoppelt hat. Da kann man auch schon mal Angst kriegen. Und
denken wir aber dabei immer wieder an den guten alten Gewerkschafter
J.P. DUNNING. [1]
Die
neue Spieleverordnung ist ein Witz. Ein Mitarbeiter einer Suchtzentrale
betonte dann auch, dass die Automatenindustrie mit allen Mitteln die
Gesetze aushebelt. So sei der Geldeinsatz beschränkt. Bei Punktespielen
gilt das jedoch nicht. So arbeiten die neuen Automaten nach dem
Punktesystem. Der Spieler wirft Geld ein, das sofort in Punkte
umgerechnet wird. Dabei wird mit Gewinnen bis zu tausend Euro geworben,
obwohl laut Gesetz nur 500€ Ausschüttung pro Stunde zulässig sind.
Wo besonders penible Prüfer auffällig werden wird die Ausschüttung über
zwei Stunden gestreckt und ist damit wieder legal.
Gauselmann
fiel auch durch das Sponsoring von Abgeordneten und Parteien vor allem
mit kleinen Beträgen auf, die nicht ausgewiesen werden müssen.
Besonders enge Verbindungen gibt es dabei zur FDP, die ja auch das
Wirtschaftsressort führt (aktuell Herr Rösler).
Forderungen
von Suchtexperten fließen in die neue Spielgeräteverordnung nicht ein,
sie würden die Profite von Herrn Gauselmann und Consorten zu sehr
beschneiden. Und das möchte Herr Rösler seinen Gönnern offensichtlich
nicht antun, man ist schon dankbar für die Förderung. Kontrolle der
Spielgeräte durch unabhängige Prüfer ist laut der neuen Verordnung
auch nicht mehr nötig, was der Manipulation der Automaten Tür und Tor
öffnen würde. Die Sicherung des Profits geht eben vor.
Übrigens,
auf Anfragen erhielt Monitor vom Bundesministerium für Wirtschaft keine
Antwort. Es wird noch nicht einmal mehr der Schein der Demokratie (die
Herr Rösler immer so gern im Munde führt) gewahrt.
Der
letzte Beitrag von Monitor beschäftigte sich mit Griechenland.
Ausgelutscht, das Thema, möchte man meinen. Aber denkste, sagt der
Berliner Schusterjunge und kommt mit ein paar unangenehmen Wahrheiten über
den Tisch.
Monitor
fragte Politiker: „Wie viel hat Deutschland bisher an Griechenland
bezahlt?“ Herr Tiefensee (SPD) wollte seine Unkenntnis offenbar nicht
eingestehen und versuchte sich heraus zu reden. Frau Rosenheimer
antwortete im Brustton der Überzeugung, dass 130 Mr. € überwiesen
worden seien, musste aber später zugeben, dass sie keine Ahnung habe.
Herr Martin Lindner (FDP) war sprachlos. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte
Deutschland an Griechenland ganze 15,2 Mrd. € überwiesen. In der
Zwischenzeit hat Deutschland aus der „Griechenlandkrise“ einen
Zinsvorteil von 45 Mrd. € geschöpft. Insgesamt hat die Krise also 30
Mrd. € Gewinn für Deutschland ausgeschüttet. So könnte es nach
Meinung der deutschen Finanzoligarchie natürlich weiter gehen.
Übrigens
attestierte Herr Riesenhuber (CSU) Deutschland höchstens einen
einstelligen Millionenbetrag, Frau Rosenheimer (Grüne) und Herr Martin
Linder (FDP) waren wieder mal völlig ahnungslos (solche Menschen
erheben den Anspruch, das deutsche Volk zu führen).
Herr
Hellmeier, ein Analyst der Landesbank Bremen, stellte fest, dass der
ganze Zirkus mit den Rettungsschirmen für die Katz ist. Er meinte:
„Ein Marshall-Plan könnte helfen:“
Meiner
Meinung nach kann nur eines helfen, der Kurs der KKE, die klar und
deutlich die Forderungen stellt und die das Volk in diesem, seinem Kampf
um Gerechtigkeit, Freiheit und Sozialismus führt und ihm ein
solidarischer Partner ist. Deshalb alle unser Unterstützung der KKE für
die Befreiung des griechischen Volkes von Diktat der europäischen
Banken und damit letztendlich von der Befreiung von Ausbeutung und
Unterdrückung durch die internationalen Monopole.
Es
lebe die griechische Arbeiterklasse!
Es
lebe die KKE!
Rot
Front
Werner
[1]
„„Kapital“, sagt der Quarterly Reviewer, „flieht Tumult und
Streit und ist ängstlicher Natur.“ Das ist sehr wahr, aber doch nicht
die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von
Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit
entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man
kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent,
positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze
unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es
nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit
Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und
Sklavenhandel.“
J.P.DUNNING
Zitiert
nach Karl MARX „Das Kapital“ Bd.1 Dietz Verlag Berlin 1962
24. Kapitel, 6., Fußnote 250
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