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Polen:

Milliardenverluste beim Zocken mit dem Geld der Rentner

Von Günter Ackermann

Kommunisten-online vom 25. Oktober 2008 – In Polen wird ca. ein Drittel der Rentenbeiträge an private Fonds abgeführt, die mit dem Geld an der Börse oder anderswo spekulieren dürfen. Und die haben sich verspekuliert in etwa 24,2 Mrd. Zloty (ca. 8 Mrd. €) im laufenden Jahr verloren.

Einer der Gründe liegt im neoliberalen Wahn, alles zu privatisieren und somit Geschäftemachern in den Hals zu werfen. Die Rentenfonds sind etwas Ähnliches wie bei uns die Riester-Rente. Auch hier werden Gelder für die Rente an private Unternehmen gezahlt, auch mit diesen Geldern spekulieren diese Unternehmen. Der Unterschied ist nur, dass es in Deutschland Versicherungsgesellschaften sind und das Geld zusätzlich aufgebracht werden muss, während es in Polen die normalen Beiträger der Versicherten sind.

Auch bei uns wird mit solchem Geld gezockt. So verspekulierte Start Zeitarbeit NRW GmbH bereits 2002 mit windigen Börsengeschäften einige Millionen Euro.[1]. Die Firma dient nichtkommerziellen Zwecken und soll Arbeitslosen einen Job verschaffen und wird aus Steuergeldern finanziert.

Was sich da in polen ereignete, ist also ganz normal und üblich: Mit Geldern, dass den Fonds nicht gehört, wird gezockt, wenn es gut geht, steigen die Gewinne, wenn nicht – Pech.

Der EU-Kommission waren die Geschaffte der polnischen Zocker nicht windig genug und verlangte von der Regierung in Warschau, sie solle die Beschränkungen, denen die Fonds noch unterliegen, aufheben und denen gestatten, auf den internationalen Finanzmärkten zu zocken.

Steile Talfahrt der privaten Renten-Pflichtfonds

Quelle: INfoseite Polen vom 24. Oktober 2008

Die am Kapitalmarkt tätigen Rentenfonds (OFE), denen von der gesetzlichen Rentenversicherung ZUS ein gutes Drittel der Pflichtbeiträge zugewiesen wird, haben in den letzten Tagen drastische Verluste erlitten.

Im gesamten Jahr 2008 belaufen sich die Verluste der 16 Fonds bereits auf 24,2 Mrd. Zloty. Das sind nur 600 Mio. Zloty weniger als sie in den 9 Jahren ihres Bestehens real an Wertzuwachs erzielten. Einige Fonds weisen inzwischen nur noch eine nominale Rendite von etwas über 2 % p. a. auf, deutlich weniger als die durchschnittliche jährliche Inflationsrate seit 1999.

Vor allem der Absturz der Aktienwerte an der Warschauer Börse macht den Rentenfonds zu schaffen. Aber auch z. B. Einlagen in Geldmarktfonds haben insbesondere im Laufe der letzten Woche deutliche Verluste erlitten.

Die ersten Betroffenen der Talfahrt der Rentenfonds werden ca. 2300 Frauen des Jahrgangs 1949 sein, die als erster sog. Optionsjahrgang sich für eine Teilversicherung bei den privaten Fonds entscheiden konnten und die im nächsten Jahr in Rente gehen. „Als Glück im Unglück kommt der Grossteil von deren Rente ja noch aus der gesetzlichen Rentenversicherung ZUS”, sagt der Rentenexperte Filip Chybalski von der Universität Łódź im Gespräch mit der „Gazeta Wyborcza”.

Der Zukunft der Pflicht-Rentenfonds ist ungewiss. Die EU-Kommission hatte noch im September von der polnischen Regierung verlangt, bisherige Beschränkungen für die Fonds aufzuheben und ihnen ein größeres Engagement auf den internationalen Kapitalmärkten zu ermöglichen. In Polen selbst dagegen gibt es Überlegungen, einige „Sicherheitsfonds” zu etablieren, in die vor allem die Beiträge älterer Arbeitnehmer eingezahlt werden sollen. Die Hoffnung, die Fonds mittels individueller Gerichtsklagen oder politischer Entscheidungen wieder kippen zu können, ist dagegen gering. (gazeta.pl, 23.10.08) - (Weitere Artikel zu dem Thema unter „OFE”)

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