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Vorsicht,
Satire!
Offener
Brief des künftigen Mr. President of Germany
PLÄDOYER
FÜR DIE LEISTUNGSGESELLSCHAFT
von
Jost Adolf Marquard, Ihrem künftigen President of Germany
Kommunisten-online
vom 25. August 2010 –
Landsleute,
Sie
wollen Urlaub, Arbeitspausen, Kranken- und Altersversicherung sowie
Leistungen für alle erdenklichen Notfälle, die Ihnen zustoßen.
Das
steht Ihnen doch gar nicht zu!
Ihnen
sei erklärt, dass Sie eigenverantwortlich dafür sind, dass sie überhaupt
Bedarf an Urlaub verspüren, nicht die nötige körperliche und geistige
Fitness für pausenloses Schaffen haben, alt und krank werden sowie in
Notfälle geraten. Und als eigenverantwortliches Wesen in unserer
Gesellschaft ist ihnen zuzumuten, mit allem selbst und ohne Hilfe von außen
fertig zu werden, was allein Sie da an Ausgleich für mangelndes
Daseinsvermögen brauchen.
Wie
nicht nur mein alter Playstationfreund Guido Westerwelle Ihnen ja schon
beredsam einzuhämmern versuchte, leben wir nun mal in einer
Leistungsgesellschaft. Diese Gesellschaft besteht aus einigen
Leistungsträgern, die über größte Verdienste verfügen.
Nehmen
Sie mal den Monsieur Sarkozy in Paris, welcher sich gerade eine
Badewanne in sein Präsidentenflugzeug einbauen ließ. Dieser
Leistungsträger hat immerhin Anerkennenswertes geleistet, damit
Frankreich wieder voll in der NATO unter dem Oberkommando der
Leistungsvorbilder in den USA mitmarschiert.
Damit
hat er es bei CIA und US State Department auf die „Liste der Verbündeten“
geschafft. Und sollten ihn die Franzosen eines Tages rausschmeißen, was
einige aufsässige böse und terroristische Elemente dort manchmal
wollen, müsste er sich lediglich zur nächsten US-Botschaft
durchschlagen.
Sie
würden ihn rasch in die USA ausfliegen, wie sie es mit etlichen Staatsmännern
getan haben, die auf besagter „Liste der Verbündeten“ stehen. Und
wer wie Sarkozy im Solde der CIA steht, wird auch in den USA nicht
hungern müssen.
Natürlich
können Sie, Landsleute, es nicht zu einem Sarkozy bringen. Aber auch
Sie haben Ihre Chance in der Leistungsgesellschaft. Nur müssen Sie
diese Ihre Chance bitte eigenverantwortlich erkennen und
eigenverantwortlich wahrnehmen.
Zwischenrufer:
Einspruch! Keine Ausbildung, kein Job, Welche Chance habe ich?
Jost
Adolf Marquard: Junger Mann, der Sie
offenbar der Unterschicht von Präkariat und Proletariat entstammen, -
machen Sie einfach selbstverantwortlich Ihre Augen auf! Auch Sie haben
die Chance, sich um einen Platz auf der „Liste der Verbündeten“
zumindest zu bewerben.
Die
Chance heißt Bundeswehr, Fremdenlegion, Blackwater ... und wie all die
Rekrutierungsbüros für die Sturmstaffeln unserer
Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung heißen.
Zuweilen
müssen Sie imstande sein, „friendly fire“ auszuhalten. Dafür
bekommen Sie da allerdings Geld und hinterlassen im Fall Ihres
ehrenvollen Ablebens Geld für Ihre Hinterbliebenen. Ihr Anteil am
Schutz der Leistungsträger vor den Bösen und Terroristen wird mit Geld
gewürdigt.
Aber
Ihren Hintern müssen Sie schon bewegen. Strammstehen vor den
Leistungsträgern müssen Sie auch. Dienstpausen gibt es selbstverständlich
nur als Auszeichnung für besondere Dienstverrichtungen, etwa nach
Himmelfahrtskommando oder Befreiung eines Leistungsträgers aus den Fängen
der aufsässigen Bösen und Terroristen.
Und
Sie müssten sich unterstehen, Fragen zu stellen. Das Denken überlassen
Sie den Leistungsträgern.
Und
jetzt fassen Sie mal Ihren Entschluss, wenn Sie Eier haben! Weicheier
sind nicht gefragt in der Leistungsgesellschaft. Insoweit zu Ihrer
Unterbrechung hier.
Landsleute,
Sie
werden mich bald als Mr. President of Germany gewählt haben. Dank
elektronisch vorprogrammierter Abstimmungsmaschinen ist das ja alles
perfekt von vornherein gelaufen, also bitte keine große Überraschung
später heucheln!
Ich
werde Sie mit der perfekten Leistungsgesellschaft beglücken. Hinter
diesem Programm stehen bereits alle maßgeblichen Parteien wie CDU/CSU,
SPD, FDP, Grüne, Linke, NPD und auch EU-Parlament, US-Kongress usw.
Das
ist auch nicht verwunderlich, denn wir folgen da nur Mr. President of
the United States of America und den Vorgaben des US State Department
und unseres Beraters von der CIA. Und wer nicht folgt, ist einfach nur böse
und terroristisch veranlagt und eine Gefahr für die Demokratie und die
Freiheit, die nationale Sicherheit sowie das Eigentum der Leistungsträger
insbesondere in den USA.
Für
derart aufsässige Elemente gibt es Stammheim, Alcatraz, Käfige in
etlichen Kasernen und Verwahrungsorte fernab jeglicher Lebensqualität,
so dass ich Ihnen von Kontakten zum Untergrund und insbesondere zu
Kommunisten oder Revolutionären strikt abrate.
Gehen
Sie lieber in die Kirchen, wenn Sie sich mal ausweinen müssen. Oder
lassen Sie sich von einem Fachmann für Psychiatrie bei Ihren
Depressionen helfen, wenn Sie das nötige Kleingeld dafür zugestanden
bekommen haben von den Leistungsträgern, die ja diejenigen sind, die
Ihnen Geld geben.
Jachturlaub,
Segelurlaub, Ski-Urlaub, Kreuzfahrt-Urlaub, Weltraum-Urlaub ... das
alles ist natürlich in der Leistungsgesellschaft vorhanden. Für die
Leistungsträger, welchen Sie verdanken, überhaupt wahrgenommen zu
werden.
Leistungsträger,
für die Sie gerne arbeiten dürfen, sofern Sie wenigstens dazu überzeugende
Tauglichkeit vorweisen. Niemand hindert Sie, sich eigenverantwortlich zu
bewerben und beim Bau von Segeljachten und Marine-Schiffen, Flugzeugen
und Ski-Brettern einzubringen.
Manch
einer von Ihnen schaut mal wieder zurück in die finstere Vergangenheit
solcher werbe-armer Regime wie der DDR. Für jenes schmarotzende
Staatswesen ohne Leistungsträger und voller Faulpelze haben Sie doch
wohl nie was getan, oder?
Seien
Sie doch mal eigenverantwortlich ehrlich, Sie unverantwortlichen
Landsleute aus dem Osten mit über 40 Jahren an Lebensalter! War Ihnen
Ihr damaliges Eigentum, Ihre Vollbeschäftigung, Ihre sogenannte soziale
Absicherung in allen Lebenslagen wert, verteidigt zu werden?
Sie
kapitulierten doch eigenverantwortlich vor der D-Mark und Ihrem
Volkshelden Dr. Kohl.
Aber
Sie verfügten letztlich über gute preußisch-deutsche Tugenden. Als
Ihre Arbeitsplätze futsch waren und die Arbeitsstätten für Cents
Richtung Westen verhökert wurden, da gingen Sie endlich wieder häufiger
in die Kirchen.
Dies
ganz eigenverantwortlich, denn Schmerz will gelindert sein. Und Sie
schickten auch Ihren Nachwuchs in die kirchlichen Suppenküchen, damit
er eigenverantwortlich Gebete sprechen lernt und sich künftig gehorsam
und furchtsam der Obrigkeit gegenüber erweist.
Das
sind gute preußisch-deutsche Tugenden, mit denen Sie sich nach einigen
Generationen der Anpassung auch als sogenannte ostdeutsche Landsleute
wieder gut in unsere eigenverantwortliche Volksgemeinschaft einbringen können.
Auch
einige sogenannte westdeutsche Landsleute wollen bekanntlich nicht
wahrhaben, dass die Schmarotzerzeiten mit Urlaub, Arbeitspausen,
Krankfeiern, Ruheständeln und Rund-um-sorglos-Versorgung in Notfällen
nicht mehr aktuell sind.
Sie
weinen einen sogenannten rheinischen Kapitalismus der sozialen
Marktwirtschaft hinterher und haben nicht mal das Verschwinden des
Ostblocks oder die EU-Verträge von Maastricht und Lissabon zur Kenntnis
genommen.
Eigenverantwortlich
Privilegien verteidigen, die Sie heute nicht mal selbst ausgehandelt
haben? Wo kommen wir denn hin, wenn Bestand haben soll, was vor
Jahrhunderten beim Bismarck oder Napoleon einst eingeführt worden ist?
Wir kommen rückwärtsgewandt höchstens dort an, wo unsere Urgroßeltern
einst lebten.
Wollen
Sie wirklich auf die Ölpest verzichten und stattdessen wieder einen
verqualmten Ruhrpott haben? Wer soll denn die ganzen Staublungen
bezahlen? Suppenküchen reichen da doch wirklich nicht.
Also
halten Sie den Mund und fügen Sie sich eigenverantwortlich in Ihr
Schicksal, dass Sie nicht zu den Leistungsträgern gehören. Sie können
eh nichts tun, wie Sie sich sicherlich tagtäglich selbst eingestanden
haben.
Darum
lassen Sie die Leistungsträger und mich mal machen. Denn wir werden
Ihnen die Eigenverantwortlichkeit schon in Ihr Leben bringen.
Das
ist mein Wahlversprechen!
Sie
dürfen mir schon mal zuwinken,
Ihr
Adolf,
künftiger
Mr. President of Germany,
Democrat
& Republican
*
mit dem Herzen für Ölkonzerne, US-Marines und Netanjahu *
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