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Real-Satire:
Märchenstunde
bei Bertelsmann
von
Petra Daheim/18 Dez 2007
KÖLN.
(hpd)
Ein Erfahrungsbericht zum Thema: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir
gefällt". Das wollte jetzt auch mal die Bertelsmann Stiftung
ausprobieren. Als Thema wurde die „Religiosität" gewählt. Überaus
passend und nicht weniger zufällig erfahren wir eine Woche vor dem
„Heiligen Abend":
70 % der Bundesbürger sind religiös.
Wenn das nicht die Herzen erwärmt und die Freudentränchen in die Augen
treibt. Die Gläubigen sind doch nicht allein.
Bertelsmann
schickt indes nicht die drei Weisen aus dem Morgenland zur Datenerhebung
sondern bereitet fünf Fragen vor, die in einem Religionsmonitor zur Messung des Grades der Religiosität
geeignet erscheinen.
Statt
der drei Weisen ein Fragebogen
So
geschieht denn auch das Wunder, dass bereits die erste Frage („Wie oft
denken Sie über religiöse Themen nach?") jeden interessierten
Atheisten der sich mittels Lektüre der Kriminalgeschichte des
Christentums in religiösen Fragen fortbildet, zum Hochreligiösen
mutieren lässt. Ganze 5 Punkte bringt die ehrliche Antwort ein. Respekt
ihr Bertelsmännchen, dass habt ihr aber geschickt eingefädelt.
Bei
Frage zwei („Wie stark glauben Sie daran, dass es Gott oder etwas Göttliches
gibt?") kann man dann auch als Atheist mit gutem Gewissen für sein
„gar nicht" nur einen Punkt für „nicht religiös"
einstreichen.
Bei
Frage drei (Wie häufig nehmen Sie an Gottesdiensten .... oder religiösen
Handlungen teil?") kommt man als Gottloser ins Überlegen. Die
Beerdigungsfeier für die verstorbene alten Tante in der Kirche – war
das nun ein Gottesdienst? Mmh, zumindest eine religiöse Feier. Und wenn
ich am 24.12. abends wieder den Opa mit seinem Rollstuhl in die Kirche
fahre und dann dort bei ihm bleibe – dann ist das eindeutig die
Teilnahme an einem Gottesdienst. Also Antwort: „selten / wenig",
das bringt 2 Punkte.
Bei
Frage vier („Wie häufig beten Sie? Wie häufig meditieren Sie?")
meldet sich bei dem einen oder anderen Religionslosen das schlechte
Gewissen: „Wie ist das denn mit autogenem Training? Gilt das auch als
Meditation?" Der Jahreszeit und Fußkälte angemessen beantwortet
man also diese Frage mit „gelegentlich" und kassiert 3 Punkte.
Die
letzte Frage („Wie oft erleben Sie Situationen, in denen Sie das Gefühl
haben, dass Gott oder etwas Göttliches in Ihr Leben eingreift? Wie oft
erleben Sie Situationen, in denen Sie das Gefühl haben, mit Allem Eins
zu sein?") lässt die Geschicklichkeit der Test-Ersteller dann
richtig erstrahlen.
Nein, natürlich hat man nicht das Gefühl, dass ein göttliches Wesen
irgendwie eingreift, aber selbstverständlich ist das Gefühl mit
„Allem Eins zu sein" ein ständiger Begleiter: (Auf dem Klo, in
der Badewanne, im Orgasmus, im Vollrausch etc. etc.) Also „ziemlich /
oft" angegeben und noch schnell 4 Punkte addiert und fertig ist der
Test.
Hurra,
Hurra! Als Atheist 15 Punkte, und...
Und
siehe da Hurra, Hurra, der Gottlose erhält 15 Punkte und ist richtig
„religiös", ein echter Schenkelklopfer. Und: „Religiös"
wäre man auch ohne kalte Füße (mit 12 Punkten) gewesen.
Also, bei allem was Recht ist, aber diese Erhebung unterbietet sogar das
Niveau von Persönlichkeitstests der Marke „Wie treu sind Sie?"
in Frau im Spiegel. Doch Hauptsache ist ja, dass bei Bertelsmann die
richtige Vorfreude aufs Fest einkehrt. Da will man nicht so nickelig
sein.
Petra
Daheim.
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