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Die Lügen und Unterstellungen des Hermann Dierkes -

Entgegnung von einem, der dabei war

Die Lügen im Soz-Interview des Duisburger PDS-Fraktionsvorsitzenden

von Günter Ackermann

Ich werde Punkt für Punkt auf die Behauptungen von Dierkes eingehen und sie widerlegen. Ich werde anhand von Fakten und Dokumenten (die ich als Faksimile bringen werde (heute, am 07. Dezember 2001 funktioniert der Scanner noch nicht, ich werde es aber nachholen) widerlegen. Die, die es damals erlebten und die Mitakteure werden, wenn sie die Wahrheit sagen, meine Darstellung bestätigen. 

Eine Vorwegbemerkung: 1999 hat die PDS in Duisburg einen Wahlerfolg erzielt, der ohne Beispiel im Westen ist. Niemand wird mir Glauben machen, das läge an den Realos und Rechten in der PDS-Duisburg. Ganz im Gegenteil. Unsere Erfolge erzielten wir in den SPD-Hochburgen, es gelang ein Einbruch in die traditionellen SPD-Wählerschichten. Und niemand wird mir ausreden können, das habe nicht an der offen zur Schau getragenen linken, zum Teil kommunistischen, Position des PDS hier am Ort. Das DUBB im Norden dürfte weniger Anteil am Erfolg haben als die DKP. 4,2% der Duisburger Wähler wählten uns, weil sie uns für kommunistisch, zumindest aber für links, einstuften.

Beginnen wir:

Dierkes sagte: ”...DUBB, eine radikaldemokratische und ökologische kommunale Wählervereinigung, die 1994 entstanden ist, DKP und Einzelpersonen. 1994 hatte ich bereits zusammen mit anderen GenossInnen mit dem DuisBürgerBündnis (DUBB) zu den Kommunalwahlen kandidiert; im Norden der Stadt erzielten wir damals über 4%, stadtweit rund 2%...”

Meine Richtigstellung: Das DUBB war nur zum Teil von der DKP getragen. Einige DKP-Genossen arbeiteten dort mit. Bestimmenden Einfluss hatten sie nicht. Es stimmt, bei den Kommunalwahlen 1994 hatte DUBB einen Achtungserfolg. Aber damals war DUBB eine Gruppierung, die neu  war. Verschiedene Bürgerinitiativen, die sich gegen den immensen Schmutz und Umweltvergiftung durch die Industrie wehrten, hatten DUBB als Protestbewegung gegründet. Aber DUBB war weder links noch ”radikaldemokratisch” (was das auch sein mag), sondern die bestimmenden Teile waren eher kleinbürgerlich bis antikommunistisch. Mit der PDS wollten sie erst gar nichts zu tun haben, weil sie die damals als SED-Nachfolgepartei kommunistisch einstuften. Selbst bei der Kommunalwahl 1999 wollten sie lieber mit den Grünen gehen. Sie versuchten auch bei den Grünen anzubandeln, aber die gingen nicht auf ihre Forderungen ein.

Während wir mit der DKP bereits im Januar 1999 einig waren, zierte sich das DUBB noch. Sie bandelten erst mit den Grünen an, aber die gingen nicht auf die Personalvorstellungen des DUBB ein und zeigten ihnen die kalte Schulter.

Erst dann sprachen sie ernsthaft mit uns. Als wir ihnen erklärten, wir würden im Norden auf eine Kandidatur für die Bezirksvertretung verzichten, stellten sie es ihren Leuten frei, auf der PDS-Liste zu kandidieren.

Offiziell trat das DUBB nie dem Wahlbündnis bei, das nur aus PDS und DKP bestand. Die DBBler waren als Einzelindividuen dabei.

Wir legten auch nicht unbedingt Wert. Das DUBB, das 1994 noch eine gewisse Bedeutung hatte, war im Vorfeld der Kommunalwahl zu einer Minigruppe geschrumpft. Erst durch den Wahlerfolg der PDS und weil der Wortführer des DUBB, das Mitglied der trotzkistischen VSP Hermann Dierkes, Fraktionsvorsitzender wurde, hat DUBB wieder Bedeutung erlangt.

Dierkes sagte: Die PDS-OL sitzt ausserdem noch in den Bezirksvertretungen Innenstadt und Duisburg- Rheinhausen.”

Meine Richtigstellung: Das stimmt nicht. Die PDS hat – um dem DUBB die Möglichkeit zu geben mit Chancen für die Bezirksvertretungen anzutreten - auf eigene Kandidaten bei den Bezirksvertretungen in Hamborn und Meiderich verzichtet. Ich selbst habe als damaliger Kreisvorsitzender der PDS, dem DUBB dieses Angebot gemacht.

Aber die Bedingung war auch, dass sie in anderen Stadtteilen auf Kandidaten verzichten. So, wie die Bezirksvertreter in Meiderich und Hamborn vom DUBB sind und nicht vom Bündnis, sind die Bezirksvertreter in Innenstadt (das bin ich) und in Rheinhausen (Achim Brendel) auch nicht vom Bündnis, sondern reine PDS-Vertreter gewesen. Inzwischen auch das nicht mehr. Beide sind wir inzwischen aus der PDS ausgetreten. Die Gründe sind ähnlich.

Dierkes sagte: Die Ratsfraktion hat einen Solifonds eingerichtet, der sich aus Spenden der Mandatsträger und SympathisantInnen speist. Jährlich stehen uns so rd. 10000 DM zur Verfügung, die in politische und soziale Projekte fließen.”

Meine Richtigstellung: Der Solifonds ist nicht von der Ratsfraktion eingerichtet worden, sondern vom Bündnis. Das Geld soll, wie die Vergaberichtlinien festlegen, für linke politische Initiativen verwendet werden, nicht für soziale. Allerdings gab es Personen, die, inspiriert durch Hermann Dierkes, Anträge stellten, die nicht politisch waren.

- So sollte ein Blindenverein Geld bekommen, der offensichtlich das Geld für die Sanierung der Kasse verwenden wollte, die der Vorsitzende – na sagen wir – etwas unsauber verwaltet hatte.

- Dagegen bekam eine Duisburger Initiative, die sich mit Kuba-Solidarität beschäftigt und Geld für die Transportkosten ihrer Hilfsgüter braucht, kein Geld, weil es angeblich keinen Bezug auf Duisburg hat.

- Es fand in Duisburg eine Art Kongress statt, an dem Hermann Dierkes politische Freunde teilnahmen, für den Hermann Geld haben wollte für die Übernachtungskosten. Hier wurde allerdings die Zahlung verweigert.

Dierkes sagte: Es gab eine massive Auseinandersetzung über den Umgang mit Flüchtlingen in der Stadt. Eine Familie wurde nach Mazedonien abgeschoben. Zusammen mit kirchlichen Kreisen, GewerkschafterInnen und Flüchtlingsinitiativen haben wir uns für den Verbleib der Familie eingesetzt. (...)Wir haben eine massive Öffentlichkeitsarbeit gemacht und die restriktive Flüchtlingspolitik der Stadt angeprangert....“

Meine Richtigstellung: „Wir haben...?"  Hermann Dierkes und seine Leute nicht. Im Gegenteil. Die ganze Zumberovaktion (siehe auch http://www.rotes-duisburg.de/Zumberov/index.htm  lief ohne die Fraktion ab. Nur das Fraktionsmitglied Dimitri Tsalos, der aber in seiner Eigenschaft als Kreissprecher, hat sich an der Aktion beteiligt. Die Hauptakteure waren Hanna Ackermann und Dimitri Tsalos, sowie ich. Wir wurden allerdings vom damaligen Kreisvorstand unterstützt. Aber durchgezogen haben wir drei die Aktion.

Hermann Dierkes hat uns nicht nur nicht unterstützt, sondern behindert. So wurde eine eMail-Aktion durchgeführt bei der die Empfänger der Mail aufgefordert wurden, zum einen eine Protestmail an den zuständigen Stadtdirektor und Rechtsdezernenten Brandt zu schicken und zum anderen an ihren Verteiler die Mail weiter zu schicken, Wenn solch eine Aktion funktioniert, ist der Rechner des Empfängers der Protestmail im nu lahmgelegt.

Der Text der eMail: 

„Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde, heute wurde zum ersten Mal ein Kirchenasyl missachtet. Der mazedonischen Roma-Familie Zumberov droht die unmittelbare Abschiebung. Eine Protest- und Solidaritätsaktion muss sofort stattfinden. (...) Wir bitten euch, die Datei (...) an folgende e-mail-Adresse zu senden: J.C.Brandt@stadt-duisburg.de.
Es handelt sich um die e-mail-Adresse des Duisburger Rechtsdezernenten. Ziel ist es, sein Büro elektronisch lahmzulegen. Daher ist es wichtig, dass ihr diesen Text an ALLE VERTEILER weiterleitet, die euch zur Verfügung stehen, mit der Bitte, ihn ebenfalls an J.C. Brandt zu senden. Mit sozialistischen Grüße, Hanna Ackermann, Dimitri Tsalos“

Das klappte sogar. Der Rechner wurde lahmgelegt.

Die Oberbürgermeisterin reagierte mit einem bösen Brief an die Fraktion, in dem sie mit rechtlichen Schritten drohte und das als „Lahmlegung eines Verfassungsorgans“ bezeichnete. Vor allem, dass die Aktion vom Fraktionsrechner aus gemacht wurde.

Hermann Dierkes ließ durch die damalige Geschäftsführung überall in der Geschäftsstelle kleine rote Zettelchen aufhängen auf denen geschrieben stand, dass hier eine zweifelhafte email-Aktion gemacht worden sei und zukünftig der Fraktionsrechner nur noch für Fraktionszwecke benutzt werden dürfe (ich werde diesen Zettel ebenfalls als Faksimile bringen).

Außerdem schrieb er an die Oberbürgermeisterin einen Brief. In der ersten Fassung schrieb er, er habe den Ratsherrn Tsalos abgemahnt und es sei sichergestellt, dass sich diese Aktion nicht wiederhole. Nachdem Dimitri Tsalos und ich – uns hatte Hermann zunächst den Brief zu lesen gegeben -  massiv protestierten, strich er diesen Teil heraus. Was dann aber noch abgeschickt wurde, ist schlimm genug:

„...Die Idee, mittels massenhafter e-mails gegen die Abschiebung (...) zu protestieren, stammt weder von der PDS-OL Ratsfraktion, noch ist der von ihnen beanstandete Versand (...) im Auftrag der PDS-OL-Ratsfraktion erfolgt. (...) Inzwischen ist sichergestellt, dass sich eine derartige Nutzung nicht wiederholt. (...)
Angesichts dieser Sachlage kann ich Ihnen versichern, dass Ihre Annahme, daß die Ratsfraktion der PDS-OL sich  „Entweder ihrer Pflichten nicht bewusst sei oder sich bewusst gegen sie entschieden“ habe, unzutreffend ist.
(...)Wir haben uns (...) nicht durch Obstruktion und/oder rechtswidriges Verhalten ausgezeichnet. Sie können auch in Zukunft auf eine sachbezogene und pflichtbewusste Ratsarbeit rechnen. Ihre Behauptung, für Sie sei „nicht erkennbar, ob dieses Verhalten ein Einzelfall bleiben wird“, ist eine Unterstellung und entbehrt jeder sachlichen Grundlage.“

Ein widerwärtiges, ja arschkriecherisches Geschreibsel! Aber es kommt noch besser. Er begründet diesen Brief damit, er wolle verhindern, dass die Polizei eine Haussuchung mache.

Wir entgegneten, das sei absoluter Quatsch. Zum einen könne weder die OB noch die SPD wollen, dass in der überregionalen Presse, oder gar in der internationalen, diese Sache publik wird. Im Gegenteil. Wir können nur hoffen, dass so eine Haussuchung stattfindet, eine bessere Werbung gegen die rassistische Ausländerbehörde in Duisburg, den vorgesetzten Rechtsdezernenten Brandt und gegen die Oberbürgermeisterin kann es gar nicht geben. Leider sei die Haussuchung unwahrscheinlich. Der Computer des Dezenten sei nichts als ein elektronischer Briefkasten. Und, fragte ich Dierkes, was ist ein höheres Rechtsgut: das in der Verfassung garantierte Recht auf Meinungsfreiheit oder das Recht eines Briefkastens nicht verstopft zu werden?

Dierkes aber war es mit dem devoten Brief an die OB noch nicht genug. Er schickte diesen Brief dann auch noch an die Staatsanwaltschaft Duisburg. In einem handschriftlichen Begleittext schrieb er: „Staatsanwaltschaft Duisburg. Oberstaatsanwalt zu gefl. Kenntnis des beiliegenden Schreibens an die OB, Frau Zieling. m.f.G. H. Dierkes.“

Wie nennt man das so allgemein? Denunziantentum! Und dieser Möchtegernheld wagt es, sich als der große Kämpfer gegen das Unrecht der Abschiebepraxis in Duisburg aufzuspielen! Dabei hat er diesen Denunziationsbrief heimlich an die Staatsanwaltschaft geschickt. Wir erfuhren erst Mitte des Jahres durch Zufall davon.

Die Staatsanwaltschaft erkannte den politischen Sprengstoff einer Strafverfolgung. Sie stellte das Verfahren kurzerhand ein. Auf die Beschwerde der OB schloss sich die Generalstaatsanwaltschaft der Auffassung der Duisburger Staatsanwaltschaft an und schrieb an die OB u.a.: „Die überragende Bedeutung des vorbezeichneten Grundrechts (auf freie Meinungsäußerung, G.A.) erfordert aber, dass die allgemeinen Gesetze dahin auszulegen sind, dass der besondere Wertgehalt der freien Rede gewahrt bleibt...“

Man sollte es nicht glauben, aber es ist so: Während der Fraktionsvorsitzende der PDS im Duisburger Rat uns denunziert, redet die Staatsanwaltschaft vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Verkehrte Welt? Nicht unbedingt.

Dierkes sagte: Die Grünen wollten nach der Abschiebung der Roma-Familie eine kommunale Härtfallkommission einrichten, die ein Anhängsel des Ordnungsamts sein sollte. Das halten wir für unakzeptabel; sie muss unabhängig sein...“

Meine Richtigstellung: Es stimmt, SPD und Grüne hatten das vor. Aufgrund unserer Aktionen gegen die Abschiebepraxis in Duisburg war Stadtdirektor Brandt ins Zwielicht geraten. Er versuchte sogar sich als Ausländerfreund zu verkaufen und posierte vor der Presse mit einem neueingebürgerten Türken, hob dessen neuen deutschen Pass hoch und forderte in Duisburg lebende Türken auf, sich einbürgern zu lassen. Er nahm auch an einer türkischen "Kulturveranstaltung" teil und hielt eine Rede. Bei der Veranstaltung stellte sich dann aber heraus, dass die Veranstalter die faschistischen Grauen Wölfe waren. SPD und Grüne wollten in einem Befreiungsschlag das Image von Brandt aufbessern. Diese Kommission wäre von Brandts Behörde eingesetzt worden, sie wurde von ihr einberufen und durfte keine Entscheidung fällen. Sie konnte aufgelöst werden, wenn sie unbotmäßig ist, kurz: eine Alibikommission.

Hermann Dierkes und Irina Neszeri wollten zustimmen. Der Kreisvorstand mit Dimitri Tsalos übte massive Kritik an dieser Haltung und verhinderte die Zustimmung der PDS-Fraktion. Durch die Zusammensetzung des Duisburger Rates wurde die Kommission in dieser Fassung durch den Rat abgelehnt. Später setzten wir die Grünen massiv unter Druck und verlangten nach einer unabhängigen Härtefallkommission. Sie wurde dann auch beschlossen.

Es ist aber eine Unverschämtheit von Dierkes im Interview zu behaupten, seine Fraktion sei dagegen gewesen. Erst nachdem der damalige Kreisvorstand durch das Fraktionsmitglied und Sprecher des Kreisverbandes Dimitri Tsalos massiv interveniert hatte, kam es zu diesem Abstimmungsverhalten.

Dierkes sagte:  Der Kreisverband der PDS in Duisburg ist zahlenmäßig sehr schwach und politisch gespalten: ein Teil orientiert sich an der KPF, ein anderer neigt mehr der Parteivorstandsmehrheit zu. Letzterer ist überwiegend politisch passiv. In der Vergangenheit gab es einige unnötige und sehr ideologisierte Auseinandersetzungen, die wenig von der politischen Praxis bestimmt waren.
Ich selbst bin bisher nicht Mitglied der PDS und nehme auch an den KV-Sitzungen nicht teil. Die Partei vor Ort ist von der Arbeit in Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und anderen Bewegungen ziemlich abgeschnitten. Das ist ein Problem, das sie bisher nicht überwunden hat.“

Meine Richtigstellung: Es stimmt. zahlenmäßig schwach waren wir. Ich glaube es waren etwas unter 30 Mitglieder. An der regelmäßigen Arbeit beteiligten sich etwa 20, manchmal mehr, manchmal weniger. Umso erstaunlicher ist aber, dass dieser Kreisverband bei der Kommunalwahl 1999 ein Ergebnis einfuhr, das ihm zum erfolgreichsten PDS-Kreisverband im Westen machte. Ein Symp, der zu Besuch im Osten zurück kam, wo damals auch Wahlkampf war, sagte, in Duisburg hingen ebenso viele PDS-Plakate wie in Magdeburg. Und das bei einem Kreisverband, der lt. Dierkes "zahlenmäßg sehr schwach" ist!

Dierkes kennt sicher den Unterschied von Qualität und Quantität nicht. Wir schielten nicht auf massenhaft Mitglieder (die hätten wir ja auch nicht bekommen können), sondern wollten aktive Genossinnen und Genossen.

Unser Rezept war: Konsequent linke Politik, klassische sozialistisch-kommunistische Themen und Ausrichtung aufs Proletariat. Genau hier liegt die Erklärung dafür, dass in Duisburg Wahlergebnisse über dem Landesdurchschnitt herauskamen.

Aber das ist ja offensichtlich für das VSP-Mitglied Dierkes nicht vorstellbar. So soll er bereits kurz nach der Kommunalwahl den linken Kreisvorstand als linkssektiererisch bezeichnet haben (hierfür gibt es Zeugen).

Orientierung an der KPF, von der Hermann Dierkes faselt, ist schlichtweg Blödsinn.  Orientierung am Proletariat, Politik vom proletarischen Klassenstandpunkt aus betrieben, das wären die richtige Bezeichnungen. Das jedenfalls war meine Position im Kreisverband und meine Meinung hatte Gewicht. Die Kommunistische Plattform hatte nie Einfluss auf unsere Arbeit und wir orientierten uns auch nicht an ihr. (Anmerkung: An der KPF kann sich niemand orientieren, denn sie ist garnicht fähig Orientierungshilfen zu geben. G.A.)

Dierkes behauptet, es habe „einige unnötige und sehr ideologisierte Auseinandersetzungen, die wenig von der politischen Praxis bestimmt waren.“ gegeben. Er meint wohl z.B. die Diskussionen um die Zeitung, wo wir, die Redaktionsmehrheit, nicht wollten, dass die Zeitung als PDS-Zeitung firmiert, schon gar nicht als ein Verlautbarungsblättchen der Fraktion, was Dierkes offensichtlich wollte, sondern als eine sozialistische  Zeitung mit einer Redaktion, die sich nicht an Weisungen hält. Hermann führte immer sein angeblich radikaldemokratisches DUBB an, das die Bezeichnung „sozialistisch“ ablehne. Wir setzten uns allerdings durch.

Oder er meint seine Praxis nie inhaltlich zu kritisieren, wenn ihm Artikel nicht passten, die allzu klar links positioniert waren, sondern angebliche Satz- oder Zeichensetzungsfehler oder Nebenaspekte ("es fehlt der kommunalpolitische Bezug") aufzuführen. Diese Fehler sah er immer nur in Artikeln, die z.B. von mir, Dimitri Tsalos oder der Roten Aktion kamen. Mal fehlte der kommunalpolitische Bezug, wenn es sich um einen Artikel gegen die Folter in der Türkei handelte, mal meinte er, ich habe die grüne Bürgermeisterin Janicki unqualifiziert beleidigt. Ich hatte im Editorial die Grünen gefragt, ob es noch tiefer hinein in den Hintern der SPD ginge. Das war Herman zu unfein. (siehe)

Nein, er diskutiert nie ideologisierend, er diffamiert nur hinter dem Rücken, setzt Gerüchte in die Welt, steckt diesem was angeblich Schlechtes über jenen („Der Heinrich hat ja wieder ein dummes Zeug in der Veranstaltung von x gesagt“) usw. Ins Gesicht sagt er das nicht. Aber so ist er nun mal. Man darf nicht ideologiesieren. Klarheit, wie sie Lenin von Trotzki 1905 forderte, ehe er eine Einheit eingehen wollte, ist dem Winfried Wolf Spezi und Anhänger jenes Leo Trotzki, den Lenin damals kritisierte, fremd.

Wie diese Diskussionen von der politischen Praxis fern waren, siehe unseren Einsatz in der Zumberov-Affäre in Duisburg und die Aktion gegen die Strafprozesse gegen mich und andere. Der unideologische Hermann Dierkes fehlte oder engagierte sich kaum. Die „Helden“ waren ja die „Sektierer“ vom Kreisvorstand: Dimitri Tsalos, Hanna Ackermann und Günter Ackermann.

Dierkes behauptete: „Die Partei vor Ort ist von der Arbeit in Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und anderen Bewegungen ziemlich abgeschnitten.“ Das stimmt sogar. Aber er hat uns weder Türen geöffnet noch hat er sich für uns eingesetzt. Was aber möglich war, wurde gemacht. So ist ein Mitglied des alten Kreisvorstandes Mitglied des Kreisvorstandes der ÖTV geworden und jetzt in gleicher Funktion bei ver.di. - immerhin. Aber genau den Genossen hat Dierkes lange Zeit diffamiert und ihn für unfähig gehalten, meines Wissens das ihm aber nie ins Gesicht gesagt.

Der Kreisvorstand hat das Problem zu geringer Verankerung gesehen und hat daran gearbeitet, aber die Aktiven der PDS in Duisburg wurden von ihren Erfolgen eingeholt. Die Notwendigkeit, die qualifizierten Genossen auch in Ratsfunktionen, also in Ausschüsse zu schicken, hatte zur Folge, dass manche 10 Termine an sieben Tagen hatten.

Dierkes, der Betriebsrat und Gewerkschafter sorgte dafür, dass ein Jahr der Sozialausschuss mit Leuten beschickt wurde, die nie zu den Sitzungen gingen und auch sonst nichts taten. Als wir dann Druck machten, wurde neben einer qualifizierten Genossin als „sachkundige Einwohnerin“ (das sind in der Regel nicht stimmberechtigte Ausschussmitglieder, die nicht unbedingt die deutsche oder eine EU-Staatsbürgerschaft haben müssen), als ordentliches Mitglied aber der nachgewiesenermaßen und unbestritten unfähige J.D. bestimmt. Der sich zwar mit der Umrechnung von DM in Euro für Gebühren beschäftigte, dabei einige Pfennige Unterschied bei einigen Posten ermittelte, aber die großen Tagesordnungspunkte, wie den Abbau von 60 Erzieherinnen in Kindergärten oder die Einführung der Sozialagentur, die zur Gängelung von Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfängern eingerichtet wird, nicht beachtet. Das bitteschön, hat der Mann mit zu verantworten, der sich in seinem SoZ-Interview als Richter des Vorstands des erfolgreichsten PDS-Kreisverbandes im Westen macht.

Solche Interviews, wie das hier, dürfte Dierkes zukünftig nicht mehr geben, die Grundlage, ein linker Kreisvorstand, entfällt. Jetzt sind die Köpfe der Linken im Kreisvorstand nicht mehr dabei. Während die bisherigen Sprecher zu Dierkes mit kritischer Solidarität standen, ist der jetzige Sprecher die Kreatur von Dierkes Gnaden, Horst Werner Rook. Dierkes Kreatur war er bisher auch schon, aber er war von Genossen umgeben, die ihm auf die Finger klopften.

Mir sagte ein PDSler nach der Wahl: „Bisher hatten wir mit Hanna eine Frau an der Spitze, die wusste was sie wollte, jetzt aber ist da ein Langweiler.“ Ja, das auch, aber vor allem einen, der das machen wird, was Hermann Dierkes will. Rook, der neue Sprecher, dürfte zwar nicht "ideologisierend" diskutieren, aber einen Praxisbezug hat sein langweiliges Gewäsch auch nicht. Er ist allerdings brav und angepasst. Vor dem Münsteraner Parteitag bekannte er sich eindeutig gegen das später mit 2/3-Mehrheit angenommene antimilitaristische Papier – als einziger im Kreisvorstand.

siehe auch: Sie sind sich zu nichts zu schade
Realo-Erklärung eines Duisburger PDS-Kreisvorständlers 

und

Erwiderung Günter Ackermann

Fortsetzung folgt
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