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Sahra, die Noble, schlemmt gern…

… nur bekannt werden darf es nicht

Von Gerd Höhne/4. Januar 2008

Jetzt wissen wir es: Im vergangenen Sommer gingen einige aus „Die Linke“ essen. Nicht in der Pommes-Bude, auch nicht im kleinen gemütlichen und gutbürgerlichen Lokal an der Ecke ein halbes Hähnchen oder Currywurst, sondern im noblen Restaurant „Aux Armes“ in Staßburg, der Stadt des Europaparlaments.

Daran nahmen Teil: Deutschlands bekannteste Salon-Kommunistin Sahra Wagenknecht, die Frontfrau der recht biederen Kommunistischen Plattform der Partei „Die Linke“, Lothar Bisky, der Parteichef und die Europa-Abgeordnete dieser Partei Feleknas Uca.

Letztere allerdings kannte sich offenbar mit einer Gepflogenheit nicht so aus: Eine Salonkommunistin isst zwar Hummer, aber nicht öffentlich und auch nicht per Foto dokumentiert. Man ist öffentlich jene Pommes mit Majo oder halbe Hähnchen, ersatzweise Eisbein, auch mal Schnitzel mit Pommes und als Gipfel des Schlemmens, kann’s auch mal ein Rumpfsteak sein – aber Hummer? Das ist nun doch zu bourgeois!

Bourgeois darf man bei „Die linke“ schon sein. Vom Zugpferd dieser Partei, Oskar Lafontaine, sagt man, er trüge Hemden aus Seide. Aber man gibt sich auch volksverbunden und, als Vorfrau der Kommunistischen Plattform, auch schon mal proletarisch.

Da aber ein Arbeiter, von der Straßburg gegenüber liegenden badischen Seite des Rheins, sich kaum Hummer zu Gemüte führt, wäre das peinlich. In Straßburg ist man ja unter sich und im „Aux Armes“ dinieren jene Arbeiter auch nicht. Da sind auch kaum Empfänger von Hartz IV als Gäste zu erwarten. Wenn sie überhaupt hierher kommen, dann als Aushilfs-Topfwäscher um sich ihre Stütze aufzubessern. Aber die sind hinten, in der Spülküche und nicht im Restaurant.

Also gab man sich locker und unbeschwert. Feleknas Uca zückte deshalb ihre digitale Kamera und fotografierte die schlemmende Runde – mit Einverständnis aller.

Am anderen Tag aber hatte Sahra Wagenknecht Bedenken: Was wird aus dem Image, wenn die Zeitungen sie, im trauten Verein mit Lothar Bisky, der immerhin den anderen Flügel ihre Partei repräsentiert, sie in einem Edelschuppen in Straßburg echt bourgeois Hummer verspeisend zeigen?

Also bat sie Feleknas Uca am anderen Tag, ihr die Kamera zu leihen, was diese bedenkenlos auch tat.

Sahra führte jedoch Böses im Schilde: Sie löschte die inkriminierten Bilder und meinte, damit sei ihr Ausflug in die großbürgerliche Kultur getilgt.

Aber nein! Feleknas Uca war sauer und erzählte das brühwarm dem „Spiegel“, der das genüsslich brachte. Jetzt war Sahra sauer. Aber, antatt sich Asche aufs Haupt zu schütten und ihr Bedauern zu äußern, verkündete sie trotzig, sie habe das getan, weil ihr die Bilder nicht gefielen.

Damit war sie Schlemmer-Affäre der Vorzeige-Linken der Partei „Die Linke“ er richtig in der Presse. Selbst Provinzblätter, wie die „Rheinische Post“ oder die „Frankenberger Zeitung“, berichteten. Sahra Wagenknecht hat nun den Schwarzen Pester.

Daher mein Rat an Sahra Wagenknecht:

Liebe Sahra, dass du einen  Hang zum Bourgeoisen hast – und das nicht nur zur bourgeoisen Küche – ist uns nicht neu.

Aber pass auf! Wenn du Hummer oder ähnliches Edelfressen speist, lasse dich nicht erwischen. Zwar weiß Lothar Bisky was er an dir hat. Du erleichterst seinen Job ungemein, denn das, was er schon offen  sozialdemokratisch macht, übersetzt du ins kommunistische und erweckst dadurch den Eindruck, Bisky sei ein Linker. Das brachte dir den gutbezahlten Job im Europaparlament ein.

Wenn aber jeder meint, die Sahra ist eine stockbürgerliche Tussi, die nur auf links macht, dann vernichtest du die Grundlage deines Jobs. Und das wird bitter!

Und diese Leute stellen dir Fallen. Denn man liebt zwar dein Scharwenzeln mit der Bourgeoisie, aber damit muss man dich nicht auch lieben. Die Uca wollte dich mit den Bildern sicherlich vorführen, der Spiegel hatte wohl bereits den Scheck ausgestellt. Doch, als du die Bilder löschtest, war es zu spät. Du warst einfach zu vertrauensduselig.

Also denk an deinen Job. Mit Hartz IV gibt’s vielleicht am Sonntag Frikadellen mit Pommes, das „Aux Armes“ in Staßburg bleibt dir dann verschlossen und die Hummer verspeist Bisky ohne dich.

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