|

Inka-Goldmaske |
Justiz
und Landeskriminalamt Bayern auf Spuren der Vorfahren der Europäer:
Stammen
wir von den Mayas,
Azteken und Inkas ab?
Eine
Glosse von Günter Ackermann/02. Mai 2008
|
In München
beschlagnahmte die Polizei einen Schatz aus über 1000 Stücken,
bestehend aus Schmuck, Masken und Skulpturen. Alles stammt von den
Mayas, Azteken und Inkas.
Ein
groß angelegter Museumsraub? Keineswegs! Jedenfalls laut LKA-Bayern und
und blauweißer Justiz. Zwar gibt es Ermittlungen, aber, wie aus Kreisen der Polizei und
Justiz Bayerns zu vernehmen war, geht es nicht um eine Straftat und es
gibt auch keinen Beschuldigten. Warum? „Es gibt keine Erkenntnisse,
dass die Gegenstände irgendwann einmal gestohlen wurden.“
Hier
kam ich ins Grübeln. Denn, so mein Schluss, müssten die Sachen ja vom
ursprünglichen Besitzer in grauer Vorzeit verbuddelt worden sein. Schatzgräber
haben sie folglich in der Gegenwart ans Tageslicht befördert..
Die Mayas, Azteken und Inkas in Europa, oder gar in Bayern? Eher
unwahrscheinlich!
Ich dachte bisher, die Mayas siedelten in
Mittelamerika, die Azteken in Mexiko und die Inkas in Südamerika, im
heutigen Peru. Das muss offenbar ein Irrtum sein.
Denn
wenn die Gegenstände nicht irgendwann gestohlen wurden, wurden sie hier
hergestellt und müssten vom ursprünglichen Maya-, Azteken- und
Inkabesitzer z.B. in seinem Keller vergraben worden sein. Vielleicht
waren die Zeiten unsicher, er wollte sie vor Mordbuben und Plünderern
in Sicherheit bringen.
Es muss somit die Geschichte des
Abendlandes und der Eroberung Amerikas durch europäische Mächte neu
geschrieben werden. Das wurde schon 2007 angegangen – übrigens auch
von einem Bayern, einem gewissen Joseph Ratzinger, alias Papst Benedikt
XVI. Der hatte nämlich festegestellt, die Indianer hätten sich
„still nach dem Christentum gesehnt“ – also den spanischen
Eroberern.
Und das wäre auch eine gute Sache gewesen:
„Die
Verkündigung von Jesus und dem Evangelium hat an keiner Stelle eine
Entfremdung der präkolumbianischen Kulturen enthalten und war auch
nicht das Aufzwingen einer fremden Kultur“, sagte der Papst. Und der
muss es wissen, hat er doch offenbar eine ständige Telefonleitung nach
ganz oben.
Aber,
so frage ich mich, wie kamen die Klunker, die das LKA-Bayern
beschlagnahmt hat, dann nach Europa? Waren sie vielleicht das Geschenk, der
sich still nach Erleuchtung, nach Jesus Christus und nach den Spaniern
sehnenden Indianer? Oder war das doch hier in Europa verbuddelt?
Stimmt
überhaupt das, was ich in der Schule im Geschichtsunterricht gelernt
hatte: Die Spanier machten sich auf der Suche nach Gold und Reichtum nach der
Neuen Welt auf. Rotteten innerhalb weniger Jahrzehnte (noch zu Lebzeiten
von Kolumbus), die Karibik-Ureinwohner aus. Dann eroberten sie mittels Mord
und Krieg Mittelamerika. Den letzten Aztekenherrscher, Montezuma
II. (etwa 1465 bis 1520), machten sich die spanischen Eroberer mit Zwang, List und Betrug gefügig
und dann, als er keine Autorität mehr unter seinen ehemaligen
Untertanen hatte, erdolchten sie ihn hinterrücks . Der Führer der
Spanier, Hernando Cortés,
kehrte jedenfalls als gemachter Mann nach Spanien zurück. Und sein König
bekam vom Schatz auch seinen Anteil ab. Und der war auch Kaiser bei unsin
Deutschland, nämlich Kaiser Karl V.
Stammte der Schatz in Bayern
etwa davon? Kann nicht sein, denn das Inkareich wurde später als Mexiko
erobert.
|

Ermordung
des Inka-Königs Atahualpa
durch spanischer
Eroberer mit der Garotte (Würgeeisen) |
Und
zwar durch Francisco Pizarro González (1479 bis 1541). Der
hatte sich als Lösegeld für den gefangenen Inkaherrscher
Atahualpa (ca. 1500 bis 1533)
einen Raum mit Gold füllen lassen. Insgesamt,
davon geht man heute aus, raubten die Spanier den Inkas 16 t
Gold und 180 t Silber. War das keine Straftat? Offenbar nicht,
bestenfalls eine verjährte.
Frei
kam Atahualpa trotzdem nicht. Er er wurde wegen Schändung des
Kreuzes (das lt. heutigen Papst, seine Untertanen und er ja
still herbei gesehnt hatten) zum Tod auf dem Scheiterhaufen
verurteilt. Dass die Beschuldigungen an den Haaren herbei
gezogen waren, war schon damals klar.
Ein freier Atahualpa
hätte sich für Pizarro zu einer Gefahr entwickeln können.
Militärisch waren die spanischen Truppen in der Minderheit und somit den Inkatruppen
unterlegen. Atahualpa musste sterben, egal wie. |
Atahualpa
aber wollte wenigstens im Jenseits weiterleben und dazu brauchte er
seinen Körper. Wäre er verbrannt worden, dann wär's mit dem Jenseits
nichts geworden, also ließ er sich taufen und wurde – großzügig wie
die Konquistadoren waren – begnadigt. Statt durch das Feuer, wurde er
mittels Würgeeisen, der Garotte, getötet.
Ich
bin ja nur in der DDR in die Schule gegangen. Da wurden im
Geschichtsunterricht andere Prioritäten gesetzt, als hier. Wir lernten,
das seien Verbrechen gewesen.
Wenn
die wackeren Sherlock Holmes vom bajuwarischen Landeskriminalamt und die
Kollegen des königlich-bayrischen Amtsgerichtsrats heute sagen, der
Schatz sei womöglich nicht durch eine Straftat nach Europa gekommen, so
haben sie – das scheint mir die wahrscheinlichste Variante –
entweder im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst oder der
bundesdeutsche Geschichtsunterricht ist irgendwie anders, als damals in
der DDR.
Der bundesdeutsche Geschichtsunterricht
blendet in der Regel das eben angeführte einfach aus. Alles, was nach Europa
durch die Eroberer und Kolonialherren kam, war durch Verbrechen
erworben. Das gilt für damals, das gilt auch für heute. Damit aber
schließt sich der Kreis. Die Gelüste des deutschen Imperialismus nach
Rohstoffen und die Bereitschaft, „Deutschland am Hindukusch zu
verteidigen“, sind nicht minder verbrecherisch.
G.A.
|