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„Das Volk probt bereits den Aufstand. Bisher geht es „nur“ um Stuttgart und Löhne. Aber es werden mehr und mehr werden, in denen die Klarheit wächst, dass die Bourgeoisie endgültig als herrschende Klasse abgehalftert hat.“

1 Jahr Schwarz-Gelb:

Erfolgreiche Bilanz oder

Märchenstunde der Gebrüder Grimm?

Von whs

Arbeiterkorrespondenz auf Kommunisten-online vom 1. November 2010 Bei Frau Illner traten diesmal Hochkaräter an: Herr De Maiziere (Innenminister/CDU), Herr Niebel (Entwicklungsminister/FDP), Frau Kraft (Ministerpräsidentin NRW) und Herr Streng (CSU-naher Journalist). Heraus kam, wie meist, politisches Gewäsch, das jeden in besonders schönem Licht gleißen lassen sollte.

Da Herr De Maiziere die Diskussion eröffnete, beginnen wir auch gleich mit ihm. Den Schmalz, den er gleich am Anfang absonderte, schenken wir ihm. Aber gleich darauf geht´s los. Die Schuldenbremse bezeichnete Herr De Maiziere als das sozialste, was es gibt, weil dadurch kommende Generationen entlastet werden. Da hat der Herr recht, aber warum werden nur die Kleinen geplündert?

Wie schon, in der Krise wird auch hier das große Vermögen geschont und der Arbeiter, Angestellte, Bauer und kleine Handwerker zur Kasse gebeten. Ist das auch „das sozialste, was es gibt“, Herr De Maiziere?

Dann setzt er aber noch einen drauf, indem er die Streichung des Elterngeldes eine Maßnahme nannte, durch die die Kleinverdiener nicht entmutigt werden sollen. Er spielte auf das Lohnabstandsgebot an, dass die Bundesregierung bei solchen Diskussion gern heran  zieht. Warum hat es denn bisher keine Bundesregierung fertig gebracht, dafür zu sorgen, dass die Menschen für ordentliche Arbeit auch ordentlich entlohnt werden? Dann wäre der Lohnabstand da und man müsste nicht die Arme bis an die Elenbogen in den Taschen der Langzeitarbeitslosen versenken, um noch ein paar Cent auf die Habenseite der Monopole zu schaufeln. Liegt es etwa dran, dass nichts, aber auch gar nichts, die Profite  der Monopole schmälern soll? Nun Herr De  Maiziere, dann macht Ihre Clique eine gute Politik. Da werden Sie und Ihre Kumpane kräftig gelobt werden. Vielleicht ist auch ein erkleckliches Millionensümmchen als Parteispende möglich.

Dann kam Herr De Maiziere auch gleich noch auf den Atomvertrag. Und dazu meinte er, dass die jetzige Bundesregierung die „Trendwende hin zu erneuerbaren Energien“ und damit die „Bewahrung der Schöpfung“ erreicht habe. Hier scheinen drei Dinge nicht zu stimmen. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte die rot-grüne Regierung von Kanzler Schröder den Atomausstieg und die Förderung von neuen Technologien  zur Energiegewinnung beschlossen. Das ist jetzt plötzlich das Verdienst von Schwarz-Gelb? Nun, das Schmücken mit fremden Federn ist der FDP schon lange nicht mehr fremd und auch die CDU/CSU scheint Gefallen daran zu finden.

Und welche Stimulierung für die Forschung bei der Verlängerung der AKW-Laufzeiten herauskommen soll, entzieht sich wahrscheinlich jedem, der klar zu denken in der Lage ist. Die Laufzeitverlängerung braucht Herr De Maiziere nicht „aus Jux und Dollerei und auch nicht, um Profite zu sichern, von denen wir viel abschöpfen. Wir brauchen die Energiemenge aus den sichersten AKW er Welt, um Brücken zu bauen.“

Welche Brücken der gute Mann bauen will, sagte er vorsichtshalber nicht. Er sagte auch wohlweislich nichts zur „Abschöpfung der Profite“, über die ja schon die ganze Welt lacht.

Zum Dritten, wie bewahrt man die „Schöpfung“, wenn Uralt-AKWs noch länger am Netz bleiben dürfen? Die Risiken sind bekannt. Seit Tschernobyl ist auch bekannt, was passiert, wenn so ein Ding (aus welchem Grund auch immer) hochgeht.

Der gute Her Nebel von der FDP, der vor der Ernennung zum Entwicklungsminister die Entwicklungshilfe als „Geld aus dem Fenster werfen“ titulierte, hat sich nun mit seiner Pfründe abgefunden. Vielleicht konnte ihm die Industrie auch verklickern, dass jeder Entwicklungshilfe-Euro auf der Debet-Seite des Staates wieder auf der Habet-Seite der Konzerne auftaucht. Und da erscheint er aber nicht allein, nein, er bringt auch noch ein paar Brüderchen und Schwesterchen mit. Da hat der Herr Niebel schnell eingesehen, dass Entwicklungshilfe sein muss.

Herr Niebel musste  natürlich Versprechen der FDP und die erreichten Ergebnisse verteidigen. Mit Vehemenz versuchte er darzustellen, dass die FDP nicht mehr machen konnte, weil man sie nicht gelassen hat. Aber immerhin hat er ja höchstpersönlich die Menschen am Jahresanfang um 20 Mrd. € entlastet. Er sagte nur nicht dazu, welche Menschen.

Dann klopfte sich Herr Niebel in die Brust und erklärte, immerhin hätte die Regierung dafür gesorgt, dass HARTZ-IV-Kinder ihren Ferienverdienst behalten dürfen. Dass dafür erst ein Aufschrei durch Volk und Medien gehen musste, wusste Herr Niebel nicht mehr. Dann hat ja die Koalition das Schonvermögen verdreifacht und den Zuverdienst erhöht. Auch hier vergaß er, dass die Regierung dazu getrieben werden musste. Aber wir gönnen dem Gockel den stolzen Blick vom Misthaufen. Herr Spreng ergänzte dann die Aufzählung: „ … Elterngeld gestrichen, Rentenbeitrag gestrichen, Besserverdienende nicht belastet …“.

„Wir tragen die Rente mit 67 mit, weil wir länger arbeiten müssen.“ Ich habe gelegen. Beinahe hätte ich vor lauter Lachen mein Bier verschüttet. Der Herr Niebel „arbeitet“ also länger. Glaube ich gern. Wenn „Mantel in den Wind hängen“ so gut bezahlt würde wie bei Herrn Niebel, würde ich s mit der „Arbeit“ bis Hundert aushalten. Und könnte dann eine Rente abfassen, dass ich gleich nochmal vier HARTZ-IV-Familien mit durchfüttern könnte.

Frau Kraft von der SPD konnte der Koalition einige Dinge ins Gesicht schleudern, auch wenn die SPD sie mit eingebrockt hatte. Es ist immer wieder schön, wie sich die SPD mit ihrem HARTZ-IV-Gesetz schwer tut. Was werden für Ausreden erfunden. Man könnte am Stück lachen, wenn die Sache nicht so unheimlich ernst wäre. Wo sie natürlich recht hat, ist der Einkommensverlust der Länder und Kommunen, durch den wieder einmal die sozial Schwachen am Stärksten belastet werden. Aber als sie es beschlossen haben, hat das die „Genossen“ komischerweise auch nicht sonderlich gestört.

Frau Illner hatte eine junge Studentin zum Thema Integration eingeladen. Frau Yücel stellte dann fest, dass es eigentlich nichts mit Integration sondern mit Sozialisation zu tun hat. Ihrer Meinung nach könne man diese Probleme nicht auf Religionen und Kulturen übertragen. Die Diskriminierung sei salonfähig geworden. Frau Kraft gab ihr ungewollt Recht, als sie meinte. „ … Grund, den die Studentin genannt hat …“. Sie wusste ihren Namen nicht, interessierte Frau Kraft auch nicht, sonst hätte sie ja mal nachgefragt.

Herr Niebert, ein junger Umweltschützer warf der Regierung eine schwerwiegende Verletzung der Demokratie vor, weil zwei Drittel der Bundesbürger die Laufzeitverlängerung der AKWs ablehnen. Er sage auch, dass nunmehr 21.000 t zusätzlicher Atommüll anfallen, für den es immer noch kein Endlager gibt. Herrn Niebel fiel darauf nur ein, dass die Mehrheit der Deutschen diese Regierung gewählt habe und die Laufzeitverlängerung sei schon vorher von Schwarz-Gelb gefordert worden. Die letzte Aussage stimmt, aber ist Schwarz-Gelb nicht in der Lage sich zu revidieren? Ja, wenn es um den Willen der Konzerne geht, nein, wenn es um den Bürgerwillen geht. Da wird höchstens mal geprügelt, siehe Stuttgart.

Die erste Aussage, Herr Niebel, ist eine glatte Lüge. Die Mehrheit der Deutschen hat Sie nicht gewählt. Die Mehrheit der Wähler hat Sie gewählt. Rund dreißig Prozent der Wähler haben sich schon gar nicht mehr auf den Weg zum Wahllokal gemacht, weil sie schon vorher wussten, dass sie hinterher beschissen werden. Und sie wollten nicht, dass Sie sich, Herr Niebel, mit Ihrer gesamten Mischpoke hinter diesem sogenannten Wählerwillen verstecken. Deshalb verweigern sie sich Ihrer Scheindemokratie. Sie spielen nicht mehr mit.

Was tun Sie und ihre Kollegen, nein nicht Kollegen, Ihre Mittäter, um diese Leute wieder an die Wahlurne zurück zu bringen? Nichts! Weil Sie wissen, egal, ob das Volk zur Wahl geht oder nicht, die Macht der Bourgeoisie wird in dieser Republik nicht angetastet, von Ihnen und Ihrer Regierung schon gar nicht. Im Gegenteil, da wird alles getan, um noch mehr Geld von unten nach oben zu schaufeln. Und zum Schaden habe die Ärmsten der Armen noch Ihre Häme. Und wenn niemand mehr zur Wahl geht, sind die Posten und Pöstchen noch leichter zu verteilen.

Träumt noch ein wenig von der Macht. Eines Tages werden wir sie Euch entreißen. Das Volk probt bereits den Aufstand. Bisher geht es „nur“ um Stuttgart und Löhne. Aber es werden mehr und mehr werden, in denen die Klarheit wächst, dass die Bourgeoisie endgültig als herrschende Klasse abgehalftert hat. Dann ist ihre Zeit gekommen, und sie werden die Bourgeoisie aus ihren Sesseln jagen und die Hebel der Macht selbst in die Hand nehmen,zum Wohle aller arbeitenden Menschen.

Rot Front

Werner  

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ARD-Tagesschau

Jemen, Russland und die Demokratie – oder:

Was dem einen recht, ist dem anderen noch lange nicht billig

Von whs

Arbeiterkorrespondenz auf Kommunisten-online vom 8. November 2010 Da trachtet also jemand aus dem Jemen unserer Regierung nach dem Leben. Wer hat denen verraten, dass die nichts taugt? Aber deshalb muss man sie doch nicht abschießen. Schicken wir sie in die Wüste, das reicht für den Anfang.

Spaß beiseite, laut Innenminister De Maiziere wurden wieder Brief- und Paketbomben entdeckt, die an Regierungsstellen adressiert waren. Zufälligerweise wurden sie kurz vor dem Ziel entdeckt. Aber immer nur zufälligerweise. Aber entdeckt wurden sie. Nun könnte man sagen, schön, Al Qeida rührt sich mal wieder. Wie passt das aber mit den Erfolgsmeldungen zusammen, dass die USA mit Hilfe ihrer Drohnen fast die gesamte Führungselite von Al Qeida weggebombt haben wollen.

Was will die Bundesregierung unternehmen, um die terroristische Bedrohung zu vermindern? Zunächst einmal werden „abgestimmte Sofortmaßnahmen“ verlangt. Was bedeutet das? Nun die Kommandogewalt soll offenbar weiter zentralisiert werden, polizeiliche Maßnahmen mehr und mehr von der Bundeshauptstadt aus eingesetzt und organisiert werden.

Als zweites sollen „schwarze Listen für Flughäfen“ erstellt werden. Wer also nicht mitmacht, muss mit Profiteinbußen rechnen, ein Mittel, das bei nicht kooperationswilliger Bourgeoisie immer zieht. Dadurch versucht man dann auch leichter an Fracht- und Passagierdaten heran zu kommen. Der gläserne Mensch ist in nicht mehr allzu weiter Ferne. Logischerweise wird dann der „Zugriff auf Frachtdaten“ offen gefordert.

Ach ja, eins hätte ich ja beinahe vergessen: Der geplante Stellenabbau bei der Bundespolizei wird in Frage gestellt, und zwar von FDP und SPD gleichzeitig. In Anbetracht der terroristischen Gefahr sei der Stellenabbau nicht mehr opportun.

Begründet wird der Maßnahmenkatalog mit der Tatsache, „dass es aufgefallenen wäre, dass der Transport eines gebrauchten Kopierers aus dem Jemen nach Chicago wenig Sinn macht.“ Wenn die Sache nicht so ernst wäre, könnte man jetzt lauthals lachen, denn im Kapitalismus passieren dauernd Sachen, die „keinen Sinn machen“. Dabei ist der Transport eines gebrachten Kopierers noch die leichteste aller Übungen.

Nun, das wäre die eine Meldung gewesen, die die Menschen eigentlich aufhorchen lassen müsste. Die zweite kam aus Russland. Wieder einmal ist dort ein Journalist, der über bestimmte Machenschaften berichtete, zusammengeschlagen worden. Der Vorfall ist schlimm, das ist richtig. Gewalt gegen Menschen ist immer schlimm.

Aber diese Meldung lässt sich doch gleich mit Meinungsmache verbinden. Denn so recht traut die deutsche Bourgeoisie ihrer russischen Bruderklasse noch immer nicht, die will tatsächlich ihre Arbeiterklasse selbst ausbeuten. Und das ist doch schrecklich, zumindest in den Augen der deutschen Ausbeuter. Da kommt dann eben der Satz: „Solange in Russland Journalisten verprügelt werden, ist das weder eine Demokratie noch ein Rechtsstaat.“ Und es wird orakelt, ob es „Medwedjew tatsächlich ernst meint oder ob es um demokratische Kosmetik geht“.

Jetzt kommen wir zur eigentlichen ersten Meldung in der Reihenfolge der Sendung: Der Widerstand gegen Castor und Endlager. Wieder einmal ist das Wendland Zentrum des Widerstands gegen die Atomlobby. Eine Rednerin  stellte dann auch fest: „Jedes Mal werden Grundrechte außer Kraft gesetzt. Der Castor kommt, die Demokratie geht.“

Zwischen 20.000 und 50.000 Menschen hatten sich versammelt und gegen den Castortransport demonstriert. Der hatte schon einige Stunden Verspätung, aufgrund der Demonstrationen. Die Polizei musste also Schwerstarbeit leisten. Zumal sich auch Demonstranten in Hannover, die eigentlich gegen den Sozialabbau in dieser Republik auf der Straße waren, sich mit den Atomgegnern solidarisierten.

Und schon löst sich das Geheimnis der „Terrorismusbekämpfung“ in Wohlgefallen auf und der eigentliche Beweggrund wird sichtbar. Die Polizei soll leichter gegen Demonstranten eingesetzt werden. Und da ist es natürlich gut, wenn man Bundespolizei hat, die keine persönlichen Bindungen in den Einsatzgebieten hat. Da knüppelt es sich gleich leichter, wenn man nicht damit rechnen muss, dass einem die eigene Oma auf der anderen Seite gegenüber steht. Und auswärtige Polizisten glauben auch die Märchen vom „gewaltbereiten Demonstranten“ leichter.

Die Polizei musste dann auch mal was tun und es kam „der Schlagstock zum Einsatz und auch Pfefferspray“, so ein Einsatzoffizier, nachdem die Polizei mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden war. Nicht klar war, wer angefangen hat, die Demonstranten oder die Polizei. In Stuttgart war es die Polizei, aber sie verprügelte natürlich keine Journalisten, zumindest nicht ausschließlich.

Deshalb ist die Bundesrepublik, im Gegensatz zu Russland, auch eine Demokratie. Das wäre jetzt ein logischer Schluss. Hegel hilf!

Rot Front

Werner

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