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Antwort
an Dr. Seltsam aus Berlin
Mit
antideutschen Faschisten gibt
man sich nicht ab – die bekämpft man, wie jede andere Spielart des
Faschismus auch
Vom
Roten Webmaster
Kommunisten-online
vom 15. Januar 2010 – Von Dr. Seltsam, den Berliner Kabarettisten,
den ich sonst eigentlich schätze, erhielt ich eine Zuschrift, in der
Folgendes zu lesen war:
„Leider
muß ich mich aber gleich wieder ins Fettnäpfchen setzen, denn beim
Thema Dresden bin ich auf deren Seite (also der Antideutschen, die die
Zerstörung Dresdens für gut und richtig halten, G.A.): Ich teile die
Lobpreisung des Bomber Harris, die unser Detlev K. so meisterhaft
besingt. „Ich bin nämlich der Meinung, dass die deutschen Hitlerwähler
für alles bezahlen müssen!“ , sage ich mit Thomas Mann, dessen Text
„Deutsche Hörer“ über die Bombardierung des Buddenbrookhauses ich
feierlich auf der Wochenschau vom 3. Februar verlesen werde!“
In
dem Punkt bin ich überhaupt nicht Deiner Meinung – im Gegenteil: Ich
finde sie abwegig. Und zwar
aus folgenden Gründen:
1.
Die „Antideutschen“ sind eine neue Spielart des Rassismus und des
Faschismus. Mit denen habe ich jedenfalls
nichts, aber auch gar nichts, gemein. Und des genau so wenig, wie
ich etwas mit den Faschisten der alten Spielart (also der geistigen
Nachfolger der NSDAP) gemein habe. Den Faschismus bekämpft man, egal
welcher Spielart, man verbündet sich mit ihm nicht. Basta!
2.
Es gibt keine, absolut keine, Rechtfertigung für die sinnlose Zerstörung
einer Stadt und der Tötung derer Einwohner. Das gilt für Dresden
ebenso, die für Guernica und auch die Terrorbombardements gegen
britische Städte im 2. Weltkrieg oder die Atombombenabwürfe auf
Hiroshima und Nagasaki.
Ulrike
Meinhof schrieb 1965 in der Konkret: „In Dresden ist der
Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl
auch bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es
keine Rechtfertigung gibt.“
Das
gilt noch heute.
3.
Du berufst Dich auf Thomas Mann, der gesagt haben soll: „Ich bin nämlich
der Meinung, dass die deutschen Hitlerwähler für alles bezahlen müssen!“
Das
sagte Thomas Mann nie! Er äußerte zwar Verständnis für die
Bombenangriffe auf Deutschland, aber das kann nicht als Rechtfertigung
der Terrorangriffe auf die deutsche Zivvilbevölkerun g gewertet
werdeen. Siehe; http://www.youtube.com/watch?v=ngju-5ZQ_dg
Er
nimmt Bezug auf die Nazi-Umbenennung des Buddenbrookhauses in
Wullenweberhaus, eines Lübecker Bürgermeister, der, wie Thomas
Mann meinte, von den Lübeckern dann wegen dessen Politik im Krieg mit
Schweden der Stadt schadete. Und meinte, dass die Deutschen diesem
Vorbild vielleicht folgen würden, indem sie die Nazis hinrichten.
Und
noch etwas: Thomas Mann meinte und er konnte es wohl im amerikanischen
Exil nicht besser wissen, die Angriff der Westalliierten würden sich
gegen militärische Ziele richten. Dass auch zivile betroffen warfen,
seien also Kolatoralschäden gewesen.
Aber
das war ja gar nicht der Fall, wie wir heute wissen, dass es nicht so
war. Wenn auch mal militärische Ziele betroffen waren, dann waren das
die Kolatoralschäden.
Auch
kann ich mir nicht vorstellen – und das sagte Thomas Mann damals auch
nicht – dass er meinte, alle Deutschen, oder auch nur eine Mehrheit
der Deutschen, hätte jemals Hitler gewählt. Die Nazipartei bekam bei
der letzten Reichstagswahl 1933 eben mal 288 (43,91%) von 647 Sitzen.
Das trotz Terror der Nazis gegen Nazigegner, Propaganda aufgrund des
Reichstagsbrandes usw. Diese Wahlen waren alles andere als frei und
geheim,
Das
wusste Thomas Mann sehr wohl, also kann er solch einen Unfug auch nicht
gesagt haben. Es ist eine glatte Fälschung ihm zu unterstellen, der
habe gesagt: „. „Ich bin nämlich der Meinung, dass die deutschen
Hitlerwähler für alles bezahlen müssen!“ und das auf die
Terrorangriffe angloamerikanischer Bomber auf deutsche Städte gemeint
hat.
Ich
zitiere dir hier einen anderen deutschen Literaten der damaligen Zeit,
Gerhard Hauptmann. Der sagte zum Angriff auf Dresden:
„Wer
das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang
Dresdens....Von Dresden aus, von seiner köstlichen gleichmäßigen
Kunstpflege in Musik und Wort, sind herrliche Ströme durch die Welt
geflossen und auch England und Amerika haben durstig davon getrunken.
Haben sie das vergessen?
...
Ich habe den Untergang Dresdens unter den Sodom- und Gomorrha-Höllen
der feindlichen Flugzeuge persönlich erlebt. ... Ich stehe am
Ausgangstor meines Lebens und beneide meine toten Geisteskameraden,
denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist. "
Meines
Wissens war Hauptmann damals in Dresden in einer Villa oberhalb der
Stadt. Er konnte das Inferno aus der Entfernung – wie wir heute
wissen, aus sicherer Entfernung – miterleben. Aus sicherer Entfernung
deshalb, weil die angloamerikanischen Bomber nur die dicht bewohnte
Innenstadt bombardierten. Dort waren die Wohnquartiere der Arbeiter,
dort befanden sich die aus ihrer Heimatstädten im Osten (z.B. Breslau)
von den Nazis Vertriebenen, damit die Wehrmacht freies Schussfeld hat,
dort waren die Evakuierten aus dem Rheinland und die Fremdarbeiter und Häftlinge
untergebracht. Waren das alles Naziwähler?
Das glaubst du doch selbst nicht.
Und
noch etwas: Militärstrategisch ergab
der Angriff vom Februar 1945 keinerlei Sinn. Die einzige
kriegswichtige Fabrik – Zeiss-Ikon – lag weit außerhalb des
Gebiets, das bombardiert wurde. Das gilt auch für die wichtige
Ost-West-Eisenbahnverbindung und die Elbbrücke. Die Nachschubzüge an
die Ostfront gegen die Rote Armee, damals schon in Schlesien und Polen,
liefen ungestört weiter.
Doch,
einen strategischen Sinn hatte der Terrorangriff sehr wohl. Er brachte
durch die Zerstörungen von Wohnraum und Infrastruktur für die
sowjetische Besatzungsmacht nach dem 2. Weltkrieg enorme Probleme. War
das vielleicht schon ein Vorgriff auf den nach Kriegsende beginnenden
Kalten Krieg? Abwegig ist
das nicht.
Wir
haben zum 60. Jahrestag der Zerstörung von Dresden unseren Standpunkt
ausführlich beschrieben: Siehe;
Anglo-amerikanische
Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945
von
Gerd Höhne
http://www.kommunisten-online.de/
Vielleicht
nimmst du das auch mal zur Kenntnis.
Mit
kommunistischen Grüßen
Der Rote Webmaster
Günter Ackermann
siehe
auch:
Dr. Seltsam oder Wie wir lernen die Bombardierungen zu lieben und wird
Haiti US-Bundesstaat ? mehr |