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Sklaverei

Von Gerd Höhne/31. Dez. 2006

Im sozialdemokratisch regierten Britannien gibt es moderne Sklaven. Wenn z.B. eine Hausangestellte einer im Ausland wohnenden britischen Familie ins Reich von Tony Blair und Elisabeth Windsor einreist, ist sie auf Gedeih und Verderb ihren „Besitzern“ ausgeliefert. Sie haben nicht das Recht zu die Arbeitsstelle zu wechseln. Früher hatten sie dieses Recht – zumindest unter einschränkenden Bedingungen und auf dem Papier. Aber die New Labour-Regierung Blairs hat das geändert. Wer seinen Besitzer verlässt, wird gnadenlos abgeschoben.

Die Folge: Eine Anti-Sklaverei-Organisation hat festgestellt, dass 75 Prozent dieser Menschen psychisch und mehr als ein Drittel physisch misshandelt werden. Eben wir im 19. Jahrhundert, als Hauspersonal ganz offiziell vom Haushaltsvorstand körperlich misshandelt werden durfte. Das nicht nur in England. In Preußen wurde die Gesindeordnung, in der dieses Recht festegeschrieben war, erst 1918 abgeschafft.

Jetzt, unter den Bedingungen der weltweiten Massenarbeitslosigkeit und Armut feiert dieses zweifelhafte Recht fröhliche Urständ.

Ein anderes Beispiel:

In Morecambe Bay (ssiehe Karte) an der Irischen See sammelten chinesische Muschelsammler nachts Herzmuscheln. Die See ist tückisch in der Gegend und daher gefährlich. 2004 ertranken 23 dieser chinesischen Muschelsammler durch die aufkommende Flut.

Ein „Gangmaster“ (so heißt das ganz offiziell in Britannien), also ein privater Zeitarbeitsvermittler hatte sie, wie verlautet, für 1 Pfund am Tag beschäftigt. Sieben Leute, unter ihnen zwei Chinesen und zwei Fischhändler aus Liverpool, wurden unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung festgenommen. Ich muss nicht extra erwähnen, dass sie alle wieder frei sind.[1]

Die Gangmaster „knöpften den Chinesen 150 Pfun[2]d für die Lizenzen zum Muschelsammeln ab, die man bei der örtlichen Fischereibehörde kostenfrei erhält. Sie schickten die Ortsunkundigen nachts auf die Muschelbank – und in den Tod.“[3]

Eine andere Quelle für den Sklavennachschub sind die neuen EU-Länder des Ostens, v.a. Polen. Die Gangmaster grasen die Gebiete im Osten ab und versprechen Löhne, die in den neuen Armutsgebieten fantastisch erscheinen. Statt ihnen aber einen einigermaßen bezahlten Job zu geben, geraten die Opfer in eine Schuldenfalle, aus der sie nicht heraus kommen.

„Ein Gangmaster in Cambridgeshire zahlt seinen Leuten 83 Pfund in der Woche und zieht davon 80 Pfund für die Unterbringung in einem Container ab.“[4]

Die Geschichten gehen endlos weiter. Gibt es solche Auswüchse nur in England?

Wie ist es mit den Zwangsprostituierten aus Osteuropa? Oder wie mit den polnischen Erdbeerpflückern und Spargelstechern. Die wohnen häufig in ihrem Kleinwagen auf Parkplätzen. Sanitäre Anlagen? Fehlanzeige. Oder bei Bauern in der Scheune oder in Ställen. Der Lohn ist oft unterhalb des Existenzminimums, aber diese Menschen leben und solch primitiven Bedingungen, dass sie immer noch mehr Geld übrig haben, als zu Hause.

Sicher, das alles wird in England begünstigt durch das System der Gangmaster. Dieser Berufsstand wird seit dem 19. Jahrhundert so genannt und vermittelt Saisonarbeiter für die Landwirtschaft.

Aber was sich dort „bewährt“ hat, wird auch bald hier eingeführt werden. Private Arbeitsvermittler gibt es hier ja schon und Leiharbeitsfirmen schon lange.

Dass die SPD mit ihrer Sozialkahlschlagpolitik der Politik von Tony Blaire sehr gewogen ist, ist ja bekannt. Bekanntlich sind der Exkanzler Schröder und Blaire Busenfreunde.


[1]  DIE ZEIT 01.04.2004 Nr.15 siehe

[2]  1 Pfund = knapp 1,50 €

[3]  DIE ZEIT 01.04.2004 Nr.15 siehe

[4]  ebenda

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