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Europa braucht Kolonien in Nordafrika?
Oder
Die Rote Sonne im Herzen des
MLPD-Chefs Stefan der Engel
Von
Günter Ackermann/28. Dez. 2006
Eigentlich
glaubten wir, dass das Zeitalter des Kolonialismus ein für alle Mal zu
Ende ist. Aber nun kommt eine neue Idee auf, die nur zu realisieren ist,
wenn die Industrieländer Europas wieder Kolonialreiche errichten.
Zumindest die Hinterhöfe der EU sollten dann von Brüssel aus regiert
werden: Von Marokko bis Ägypten jedenfalls. Dahinter müsste allerdings
ein Cordon sanitaire errichtet
werden, um die EU-Kolonien abzusichern, also bis in die Sahel-Zone oder
noch weiter.
Wieso ich darauf komme? Nun, wie haben mal
wieder eine weltbewegende Entdeckung aus der MLPD-Zentrale in
Gelsenkirchen. Aber gehen wir der Reihe nach vor:
Zunächst erzählt uns die MLPD-Postille
„Rote Fahne“ etwas vom Zentralgestirn unseres Planetensystems:
„Die Energie, die uns über das Licht der Sonne erreicht, ist eine
wesentliche Grundlage für die Existenz des Lebens auf der Erde. Ohne
Sonne wäre es auf der Erde ungefähr minus 270 Grad Celsius kalt und eine
Entwicklung von Leben wäre nicht möglich.“
Noch
nichts davon gehört? Dann habt ihr eine echte Bildungslücke. Dann wird
uns etwas von Biologie beigebracht:
„Die Pflanzen
nutzen das Licht der Sonne zur Photosynthese, also zur Produktion von Nährstoffen,
die wiederum als Nahrungsbasis von Tieren und Menschen dienen.“
Und
schließlich kommen die Engelchen von Gelsenkirchen (Monika und Stefan)
zur Wetterkunde, der Meteorologie:
„Die Wärme des
Sonnenlichtes ist auch der Motor, der die Zirkulation der atmosphärischen
Luftmassen und Wasserströmungen, die Wolkenbildung, Regen und damit das
Wetter bestimmt. Das Leben nutzt also seit seiner Entstehung die Energie
des Sonnenlichtes.“
Wer
das liest, hat einen richtigen Aha-Effekt und wird in Zukunft der MLPD
unter der glorreichen Führung ihrer großen Vorsitzenden, dem Engeln
Monika und Stefan, dankbar sein.
Dieses
liebe Zentralgestirn, die Sonne, kann, so meint die MLPD, das
Energieproblem der Weltwirtschaft lösen. Man muss nur die Sonne anzapfen
und schon leuchtet es aus unser aller Steckdosen umweltfreundlicher und
garantier AKW-freier und nicht rauchender elektrischer Strom. Ist doch
eine wunderbare Entdeckung, fast nobelpreisverdächtig.
Nun
wissen selbst die netten Gelsenkirchener Engel (Monika und Stefan) und
ihre Hofschranzen, dass bei uns es etwas zu feucht und wolkig ist. Aber
sie liefern die Lösung gleich mit:
„Der Schlüssel zu dieser Revolution in
der Stromversorgung ist eine Kooperation Europas mit den Ländern
Nord-Afrikas und des Nahen Ostens.“
Das
Dumme ist nur, dass – vorausgesetzt man hat das Problem gelöst, wie man
den Solarstrom von dort nach hier transportiert – dass diese Länder
auch wissen, was ein Energiemonopol ist. Man sieht es an der OPEC.
Die
könnten eines nicht allzu fernen Tages dann sagen: „No, wir schalten
ab, oder…“ Was dann?
Man
braucht da nur in die Ölregionen sehen. Da versuchen die USA mit allen
Mitteln einer imperialistischen Großmacht den Ölkuchen allein zu
verspeisen, haben sich dabei bereits im Ölland Irak verschluckt. Die Völker
wollen nicht so, wie die Ölmonopole und ihre Regierungen wollen.
Auch
das Gerede von der Abhängigkeit Europas vom russischen Gas zeigt, was die
Herrschenden denken. Russland ist heute wieder ein Land, in dem das
internationale Kapital das Sagen hat. Also ein verlässlicher Partner der
EU. Was aber, wenn die Ägypter, Libyer, Tunesier usw, erkennen,
was ihnen da in der Sahara die Augen blendet?
Es
gibt nur eine Lösung: Die EU wird Mandatsmacht in der Gegend, die
politische Macht wird für Kairo, Tripolis, Rabat, Tunis, Algier usw. in
Brüssel ausgeübt.
Das
schützt aber auch nicht gegen die dortigen Menschen. Frankreich hat das
in der 50er und 60er Jahren schmerzhaft erkennen müssen: Die Algerier
wollten keine Franzosen sein.
Was,
wenn die Nordafrikaner keine Europäer sein wollen? Klar, es gibt doch die
Militärs und die werden es richten.
Die
Sache hat noch einen anderen Aspekt: Endlich ist auch das Problem der Flüchtlinge
aus Afrika nach Europa zu lösen. Man fängt sie bereits im Cordon
sanitaire ab, wobei man auch noch die Möglichkeit hat, sie als billige
Arbeitskräfte oder als Söldner dort gegen die widerborstigen
Einheimischen einzusetzen. Zwei Fliegen werden mit einer Klappe geschlagen
und die Europäer müssten keine Angst mehr vor Überfremdung haben. Eine
schöne Vorstellung für Merkel, Schäuble und Konsorten.
Da sich die MLPD als revolutionäre Partei
versteht, die Revolution des Proletariats aber eine Sache ist, die die
Gelsenkirchener Engelchen (Stefan und Monika) in ihren himmlischen
Fantasien von der Roten Sonne stört, formuliert man das revolutionäre
Subjekt um:
Die
Sonne ist es nun.
Der Rotanteil am Sonnenlicht ist groß, sogar Infrarot – leider aber
auch ultraviolett – aber sonst ist die Sonne sehr revolutionär – lt.
MLPD. Sie schreibt daher: „Solarenergie
– wie eine revolutionäre Technik geknebelt wird“
Auch
wir sind der Ansicht, dass das Kapital die Arbeiterklasse knebelt. Aber
nun auch die Solarenergie? Die MLPD sollte ihren Namen ändern. Unter
Marxismus-Leninismus stellen wir uns nicht solche Kindereien und
Hirngespinste – oder schlimmer: Ablenkungsmanöver zu Gunsten der
herrschenden Imperialisten – vor. Der Marxismus-Leninismus ist
revolutionär – aber weniger die Sonnenenergie betreffend.
G.A.
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