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Wie
Hungersnöte skrupellose Geschäftsleute
sagenhaft reich machen
Rasna
Warah
Übersetzt
von Susanne
Schuster
Quelle;
Tlaxcala
Auf
Kommunisten-online am 20. Oktober 2011 – Im
September 2008 wurde ein Konvoi mit Lebensmittelhilfe, betrieben von
einem somalischen Geschäftsmann und seiner Frau, angeblich von einer
bewaffneten Gruppe in Nordsomalia geplündert.
Der
den Konvoi betreibenden Besitzer der Firma machte die Union islamischer
Gerichte für den Zwischenfall verantwortlich, doch unabhängige
somalische und internationale Quellen berichteten Ermittlern der Überwachungsgruppe
für Somalia, dass der Angriff wahrscheinlich inszeniert war, und dass
die Nahrungsmittel tatsächlich für den Verkauf umgeleitet wurden.
Die
Überwachungsgruppe für Somalia – eine Einheit, die vom
UN-Sicherheitsrat beauftragt wurde, Verletzungen des Waffenembargos in
Somalia zu überwachen – präsentierte dem UN-Sicherheitsrat im März
2010 die Ergebnisse ihrer Untersuchungen.
Laut
dem Bericht vergab das Welternährungsprogramm (WFP), der größte
Verteiler von Nahrungsmittelhilfe in Somalia, 80 Prozent der
Transportverträge im Wert von etwa 160 Millionen US-Dollar an drei
somalische Geschäftsleute, die ein monopolistisches Kartell in Somalia
betrieben, und die wahrscheinlich in die Umleitung der
Nahrungsmittelhilfe involviert waren.
Informanten,
die von der Überwachungsgruppe interviewt wurden, schätzten, dass bis
zu 50 Prozent der Nahrungsmittelhilfe regelmäßig umgeleitet wurde,
nicht nur von Transportunternehmen, sondern auch von WFP-Mitarbeitern
und in Somalia operierenden Nichtregierungsorganisationen, einschließlich
einer, die von der Frau von einem der Geschäftsmänner, der Mitglied
des Transportkartells ist, gegründet wurde.
Die
Überwachungsgruppe deutete auch an, dass eines der Transportunternehmen
in dem Kartell Verbindungen zur Union islamischer Gerichte hatte, was
die Frage aufwirft, ob Nahrungsmittelhilfe zur Finanzierung bewaffneter
Oppositionsgruppen benutzt wurde.
Die
Gruppe drängte den UN-Generalsekretär, eine „wirklich unabhängige
Untersuchung des somalischen Büros des Welternährungsprogramms [zu
initiieren], mit der Befugnis, die Geschäftsabläufe und Praktiken bei
der Vergabe von Verträgen zu untersuchen“ und empfahl, dass „das
Welternährungsprogramm seine internen Geschäftsabläufe überhole, um
die Vergabe von Verträgen wirklich zu diversifizieren“.
Das
WFP wies die meisten Vorwürfe im Bericht der Überwachungsgruppe zurück,
versprach aber, die im Bericht genannten Transportunternehmen nicht zu
engagieren und seinen Pool von Vertragsunternehmen auszuweiten, um mehr
Wettbewerb zu fördern.
Eine
von Associated Press durchgeführte Untersuchung der nach Somalia
gelieferten Nahrungsmittelhilfe ergab aber, dass das WFP nach wie vor
mit mindestens einem dieser Transportunternehmen für
Nahrungsmittelhilfelieferungen zusammenarbeitet.
Außerdem
fand AP Tausende von Säcken voller Nahrungmittel, die dem WFP, und den
Regierungen der USA und Japans gehörten, die auf den Märkten in
Mogadischu verkauft wurden.
In
einem im September veröffentlichten Artikel enthüllte AP, dass sie in
der Hauptstadt acht Orte fand, an denen Nahrungsmittelhilfe verkaufte
wurde. Unter den Produkten waren Mais, Getreide und Plumpy'nut, eine
angereicherte Erdnussbutter für mangelernährte Kinder.
Der
Artikel zitierte einen Regierungsvertreter in Mogadischu, nach dessen
Auffassung bis zu der Hälfte der nach Somalia geschickten
Nahrungsmittelhilfe von skrupellosen Geschäftsleuten gestohlen werde.
Ihm
zufolge war der Anteil der gestohlenen Nahrungsmittel vor der momentanen
Flut von Nahrungsmittelhilfe wahrscheinlich geringer, doch „in den
letzten Wochen hat die Flut der in die Hauptstadt gelieferten
Nahrungsmittelspenden eine Goldgrube für Geschäftsleute
geschafften“.
Wie
vorherzusehen war, hat das WFP die Ergebnisse der AP-Investigation zurückgewiesen
und behauptet, dass „das Ausmaß des angeblichen Diebstahls nicht
plausibel ist“ und dass nur 1 Prozent der Nahrungsmittelhilfe für
Somalia umgeleitet werde, eine Aussage, die von der somalischen
Regierung gestützt wird, obwohl AP Fotos veröffentlicht hat, die
zeigen wie Säcke voll Nahrungsmittelhilfe in Mogadischus Märkten
verkauft werden.
Diese
Geschichte hat nicht so viel Aufmerksamkeit in den Medien erfahren, als
zu erwarten wäre, vielleicht weil sie von den Rufen nach
Nahrungsmittelhilfe – orchestriert von Hilfsorganisationen, die für
ihr Überleben von Spenden abhängen – überschattet wurde.
Wenn
Regierungen, Einzelpersonen und Unternehmen, die an humanitäre
Hilfseinsätze und Wohltätigkeitsorganisationen Geld spenden, erfahren,
dass so ein großer Teil der von ihnen bezahlten Nahrungsmittel
gestohlen oder umgeleitet werden, sind sie vielleicht nicht mehr so
willens, großzügig zu spenden.
Die
Nahrungsmittelhilfsindustrie, nicht nur in Somalia, sondern auch in
anderen Teilen der Welt, ist befrachtet mit Skandalen, doch seitens der
Geldgeber oder sogar Journalisten wird kaum versucht, über die hässliche
Seite der gut gehenden Industrie zu berichten. Es ist viel leichter,
wegzusehen und sich selbst auf die Schulter zu klopfen, dafür dass man
etwas für hungernde Menschen getan hat.
Wer
es aber wagt, genau hinzusehen, wird feststellen, dass
Nahrungsmittelhilfe eine Milliardendollargeschäft ist, das es einer
kleinen Gruppe geholfen hat, auf dem Rücken hungernder Menschen
sagenhaft reich zu werden.
Danke
Tlaxcala
Quelle:
http://www.pambazuka.org/en/category/features/76053
Erscheinungsdatum
des Originalartikels: 06/09/2011
Artikel
in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=5772 |