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USA
VERHAFTEN 10 ANGEBLICHE „RUSSISCHE SPIONE“, DARUNTER EINE
JOURNALISTIN
verfasst
von Eva Golinger, USA/Venezuela
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Havanna,
28. Juni 2010, Cubadebate.-
In der vergangenen Woche speiste US-Präsident Obama „typisch
amerikanisch“ mit dem Präsidenten der Russischen Föderation
Medwedjew. Zwischen Hamburgern und Coca Cola lächelten die zwei
Staatschefs sich an und verkündeten sie ihre „stabile“ und
„besser denn je“ Beziehung. Medwedjew versandte sogar die Fotos
seines netten Essens mit seinem US-Amtskollegen via Twitter. Er rechnete
nicht damit, dass schon wenige Tage später der Kalte Krieg wieder
angestiftet werden würde.
Das
Justizministerium der USA verkündete heute die Festnahme von 10
angeblichen „russischen Spionen“. Die Mehrheit dieser Personen sind
US-Amerikaner. Sie werden beschuldigt, Gelder der russischen Regierung
zu erhalten, um „Spionage“-Handlungen auszuführen. Ihre hauptsächliche
Rechtsverletzung besteht in der Verletzung des Foreign Agent
Registration Act. Dieses Gesetz der Meldepflicht für Ausländische
Agenten überwacht jeden US-Bürger oder Einwohner der USA, welcher
Gelder einer ausländischen Regierung für politische oder
propagandistische Zwecke erhält.
Bis
zu diesem Augenblick sind die 10 Inhaftierten nicht wegen Spionage
angeklagt worden. Stattdessen heißt es, sie hätten „konspiriert, um
als ausländische Agenten zu handeln, ohne entsprechend dem Gesetz
registriert zu sein“.
Unter
den Inhaftierten ist eine Journalistin aus New York. Vicky Peláez ist
peruanischer Herkunft. Sie schrieb für El Diario / La Prensa, die in
New York meistgelesene Zeitung in spanischer Sprache. Sie ist eine der
wenigen hispanischen Journalisten, die die Lateinamerika-Politik
Washingtons kritisieren. Und sie bemüht sich um Ausgewogenheit in ihren
Reportagen über Venezuela und andere Länder der Region, die normal
sehr kritisch in der US-Presse bewertet werden.
Bis
heute hat keine internationale Organisation, die die Journalisten und
die Meinungsfreiheit verteidigen, wie das Komitee zum Schutz der
Journalisten (KSJ), die Interamerikanische Gesellschaft für Presse
(SIP) oder Reporter ohne Grenzen (ROG) über die Festnahme von Vicky Peláez
eine Erklärung abgegeben.
Vicky
Peláez wurde zusammen mit ihrem in Uruguay geborenen Ehemann Juan Lázaro
am Sonntag in ihrem Haus in Yonkers in den Außenbezirken der Stadt New
York festgenommen. Laut Justizministerium wird Vicky Peláez
beschuldigt, Geld von einem Vertreter der russischen Regierung am 14.
Januar 2000 erhalten zu haben, als sie in einem südamerikanischen Land
war. Angeblich erhielt ihr Ehemann ein anderes Geldpäckchen von einem
russischen Agenten am 25. August 2007. Laut der Mitteilung „zahlte er
gleich nach seiner Rückkehr nach New York fast 8.000 Dollar
Steuerschulden“ an die US-Regierung.
Somit:
Erhielt er Geld aus Russland, um seine Steuern in den USA zu zahlen?
Agenten
des FBI nahmen Richard Murphy und Cynthia Murphy in ihrem Haus in
Montclair, New Jersey, am vergangenen Sonntag fest. Auch festgenommen
wurde Anna Chapman in Manhattan, Michael Zottoli und Patricia Mills in
Arlington, Virginia, Michail Semenko in Alexandria, Virginia, und Donald
Howard Heathfield und Tracey Lee Ann Foley in ihrem Haus in Boston.
Derzeit suchen sie noch nach einem weiteren Verdächtigen, R. Metsos,
der entwischt zu sein scheint.
Die
vom Justizministerium herausgebrachte Mitteilung offenbart, dass der
Sitz des russischen Geheimdienstes in Moskau an zwei der Festgenommenen
eine Nachricht geschickt hatte. Diese Nachricht besagte, dass ihr
Hauptauftrag ist, „Kontakte mit politischen Kreisen in den USA
herzustellen und zu entwickeln“, und anschließend „Berichte zu
liefern“. Landeshochverrat?
Neun
der zehn Verhafteten wurden auch der „Geldwäsche“ bezichtigt.
In
der vergangenen Woche enthüllte ein von der US-Agentur National
Endownment for Democracy (NED) veröffentlichtes Dokument die Zahl von
40 bis 50 Millionen Dollar für die Finanzierung von politischen Gruppen
in Venezuela, die sich der Regierung von Präsident Hugo Chávez
entgegenstellen. Laut Berichten haben verschiedene US-Agenturen und
europäische Behörden wie die USAID, NED, Freedom House, US-Außenministerium,
die Europäische Kommission und so weiter politische Parteien und
Gruppierungen in Venezuela finanziert, um „aus der Regierung von Chávez
rauszukommen“, wozu auch ein versuchter Staatsstreich von April 2002
gehörte.
Bei
all dem passiert stets folgendes: Immer wenn die venezolanische
Regierung jene Gruppen und Einzelpersonen anklagt (und nicht festnimmt),
welche Gelder erhalten und „ausländische Agenten“ sind, dann klagen
die US-Regierung und die internationalen „Schutzorganisationen“ für
Menschenrechte die venezolanische Regierung an, „diktatorisch“,
„unterdrückerisch“ und „verletzend“ bei den Grundrechten zu
sein.
In
der vergangenen Woche beschuldigte der bolivianische Staatspräsident
Evo Morales die USAID der Finanzierung von Destabilisierungshandlungen
in seinem Land und warnte Washington, dass seine staatliche Einrichtung
aus dem Andenland ausgewiesen werden könnte.
In
Kuba wurde Alan Gross, ein Angestellter einer Vertragsfirma der USAID
namens Development Alternatives Inc (DAI) im Dezember 2009 festgenommen
und wegen Spionage und Subversion angeklagt. Er führte satellitengestützte
hochtechnologische Ausrüstung mit sich in das karibische Land, welche
den Gruppen der Konterrevolution in Kuba übergeben werden sollte.
In
Venezuela scheinen die internationalen Einrichtungen in die großen
Netzwerke der Geldwäsche zusammen mit ihren venezolanischen
„Partnern“ verwickelt zu sein. Sie verbringen die Millionensummen an
Dollars in das Land, ohne da etwas zu versteuern, um die Kontrolle über
den Tausch ausländischer Währung zu unterlaufen, welche in Venezuela
existiert, um rechtswidrige Handlungen und Kapitalflucht zu verhindern.
Die Wahlgesetze in Venezuela verbieten die Finanzierung von politischen
Kampagnen im Lande durch das Ausland. Nichtsdestotrotz verletzt
Washington dieselben Gesetze, die es auf seinem eigenen Territorium
respektieren lässt.
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/ |