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Wie
bescheuert ist es, dass die Reichen und Superreichen Steuern zahlen
müssen?
Gedanken
von Günter Ackermann
Kommunisten-online
vom 28 November 2009 – Vor einigen Jahren – ich glaube im Jahr
2000 – berichtete die größte Tagszeitung des Ruhgebiets, die WAZ,
davon, dass der Konzern Thyssen-Stahl AG.
Keinen Pfennig Körperschaftssteuer zahle und das, trotz großer Gewinne
des Konzerns.
Wer
sich etwas mit der Materie beschäftigt hat, der weiß, dass keiner, der
ganz großen Konzerne, Steuern bezahlt oder zumindest mehr Geld vom
Finanzminister bekommt, als sie bezahlen. Steuern zahlen die abhängig
Beschäftigten über die Einkommenssteuer und bezahlen sie auch über
die Mehrwertsteuer, wenn sie sich Artikel des täglichen Bedarfs kaufen.
Diese
Herrschaften haben dabei auch kein Unrechtsbewusstsein, es ist für sie
ganz normal. IHRE Erfahrungen sind die, dass sie die Politik bestimmen,
also auch die Steuerpolitik, zwar Gewinne aus Verkäufen an den Staat
(auch von Kriegsgütern) einstecken, aber andere bezahlen lassen.
Bezahlen muss es dann die Arbeiterklasse. Die sind die „besten“
Steuerzahler, haben sie doch keine Chance, am Finanzamt vorbei sich mit
„Verlustzuweidungen“, Immobilien usw. legal vor der Steuer zu drücken
oder illegal, durch Transfer in Steueroasen das illegal zu tun. Die
Lohnbuchhaltungen der Betriebe ziehen einfach die Steuern ein. Basta.
Entsprechend
äußerte sich auch der damalige Chef von Thyssen-Stahl: Auf Fragen von
Journalisten, warum sein Konzern keine Körperschaftssteuer zahle, sagte
er, das sei zwar richtig, aber die vielen Tausend Arbeiter und
Angestellten zahlten ja Steuern. Der Mann hatte im Kopf, dass sein
Konzern mit Fug und Recht keine Steuern bezahlen müsse, das erledigten
ja die, die bei Konzern beschäftigt sind und die Profite erarbeiten.
Falls
es gar keine andere Möglichkeit mehr zu geben scheint, als zu bezahlen,
verwendet man das Mittel der Erpressung.
So in den 80er Jahren im Saarland. Die Finanzbehörden des
Saarlands hatten vom Konzern Arbed Saarstahl einige Millionen
an Mehrwertsteuer, die der Konzern allerdings nicht zu zahlen gewillt
war. Der Mutterkonzern Arbed in Luxemburg – damals im Besitz des Kölner
Otto Wolff-Konzerns, dessen Hauptaktionär ein gewisser Otto
Wolff Freiherr Taets von Amerongen, bekannter unter dem Namen Otto
Wolff von Amerongen, war.
Bekanntlich
machte Herr Wolff von Amerongen in damaliger Zeit auf Staatsmann und Völkerversöhnler.
Reiste nach Moskau und war gern gesehener Gast auch der DDR bei der
Leipziger Messe. Otto Wolff von Amerongen war seinerzeit auch Präsident
des DIHT, also einer der ganz Großen der deutschen Wirtschaft.
Die
„Tochter“ dieses Ganz-Großen. Arbed-Saarstahl, führte sich damals
im Saarland als miese Erpresserin auf: Sie erklärte kurzerhand, wenn
die Finanzbehörden diese Steuern eintrieben, machten sie ganz einfach
die Stahlwerke im Saarland dicht.
Die
Politik machte das böse Spiel mit, die Steuern wurden erlassen.
Ministerpräsident des Saarlandes warf damals der heutige
Linkspartei-Spitzenmann Oskar Lafontaine.
Ich
kann mir vorstellen, dass es manchen Finanzbeamten – auch mit Blick
auf die eigene Gehaltsabrechnung – gewaltig stinkt, wenn er zur
Kenntnis nehmen musste, dass die ganz Reichen Milliarden an der Steuer
vorbei schleusen, während die ihre Einkommensgruppe die Hauptsteuerlast
zu tragen hat.
In
Hessen gab es seinige Finanzbeamte der Steuerfahndung, die offenbar so
dachten. Sie sahen sich die Banken und ganz Reichen genauer an und
kassierten von denen eine Menge Steuern, die die hinterzogen hatten. Das
stinkt natürlich jeden, dessen Bankkonto übervoll ist, sagt ihm doch
sein Selbstverständnis, dass zum Steuerzahlen die Prolis zuständig
sind, nicht aber er.
Man
ließ offenbar seine Beziehungen spielen und hatte Erfolg. Das
Finanzministerium in Wiesbaden ordnete an, dass diese, für ihre
Begriffe übereifrigen Steuerfahnder, nicht ganz klar im Kopf zu sein
scheinen und schickte sie zu einem Klapsmüller. Der stellte dann fest,
dass die Finanzbeamten, die so eifrig seien, eine weiche Birne haben und
nicht mehr nach Steuersündern fahnden könnten und in den Ruhestand
versetzt werden müssten.
Diese
Lösung ist genial. Man hat unliebsame Steuerfahnder aus dem Verkehr
gezogen, die mit Jagdschein in der Tasche nicht einmal mehr glaubwürdig
sind, die Superreichen können wieder Steuern hinterzeihen und die
Kollegen der Ex-Steuerfahnder haben ein Beispiel zur Warnung, das ihnen
sagt: „Nur Bekloppte meinen, alle müssten Steuern zahlen, auch die
Reichen.“
Nein,
das müssen sie nicht, das steht nur auf dem Papier. Wir
leben bekanntlich im Kapitalismus und da regiert das Großkapital.
G.A.
Siehe
auch Whistleblowerpreis 2009 mehr
Foto:
Verleihung des Whistleblowerpreises
der Vereinigung Deutscher Wissenschafter im Jahr 2009 an die beiden
Ex-Steuerfahnder Rudolf Schmenger und Frank Wehrheim am 9. Mai 2009,
Evangelische Akademie Bad Boll
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