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Bolesław Bierut

Gegner des Modernen Revisionismus und

Generalsekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei

Wurden Stalin, Gottwald, Bierut. Thorez und Togliatti von Chruschtschows Killern ermordet?

Von Gerd Höhne  

Wurden Stalin, Gottwald, Bierut. Thorez und Togliatti von Chruschtschows Killern ermordet?

Von Gerd Höhne

Kommunisten-online vom 22. März 2011 – Molotow soll in seinen Memoiren vom Tod Stalins wie folgt berichtet haben:

Stalin traf sich mit Lawrenti Beria, Georgi Malenkow, Nikolai Bulganin und Nikita Chruschtschow zum Abendessen am 28. Februar 1953 auf seiner Datscha in Kunzewo. Stalin soll dabei die Anwesenden heftig kritisiert haben. Molotow behauptet, Beria habe ihm gegenüber gestanden, dass er Stalin vergiftet habe.

Ich kann das natürlich nicht beweisen und weiß auch nicht, wie ich an die Schrift Molotows heran kommen kann. Aber einiges passt:

Stalin hatte vor, eine erneute Kampagne der Überprüfung der Mitglieder und Funktionäre der Partei durchführen zu lassen. Das letzte Mal war das in den 30er Jahren der Fall gewesen. In der direkten Vorkriegszeit, während des Großen Vaterländischen Krieges und in den ersten Jahren nach dem Krieg, war eine solche Kampagne nicht möglich gewesen.

Man wusste, wie eine solche Überprüfung vor sich ging: Breite ideologische Diskussionen auf allen Ebenen mit dem Ziel, verbürgerlichte Funktionäre aus der Partei zu entfernen. Wie auch in den 30er Jahren, wären die einfachen Parteimitglieder aus der Arbeiterschaft gestärkt worden. Aber Funktionäre, die sich über die Arbeiterklasse erhoben fühlten und die Partei nur für ihre Karriere nutzten, wären hinaus gesäubert worden. Revisionisten, die es bis in die Parteispitze geschafft hatten, hätte das das politische Ende bedeutet.

Seit den Säuberungen der 30er Jahre aber hatten viele Karrieristen und Revisionisten, unter Ausnutzung der Tatsache, dass durch Krieg und der Jahre nach dem Krieg eine Säuberung nicht möglich war, sich in allen Ebenen der Partei bereits eingenistet. Das ging bis in die Parteiführung.

Chruschtschow ist hierfür ein Beispiel und, stimmt denn das, was Molotow berichtet haben soll, war Chruschtschow auch am Tod Stalins am 5. März 1953 beteiligt – und er hatte Nutzen von dessen Tod.

Klement Gottwald war Präsident der Tschechoslowakischen Volksrepublik und Führer der KP der Tschechoslowakei. Er nahm am Begräbnis Stalins am 9. März 1953 teil und soll sich bei den Begräbnisfeierlichkeiten eine Erkältung zugezogen haben und sei daran am 14. März 1953 gestorben. Gottwald war ein kämpferischer Marxist-Leninist. Dessen Nachfolger Antonín Zápotocký ein verkappter Revisionist. Hatte man Gottwald in Moskau aus dem Weg geräumt, damit der Parteigänger Chruschtschows ihn in Prag beerben konnte?

Natürlich wird die Mordhypothese zu Gottwald Tod von der bürgerlichen Geschichtsschreibung nicht direkt verbreitet. Man geht noch nicht einmal auf die Merkwürdigkeit ein, dass Gottwald direkt nach Stalin verstarb. Dabei wunderten sich damals die Menschen sehr wohl darüber. Ich war damals ein größeres Kind und fand es sehr eigenartig. An Mord dachte ich aber nicht.

Gottwald soll – sagen bürgerliche Schreiber – Alkoholiker gewesen sein. So nach dem landläufigen Spruch: „Der Säufer und der Hurenbock, die frieren selbst im dicksten Rock“, Also holte er sich beim Begräbnis Stalin einen Schnupfen und starb daran. Das wird sogar noch verstärkt, dass behauptet wird, Gottwald habe die Syphilis gehabt – also nicht nur Säufer, sondern auch Hurenbock.

Enver Hoxha schreibt über die Umstände des Todes Gottwalds:

„Unmittelbar nach Stalins Tod starb Gottwald. Dies war ein plötzlicher, überraschender Tod! Niemand, der Gottwald kannte, wäre auf den Gedanken gekommen, dass dieser starke, agile, gesunde Mann an einer Grippe oder Erkältung sterben könnte, die er sich angeblich an dem Tag von Stalins Beerdigung zugezogen haben soll.“

(E. Hoxha, 'Die Chruschtschowianer', Tirana 1984, hiernach zitiert als 'E. Hoxha, 1984', S. 153 f.).

Und Hoxha dürfte Gottwald gekannt haben, wäre er Säufer und hätte er Syphilis gehabt, hätte er das gewusst. Man kann mit Fug und Recht davon ausgehen, dass die Behauptung, Gottwald sei Alkoholiker gewesen und habe Syphilis gehab, frei erfunden ist. Wenn er aber an einer unverdächtigen Erkältung gestorben ist, warum setzt die Bourgeoisie im Verein mit den Revisionisten nach eins drauf?

Bolesław Bierut: Bierut war langjähriger Generalsekretär/Erstert Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), auch Präsident/Vorsitzender des Staatsrates und auch einige Zeit Ministerpräsident der Volksrepublik Polen,

Bierut nahm am 20, Parteitag des KPDSU teil und war erklärter Gegner des Linie Chruschtschows. Er soll an einem Herzanfall nach der Rede Chruschtschows gleich in Moskau gestorben sein. Nachfolger Bieruts wurde der Parteigänger Chruschtschows Edward Ochab. Welch ein glücklicher Umstand für Chruschtschow!

Enver Hoxha schreibt hierzu:

„Später ereignete sich der gleichermaßen unerwartete Tod des Genossen Bierut. ...

An seine Stelle trat Eward Ochab als Erster Sekretär der Partei. So erfüllte sich ein langersehnter Wunsch Chruschtschows.“ (E. Hoxha, 1984, S. 153, 165).

Ochab ließ den inhaftierten Revisionisten Wladislaw Gomulka im April aus der Haft frei und sorgte dafür, dass er im gleichen Jahr im Oktober zum Ersten Sekretär der PVAP gewählt wurde.

Das sind zwei Beispiele. Natürlich sind das keine Beweise für Verbrechen an  Führern der kommunistischen Bewegung, aber es gibt Anhaltspunkte dafür.

Dass Chruschtschow bei der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich war, zeigt der Mord an Beria. Beria soll direkt nach Stalins Tod das NKWD, also den Geheimdienst. „entstalinisiert“ und namhafte Konterrevolutionäre aus der Haft entlassen haben. Er wurde die Nummer zwei in der Partei.

Allerdings wurde er der Führungsriege der KPdSU um Chruschtschow mit der Zeit zu mächtig, also wurde er verhaftet und vor ein Gericht gestellt. Im Geheimprozess wurde ihm die unsinnige Behauptung unterstellt, er sei Spion Großbritanniens. Beria wurde zum Tode verurteilt und sofort erschossen.

Seinen Anhängern in der NPWD erging es ähnlich. Sie wurden verhaftet und ein Teil von ihnen erschossen – ohne Gerichtsverfahren. Man kann wohl davon ausgehen, dass dabei auch die Anhänger Stalins beseitigt wurden – hatten sie denn die „Entstalinisierung“ Berias vorher überstanden.

Zumindest hier lässt sich aufzeigen, dass der ach so edle Antistalinist Chruschtschow zum Mittel des Meuchelmords griff. Damit ist nicht erwiesen, dass Stalin und andere ermordet worden wären. Ist aber ein Hinweis in diese Richtung. Die Clique um Chruschtschow aber schreckte, wie die Umstände von Berias Tod zeigen, keineswegs davor zurück.

Ich meine auch, dass Molotows Memoiren glaubwürdig sind. Wenn Beria ihm gestanden hat, Stalin ermordet zu haben, dann ist das ein erneuter Hinwies. Dass sich Chruschtschow Berias wenige Monate nach Stalins Tod entledigte, weist auch in diese Richtung. Der entledigte sich damit eines Konkurrenten und Mitwissers. Ihn vor Gericht zu stellen, als Mörder Stalins, wäre zu gewagt gewesen. Chruschtschows Rolle dabei wäre unter Umständen raus gekommen.

Fazit: Für die Revisionisten kam der Tod Stalin im richtigen Moment oder richtiger: Es war ihre letzte Chance der Revisionisten, ungeschoren ihr zerstörerisches Werk an der Sowjetmacht zu beginnen. Wenige Monate später hätten sie sich unter Umständen als Angeklagte vor Gericht wieder gefunden.

Hatte Stalin die Anschlagsversuche der Trotzkisten in den 30er Jahren nicht nur überlebt, sondern war als Sieger hervor gegangen und den Trotzkismus in der UdSSR vernichtet. So gingen die Konterrevolutionäre diesmal geschickter vor.

Durch die Umstände des Großen Vaterländischen Krieges und die Probleme bei der Beseitigung der Kriegsfolgen, konnten sich aber andere an die Spitze mogeln, die weit gefährlicher waren. Sie mussten verhindern, dass sie enttarnt werden konnten, also griffen sie zum Mittel des Mords an Stalin. Für mich liest sich das nicht abwegig.

G.H.

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Unverdächtige Quellen über die Rolle des Mordes zur Vorbereitung der Konterrevolution:

Aus: Kurt Gossweiler, Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtschowiade 1953 bis 1964, Bd.1, S. 381-383.

Im Artikel „Die geheime Armee“ des kanadischen Captains D.J. Goodspeed, erschienen in der „Allgemeinen Militärrundschau“, Oktober 1957, werden die „Lehren“ aus der Niederschlagung des konterrevolutionären Auf­standes in Ungarn 1956 gezogen. In der deutschsprachi­gen Zusammenfassung der Hauptthesen des Aufsatzes ist auf den Seiten 338/339 zu lesen: „Die Ereignisse in Ungarn beleuchten klar die Proble­me, die jede Volkserhebung aufwirft. Eine Regierung kann durch eine Revolution oder einen Bürgerkrieg oder einen Staatsstreich gestürzt werden. ... Der Staatsstreich muß dem Wunsch der Bevölkerung entsprechen und darf nicht die Gegnerschaft der Armee riskieren. Er braucht eine eingehende Vorbereitung. ... Man kann bei dem Vorgang drei Phasen unterscheiden: die vorberei­tende Phase vom ersten Komplott bis zu den ersten Schüssen, dann die Phase des Angriffs, bis die Macht in neue Hände übergegangen ist und schließlich die Phase der Konsolidierung.

Die Vorbereitung: Diese Phase ist gewiß die gefährlich­ste und auch die schwierigste. Sie kennt kaum feste Re­geln, doch weist sie einige allgemeingültige Grundsätze auf: zunächst die Herstellung der Übereinstimmung mit der Öffentlichkeit gegen die Regierung, indem gewisse gut ausgewählte Maßnahmen der Regierung im schlech­testen Licht dargestellt werden, – man führt ein oder zwei Ermordungen durch; ....“

Das „Neue Deutschland“ vom 17.6.1975 zitiert zwei USA-Zeitschriften über Praktiken der CIA: „Die USA-Wochenzeitschrift ‚Newsweek’ berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe, daß zu den verschiedenen CIA-Mordvorhaben gegen den cubanischen Ministerpräsidenten Fidel Castro auch die Verwendung vergifteter Zi­garren gehörte. Die medizinischen Geheimdienstexper­ten hätten 1960 bereits eine ganze Kiste davon präpa­riert. Jedoch habe sich dieses Komplott nicht verwirkli­chen lassen.

Die ‚Chicago Tribune’ hatte am Wochenende enthüllt daß die CIA auch den ehemaligen französischen Staats­präsidenten de Gaulle wegen seiner ,sehr kritischen Ein­stellung’ zur USA-Aggression in Indochina und zur NATO ‚ausschalten’ wollte.“

Das „Neue Deutschland“ vom 4.4.1979 berichtet: „Die CIA experimentierte mit ‚unverdächtigen Todesarten’. Der USA-Geheimdienst CIA hat in den 50er Jahren mit ‚unverdächtigen Todesarten’ zur Beseitigung unliebsamer Politiker experimentiert. Es war beabsichtigt, die CIA-Morde wie ‚natürliche Todesfälle’ mit den Sympto­men von Krebs oder Herzattacken erscheinen zu lassen. Das geht aus den CIA-Akten hervor, deren Herausgabe vom Washingtoner Büro für Attentatsinformationen ge­richtlich erzwungen worden war.“

Als ich auf der Antifa-Schule in der Sowjetunion (1943-1947) in den Materialien der heute nur noch als „Schau­prozesse“ bezeichneten Gerichtsverhandlungen las, daß Gorki und andere von Ärzten durch falsche Behandlung todkuriert worden seien, hielt ich das in der Tat für eine unglaubwürdige Konstruktion der Anklage. Aber damals wußte ich noch nichts von der Tatsache, daß auch die Medizin und die Mediziner ihre Rolle spielten, nicht nur bei Hofintrigen an feudalen Fürstenhäusern, son­dern auch im Klassenkampf, wie die obigen Beispiele belegen.

Damals konnte ich auch nicht voraussehen, was mich nachträglich davon überzeugen würde, daß die damali­gen Prozeß-Feststellungen über die medizinische Ermor­dung unbequemer Persönlichkeiten verdienen, nicht ein­fach als stalinistische Erfindungen vom Tisch gewischt zu werden, nämlich die Serie von „plötzlichen und un­erwarteten“ Todesfällen, durch die merkwürdigerweise gerade jene kommunistischen Führer „ausgeschaltet“ wurden, die den Imperialisten, aber auch der neuen Moskauer Führung besonders im Wege standen: Gottwald 1953, Bierut 1956, Thorez 1964 und kurz danach, eben­falls 1964, Togliatti.

Die Umstände ihres Todes sind mysteriös und bis heute ungeklärt. Gemeinsam ist ihnen jedoch, daß der Tod die Genannten ereilte, als sie die Sowjetunion besuchten oder gerade von einem solchen Besuch zurückgekehrt waren.

Quelle:   Kurt Gossweiler, Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtschowiade 1953 bis 1964, Bd.1, S. 381-383.

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