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Antwort auf die Zuschrift vom 3. Feb 2007 „Ursprünge des modernen Revisionismus“

Von Günter Ackermann vom 10. Februar 2007

Lieber A. K.,

Bitte entschuldige, dass ich erst jetzt reagiere. Das war kein böser Wille, sondern es fehlte mir ganz einfach die Zeit. Neben meiner „normalen Tätigkeiten“ kommt die Redaktionsarbeit für K-online dazu. Wir haben keinen Stab von Mitarbeitern, alles hängt an Wenigen. Da kann man eine Zuschrift, wie deine, nicht eben mal zwischen Tür und Angel abhaken.

Vorweg zu den Zitaten am Anfang deines Textes:

Ich kann dazu nur sagen, dass ich die Inhalte richtig finde. Die Fred- Oelßner-Zitate sind nicht falsch, aber Oelßner ist ein aufrechter Kommunist gewesen, ein ML-Klassiker war er aber nicht.

Zu deinem Text:

„Wenn nach Marx das Sein das Bewußtsein bestimmt, welche Art von gesellschaftlichem Sein hat dann die Denkungsart des modernen Revisonismus hervor gebracht und seine Verbreitung und Umsetzung ermöglicht oder zumindest gefördert?“

Die Antwort gibst du eigentlich schon selbst, indem du schreibst:

„Lenin und Stalin haben wiederholt darauf hingewiesen, daß auch im Sozialismus noch Klassen existieren und der Klassenkampf weitergeht - ja weitergehen muß.“

Stalin schrieb dazu:

„Es ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen, dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im Gegenteil, je weiter wir vorwärts schreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden, um so größer wird die Wut der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so mehr Niederträchtigkeiten werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so mehr werden sie zu den verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den letzten Mitteln zum Untergang Verurteilter. Man muß im Auge behalten, dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde jenseits der Grenzen der UdSSR.“ (In: J.W. Stalin: Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler, Berlin 1954, S.22 f.)

Das beantwortet, so glaube ich, deine Frage erschöpfend. Nicht nur bürgerliche und antikommunistische Ideen des kapitalistischen Auslands haben diesen Prozess der Usurpation der Macht in der UdSSR durch die Revisionisten ermöglicht, sondern die Ideen der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen haben gewühlt und sich schließlich durchgesetzt.

Möglich war das, weil die KPdSU den Klassenkampf vernachlässigte, friedliche Koexistenz mit Verzicht auf revolutionäre Bewegung praktizierte – im Gegensatz zur Leninschen Definition von Friedlicher Koexistenz –  und ideologischen Kampf im Inneren  durch Opportunismus ideologische Unklarheiten ersetzte.

Du schreibst:

Nikita S. Chrustschow z.B. war im Jahr der Oktoberrevolution 23 Jahre alt - 1918 trat er in die Kommunistische Partei ein. Er entstammte einer einfachen Arbeiterfamilie, war Schlosser und Bergmann bevor er während des Bürgerkriegs in der Roten Armee kämpfte.

Was machte einen solchen Menschen zum Verräter am Marxismus-Leninismus?“

Ich steckte nicht im Kopf Chruschtschows drin und kann dir nicht sagen, was genau da vorging. Es ist aber absolut unerheblich, ob er mal Arbeiter war und im Bürgerkrieg in der Roten Armee kämpfte.

Arbeiter waren auch

Gustav Noske, der war Korbmacher;

Philipp Scheidemann, der war Schriftsetzer und Buchdrucker (sog. Schweizer Degen);

Friedrich Ebert, der war Sattler usw.

Wie wurden sie zu Verrätern?

Das ist bei Chruschtschow, der immerhin ein Spitzenfunktionär der führenden KP der Welt war, nicht ganz so einfach. Es zeigt aber, dass die o.a. These Stalins von der Fortsetzung des Klassenkampfes im Sozialismus, richtig ist.

Man muss davon ausgehen, dass jeder Kommunist ein oder mehrere Mal im Leben schwach und schwankend wird, Fehler macht, im falschen Moment vorprescht, dadurch Niederlagen erleidet oder zurück weicht, obwohl er angreifen müsste usw. Das ist normal, Kommunisten sind auch nur Menschen und können sich irren. Die Frage ist nur, wie können diese punktuell falschen Positionen zu einer opportunistischen Ansicht werden, wie kann diese falsche Ansicht einzelner zur rechtopportunistischen Linie der Partei werden und wie kann diese rechtsopportunistische Linie zu einer revisionistischen Generallinie verkommen?

Du siehst, sehr komplexe Fragen, die ich nicht in einen Satz beantworten und hier auch nur anreißen kann. Es gibt Analyen dieser Entwicklung und auch schon frühe Auseinandersetzungen.

Die wichtigste Schrift aus den 60er Jahren ist EIN VORSCHLAG ZUR GENERALLINIE DER INTERNATIONALEN KOMMUNISTISCHEN BEWEGUNG, Antwort des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas auf den Brief des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 30. März 1963 (14. Juni 1963)“[1] oder Schriften der Partei der Arbeit Albaniens und Enver Hoxhas[2].

Ich kann und will diese frühen Auseinandersetzungen hier nicht wiederholen. Diese Schriften treffen eigentlich bereits das Wesendliche. Bei neueren Analysen verweise ich auf die Schriften von Kurt Gossweiler.

Offenbar, so meine nicht näher begründbare These, hatten sich die Revisionisten bereits gut getarnt in die Spitze der Partei eingeschlichen und/oder bestimmte Schlüsselpositionen besetzt. Das trotz der Stalinschen Haltung zum fortschreitenden Klassenkampf  beim Aufbau des Sozialismus. Sie hatten sich offenbar, wie in der 30er Jahren der Block der Rechten und Trotzkisten, heimlich fraktionell organisiert und unterstützt. Es gab zu Beginn der 50er Jahre bereits den Beginn einer Säuberungswelle. Ob die sich bereits in wichtigen Funktionen sitzenden Revisionisten diese benutzten, um Kommunisten aus der Partei zu „säubern“ oder ob sie nur diesen Säuberungen entgingen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Mit Stalins Tod änderte sich deren Lage. Gerüchte, Stalin sei von Berija ermordet worden, wie Molotow in seinen Memoiren geschrieben haben soll, kann ich weder bestätigen noch behaupten. Tatsache ist, dass Berija am letzten offiziellen Essen mit Stalin im Kreml teilgenommen hat. In der Nacht nach dem Essen bekam Stalin einen Schlaganfall und starb zwei Tage danach. Warum Molotow das schreibt und wie er es begründet, weiß ich nicht. Ich kenne dessen Memoiren nicht.

Chruschtschow an der Parteiführung beseitigte zunächst Berija. Man sagt, Marschall Schukow habe Berija persönlich erschossen.

Dann folgt sehr schnell im Jahr 1957 die Entfernung der „Stalinisten“ Georgi Maximilianowitsch Malenkow,  Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow u.a.

Es mag stimmen, dass Chruschtschow und Gorbatschow Karrieristen waren. Aber die „Karriere“ beider muss unterschiedlich beurteilt werden. Chruschtschow musste sich viel besser tarnen und anpassen, also Kommunist nach außen spielen.

Das brauchte Gorbatschow nicht mehr. Ab Chruschtschow und im folgenden auch in der Breschnew-Ära, war Karrierismus in der SU das Übliche. Die Partei führte keinen Klassenkampf mehr, sondern sie entwaffnet Zug um Zug das Proletariat und entartete in Riesenschritten. Unter Gorbatschow ging es nicht mehr um die Erhaltung der Sowjetunion als sozialistisches Land, sondern – wenn überhaupt – um reinen Machterhalt. Aber eine UdSSR ohne sozialistischen Anspruch ist ein Unding. Ein anderer Agent, der Säufer Boris Jelzin, gab ihr dann den Todesstoß.

Der „Militärputsch-Versuch“ in Moskau und die Rebellion im „Weißen Haus“, dem Obersten Sowjet der Russischen Förderation, hatten zwar auch Elemente zur Erhaltung der UdSSR als sozialistisches Land, aber schon sehr stark ideologisch schwach und es gab keine marxistisch-leninistische kommunistische Partei mehr, die diesen Kampf hätte führen können und – das wichtigste – weder die Putschisten 1991, noch die Rebellen im Weißen Haus, verfügten über eine Massenbasis im Volk der Sowjetunion/Russlands.

Gorbatschow wickelte nur ab, was unter Chruschtschow begann und von Breschnew und dessen Nachfolgern fortgesetzt wurde. Allein die Tatsache, dass Andropow von 1967 bis 1982 Chef des KGB, der Nachfolgeorganisation des NKWD, war zeigt, dass selbst die Staatssicherheitsorgane vom revisionistischen Virus zersetzt waren. Andropow gilt bekanntlich als Förderer Gorbatschows.

Dus fragst:

Haben die Behauptungen über die „neue Klasse“ der Apparatschiks einen wahren Kern?“

Wie definiert sich eine Klasse? An ihrem Besitzverhältnis zu den Produktionsmitteln. Die Kapitalisten besitzen im Kapitalismus die Produktionsmittel und eignen sich den Mehrwert an, das Proletariat besitzt keine Produktionsmittel und verkauft seine Arbeitskraft an die Kapitalisten.

So war es in der SU sicher nicht. In den meisten anderen Ländern des Realen Sozialismus – mehr oder weniger ausgeprägt – gab es Kleinproduzenten, aber es gab in keinem dieser Länder Kapitaleigner.

Also: Nein, es gab keine „neue Klasse“? So würde ich das auch nicht sagen. Besitz an irgendetwas ist ja nicht unbedingt der Besitz lt. Besitzurkunde, Aktienpaket, Handelsregister- oder Grundbucheintrag. Mein Namenvetter von der Deutschen Bank ist ja auch „nur“ Angestellter der Bank und nicht deren Besitzer. Ist er aber deshalb Proletarier? Natürlich nicht!

Hatten also die Funktionäre in der späten SU die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel?

Was nicht existierte war, wie zu Stalins Zeiten, eine wirkungsvolle Kontrolle des Staates und der Wirtschaft durch die Partei der Arbeiterklasse – das war die KPdSU zu Gorbatschows Zeiten nicht mehr, sondern eine Partei der Karrieristen. Diese Karrieristen waren hochgradig korrupt und die, die in bestimmten hohen Funktionen waren, verfügten über Privilegien, die die Arbeiterklasse nicht hatte. Ob bereits eine neue Kapitalistenklasse entstanden war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Auf jedem Fall aber wollten die, die in diesen hohen Funktionen der Wirtschaft waren, zu Kapitalisten werden. Das ging aber nur richtig, wenn in der SU auch die letzten Reste des Sozialismus beseitigt werden.

Betrachten wir nur als Beispiel den russischen Multimilliardär Michail Borissowitsch Chodorkowski mit seiner Firma JUKOS, einer der weltweit größten Konzerne: Chodorkowski fing als Komsomol-Funktionäre an, übernahm zu Gorbatschows Zeiten einen Betrieb des Komsomol, den er sich später persönlich aneignete. Zwar fehlte es ihm an Mitteln, aber die beschaffte er sich, wie eine Zeitung so nett schrieb, indem er eine Bank gründete, die Menatep-Bank. Eben mal so.

Seine Beziehungen zur Jelzin-Clique waren eine wertvolle Hilfe. Mit dieser Bank bekam er weit unter Wert auf einer „Privatisierungsauktion“ den Petro-Konzern Jukos in die Hand.

Nach Jelzins politischem Ende und Beginn der Putin-Ära verlor Chodorkowski seine guten Kontakte zum Kreml und machte Politik auf eigene und des westlichen Auslands Rechnung. Er beschuldigte den Kreml der Korruption, wobei sicher seine eigenen Erfahrungen zu Zeiten Jelzins hilfreich waren.

Chodorkowski ist inzwischen im Knast, vom Vorzeigekapitalisten Russlands ist ein mieser Steuerhinterzieher und Betrüger geworden. Pech für ihn.

Dass der Westen Chodorkowski für einen Märtyrer der Demokratie verkauft, der finsteren Plänen von Putin weichen musste, ist ein Märchen, ebenso, wie uns gesagt wird, Chodorkowski wäre einer antisemitischen Verschwörung zum Opfer gefallen (er ist jüdischer Herkunft). Die Frankfurter Allgemeine gab aber zu:So wie man Chodorkowski und Lebedew angeklagt hatte, hätte man viele Oligarchen vor Gericht bringen können, weil das Geschäftsgebaren der Jukos-Führung, beispielsweise zur Steuerminimierung, weit verbreitet war.“

Da hat der kluge Kopf hinter diesem Kapitalistenorgan wieder mal Recht. Chodorkowski „Geschäftsgebahren“ war (und ist wohl immer noch) weit verbreitet. Woher aber kamen diese „Oligarchen“? Sie existierten auch schon zu Zeiten der SU und das mit Sicherheit nicht als Erdölarbeiter, Kolchos-Bauern oder Fabrikarbeiter. Es waren mittlere und hohe Funktionäre in Staat, Partei und Wirtschaft.

Wie weit reichte schon zu Zeiten der späten Sowjetunion ihre Macht über die Wirtschaft, dass nur das offizielle Ende der  sozialistischen SU sie innerhalb weniger Jahre zu Dollarmilliardären machte?

Dass all das entstehen konnte, hatte zur Ursache, dass die Diktatur des Proletariats Zug um Zug in eine Diktatur über das Proletariat umgewandelt wurde. Und am Anfang dieses Prozesses stand die Ära Chruschtschow und dessen „Entstalinisierung“.

Damit beantwortete ich deine nächsten Fragen auch:

Wurde die Notwendigkeit der proletarischen Kontrolle – als Hauptbestandteil der Diktatur des Proletariats - über diese Funktionäre nicht genügend beachtet?

Wurde der Kampf gegen Opportunismus und Karrierismus in der UdSSR vernachlässigt?“

Die proletarische Kontrolle über diese Funktionäre verschwand ganz, Opportunismus und Karrierismus wurden die Regel.

Fazit:

Es gibt viele Ursachen der Entartung zum Revisionismus. der schließlich zum Untergang der SU führte. So z.B. die Situation Russlands 1917. Es gab eine zahlenmäßig gering entwickelte Arbeiterklasse und Russland war weitgehend ein rückständiger halbfeudaler Agrarstaat. Lenin meinte daher auch, dass es ein Russland zwar leichter sei, eine Revolution zu machen, als in Deutschland, aber schwerer, den Sozialismus aufzubauen.

Auch kommt die historische Entwicklung dazu. Immer dann, wenn die Folgen eines Krieges halbwegs überwunden waren, wurde der Sowjetmacht der der nächste aufgezwungen und man musste von vorn beginnen.

Aber all das hätte die KPdSU gemeistert, wenn es die Opportunisten um Chruschtschow nicht gelungen wäre, die Macht zu usurpieren. Es folgt eine ideologische Entwaffnung der Partei und schließlich deren revisionistische Entartung und der Untergang der sozialistischen Sowjetunion.

Ich hoffe, dir zumindest einige Fragen beantwortet zu haben und verbleibe mit

Rotfront

Der Rote Webmaster

Günter Ackermann

Betrifft: Ursprünge des modernen Revisionismus

Wenn wir das Entstehen und Umsichgreifen des modernen Revisonismus wirklich verstehen wollen, dann können wir uns unter dem Begriff "Ursprünge" nicht mit einer reinen Ideengeschichte zufrieden geben.
Das wäre wohl auch mit einer Vorgehensweise nach den Regeln des dialektischen Materialismus kaum vereinbar.

"Die große Grundfrage aller speziell neueren Philosophie ist die nach dem Verhältnis von Denken und Sein" Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach.

"Aber erst der historische Materialismus erklärt, warum bestimmte Ideen, bestimmte sittliche Triebkräfte, und warum auch bestimmte historische Pesönlichkeiten zu einer gegebenen Zeit eine solche oder andere Rolle spielen können ..."
Fred Oelßner, Der Marxismus der Gegenwart und seine Kritiker. 

"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen" Marx & Engels, Manifest der Kommunistischen Partei.

"Wir müssen uns über die wirtschaftlichen Gesetze dieser Epoche klar werden, dann werden wir aus diesen wirtschaftlichen Verhältnissen deren Klassengliederung, ihren juristischen und politischen Überbau und in letzter Instanz auch die gesellschaftlichen Bewußtseinsformen ableiten können."
Fred Oelßner, Der Marxismus der Gegenwart und seine Kritiker.

Daraus folgernd stellen sich mir die folgenden Fragen:

Wenn nach Marx das Sein das Bewußtsein bestimmt, welche Art von gesellschaftlichem Sein hat dann die Denkungsart des modernen Revisonismus hervor gebracht und seine Verbreitung und Umsetzung ermöglicht oder zumindest gefördert?

Kann man den modernen Revisonismus - und seinen schließlichen Sieg in der UdSSR und fast dem ganzen sozialistischen Lager - wirklich allein mit dem Import (des Browderismus ) aus dem feindlichen kapitalistischen Ausland erklären?

Lenin und Stalin haben wiederholt darauf hingewiesen, daß auch im Sozialismus noch Klassen existieren und der Klassenkampf weitergeht - ja weitergehen muß.

Welche Klassenlage, welches Klasseninteresse macht jemanden - im Sozialismus - zum potentiellen Revisionisten?

Wären die Protagonisten des  modernen Revisonismus Nachkommen der ehemals herrschenden Klassen oder zumindest des Kleinbürgertums bzw. Großbauerntums, dann wäre die Erklärung recht einfach.

Aber leider ist es nicht so einfach.

Nikita S. Chrustschow z.B. war im Jahr der Oktoberrevolution 23 Jahre alt - 1918 trat er in die Kommunistische Partei ein. Er entstammte einer einfachen Arbeiterfamilie, war Schlosser und Bergmann bevor er während des Bürgerkriegs in der Roten Armee kämpfte.

Was machte einen solchen Menschen zum Verräter am Marxismus-Leninismus?

Was auffällt: Chrustschow - wie auch Gorbatschow - haben mit Mitte zwanzig begonnen zu studieren und dann eine Karriere als Parteifunktionär ( im Hauptberuf = sogenannte Apparatschiks ) eingeschlagen.

Ist das der Punkt? Haben sie sich damit von der proletarischen Realität soweit entfernt, daß sie begannen an Klassenbewußtsein zu verlieren?

Beide waren allem Anschein nach Karrieristen, denen es darum ging "aufzusteigen". Kann man diese karrieristischen Berufs-Funktionäre mit der Arbeiteraristokratie gleichsetzen, welche stets ein Nährboden für opportunistische Ansichten war?

Haben die Behauptungen über die "neue Klasse" der Apparatschiks einen wahren Kern?

Wie waren die Lebensumstände der "Apparatschiks" im Vergleich zu gewöhnlichen Arbeitern - welche Privilegien genossen sie?

Wurde die Notwendigkeit der proletarischen Kontrolle - als Hauptbestandteil der Diktatur des Proletariats - über diese Funktionäre nicht genügend beachtet?

Wurde der Kampf gegen Opportunismus und Karrierismus in der UdSSR vernachlässigt?

Das sind viele Fragen, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe.
Wenn wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen wollen, werden wir wohl um die Beantwortung kaum herumkommen.

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