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Dümmer
geht’s nimmer:
Ein
der polnischen Regierung nahestehender Politologe erklärte:
Nicht der polnische Staat, sondern die Rote Armee und die Kommunisten hätten die Vertreibungen zu verantworten. (lt.
WDR-Radio) |
Polen:
Regierung
Tusk kapituliert
Widerstand
gegen geschichtsrevisionistisches »Zentrum gegen Vertreibungen«
aufgegeben
Von
Tomasz Konicz, Poznan
Quelle:
jungeWelt vom 7.
Februar 2008
Berlin
scheint einen wichtigen Durchbruch auf dem jahrelang zwischen Polen und
Deutschland umkämpften Feld der Geschichtsbewertung errungen zu haben.
Nahezu euphorisch faßte Kulturstaatsminister Bernd Neumann die
Ergebnisse seiner Gespräche über ein »Vertriebenenzentrum« mit dem
polnischen Staatssekretär Wladyslaw Bartoszewski zusammen. »Der Weg
ist nun frei für einen Kabinettsbeschlußs über ein sichtbares Zeichen
gegen Flucht und Vertreibung«, so der CDU-Politiker, da Warschau den
Aufbau des Zentrums nicht mehr als Affront wahrnehme. Es sei aber nicht
die Absicht der polnischen Regierung, sich an dem Vorhaben formell zu
beteiligen. Neumann zusammenfassend: »Mit großer Genugtuung und
Zufriedenheit kann ich sagen, daß durch unsere Gespräche das
deutsch-polnische Verhältnis gestärkt worden ist.«
Der
ehemalige KZ-Häftling und zweimalige polnische Außenminister
Bartoszewski wurde von der neuen rechtsliberalen Administration um
Donald Tusk zu deren Deutschlandbeauftragtem ernannt. In dieser Funktion
verhandelte Bartoszewski am Dienstag mit einer von Neumann angeführten
deutschen Delegation über das von Berlin massiv forcierte »Zentrum
gegen Vertreibungen«. Das geschichtsrevisionistische Projekt, das die
im Potsdamer Abkommen beschlossenen Umsiedlungen der deutschen Bevölkerung
aus Teilen Osteuropas als »Vertreibungen« und »Unrecht« verzerrt,
war bis vor kurzem einer der wichtigsten Konfliktpunkte zwischen
Warschau und Berlin. Die rechtskonservative, im Oktober 2007 abgewählte
Vorgängerregierung weigerte sich strikt, ein solches Vorhaben auch nur
zu tolerieren.
Polens
liberale Gazeta Wyborcza mühte sich am Mittwoch redlich, die »Akzeptanz«
der Regierung Tusk zum Berliner »Vertriebenzentrum« ihren Lesern
schmackhaft zu machen. Im »Tausch für die freundliche Distanz«
erhalte Warschau die deutsche Zusage, sich an dem von Tusk bei seiner
Berlin-Visite vorgeschlagenen »Museum des Zweiten Weltkriegs« in
Gdansk zu beteiligen. Dabei wollte der polnische Premier dieses Projekt,
in dessen Rahmen ebenfalls der Umsiedlungen gedacht werden soll, ursprünglich
als einen Ersatz für das Berliner Zentrum verstanden wissen. Zudem
wolle sich die Bundesregierung bei der Finanzierung der
Renovierungsarbeiten an den Gedenkstätten des Zweiten Weltkrieges auf
der Westerplatte beteiligen und ein Museum zu Ehren der »Solidarnosc«
in Berlin eröffnen, frohlockte die Wyborcza.
Polens
einzige nennenswerte politische Kraft, die sich den
geschichtsrevisionistischen Umtrieben in Berlin verweigert, bleibt
weiterhin die rechtskonservative »Recht und Gerechtigkeit« (PiS). In
einem Interview mit der Zeitschrift Wprost erinnerte deren Vorsitzender
Jaroslaw Kaczynski daran, daß es sich bei den »Vertriebenen«
mitnichten um ein Opferkollektiv gehandelt habe. In Deutschland habe es
kaum eine Widerstandsbewegung gegeben, Hitler erfreute sich einer
weitgehenden Akzeptanz. Der PiS-Spitzenpolitiker forderte, man müsse »laut
über die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg reden«. Sonst könne es
passieren, das man »uns in einigen Jahren Rechnungen für die Munition
ausstellt, die beim Niederschlagen des Warschauer Aufstands verschossen
wurde«. |