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Trotzkistisches Verwirrspiel

Anmerkung zur WASG in Berlin vom Roter Webmaster (18. Mai 2006):

Die Volksrepublik Albanien hat nie ein Großalbanien angestrebt. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich in den 60er und 70er Jahren mehrfach in Albanien war und auch mit Vertretern des ZK der PAA und albanischen Diplomaten sprechen konnte. Auch war ich Mitglied der Deutsch-Albanischen Freundschaftsgesellschaft, die Kontakte zur Botschaft der VR Albaniens in Wien unterhielt. Man sagte uns, eine Unterstützung mit Material – von finanzieller Unterstützung war nie die Rede – könne nur geleistet werden, wenn wir den Anhängern Groß-Albaniens unter den Kosovo-Albanern keinerlei Möglichkeiten böten.

Diese Haltung war eindeutig und wir hielten uns daran. 

Das ändert nichts an der Tatsache, dass im Tito-Jugoslawien die Albaner die schlechtesten Bildungschancen hatten und auch sonst diskriminiert wurden. Die PAA unterstützte ihre Landsleute im Kosovo in diesen Punkten, strebte aber keinen Anschluss des Kosovo an die VR-Albanien an. Das nicht etwas, weil Enver Hoxha und die PAA das Tito-Regine für gut fanden – das Gegenteil war der Fall – sondern weil sie keinerlei territoriale Ansprüche an Nachbarn stellten.

Wenn sich die UCK und ihre Nachfolgerorganisation auf Enver Hoxha berufen, tun sie es fälschlicherweise.

Wenn  eine deutschsprachige Internet-Seite der UCK nun erklärt, sie unterstütze die Trotzkistengruppe in der WASG, die SAV, muss man sich fragen, was dahinter steckt.

Zunächst mal ist die UCK eine Terrororganosation im Solde des US-Imperialismus, die den Grund liefern sollte, dass die Nato ihren Krieg gegen Jugoslawien führen konnte. Wenn auf der o.a. Internet-Seite behauptet wird, die UCK sei eine linke Gruppe gewesen, dann ist das ein platte Lüge. Die UCK war ursprünglich eine Ganster-Truppe der internationalen Drogenmafia gewesen, sie finanzierte ihren Terror im Kosovo mit Drogengeldern.

Aber zu dieser ominösen Internetseite der UCK „kosova-aktuell“ (siehe): Man sehe nur genau hin: Der Macher dieser Internetseite ist ein gewisser Max Brym.[1] Brym wiederum ist ein wichtiger Mann in der SAV in Bayern und treibt sich auch im Umkreis des angeblich gewendeten Nazi Jörg Fischer herum. Auf „kosova-aktuell“ findet man auch Werbebanner zu Hagalil, eine offiziöse Propagandaseite im Internet der israelischen Regierung. Für Hagalil schreibt Brym ebenso, wie auch Fischer.

Die Partei der Arbeit Albaniens, mit Enver Hoxha an der Spitze, hat sich stets und mit aller Entschiedenheit gegen den Trotzkismus ausgesprochen.

Die verschiedenen antimarxistischen Strömungen der Trotzkisten und Anarchisten sind wieder aufgelebt wie nie zuvor. Indem sie in verschiedene Massenbewegungen, speziell der Jugend und der Intellektuellen, eindringen, versuchen sie, die Massen vom richtigen Weg abzubringen und sie in gefährliche Abenteuer zu stürzen, die zu schweren Niederlagen und Enttäuschungen führen müssen."[2]

Ebenso klar war deren Haltungen zur Palästina-Frage:

„Der Kampf gegen Israel, das blutrünstige Werkzeug des amerikanischen Imperialismus, das zu einem großen Hindernis für das Voranschreiten der arabischen Völker geworden ist, ist ein gemeinsames Problem aller dieser Völker. Trotzdem sind die arabischen Staaten in der Praxis nicht alle einer Meinung über den Kampf, den sie gemeinsam gegen Israel führen müssen, und über den Charakter, den dieser Kampf gegen den gemeinsamen Feind haben muss. Oft wird dieser Kampf von einigen unter engen nationalistischen Blickwinkel betrachtet. Wir können mit einer solchen Haltung nicht einverstanden sein. Wir sind dafür, dass sich Israel in seinen eigenen Bau schert und dass seine chauvinistischen, provokatorischen, angriffslüsternen und aggressiven Haltungen und Handlungen gegen die arabischen Staaten ein für allemal aufhören. Wir fordern, dass Israel den Arabern ihre Gebiete freigibt, dass die Palästinenser alle ihre nationalen Rechte gewinnen, doch wir sind niemals dafür, dass das israelische Volk ausgerottet wird.“[3]

Was haben die Trotzkisten mit der Tradition der VR-Albaniens zu tun? Was bilden sich diese Verräter an der Sache des Proletariats ein, wenn sie jetzt auch noch das Andenken Enver Hoxhas in den Dreck ziehen, indem sie sich zumindest indirekt auf ihn berufen?

Treten wir ihnen mit aller Entschiedenheit entgegen!

Bei der WASG in Berlin fahren die Trotzkisten – typisch zentristisch – zweigleisig:

Die trotzkistische Gruppe SAV will eine eigene WASG-Kandadatur zu den Abgeordnetenhauswahlen und ist gegen die Vereinigung mit der sich jetzt Linkspartei nennenden PDS.

Die anderen, sich Linksruck nennenden Trotzkisten, sind für das Zusammengehen mit der PDS. Ein typisches Verwirrspiel der Trotzkisten.

Und nun taucht auf einmal die UCK auf und verkündet, auch sie unterstütze die von der SAV geführten Gegner der Vereinigung mit der PDS. Die Verwirrung ist total und genau das wollen die Trotzkisten jeglicher Colour: Verwirrung stiften, mit dem Ziel, die Geschäfte des Kapitals zu unterstützen. Wie eh und je.


[1]  kosova-aktuell : Verantwortlich i.S.d.MDSV: Max Brym, Adalbertstr. 82. 80799 München siehe

[2] Enver Hoxha, zitiert nach: "Die heutige revolutionäre Bewegung und der Trotzkismus". von Professor Agim Popa* (*Agim Popa war Professor für marxistische Philosophie, Abteilungsleiter im Institut für marxisiche-leninistische Studien beim ZK det PAA.)

[3]  Enver Hoxha, Imperialismus und Revolution, S. 206f., Tirana 1978

UCK-Lobby will Wahlantritt der WASG-Berlin unterstützen

Zusammenspiel zwischen Trotzkisten und großalbanischen Extremisten als Belastung für den linken Parteibildungsprozeß

Jürgen Elsässer

Quelle: jungeWelt vom 18. Mmai 2006

Die Separatkandidatur der WASG Berlin gegen die Linkspartei bei den Abgeordnetenhauswahlen im September gewinnt täglich neue Unterstützer. »Kosova-Aktuell an der Seite des gewählten WASG-Landesvorstandes in Berlin«, lautet die neueste Headline auf einer Website militanter albanischer Nationalisten. »Die Chancen der ›Berliner Rebellen‹ um Lucy Redler sind nicht schlecht, den so­zialdemokratischen Poststalinisten der Linkspartei und der WASG-Führung eine auszuwischen«, heißt es weiter.
Wes Geistes Kind die Redaktion von kosova-aktuell ist, zeigt gleich der nächste Beitrag auf der Site unter der Schlagzeile »Zur Geschichte der UCK«. »Die UCK war ursprünglich eine Organisation, deren wesentliche Gründer politisch links standen«, wird gleich zu Anfang betont. Als Beleg wird das Thesenpapier einer ominösen Revolutionären Albanischen Partei aus dem Januar 1999 dokumentiert, in dem die – ohnehin bloß vorübergehende – Zustimmung des UCK-Generalstabs zu einem Waffenstillstand im Kosovo als »übereilt« kritisiert wurde. Außerdem wird betont, »daß es keine ›Kosovofrage‹ gibt, sondern eine albanische Frage«, und die könne nur durch das »Recht der Befreiung des nordöstlichen Albaniens (Kosova mit seinen Gebieten) und seine Vereinigung mit unserem Vaterland Albanien« gelöst werden.
Nun kann sich keine Partei heraussuchen, von welchen dubiosen Gruppen sie unterstützt wird. In diesem Fall verhält es sich jedoch anders: Die trotzkistische »Sozialistische Alternative SAV«, die im Berliner WASG-Landesverband über einigen Einfluß verfügt und mit Frau Redler auch die Spitzenkandidatin stellt, hat sich die Albaner-Lobby selbst organisiert. Der presserechtlich verantwortliche Redakteur von kosova-aktuell ist der Münchner SAV-Funktionär Max Brym, der auf lokalen und regionalen WASG-Versammlungen das große Wort gegen den fränkischen Gewerkschaftsflügel um Klaus Ernst führt. Er gehört auch zu den Aufrufern einer »Konferenz der linken Opposition in der WASG«, die am 20. Mai in Kassel stattfinden soll.
Nach der offiziellen Auflösung der Terrororganisation UCK, deren früherer Generalstabschef Agim Ceku mittlerweile Ministerpräsident des Kosovo geworden ist (siehe oben), gehört Bryms Zuneigung einer kosovo-albanischen Bewegung für Selbstbestimmung (LPV), die die nun auf Politiker umgeschminkten Terroristen von rechts kritisiert: Es sei falsch, daß Ceku überhaupt mit Belgrad über die weitere Zukunft des Kosovo verhandelt; vielmehr müsse die Provinz einseitig die Eigenstaatlichkeit proklamieren, auch wenn das den Serben nicht passe und gegen das Völkerrecht verstoße.
Grundsätzliches zum Kosovo hat Sascha Stanisic, einer der bundesweiten Führungskader der SAV, in einem Referat im September 1999 ausgeführt. Er warf der trotzkistischen Konkurrenzgruppierung SWP vor, sie habe »die Hauptaufgabe im Kampf gegen den NATO-Krieg gesehen« und »die Frage der nationalen Selbstbestimmung für Kosova während des Krieges so gut wie fallengelassen«.

Ein »sozialistisches Kosova« könne »zum Ausgangspunkt für sozialistische Revolutionen in der gesamten Region werden«. Dabei sei auch »die Forderung nach einem vereinigten sozialistischen Albanien« nicht auszuschließen, »in dem die Gebiete mit albanischer Bevölkerungsmehrheit aus dem Kosova, Mazedonien und Albanien selber zusammengeschlossen werden«.

Zurecht hat die Wahlalternative Vorkehrungen gegen Unterwanderungsversuche durch neonazistische Kader getroffen. Es wäre ein Treppenwitz der Sektengeschichte, wenn es nun ausgerechnet die selbsternannte Linksopposition der WASG wäre, die rechtsextremes Gedankengut tolerierte, nur weil es nicht von Mittelsmännern der NPD, sondern der UCK eingeschleppt wird. Klare Abgrenzungsbeschlüsse sind das mindeste, was man von der WASG Berlin verlangen darf. Oder hofft man auf pekuniäre Unterstützung für den Wahlkampf seitens der albanischen Diaspora?

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2006/05-18/002.php

(c) Junge Welt 2006

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