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Merkel/Münteferings soziale Gerechtigkeit

Von Günter Ackermann/17. Mai 2007

Unsere geliebte Bundesregierung macht sich Tag und Nacht Sorgen um unser aller Wohlergehen. Da will die Beschützerin aller Kranken und Gebrechlichen, Frau Ulla Schmidt, die „Gesundheitliche Chancengleichheit von Kindesbeinen an fördern“[1] und fügt hinzu: „Die vorliegenden Ergebnisse zeigen: Im Großen und Ganzen geht es den Kindern in Deutschland gut.“[2]. Na dann.

Aber die steigende Kinderverarmung ist irgendwie auch bei ihr im Kopf angekommen, also fügt sie hinzu: „Doch leider gibt es auch das genaue Gegenteil. Dies gilt besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Familien und Familien mit Migrationshintergrund.“ Schon eine grandiose Erkenntnis der Frau Schmidt.

Und sie hat bereits die Lösung: „Der Aktionsplan Ernährung und Bewegung der Bundesregierung legt deshalb hier einen Schwerpunkt.“[3]

Ich stelle mir das so vor: Der Aktionsplan besteht aus zwei Teilen: der für Ernährung und den für Bewegung. Man verteilt den ersteren auf dickerem Papier an den Schulen und Kindergärten, getränkt mit Vitaminen und Nährstoffen, den die Kinder der Harzt IV-Armen anstelle Brot, Wurst und Butter zu fressen bekommen. Man kann auch unterschiedliche Geschmacksrichtungen als Aroma hinzu fügen.

Den Aktionsplan Bewegung dagegen gilt für die Kinder mit „Migrationshintergrund“. Die werden mit ihren Eltern einfach in ihre Herkunftsländer bewegt. Das schont die öffentlichen Kassen und ist ein Teil der Stärkung der deutschen Leitkultur. Wenn die Kinder mit „Migrationshintergrung“ weg sind, gibt es deren Gesundheitsprobleme nicht mehr bei uns und wenn die Hartz IV-Opfer-Kinder das Papier des Schmidtchen Aktionsplans zu fressen bekommen, hat das auch noch Umweltschonung zur Folge. Und Papier soll sehr reich an Ballaststoffen sein – die Druckerschwärze allerdings weniger. Aber die kann man durch von der EU zugelassene Farbstoffe ersetzen.

Zwar haben deren Eltern noch an den diversen Gesundheitsreformen zu knappern und müssen alles noch verdauen, aber drauf scheißen können sie auch nicht. Schließlich muss jeder mal zum Arzt.

Eine weitere Wohltat unserer geliebten Regierung ist die Erhöhung der Renten ab Juni 2007. Das üppige halbe Prozent Erhöhung kam nur zustande, weil die Politik der Regierung so sehr auf unserer aller Wohl bedacht ist und nun auch die Einkommen üppig steigen.

Die Meldungen der Presse, dass Großkonzerne, wie die Telekom, die Einkommen ihrer Beschäftigten zu kürzen die Absicht haben, sind reine Zweckpropaganda Böswilliger. Müntefering zeigt den Weg und alle haben den Profit: Die Konzerne einige hundert Milliarden, die Rentner eben das das Halbe von Hundert.

Viele wollen sich schon Seereisen davon finanzieren, die Hersteller von Hochseejachten und Luxusautos freuen sich schon auf den Konsumschub, der von den Rentnern ausgeht.

Aber – um Neider in die Schranken zu weisen – greift hier mal wieder die Ministerin fürs Gesunde, Ulla Schmidt, ein. Ab April 2007 wurden die Krankenversicherungsbeiträge für Rentner erhöht. Der Sinn ist, wie immer bei der Bundesregierung, soziale Gerechtigkeit herzustellen. Denn, wenn die Rentner allzu üppig ihre Erhöhung verkonsumieren, gehen andere vielleicht zu kurz aus. Also kürzt man die Renten um die erhöhten Versicherungsbeiträge. Damit ist die soziale Gerechtigkeit wieder hergestellt. Die Rentner können eben nicht mit Luxuslinern um den Globus schippern, Balkonien tut es ja auch.

So wachen Frau Merkel und ihr Vize Müntefering Tag für Tag für unser Wohlergehen. Danken wir es ihnen.

G.A.


[1]  Pressemitteilung Nr. 36, Berlin, 16. Mai 2007

[2]  ebenda

[3]  ebenda

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