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ThyssenKrupp
machte Kasse bei Werkswohnungen – die Mieter zahlen die Rechnung
Spekulation
mit Arbeiterwohnungen im Rhein-Ruhr-Gebiet
Von
Gerd Höhne/30. Mai 2008
ThyssenKrupp
verscherbelte im Jahr 2005 45.000
ehemalige Werkswohnungen von Thyssen und Krupp an ein Heuschrecken-Konsortium
aus Morgan Stanley
(einer US-amerikanischen Investmentbank) und
der Corpus
Immobiliengruppe,
die deutschen Sparkassen gehört. Die Kommunalpolitik – im Ruhrgebiet
vor allem SPD, neuerdings auch CDU dominiert – unterstützte den Deal.
ThyssenKrupp kassierte schlappe 2,1 Milliarden Euro (!). Es wurden
keinerlei Absicherungen für die Mieter vereinbart. Das obwohl auch
Betriebsräte (bestochene?) das Milliardengeschäft des Stahlkonzerns
unterstützt hatten. Die Mieter bekamen nur die Mitteilung, dass der
Laden verkauft sei.
Es solle sich angeblich nichts ändern, wurde ihnen versichert. Das
allein war schon so was wie eine Drohung zu verstehen, denn die Zustände
in den Häusern waren schon lange an der Grenze der Unerträglichkeit.
War etwas kaputt, wurde es durch Billigteiler ersetzt, die bei bloßem
Anblick den Geist aufgaben. Aber es wurde doch schlimmer.
Schon bald wurden die
Filetstücke – Einfamilienhäuser – in Duisburg-Rheinhausen und
anderswo den Mietern zum Kauf angeboten. Wer nicht kaufte oder nicht
kaufen konnte, hatte Pech. Sein Haus (Wohnung, in dem er oft Jahrzehnte
gewohnt hatte, es aus einem Primitivhaus mit eigenem Geld modernisiert
und verbessert hatte, wurde gnadenlos verkauft, die Mieter mit
Eigenbedarfsklagen an die frische Luft gesetzt.
Die beiden
Heuschreckenkonsortien verkauften aber schon bald den ganzen Krempel
weiter. Sie hatten ihren Schnitt gemacht, also weg damit.
Jetzt ist es eine französische
Heuschrecke. Die gelobten zwar, die Rechte der Mieter zu wahren. Aber
ihr Versprechen ist nicht mal die Druckerschwärze wert, mit der der
Schwindel unters Volk gebracht wurde. Sie beginnen bereits jetzt wieder
damit, Wohnraum und Häuser zu verkaufen. Vermieten bringt nicht genug
Geld und Erhaltungsarbeiten sind teuer. Also wie gehabt.
Auch schon zu
Thyssen-Zeiten waren die Wohnhäuser nicht im besten Zustand. Zwar kamen
die Mieterhöhungen mit größter Regelmäßigkeit, aber notwendige
Reparaturen und Erhaltungsmaßnahmen wurden nur schleppend realisiert
und ganz billig ausgeführt. Ich selbst wohne über 20 Jahre in einem
solchen Haus. Das Treppenhaus ist noch heute in dem Zustand – nur
verbrauchter – wie damals, als ich einzog. Die elektrischen Anlagen
sind in desolatem Zustand und in manchen Wohnungen ist der Pilz, weil
die Wände nicht isoliert sind. Auch fällt alle Nasenlänge die Heizung
und die Warmwasserversorgung aus. Die Mieterfluktation hat enorm
zugenommen; die Sprechzeiten der – jetzt Kundenbetreuer genannten –
Bestandsverwalter ist auf drei Termine die Woche gekürzt, Telefon
dauerbesetzt und das Band des Anrufbeantworters reeicht nicht aus um Störungen
zu melden. Auf Beschwerden der Mieter erfolgt keine Antwort oder sie
werden frech abgebügelt.
Die Wohnungen waren einst
gebaut, weil vor hundert Jahren nur so Arbeitskräfte für die Hütten
und Bergwerke aus dem Osten anzulocken waren. Auch direkt nach dem 2.
Weltkrieg war es so. Die beiden Konzerne, die Kanonenschmiede Krupp und
der Bergbau- und Stahlkonzern Thyssen ließen sich deshalb auch noch als
besonders sozial anpreisen. Die bürgerliche Propaganda lobte sie –
vor allem Krupp – wegen seines Wohnungsbaus.
Nach der Fusion
Krupp/Thyssen wurden auch die Wohnimmobilien in eine gemeinsame
Gesellschaft eingebracht und die wurde dann im Jahr 2005 versilbert –
richtiger: in pures Gold umgewandelt. Das alles, wie gesagt, durch verräterische
und korrupte Betriebsräte und Kommunalpolitiker gedeckt. Die Dummen
sind die Mieter, also die, die in der Mehrzahl ihre Arbeitskraft den
Konzernen verkaufen mussten, in der achtziger und neunziger Jahre, als
z.B. in Duisburg-Rheinhausen die Krupp-Hütte platt gemacht wurde,
verloren sie ihren Arbeitsplatz und nun die Wohnung.
Appelle ans soziale
Gewissen schlagen fehl und ernten Hohnlochen bei den Profiteuren.
Soziales Gewissen der Konzernherren? Seit wann haben die eines? Sie
machen nur das, was im Kapitalismus üblich: Geld, viel Geld, noch mehr
Geld!
Die Mieter haben eine
gewisse Chance, wenn sie sich kollektiv wehren. Aber wie das gehen
solle, wenn die Immeo-Wohnungen über viele Städte verstreut sind, ist
mir unklar. Die Gewerkschaften wären hier gefordert. Aber diese
Gewerkschaften? Die Führungen stehen auf der anderen Seite und
kassieren mit.
G.H.
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