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Anglo-amerikanische Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945

von Gerd Höhne

Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens....Von Dresden aus, von seiner köstlichen gleichmäßigen Kunstpflege in Musik und Wort, sind herrliche Ströme durch die Welt geflossen und auch England und Amerika haben durstig davon getrunken. Haben sie das vergessen?

... Ich habe den Untergang Dresdens unter den Sodom- und Gomorrha-Höllen der feindlichen Flugzeuge persönlich erlebt. ... Ich stehe am Ausgangstor meines Lebens und beneide meine toten Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist. "

Gerhard Hauptmann 1945

Anglo-amerikanische Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945

von Gerd Höhne

1. Die Vernichtung einer Stadt und ihrer Einwohner

Der Bericht unten zeigt, wie die Herrschenden mit der Geschichte umgehen:

Das Bombeninferno von Dresden im Februar 1945 war militärisch durch nichts zu rechtfertigen. Dresden war zwar Eisenbahnknotenpunkt und auch Sitz von Rüstungsfabriken (Zeiss-Ikon), aber erstaunlicherweise wurden die kriegswichtigen Ziele nicht bombardiert. Stattdessen die Wohnquartiere und die Innenstadt, die von Flüchtlingen vollgestopft waren. Diese Menschen waren, um freies Schussfeld zu schaffen, von den Nazis aus Schlesien westwärts evakuiert worden.

Durch die Kombination von Brand- und Sprengbomben wurde ein Feuersturm entfacht, der auch die tötet, die sich in Schutzräumen befinden, weil im Feuersturm jeglicher Sauerstoff entzogen wird.

Am nächsten Morgen legte du US-Luftwaffe nach und bombardierte Dresden ein weiteres Mal. Die Menschen, die sich aus der brennenden Stadt retten konnten und auf die Wiesen am Elbufer flohen, waren dann auch noch Ziele für amerikanische Tiefflieger – erkennbar, dass es sich um Zivilisten handelte.

2. Wie üblich die Lüge: Die Schuld tragen nur die Sowjets

Klar, dass die Westmächte in Erklärungsnot kamen. Immerhin wurde eine der wichtigsten Kulturstädte Europas in Schutt und Asche gelegt. Man muss also einen wahren Schuldigen nachträglich finden. Und wer ist dran Schuld? Die bösen Russen, denen half die britischen und amerikanischen Bomber, deshalb der sinnlose Angriff.

2.1 Exkurs:

Kriegsverlauf Januar/Februar 1945

Die Rote Armee stand bis Anfang Januar an der Wisla (Weichsel) und reorganisierte sich neu. Sie war einige tausend Kilometer, die faschistischen Truppen vor sich her treibend, nach Westen gestürmt. An der Weichsel sollten die Truppen und der Nachschub reorganisiert werden. Die Nazitruppen hatten sich am Westufer, die Rote Armee am Ostufer festgesetzt. Allerdings gab es, die Weichsel aufwärts, einen sowjetischen Brückenkopf.

Ende Dezember 1944 nutzte die Wehrmachtsführung an der Westfront eine Periode schlechten Wetters aus und begann die Ardennenoffensive. Da wegen des Wetters die alliierte Luftwaffe nicht eingreifen konnte, machten die Nazitruppen zunächst große Geländegewinne – es sollten die letzten sein.

Die Befehlshaber der Westalliierten wandten sich an das sowjetische Oberkommando mit der Bitte, ihnen Entlastung zu verschaffen. Die sowjetische Armeeführung zog deshalb den Beginn der Offensive vor und setzte am 12. Januar 1945 über den Fluss.

Es begann die Rote Armee mit ihrer Winteroffensive 1945. Innerhalb von wenigen Wochen war Warschau (17. Januar) und fast ganz Polen befreit.  Am 21. Januar 1945 überschritten sowjetische Truppen südlich von Breslau die Oder. Das Industrierevier Oberschlesien wurde unzerstört besetzt.

Die sowjetischen Truppen standen also am 13./14. Februar 1945, dem Tag des anglo-amerikanischen Terrorangriffs auf Dresden,  nicht mehr weit weg von der Stadt.

Ende Exkurs

Welche Hilfe war da die Vernichtung einer Großstadt, die fast kein Militär, strategisch ohne Bedeutung war, aber voll war von Flüchtlingen und Kunstschätzen? Keine! Im Gegenteil. Die sowjetische Militärverwaltung hatte nach der Einnahme Dresdens immense Probleme mit der Verssorgung und Unterbringung der Obdachlosen.

So mussten fast alle deutschen Städte direkt nach dem Krieg Flüchtlinge aufnehmen. Dresden wurde ausgenommen, es gab keine Unterkünfte für sie.

Der in Dresden im Januar 2005 aufgetretene britische Historiker Frederick Taylor behauptet,

1. die Hilfe für die Sowjetarme habe darin bestanden, den Nachschub der Wehrmacht für die Ostfront abzuschneiden und

2. Die deutschen Truppen durch Panikstiften bei den Flüchtlingen zu behindern.

zu 1.: Die Transportwege wurden nicht zerstört und sollten es auch nicht werden. Es war nicht geplant, die Hauptschienenverbindung über die Elbe zu bombardieren.

zu 2.: (Panikstiften bei den Flüchtlingen ) Das setzt zumindest voraus, dass das britische und amerikanische Hauptquartier sich bewusst war, dass Dresden mit Flüchtlingen – also unbewaffneten Zivilisten, v.a. Frauen, Kinder und Alte – vollgestopft war. Sie griffen vollbewusst eine wehrlose Stadt an, vernichteten durch Entfachen von Feuerstürmen Zivilisten, darunter viele Flüchtlinge und zerstörten deren Unterkünfte. Und das Mitte Februar, also im Winter.

Die Zerstörung der immensen Kunstschätze und Baudenkmäler in Dresden erhöht nur das Ausmaß des Kriegsverbrechens.

3. Der Bombenterror richtete sich vor allem gegen Arbeiterquartiere – nicht gegen die Geschäftspartner anglo-amerikanischer Konzerne

Man kann sagen, der Krieg, der von Deutschland ausging, kehrt mit dem Bombenkrieg nach Deutschland zurück. Das ist richtig. Ich will die Verbrechen der Nazi hier nicht relativieren. Aber der Krieg ist vom deutschen Finanzkapital mit Hilfe der deutschen Faschisten angezettelt worden, nicht von den einfachen Menschen.

Der Bombenkrieg, auch der Angriff auf Dresden, richtete sich aber gegen die Zivilbevölkerung und deren Wohngebiete. Industrieanlagen wurden meist geschont.

Nur zwei Beispiele:

-  IG-Farben: Es ist bekannt, dass IG-Farben mit britischen und amerikanischen Chemiekonzernen eng zusammen arbeitete. Sogar während des Kriege bezahlte und bekam IG-Farben Lizenzgebühren über die Schweiz. IG-Farben wurde weitgehend geschont. Ich habe einige alten Arbeiter des damaligen IG-Farben-Betriebes in Frankfurt-Höchst gesprochen. Die sagten übereinstimmend, der sicherste Platz sei der Chemiebetrieb gewesen. Höchst und das dort befindliche Chemiewerk blieben bis Kriegende unbeschädigt.

Andere IG-Farben-Betriebe aber wurden angegriffen und schwer beschädigt. Nämlich die, die sich in der späteren sowjetischen Besatzungszone befanden. Also Leuna, Buna und in Wolfen. Bereits in Jalta war nämlich der Verlauf der späteren Besatzungszonen festgelegt worden.

-  Mannesmann-Hütte in Duisburg-Huckingen: An Mannesmann waren britische Konzerne beteiligt. Dieser kriegswichtige Betrieb liegt etwas außerhalb der Stadt direkt am Rhein. Es ist müßig zu sagen, dass auch dieses Werk nicht von Bombern angegriffen wurde, wohl aber die Arbeiterwohnbezirke der Innenstadt. Die, die die Zeit miterlebt hatten, sprechen davon, dass nach einen Luftangriff auf die Stadt am Krematorium die Leichen draußen meterhoch  gestapelt werden mussten.

Aber mehr noch: Anfang 1945 setzten sich die britischen Truppen auf der linken Rheinseite fest. Nur der Rhein trennte sie vom Hüttenwerk, dass voll weiter produzierte. Es hätte keiner Bomberflotte bedurft, um das Werk lahm zu legen. Ein  paar gezielte Feuerstöße aus Geschützen auf die Hochöfen oder das Stahlwerk und das Werk hätte seine Produktion einstellen müssen. Aber nichts geschah, die Hütte produzierte auf Volllast weiter. Die alten Hochöfen waren dann noch bis in die 70er Jahre in Betrieb. Sie waren nämlich erst kurz vor dem Krieg oder im Krieg von Zwangsarbeitern, gebaut worden.

Einzig den Abtransport der Produkte über die Eisenbahnstrecke behinderte man. An einer bestimmten Stelle nähern sich die Eisenbahngeleise in Duisburg-Wanheim dem Rhein und waren einsehbar. Nein, die Schienen wurden nicht zerstört. Mit Scharfschützen wurde auf die Lokführer geschossen. Mehr nicht!

Die aber lösten das Problem. indem sie die Lok führerlos dem gefährlichen Teil der Strecke fahren ließen und mit Fahrrädern bis dorthin fuhren. wo die Strecke nicht mehr einsehbar war, am Bahnhof Duisburg-Hochfeld.

Übrigens: Noch heute erkennt man nahe des Bahnhofs, dass die dortige Eisenbahnbrücke über dem Rhein, einmal breiter war. Sie wurde damals gesprengt: von der deutschen Wehrmacht.

Diese beiden Beispiele verdeutlichen, dass die Luftangriffe – nicht nur auf Dresden – in der Regeln nicht der Rüstungsindustrie galt, sondern vor allem der Zivilbevölkerung.

4. Die Nazis erfanden den Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung

Auch hier sei erwähnt, dass die Nazis die Terrorangriffe erfunden haben. Zum Beispiel der Terrorangriff der Nazi-Legion Condor auf die baskischen Stadt Guernica am 26. April 1937. Auch hier, wie später in Dresden, eine unbewaffnete Stadt ohne strategischen Bedeutung. Auch hier der Mix aus Brandbomben, Sprengbomben und Splitterbomben zum Entfachen von Feuersturm.

Ebenso griff die Luftwaffe bereits 1940/1941, im Luftkrieg um England, vor allem zivile Ziele an.

Das alles ist richtig, aber rechtfertigt es die Terrorangriffe auf deutsche Städte, rechtfertigt es die Zerstörung Dresdens, einer der schönsten Städte Deutschlands und Europas?

Die Bombenangriffe haben immense Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Den Krieg zu gewinnen halfen sie den Amerikanern und Briten nicht – eher das Gegenteil war der Fall.

Gerhard Hauptmann, der den Bombenangriff auf Dresden miterlebte, sagte dazu.

Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens....Von Dresden aus, von seiner köstlichen gleichmäßigen Kunstpflege in Musik und Wort, sind herrliche Ströme durch die Welt geflossen und auch England und Amerika haben durstig davon getrunken. Haben sie das vergessen?

... Ich habe den Untergang Dresdens unter den Sodom- und Gomorrha-Höllen der feindlichen Flugzeuge persönlich erlebt. ... Ich stehe am Ausgangstor meines Lebens und beneide meine toten Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist. "

Der Bombenkrieg, der Angriff auf Dresden und andere deutsche Städte, ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte des 2. Weltkrieges. Er bescherte den einfachen Menschen, noch lange nach dem Krieg, Obdachlosigkeit und Elend. Die Villen und die Industriebetriebe überlebten die Angriffe meist unbeschadet. Die einfachen Menschen. die Arbeiter aber, waren gezwungen in Ruinen zu leben.

5. Neonazis und Vergleich mit Auschwitz

Die Auftritte der NPDler im Landtag von Sachsen mit ihrer Relativierung des Nazimordens in Auschwitz, indem sie den Bombenterror mit dem industriellem Morden in den Vernichtungslagern gleichsetzten, ist eine Frechheit und Unverschämtheit dieser Subjekte.

Es kommt hier mehr zum Vorschein. Die NSDAP wurde vor 1933 erst zum politischen Faktor, als die Weltwirtschaftskrise breite Teile der Bevölkerung in Elend riss und den Reichsregierungen nichts weiter einfiel, als mittels Beseitigung der Sozialleistungen die Verelendung noch zu steigern und Millionen von Menschen ins Uferlose stürzen half.

Wenn die NPD heute in Sachsen im Landtag sitzt, so ist das das Ergebnis der skrupellosen Politik der Entindustrialisierung und der Vernichtung von Arbeitsplätzen der Menschen ganzer Landstriche nach dem Ende der DDR. Die Politik gab sich entweder hilflos oder unterstützte dieses Vernichten der Arbeitsplätze noch.

Ein weiterer Faktor ist die Politik des Sozialraubs der Bundesregierung und der anderen Parteien. Ich meine nicht nur die SPD und Grüne, aber FDP und CDU/CSU stehen dem Treiben vom Schröder und Clement sehr zustimmend gegenüber. Die PDS. die lauthals dagegen ist, macht da, wo sie in der Regierung ist, die ganzen Schweinereien mit.

Da es keine starke linke Partei gibt, orientieren sich viele Menschen da, wo sie vermeintlich Vertreter ihrer Interessen finden: bei den Nazis.

Ganz ähnlich wie vor 1933. Damals gab es den gemeinsamen Feind die Kommunisten. Von der SPD über die bürgerlichen Parteien und den Deutschnationalen zu den Nazis, gab es vor allem den kommunistischen Feind – die KPD. Hitler war das kleinere Übel, auch für die SPD-Führer. Sie zeigten sich dankbar: so zahlten die Nazis dem „Bluthund“ Gustav Noske seine Ministerpension bis 1944.

Und jetzt? Schröder, Fischer, Merkel und Konsorten halten salbungsvolle Reden zum Gedenken an Auschwitz. Aber ihre politischen Vorfahren begünstigten den Aufstieg Hitlers, zum Teil waren sie aktive Steigbügelhalter.

Man denke nur an den Blutmai 1929 (siehe) Die SPD konstruierte einen angeblichen Putschplan der KPD. Der sozialdemokratische Berliner Polizeipräsident Zörrgiebel ließ gegen die trotzdem demonstrierenden Arbeiter Maschinengewehre auffahren. Die Idee, mit einen angeblichen Putschplan, legten dann im Februar 1933 die Nazis neu auf. Göring und Göbbels zündeten den Reichstag an und gaben das als Fanal des Kommunistenputsches aus.

6. Stalin: „die 'Hitler' kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt“

Bereits am 22. 2. 1942 erklärte Genosse Stalin, anläßlich des Gründungsjubiläums der Roten Armee, daß „die 'Hitler' kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt“.

Diese Maxime des Krieges gegen Hitlerdeutschland wurde konsequent verfolgt. Und das schloss sinnlose Zerstörungen aus. Dass Städte wie Königsberg, Breslau und auch Berlin zerstört wurden, war nicht auf Terrorangriffe zurück zu führen, sondern waren im Zuge der Kriegshandlungen unvermeidbar. Indem die Nazis in diesen Städten bis zum Schluss sinnlosen Widerstand leisteten, waren sie die Zerstörer.

Wie brutal die Nazis sogar gegen die deutsche Zivilbevölkerung vorgingen zeigt ein Beispiel: In der unterirdischen S-Bahn-Station „Anhalter Bahnhof“ hatten sich Tausende Berliner vor den Kriegshandlungen in Sicherheit bringen wollen. Die SS befürchtete aber, dass durch die Tunnel der S-Bahn sowjetische Truppen vordringen konnten. Sie flutete die Tunnel und damit den S-Bahnhof. Hunderte Berliner ersoffen. Das geschah am 2. Mai 1945 – der Tag, an dem der Stadtkommandant der Wehrmacht die Kapitulationsurkunde für Berlin unterzeichnete.

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Wissenschaftliche” Veranstaltung „Strategische und ethische Probleme des Bombenkrieges - Das Beispiel Dresden” am 20.01.2005 

Bericht von Torsten Reichelt

Im Rahmen der „wissenschaftlichen” Veranstaltung „Strategische und ethische Probleme des Bombenkrieges - Das Beispiel Dresden” am 20.01.2005 hielt Herr Frederick Taylor, Historiker, St. Keverne (Großbritannien) einen Vortrag zum Thema: „Strategische Bedeutung des alliierten Bombenkriegs. Der Umgang mit dem Verhängnis”. Veranstalter war das Hannah-Ahrendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V..

Der Plenarsaal des Dresdner Rathauses war mit etwa 500 Besuchern recht voll. Einleitend wurde darauf hingewiesen, daß es sich um eine wissenschaftliche Veranstaltung handele, in der es um Aufarbeitung des Bombenkrieges und insbesondere um die Angriffe auf Dresden geht. Das sei kein Podium für politische Stellungnahmen und Ausbrüche. Falls die Veranstaltung gestört würde, werde sie abgebrochen. 

Die Sorge schien begründet, da sich unter den Anwesenden etwa 40 überwiegend junge Nazis befanden, welche sich bezeichnenderweise rechts hinten im Saal als Block niedergelassen hatten. Weitere saßen verteilt im Publikum. Das erklärt auch das große Polizeiaufgebot. 

Der Vortrag selbst war spektakulär unspektakulär. Herr Taylor begann bei der Kriegführung gegen Städte in früheren Jahrtausenden, die erst ab dem ersten Weltkrieg eine wesentliche Veränderung erfuhren: an die Stelle der Belagerung trat mit der Möglichkeit von Luftangriffen ihre Zerstörung aus der Luft. Was das mit ihrer letztlichen Einnahme durch Bodentruppen zu tun haben sollte, wurde nicht klar. 

Ausgiebig wurde die Karriere von Sir Arthur „Bomber“ Harris, dem Befehlshaber des britischen bomber command, dargestellt. Ein Wunder, daß seine Windeln unerwähnt blieben. Besonders ausführlich und an mehreren Stellen wurden dagegen seine Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen beschrieben: pedantisch, kulturlos, bärbeißig, rigoros praktisch; eher ein aggressiver Manager als ein Militär. Mir wurde erst allmählich klar, daß diese Charaktereigenschaften als wesentlicher Faktor der Bombardierungen verkauft werden sollten. Später, aber besser in diesem Zusammenhang darstellbar, erfolgte noch die Aussage, das ganze britische Oberkommando sei ”kulturlos” gewesen. Damit sollte wohl begründet werden, daß ihnen die Kunst- und Kulturstadt Dresden, wenn nicht unbekannt, so doch zumindest egal war. 

Da der Vortrag überwiegend aus technischen und geschichtlichen belanglosen Details bestand, möchte ich nur noch die wesentlichen Aussagen nennen, die zu Gründen und Form des Angriffs gemacht wurden: 

1. Durch die Bombardements sollten eine Revolte der Bevölkerung gegen die Hitlerregierung provoziert werden.

2. Es ging nicht darum, den Widerstandswillen der Bevölkerung zu zermürben, sondern der Angriff erfolgte als militärischer Beistand für die Sowjetarmee durch:

- Abschneiden des Nachschubs für die Ostfront durch Zerstörung der Verkehrswege [Anm. d. A.: die Hauptschienenverbindung über die Elbe lag außerhalb des Angriffssektors]

- Panikstiftung und Stockung in Flüchtlingsströmen zur Behinderung deutscher Kampfhandlungen [Anm. d. A.: als ob zurückweichende Wehrmacht und vor Allem SS je Rücksicht auf Zivilisten genommen hätten]  - Behinderung des Rückzuges deutscher Truppen von der Ostfront [Anm. d. A.: als ob die Rote Armee daran interessiert gewesen wäre, daß die deutschen Truppen an ihrer Front bleiben]

3. Die Ausbildung der Bomberpiloten, punktgenau militärische Ziele anzugreifen, war nicht möglich, so daß das Flächenbombardement der Innenstadt die einzig mögliche Form des Angriffs war (was in einem Diskussionsbeitrag dadurch entkräftet wurde, daß die US-amerikanischen Bomber beim Angriff am 17.04.1945 genau dieses ”Unmögliche” taten). 

4. Wegen Mangels an Sprengbomben erfolgte der Angriff überwiegend mit Brandbomben. [Anm. d. A.: der zweite britische Angriff am Morgen des 14. Februar erfolgte überwiegend mit Sprengbomben]

5. Der zweite Angriff erfolgte aufgrund einer persönlichen Entscheidung des Angriffsführers (Zielmarkierers) jenseits der brennenden Innenstadt, da er entschied, die Bomben jenseits der ohnehin zerstörten Fläche ostwärts einzusetzen, da dies effektiver war. [Anm. d. A.: Im Widerspruch dazu steht ein Funkspruch, und zwar der letzte dokumentierte, die Bomben seien auf das brennende Stadtzentrum abzuwerfen.]

6. Tiefflieger und deren Bordwaffen kamen nicht zum Einsatz. 

Fast müßig zu erwähnen ist, daß der Herr „Historiker” mehrfach von „Russen” sprach, wenn es um die Sowjetarmee ging, was nicht nur einen abwertenden Beiklang hat, sondern sachlich falsch ist. Statt „Faschismus” wählte er die in der bürgerlichen Geschichtsschreibung übliche und irreführende Formulierung „Nationalsozialismus”. 

Am Ende seines Vortrages kam Herr Taylor richtig ins Schluchzen und bekam kaum noch einen Ton heraus. Der äußerst ”sachliche” Vortrag und seine langweilige Darstellungsweise brachten aber offensichtlich nur ihn zum Schluchzen. Denn die folgende Diskussion verlief wie abzusehen: Wer von Herzen Dresdner ist, kennt die Geschichte des 13. und 14. Februar. Und in Dresden wohnen dummerweise Dresdner und lassen sich nicht so leicht Lügen auftischen. 

Der erste Diskussionsbeitrag war schon kritisch, aber ich habe seinen Inhalt leider nicht behalten. Der zweite kam von mir. Ich sagte, daß zwar alle Nebensächlichkeiten ausführlich dargestellt wurden, aber die wahren Motive des Angriffs auf Dresden unerwähnt blieben. Die formulierte ich so: 

Die militärischen Ziele waren: 

1. Test eines neuen Angriffsverfahrens auf dichtbebaute und nahezu unzerstörte Stadtgebiete: Flächenbombardement mit massivem Einsatz von Brandbomben zum Entfachen eines Feuersturmes. 

2. Abschreckung gegenüber der Sowjetunion durch Demonstration der Wirksamkeit dieser barbarischen Methode und der Bereitschaft, sie hemmungslos anzuwenden. 

3. Bremsung des Vormarsches der Roten Armee durch Zerstörung der Transportwege. Besetzung eines größeren Teils Deutschlands durch die Westalliierten und Verhinderung der sozialistischen Umgestaltung in diesem Teil, als dies ohne die Zerstörung Dresdens geschehen wäre. 

4. Vernichtung ziviler Werte und Menschenleben. Der zweite Weltkrieg wurde seitens der imperialistischen und faschistischen Kräfte von Anfang an als ein Vernichtungskrieg gegen zivile Werte und Zivilisten geführt. Dies diente den Rüstungsprofiten durch gigantischen Materialeinsatz, der Vernichtung überflüssiger Arbeitskräfte und der Schaffung neuer Wachstumsmöglichkeiten.

Der Imperialismus steckte Anfang der 30er Jahre weltweit in einer Überproduktionskrise und brauchte diese „Lösung“. Im Fall Dresdens spielte ein anderer Grund eine Rolle: Verschlechterung der Wiederaufbaubedingungen in den künftigen sowjetisch besetzten Gebieten. 

Nach mir ergriff ein anderer Genosse das Wort und wies darauf hin, daß der deutsche Militarismus im Interesse der Imperialisten letztlich die Zerstörung Dresdens verursachte und daß derzeit in der BRD Rüstungsgüter produziert werden, um neue Kriege zu führen. Und daß insbesondere in Dresden neue Tankflugzeuge für Aggressionskriege produziert werden, welche deutsche militärische Einsätze ”am Hindukusch” ermöglichen. 

Eine Frau berichtete, sie und ihr Vater seien selbst von Tieffliegern beschossen worden, deren Geschosse in eine Mauer neben ihnen einschlugen. Sie fragte, ob Herr Taylor dennoch seine Darstellung aufrechterhalten wolle, daß es diese Angriffe nicht gab. Nach seiner fundierten Antwort, äähm, ooh, das sei eben das, was seine Quellen besagen, sagte sie nur, mit dieser Darstellung müßte er wohl noch 20 Jahre warten, bis es keinen Augenzeugen mehr gäbe. 

Ein anderer Teilnehmer fragte, wenn ein Lancaster-Bomber 90.000 Pfund gekostet habe, wer das Geld wohl bekam. Hier schwächelte Herr Taylor etwas, indem er tatsächlich von Kapitalisten sprach (was ihm seine Auftraggeber bestimmt übelnehmen). 

Ein weiterer Diskussionsteilnehmer stellte die einfache Frage, ob der Bombenangriff auf Dresden ein Kriegsverbrechen gewesen sei. Darauf kam irgendwas von ”Beurteilung Anderen überlassen”, ”nicht endgültig beurteilen”. 

Den Vogel schoß ein Kölner ab, welcher den Dresdnern Leidensverliebtheit vorwarf, die Kölner hätten die Amerikaner schließlich in Karnevalskostümen empfangen, trotz über 200 Bombenangriffen. [Anm. d. A.: Warum konnten bloß die Dresdner die Vernichtung kultureller Werte und Angehöriger nicht auch so locker hinnehmen?] 

Der Veranstaltungsleiter vom Hannah-Arendt-Institut der TU Dresden begleitete die Diskussionsbeiträge mit einem süffisanten Lächeln. Nur ein dummer Mensch (der heute ”Expertenstatus” genießt) kann derart arrogant auf die Demontage der von ihm verbreiteten Lügen reagieren - wie immer dieser austauschbare Lakai der Kapitalisten auch heißen mag (ich habe mir seinen Namen jedenfalls nicht gemerkt). 

Fazit: Die Veranstaltung ging (offensichtlich) für die Geschichtsfälscher vom Hannah-Arendt-Institut mächtig in die Hose. Ich konnte hier nur Bruchstücke wiedergeben, aber die Dresdner sind noch längst nicht bereit, derartige Lügen hinzunehmen oder gar zu glauben. Sie lassen sich auch nicht von britischen ”Historikern” oder ”Experten” beeindrucken und trauen lieber ihren Augen, ihren Ohren und vor Allem ihrem Verstand. 

Was schrieb hingegen die Sächsische Zeitung vom 21.01.2005, Seite 13? 

„Taylor übt harte Kritik an der Rolle der Briten 

Viel Applaus erhielt gestern abend der britische Historiker und Buchautor Frederick Taylor. Er ging in einem bewegenden Vortrag sehr hart mit der Rolle der Briten im Zweiten Weltkrieg um. Im Anschluß daran fand eine zwar konträre aber immer disziplinierte Diskussion statt. Zahlreiche Polizeibeamte und die Ordner eines Sicherheitsdienstes haben das wissenschaftliche Forum des Hannah-Arendt-Institutes im Rathaus aus Anlaß des 60. Jahrestages der Bombardierungen Dresdens abgesichert. Etwa 500 Zuschauer, darunter auch Anhänger der rechten und linken Szene, nahmen an der Veranstaltung teil. Es ist weder im Vorfeld noch im Rathaussaal selbst zu Störungen gekommen. Die Polizei hat das Forum sehr ernst genommen. Rund 50 Beamte und etwa 15 Fahrzeuge waren im Einsatz. „Wir zeigen Präsenz, um mögliche Randalierer von Störungen abzuhalten”, sagte der Polizeisprecher Marko Laske. Ausführlicher Bericht folgt. (lex) 

So etwas kommt also heraus, wenn Gegenwartsfälscher über fehlgeschlagene Desinformationsveranstaltungen von Geschichtsfälschern berichten. 

Am nächsten Tag erschien in der SZ der angedrohte „ausführliche Bericht“: 

Wie man ideologischen Missbrauch mit Applaus abwürgt

Von Oliver Reinhard 

Debatte. Frederick Taylor sprach über die Zerstörung Dresdens 1945. 

Bewegt schloss Frederick Taylor am Donnerstag seinen Vortrag über die Zerstörung Dresdens 1945: „Es war nicht nur eine Katastrophe für Deutschland, sondern für die gesamte Menschheit.“ Gewaltiger Applaus im überfüllten Plenarsaal des Dresdner Rathauses antwortete dem britischen Historiker und Autor eines Buches zum Thema, das er an diesem Abend vorstellte. 

Mit Taylors Vortrag endete ein hochkarätig besetztes Forum über den Bombenkrieg und Dresden, veranstaltet vom Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT). Sieben Beiträge hatten das Thema der Katastrophe eingeordnet in historische, juristische und moralische Zusammenhänge, ohne die sich ihre tatsächlichen Dimensionen nicht begreifen lassen. 

„Verbrechen oder nicht?“ 

So wertete Luftkriegsforscher Horst Boog die Strategie der Flächenbombardements als vorläufiges Endergebnis eines langjährigen und internationalen Prozesses. Dabei stellte er fest ­ ohne deutsche Verantwortung zu schmälern ­, dass die Angriffe auf Guernica, Warschau und Rotterdam keineswegs absichtliche „Terror-Bombardements“ waren. Vielmehr hätten sie primär militärischen Zielen gegolten. Ähnlich wie Lothar Kettenacker vom Deutschen Historischen Institut London äußerte Frederick Taylor die Ansicht, die eigentliche Eskalation zum unterschiedslosen Luftkrieg habe 1942 mit Ernennung Arthur Harris’ zum Bomber-Chef der RAF und deren „Flächenbombardement-Doktrin“ begonnen. Bei so viel Übereinstimmung vermisste man durchaus einen Vortrag über deutsche Mitverantwortung. 

Deutlich wurde zudem das Dilemma in der Urteilssuche danach, ob Dresdens Zerstörung ein Verbrechen war oder nicht. Der Wiener Rechtshistoriker Marcus Hanke befand, es habe damals kein eindeutiges, international verbindliches rechtliches Verbot von Angriffen gegen Zivilisten gegeben. Der Jurist Reinhard Merkel dagegen sprach von einem „schlimmen Verbrechen“, bezog sich dabei allerdings eher auf moralische Aspekte und das Völkerrecht von 1949. Auch Taylor wurde von einem grob auftretenden Zuhörer befragt: „Kriegsverbrechen oder nicht?“ Aufrichtige Antwort: „Ich wüsste es selber sehr gerne. Leider weiß ich darüber immer noch viel zu wenig.“ 

Die Diskussion mit Taylor, souverän moderiert von HAIT-Direktor Besier, war der mit Sorge erwartete Höhepunkt. Sicherheitskräfte standen bereit, um notfalls einzugreifen, was sich indes als unnötig erwies. Sogar eine Abordnung Neonazis blieb friedlich. Man war wohl enttäuscht, dass Taylor kein Skandal-Autor und Bombardierungs-Rechtfertiger ist, wie einige Politiker und Medien gehetzt hatten. 

Wie sich zeigte, wird die Leidenschaft einiger Dresdner für das Thema nur von ihrer Unkenntnis übertroffen. Manchen ging es auch gar nicht ums historische Geschehen: Sie nutzten das Forum zur Absonderung „linker“ wie „rechter“ Fragwürdigkeiten und verdeutlichten so, in welch intensivem Maße die Katastrophe bis heute ideologisch missbraucht wird. 

Umso wohltuender war, dass Taylor besonnen blieb, ruhig antwortete, und die Mehrheit des Dresdner Publikums den gröbsten Unfug aus dem Saal ­ von „Schuld am Krieg ist nur das Kapital“ bis „die Deutschen tragen nicht die Alleinschuld“ ­ laut missbilligte oder in höhnischem Applaus abwürgte. Auch die im Ton törichte, im Kern aber interessante Klage eines Zuhörers, dass viele Bewohner anderer im Krieg zerstörter Städte, die mit dem Schicksal „ihrer“ Orte zurückhaltender umgingen, das ewige und singuläre „Gedenk-Gejammer“ in Dresden satt hätten. 

Lauter als nach Taylors Vortrag war nur der Beifall für die Worte eines Überlebenden der Katastrophe: „Danke, dass Sie dieses hervorragende Buch geschrieben haben. Danke, dass Sie bei uns waren.“

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