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Anmerkung
Roter Webmaster
Ein
selbstbewusster Präsident Evo Morales vor der UNO
26.
September 2006
Wir
bringen unten die Rede des bolivianischen Präsidenten Evo Morales vor der UNO
vom 19. September 2006 im Wortlaut.
Die
deutschen Medien wussten von dieser bemerkenswerten Rede wenig bis gar
nichts zu berichten. Allein
wichtig für sie war, dass der Präsident ein Coca-Blatt den Delegierten
der UNO zeigte. Dass der Präsident – übrigens
der erste Indio als Präsident Boliviens, in einem Land also, in dem die
Mehrheit des Volkes Indios sind – von der Diskriminierung der
Ureinwohner seines Landes in der Vergangenheit, von der Unterentwicklung
als Folge der neokolonialen Ausbeutung durch den Imperialismus, vom Recht
seines Landes auf Selbstbestimmung usw. berichtete, schrieben sie nicht.
Ja,
das Cocablatt gab es in der Rede auch. Aber, welch eine Unverschämtheit
leistete sich doch Morales, folgt man der Presse, es ist in den USA
verboten, Cocablätter einzuführen. Dass die CIA in dicke Drogengeschäfte
verwickelt war und ist, sagt die Presse allerdings nicht.
Aber,
der ehemalige Bauer, ist angeblich ein Coca-Bauer, also eine Art
Kokain-Dealer. Dass die Coca-Pflanze auch zu Arzneizwecken verwendet wird,
sei nur am Rande bemerkt.
Um Kokain herzustellen, braucht man sicher
auch Coca-Blätter, aber noch eine ganze Reihe Chemikalien, die nicht aus
Bolivien kommen, sondern multinationale Chemiekonzerne, wie Dupont, Bayer
und Co verkaufen.
Präsident
Morales sagte: „Ich will diese
Gelegenheit nutzen, Frau Vorsitzende, um auf eine andere historische
Ungerechtigkeit hinzuweisen: das Bestrafen des Coca-Blatts. Ich will Ihnen
sagen: Dies ist ein grünes Coca-Blatt. Es ist nicht weiß, wie das
Kokain. Dieses Coca-Blatt repräsentiert die Kultur der Anden. Ein
Coca-Blatt repräsentiert die Umwelt und die Hoffnung der Völker.“
Darauf
stürzten sich die Lohnschreiber der Imperialisten, zitierten aber aus dem
Zusammenhang gerissen oder falsch. Sie hoben allein hervor hervor, dass er
ein Coca-Blatt gezeigt habe.
Ich
will mich nicht über die positiven oder negativen Wirkungen des
Cocablatt-Kauens in den Anden auslassen. Ich verstehe davon zu wenig. Aber
Kokain ist das nicht. Die Blätter kauten die Menschen dort lange bevor es
Kokain gab – das hat übrigens, wie auch Heroin, ein deutscher Chemiker
erfunden.
Coca-Blätter
sind dort eine Alltagsdroge, wie bei uns Tabak, Kaffee, Tee und Alkohol. Die
schädlichen Wirkungen des Coca-Kauens sind wahrscheinlich nicht annähernd
so stark, wie die des Tabaks und Alkohols.
Präsident
Morales hat eine sehr eindrucksvolle, aber auch moderate Rede gehalten.
Wenn er sagte:
„Ich
bin überzeugt davon, dass es notwendig ist, das einzuführen, was wir
nicht produzieren, und auszuführen, was wir produzieren. Und genau dies wäre
eine Lösung des Wirtschafts- und Beschäftigungsproblems.“
so
sagte er eigentlich nur Selbstverständliches. Eigentlich. Die
Herrschaften in den westlichen Regierungen und der Chefetagen der
multinationalen Konzerne sind da ganz anderer Meinung.
Bisher haben sie
auch jeden Versuch, in Bolivien eine Regierung an die Macht zu bringen,
die für das eigene Volk und nicht für die Imperialisten, Politik macht,
mit Militärputsch blutig beseitigt. Letztlich aber, verschieben sie
damit ihre Niederlage nur, entgehen können sie der nicht.
Günter
Ackermann
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Wortlaut
der Rede des Präsidenten der Republik Bolivien, Evo Morales Ayma, vor den
Vereinten Nationen
(New
York, 19. September 2006)
Vielen
Dank, Frau Vorsitzende. Meine Brüder Präsidenten, meine Schwestern Präsidentinnen,
Damen und Herren Delegierte zur 61. Ordentlichen Vollversammlung der
Vereinten Nationen.
Mit
großer Zufriedenheit bin ich hier als Repräsentant meines Volkes, meines
Vaterlandes Bolivien und insbesondere der indigenen Bewegung (1).
Ich
möchte zu Ihnen sprechen nach 500 Jahren voller Verachtung und Hass, in
denen wir zeitweilig als wilde Bestien und Tiere betrachtet wurden und in
einigen Regionen zur Ausrottung verurteilt waren.
Dank
dieses Bewusstseins und dieser Erhebung und dieses Kampfes für die Rechte
der Völker kam ich dort an, wo wir angekommen sind, um einen historischen
Schaden zu reparieren. Um die Schäden von 500 Jahren zu reparieren. In
Zeiten der Republik auf gleiche Art diskriminiert, an den Rand gedrängt,
ist man sich niemals klar geworden über jenen Kampf der Völker für das
Leben und für die Menschlichkeit. In den letzten 20 Jahren wurde die
Ausplünderung unserer Naturreichtümer und die Privatisierung der
Grundbedürfnisdienstleistungen fortgesetzt durch die Anwendung eines
Wirtschaftsmodells, des Neoliberalismus. Wir sind sehr überzeugt, dass
die Form der Privatisierung der Grundbedürfnis-Dienstleistungen die
wirksamste Form ist, um die Menschenrechte zu verletzen.
Und
diese kleinen Betrachtungen verpflichten. Und sie verpflichten mich, hier
die Wahrheit über die Lebensweise jener Familien zu sagen. Ich drücke
dahingehend das Gespür für die Menschlichkeit der Völker aus, meines
Volkes. Ich drücke dahingehend das Leiden aus, im Ergebnis eines Drängens
an den Rand, eines Ausschlusses. Ich drücke dahingehend vor allem jenes
antikoloniale Gedankengut der Völker aus, die für die Gleichheit und die
Gerechtigkeit kämpfen.
Ich
möchte Ihnen sagen, meine Herren und Damen Delegierte, Frau Vorsitzende,
dass wir in meinem Land begonnen haben, tiefgreifende demokratische und
friedliche Umgestaltungen vorzunehmen. Wir sind in der Etappe des
"Wie" bei der Neugründung Boliviens. Bolivien neu zu gründen,
um die Bolivianer zu vereinen. Bolivien neu zu gründen, um bei uns noch
besser alle Bereiche und Regionen meines Landes zusammenzufügen. Bolivien
neu zu gründen, nicht um uns an irgendjemandem zu rächen, obgleich wir
einer Diskriminierung unterworfen worden sind. Bolivien neu zu gründen,
vor allem um mit dieser Verachtung und dem Hass auf die Völker Schluss zu
machen.
Ich
sage dies, weil meine Mutter mir immer auftrug, dass ich, wenn ich in die
Stadt gehe, nicht das Recht habe, auf den Hauptplätzen der Städte meines
Landes herumzulaufen und nicht das Recht habe, auf den Rolltreppen zu
fahren. Aber glücklicherweise haben wir entschieden, von jenem
gesellschaftlichen, gewerkschaftlichen und kommunalen Kampf zu einem
Wahlkampf überzugehen, damit wir die Handlungsträger sind, um die
sozialen, die Wirtschafts- und Strukturprobleme zu lösen. Und wir setzen
dabei auf die Verfassungsgebende Versammlung als Neugründung. Und ich
will, dass die Vereinten Nationen an diesem Prozess der friedlichen und
demokratischen Umgestaltung teilnehmen. Denn dies ist das Beste, was wir für
all die im Stich gelassenen und an den Rand der Gesellschaft gedrängten
Familien tun können.
Ganz
sicher haben viele Länder dieselben Probleme wie mein Land. Ein Land,
eine Nation mit soviel Reichtum, aber auch einer dermaßen Armut, den in
der Geschichte von den neoliberalen Regierungen geraubten und geplünderten
und verhökerten und an die transnationalen Konzerne ausgelieferten Reichtümern.
Die
Stunde ist bereits gekommen, um jetzt an der Spitze des Kampfes der Völker
die Macht und das Territorium rückzuerlangen und diese Naturreichtümer für
den bolivianischen Staat unter der Kontrolle der Völker rückzuerlangen.
Und wenn wir davon reden, unsere natürlichen Bodenschätze rückzuerlangen,
dann sagen sie uns in einer schmutzigen Hetzkampagne, dass die Regierung
von Evo Morales das Privateigentum nicht respektieren wird. Dazu will ich
Ihnen sagen, dass in meiner Regierung das Privateigentum respektiert wird.
Es
ist richtig, dass wir Investitionen brauchen. Wir brauchen Partner, und
keine Herren, keine Besitzer unserer Naturreichtümer. Wir verstehen
vollends, dass ein unterentwickeltes Land Investitionen braucht. Und ich möchte
Ihnen als eine Erklärung an alle Welt wegen einiger Sorgen und falschen
Beschuldigungen sagen: Wenn der Staat das Recht auf Eigentum eines
Naturreichtums wie Erdgas, Kohlenwasserstoffe, Erdöl ausübt, dann wird
da überhaupt niemand ausgeschlossen. Wir enteignen niemanden.
Dies
wird respektiert werden. Wobei garantiert werden wird, dass sie ihre
Investitionen zurückerhalten und ein Recht auf Profit haben. Aber sie
werden nicht Profit machen wie früher, in einer Größe, dass anschließend
die sozialen Probleme in meinem Land nicht gelöst werden.
Ich
will Ihnen diesbezüglich sagen, dass ich nicht herkomme und Ihnen sage,
sie mögen ein Land so weiter regieren oder bedrohen, oder mit Stellen von
Bedingungen gegenüber einem Land anfangen. Ich will nur, dass Sie als
internationale Organisationen, als Staat mit Solidarität wie auch als
Nationen, gemäss den Prinzipien der Gegenseitigkeit, der Brüderlichkeit,
teilnehmen an diesem Umgestaltungsprozess in Demokratie.
Wir
haben viel Lust, viel Interesse, dass es Bewusstsein dieser Klasse
internationaler Foren, internationaler Versammlungen wie der Vereinten
Nationen gibt, um dazu beizutragen und auf die friedliche Umgestaltung zu
setzen. Sie wissen, besonders hier in Nordamerika wie auch in Europa, dass
es viele bolivianische Leute gibt, die auswandern auf der Suche nach
Arbeit. Früher waren es die Europäer, die in Lateinamerika einwanderten,
besonders in Bolivien. Jetzt scheint sich die Situation geändert zu
haben. Es sind die Lateinamerikaner oder die Bolivianer, die nach Europa
gehen wie früher in die Vereinigten Staaten. Warum? Weil in dieser Zeit,
in diesem Moment, keine Arbeitsplätze hervorgebracht werden.
Ich
möchte Ihnen sagen, dass wir auf einen gerechten Handel setzen wollen,
einen Handel der Völker für die Völker. Einen Handel, der das Problem
der Arbeitsplätze löst. Wie auch der Handel wichtig ist für die
Unternehmen. Aber noch wichtiger ist der Handel als Handel für die
Kleinst- und Kleinproduzenten, für jene Genossenschaften, jene
Vereinigungen, die Kollektivbetriebe. Wie es der Wunsch von uns ist, will
ich, dass anstelle meiner Schwestern und Brüder besser Produkte und nicht
Menschen in Europa ankommen. Und ich glaube, dass es mit einem Bewusstsein
in der internationalen Gemeinschaft zu tun hat, wenn wir das Thema der
Einwanderung lösen wollen.
Ich
habe die Information, dass unsere Schwestern und Brüder nicht dorthin
auswandern, um sich Tausende von Hektar Boden anzueignen, etwa wie die
Einwanderer einst in Lateinamerika Tausende Hektar Boden hamsterten. Sie
kamen, um sich unseren Reichtum anzueignen, unsere Ressourcen.
Ich
glaube, dass es wichtig ist bei diesem Thema des Kommerz, Kommerz, des
sogenannten freien Handels festzustellen: auch in meinem Land zieht dies
die Großproduzenten in Mitleidenschaft und löscht
die Agro-Industriellen aus. Stellen Sie sich mal vor: Das von
Kolumbien mit den Vereinigten Staaten unterzeichnete Abkommen zum Vertrag
über den Freien Handel nimmt den bolivianischen Sojabauern den Markt weg
und ebenso den Agroindustriellen in Kolumbien.
Ich
bin überzeugt davon, dass es notwendig ist, das einzuführen, was wir
nicht produzieren, und auszuführen, was wir produzieren. Und genau dies wäre
eine Lösung des Wirtschafts- und Beschäftigungsproblems.
Ich
will diese Gelegenheit nutzen, Frau Vorsitzende, um auf eine andere
historische Ungerechtigkeit hinzuweisen: das Bestrafen des Coca-Blatts.
Ich will Ihnen sagen: Dies ist ein grünes Coca-Blatt. Es ist nicht weiß,
wie das Kokain. Dieses Coca-Blatt repräsentiert die Kultur der Anden. Ein
Coca-Blatt repräsentiert die Umwelt und die Hoffnung der Völker.
Es
ist nicht möglich, dass das Coca-Blatt legal sein soll für die Coca
Cola, und dasselbe Coca-Blatt illegal sein soll für anderen medizinischen
Bedarf in unserem Land und in der ganzen Welt. Wir wollen Ihnen sagen,
dass es für die Vereinten Nationen wichtig ist zu wissen, dass
wissenschaftlich von den nordamerikanischen Universitäten und von den
europäischen Universitäten bewiesen worden ist, dass das Coca-Blatt der
menschlichen Gesundheit keinen Schaden zufügt.
Ich
bedaure sehr, dass durch den Gebrauch oder den Missbrauch das Coca-Blatt
zu einem ungesetzlichen Problem irrigerweise geworden ist. Wir sind uns
dessen bewusst. Darum sagen wir als Produzenten des Coca-Blattes: Es wird
keinen freien Anbau der Coca geben. Ebenso wenig aber wird es den
Nullpunkt der Coca geben.
Die
bisherigen früher durchgesetzten und an Bedingungen geknüpften
Politikrichtungen sprachen vom Nullpunkt der Coca. Nullpunkt der Coca heißt,
vom Nullpunkt der Quechuas, Aymaras, Mojenos, Chiquitanos (2) in meinem
Land zu sprechen. Dies hörte auf in meiner Regierung, dass wir ein
unterentwickeltes Land sein sollen. Ein Land, in dem wir
Wirtschaftsprobleme haben als Produkt der Ausplünderung unserer Naturschätze.
Und
wir sind jetzt hier, um uns die Würde zurückzugeben. Und wir beginnen,
unserem Land die Würde zurückzugeben. Und innerhalb dieses Rückerlangens
der Würde will ich Ihnen sagen, dass der beste Beitrag gegen den
Drogenhandel eine freiwillige, vereinbarte Verminderung ohne Tote und
Verwundete ist.
Glücklicherweise
habe ich den Bericht der Vereinten Nationen gehört. Er erkennt diese
Anstrengung an als ehrlich, verantwortlich im Kampf gegen den
Drogenhandel. Die Beschlagnahme von Drogen erhöhte sich um 300%, mit höherer
Wirksamkeit.
Nichtsdestotrotz
hörte ich gestern einen Bericht der Regierung der Vereinigten Staaten,
der besagt, dass sie die Anbauten der Coca nicht akzeptieren und uns
Bedingungen aufgeben, um unsere Normen zu ändern.
Ich
will mit viel Respekt gegenüber der Regierung der Vereinigten Staaten
sagen: Wir werden nichts ändern. Wir brauchen weder Erpressungen noch
Bedrohungen. Die sogenannten Zertifizierungen oder Nichtzertifizierungen
des Kampfes gegen den Drogenhandel sind lediglich ein Instrument der
Rekolonisation oder Kolonisation der Andenländer. Dies akzeptieren wir
nicht. Dies lassen wir nicht zu.
Ich
möchte Ihnen sagen, dass wir ein
Bündnis des Kampfes gegen den Drogenhandel haben und brauchen, aber real
und effektiv. Dass der Kampf gegen Drogen kein Instrument, kein Vorwand
sein kann, um sich die Länder der Andenregion zu unterwerfen, so wie Präventivkriege
erfunden wurden, um in einigen Ländern des Mittleren Ostens zu
intervenieren.
Wir
brauchen den ehrlichen Kampf gegen den Drogenhandel. Und dazu berufen die
Vereinten Nationen ein. Ich lade die Regierung der Vereinigten Staaten
ein, ein Abkommen zu machen, ein wirksames Bündnis des Kampfes gegen den
Drogenhandel. Und nicht den Krieg gegen Drogen als Vorwand zu benutzen, um
uns zu beherrschen, oder uns zu demütigen. Oder zu versuchen, Militärbasen
aufzubauen. In unserem Land. Mit ihrem Vorwand des Kampfes gegen den
Drogenhandel.
Ich
nutze auch diese Gelegenheit zu sagen, dass wir in diesem
Umgestaltungsprozess Gerechtigkeit wollen. Dass es Gerechtigkeit geben
soll, ist wichtig für unsere Völker. Doch ich spüre, dass mittels der
Verfassungsgebenden Versammlung entkolonisiert werden wird mit dem Recht
auf Nationalisierung. Dies ist Gerechtigkeit, die wirkliche Gerechtigkeit.
Es
gibt da jene Leute, die sich der Verletzung der Menschenrechte schuldig
gemacht haben, an den von militärischen Interventionen bedrohten Völkern
schuldig gemacht haben. Damit es da jemals Gerechtigkeit geben wird, sind
wir verpflichtet als Präsidenten, als Staatschefs, der Menschheit ihre Würde
zurückzugeben und mit der Nichtstrafbarkeit Schluss zu machen. Und in den
vorhergehenden Regierungen meines Landes gab es Massaker an den Leuten,
die für wirtschaftliche Forderungen und ihre Naturreichtümer kämpften.
Und es findet Unmögliches statt. Völkermörder, Kriminelle und Korrupte
flüchten zum Leben in die Vereinigten Staaten. In ein Land, welches so
entwickelt ist wie die Vereinigten Staaten. Ich bitte mit großem Respekt,
diese Völkermörder, Kriminellen, Korrupten auszuweisen, die hierher
kommen für ihr Leben hier. Und wenn sie mit all dem nichts zu tun haben,
warum verteidigen sie sich dann nicht vor der bolivianischen Justiz?
Ich
habe die Verpflichtung als Präsident hier vorzubringen, dass diese
Autoritäten von der bolivianischen Justiz gerichtet werden. Und ich
glaube, dass kein Land, kein Staatschef die Verbrecher, die Völkermörder
schützen kann.
Hoffentlich
mit der Unterstützung des nordamerikanischen Volkes, hoffentlich mittels
der internationalen Organisationen werden die Leute gerichtet, die soviel
wirtschaftlichen Schaden angerichtet haben, an den Menschenrechten. Sonst
gibt es nie Achtung vor den Menschenrechten.
Ich
habe einen Auftrag vom ständigen Forum der indigenen Völker bezüglich
der Debatten über die Rechte der indigenen Völker vorzubringen. Die
Debatten über die Rechte der indigenen Völker wurden früher im
Unterausschuss der Rechte der indigenen Völker bei den Vereinten Nationen
in Genf und in der Organisation der Amerikanischen Staaten geführt. Aber
ich habe die Information, dass diese Debatte angekommen ist bei der höchsten
Instanz, den Vereinten Nationen.
Ich
möchte Sie im Namen der indigenen Völker der Welt und insbesondere von
Abyalala, jetzt Amerika genannt, bitten, dass dringend die Erklärung über
die Rechte der indigenen Völker der Welt angenommen wird. Des Rechtes auf
Selbstbestimmung, des Rechtes auf Leben in Gemeinschaft, in Kollektivität,
des Rechtes auf Leben in Solidarität, in Gegenseitigkeit, und grundlegend
des Rechtes auf Leben in Brüderlichkeit.
Es
gibt Regionen aus Gemeinschaften ohne Privateigentum, mit
Kollektiveigentum. Wir indigenen Völker wollen nur gut leben, nichts
weiter. Besser leben zu wollen ist ausbeuten, ist plündern, ist rauben.
Aber gut zu leben, das heißt in Brüderlichkeit leben.
Und
darum ist es ganz wichtig, Frau Vorsitzende, dass in den Vereinten
Nationen dringend nach dem Jahrzehnt der indigenen Völker diese Erklärung
der Rechte der indigenen Völker angenommen wird. Des Rechts auf die
Naturreichtümer, des Rechts auf die Sorge für die Umwelt.
Abschließend,
Frau Vorsitzende, wir indigenen Völker, besonders wir Armen, sind von der
Kultur des Lebens, und nicht von der Kultur des Krieges. Und dieses
Jahrtausend soll wirklich für die Verteidigung des Lebens sein und dafür,
die Menschheit zu retten. Und wenn wir die Menschheit retten wollen, haben
wir die Verpflichtung, den Planeten Erde zu retten. Wir indigenen Völker
leben im Einklang mit der Mutter Erde, nicht nur in Gegenseitigkeit.
Sondern wir leben auch in Solidarität mit dem menschlichen Sein.
Wir
spüren sehr, dass die Politikrichtungen, die hegemonialen Wettstreits,
den Planeten Erde zerstören. Ich spüre, dass alle Länder,
gesellschaftlichen Kräfte, internationalen Organisationen beginnen
sollen, wirklich darüber zu debattieren, um den Planeten Erde zu retten,
um die Menschheit zu retten.
Dieses
neue Jahrtausend, - das Jahrtausend, in dem wir uns befinden -, soll ein
Jahrtausend des Lebens und nicht des Krieges sein. Ein Jahrtausend des
Volkes und nicht des Imperiums. Ein Jahrtausend der Gerechtigkeit und der
Gleichheit. Und jegliche Wirtschaftspolitik sollte darauf gerichtet sein,
wie diese sogenannten asymmetrischen Differenzen eines Landes mit einem
anderen Land, diese gesellschaftlichen Ungleichheiten, beendet oder
zumindest verkleinert werden können.
Hierbei
geht es nicht darum, Politikrichtungen durchzusetzen, die wirtschaftliche
Demütigungen oder ökonomische Ausplünderung ermöglichen. Und wenn sie
nicht mit Normen ausplündern können, dann benutzen sie eben Truppen. Ich
möchte mit viel Respekt bitten. Es ist wichtig, die Truppen aus Irak
abzuziehen, wenn wir die Menschenrechte respektieren wollen. Es ist
wichtig, Wirtschaftspolitikrichtungen zurückzuziehen, die erlauben, das
Kapital in wenigen Händen zu konzentrieren.
Und
darum spüre ich, Frau Vorsitzende, dass diese Ereignisse historisch sein
sollen, um die Welt zu ändern und Wirtschaftsmodelle und
interventionistische Politikrichtungen zu ändern. Und vor allem wollen
wir Zeiten anbrechen lassen, die es möglich machen, die Menschheit zu
verteidigen und zu retten.
Vielen
Dank
(Übersetzer:
Univ.-Dipl. Lateinamerikawissenschaftler/Historiker und K-Online gern
unterstützender Genosse Jens-Torsten Bohlke)
Anmerkungen
des Übersetzers:
(1)
"indigenas", so bezeichnen die Ureinwohner Lateinamerikas sich
selbst und alle Ureinwohner weltweit, z.B. Aborigines, Buschmänner,
Eskimovölker, usw.
(2)
Aufzählung großer indianischer Sprachfamilien aus den Andenregionen
Boliviens
Quelle
des Ausgangstextes: siehe
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