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Che,
Cuba und die Lage der Jugend in der BRD heute
Redemanuskript
gehalten bei der Veranstaltung »Internationaler Jugendtreff: Für
eine neue Welt und eine neue Kultur / BIR-KAR-Jugend«; Jugendzentrum
Essen, 07.10.2006 (es
gilt das gesprochene Wort)
von
Heinz-W. Hammer (Essen)
Als
Einladungsplakat für Eure heutige Veranstaltung »Für eine neue Welt
und eine neue Kultur« habt Ihr das weltbekannte Bild des
argentinisch-cubanischen Arztes, Revolutionärs und Guerrilleros Ernesto
»Che« Guevara ausgewählt. Dieses Photo wurde von dem cubanischen
Photographen Alberto Diaz Gutierrez
aufgenommen, und zwar am 5. März 1960 bei einer von über 100.000
Menschen besuchten Massenkundgebung in Havanna .
Anlass war die am Vortag von der CIA organisierte Bombenexplosion des
belgischen Frachters »Coubre«, bei der 137 Menschen ermordet und
weitere Hunderte verletzt worden waren. Dieses Attentat war eines der
ersten US-organisierten Terrorakte, mit denen die cubanische Revolution
seit ihrem Sieg am 1. Januar 1959 liquidiert werden sollte und die bis
heute andauern. In einem spektakulären Prozeß vor dem Povinzgericht in
Havanna wurde im November 1999 die US-Regierung wegen all dieser
Terrorakte angeklagt. Bewiesen und namentlich belegt wurde, dass die USA für
den Tod von 3.478 cubanische Menschen verantwortlich waren. Hinzu kamen
2.099 durch Terroranschläge dauerhaft behinderte Menschen. Das Gericht
verurteilte die USA am 09.11.1999 zur Zahlung von 181 Milliarden
US-Dollar. Nicht eingerechnet darin waren die mehr als 82 Milliarden
US-Dollar Schaden, die dem cubanischen Staat seit Beginn der umfassenden
Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade vor nunmehr 45 Jahren entstanden
sind.
Che
Guevara war, ist und bleibt eine Symbolfigur im weltweiten Kampf gegen
solchen imperialistischen Terrorismus. Aber der am 28. Juni 1928 im
argentinischen Rosario geborene Che, der am 9. Oktober 1967, also vor fast
genau 39 Jahren, im bolivianischen La Higueras auf Anweisung der CIA
ermordet wurde, dieser Che war natürlich mehr als eine Kopiervorlage für
T-Shirts, sondern ein lebendiger Mensch und Kämpfer: Vom jungen
Studenten, der auf seinen Motorradreisen durch Lateinamerika mit dem Elend
der Arbeiter und Bauern konfrontiert wurde, über die Jahre als Comandante
der cubanischen Rebellenarmee an der Seite Fidel Castros, als Chef der
cubanischen Nationalbank und Industrieminister, schließlich sein
Engagement zur Entwicklung der Trikont-Solidaritätsbewegung bis zu seinem
Guerrillakampf im Kongo und Bolivien – ihn zeichnete nicht nur ein unbezähmbarer
Kampfeswille, sondern auch seine Authentizität, die Deckungsgleichheit
von Wort und Tat aus. Er selbst drückte diese Haltung einmal bei einem
Vortrag vor Studenten der Technischen Fakultät in Havanna so aus: »Nicht
derjenige ist der bessere Revolutionär, der gegen alles ankämpft, was
sich ihm in diesem Augenblick entgegenstellt, gegenüber dem, der
argumentiert und versucht, einem Compañero Studenten oder Arbeiter oder
Bauer von der Rechtmäßigkeit und Gerechtigkeit zu überzeugen. Im
Gegenteil, ein viel besserer Revolutionär ist derjenige, der
letzteres [also die Überzeugungsarbeit; hwh] vermag, der es darüber
hinaus mit seinem eigenen Beispiel belegt, denn es gibt nichts überzeugenderes
als das eigene Beispiel, um eine Idee auszudrücken oder zu
verteidigen.«
Che
Guevara hatte großes Vertrauen in die schöpferische Kraft der Jugend,
stellte an sie aber auch ebenso große Anforderungen. So meinte er in
seiner Rede zum 2. Jahrestag der Gründung des UJC (Union de Jovenos
Comunistas – Union der Jungkommunisten) 1962 u.a.: »Was ist und was
soll die UJC sein? Die UJC muss sich durch ein einziges Wort
charakterisieren lassen, das lautet: Vorhut. Ihr, Compañeros, Ihr müsst
die Vorhut in allen Bewegungen sein; die ersten, die zu einem Opfer bereit
sind, das die Revolution von Euch fordert, egal um welche Opfer es sich
handelt – die ersten bei der Arbeit, die ersten beim Lernen, die ersten
bei der Verteidigung des Landes (...) Hinzu kommt eine ausgeprägte
Opferbereitschaft, und zwar nicht nur in den heroischen Augenblicken,
sondern zu jedem Zeitpunkt: Aufopferung, um dem Compañero bei den kleinen
Aufgaben zu helfen, damit die Arbeit geleistet wird, damit er seine
Aufgaben in der Schule und beim Studium erfüllt, damit er sich weiter
verbessern kann in irgendeinem Gebiet, immer sensibel gegenüber den
Mitmenschen sein, das heißt: Wir fordern, dass jeder „Junge
Kommunist“ menschlich ist, und zwar so menschlich, dass er sich dem
besten im Menschen nähert und dass er dahin gelangt durch die Arbeit und
das Studium sowie durch die ständige Solidarität mit dem Volk und mit
allen Völkern der Welt. Seine Sensibilität muss so geschärft werden,
dass er Beklemmung fühlt, wenn ein Mensch in irgend einem anderen Teil
der Welt ermordet wird, und dass er begeistert ist, wenn in irgend einem
Teil der Welt die Fahne der Freiheit aufgepflanzt wird.«
Was
für ein zutiefst humanistisches und von prinzipiellem Internationalismus
erfülltes Grundverständnis einer menschlichen Gesellschaft! Und zugleich
wie meilenweit entfernt von der Realität des Jahres 2006 in den
kapitalistischen Ländern, nicht zuletzt in der Bundesrepublik
Deutschland:
Kinderarmut
Der
Kinderschutzbund verwies zum Weltkindertag am 20. Juni 2006 darauf, dass
in der BRD mehr als 2,5 Millionen Heranwachsende auf Sozialhilfeniveau
leben. Von den rund 15 Millionen Kindern ist jedes sechste von Armut
betroffen. Besonders besorgniserregend sei die Lage im Osten. Der Paritätische
Wohlfahrtverband hatte bereits im August 2005 ausgerechnet, dass dort in
vielen Städten fast jedes dritte Kind von Arbeitslosengeld oder
Sozialhilfe leben muss. In einigen Städten liege die Quote sogar deutlich
über 22 Prozent.
In unserer Stadt sind das rund 19.000 Kinder, das heißt jedes sechste
Kind in der »Einkaufsstadt Essen« lebt in Armut.
Die Zahl der armen Kinder hat sich bundesweit seit 2004 bzw. seit Einführung
von Hartz IV mehr als verdoppelt. Der Kinderregelsatz für Hartz IV-Opfer
liegt gerade mal bei € 207,- im Monat.
Das Kinderhilfswerk UNICEF
weist darauf hin, dass die Folgen der Benachteiligung von Kindern bereits
sichtbar sind: Mangelhafte Ernährung, die sich unmittelbar auf die
Gesundheit der Heranwachsenden auswirkt, Herausbildung von immer mehr
abgeschlossenen Vierteln, in denen es »keine guten Schulen,
Ausbildungsmöglichkeiten und ausreichend soziale Unterstützung« gäbe.
Ihre Eltern können sich keinen Nachhilfeunterricht leisten, es fehlt das
Geld für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, für
Klassenfahrten, Zoo-, Theater- und Schwimmbadbesuche.
Die von der BRD unterzeichnete
UNO-Kinderrechtskonvention definiert elementare Grundrechte, darunter eine
freie Entwicklung ohne Diskriminierungen sowie das Recht auf Bildung und
Ausbildung, was erst recht für Jugendliche mit Migrationshintergrund
gilt. In der BRD-Realität spielt sich tagtäglich das Gegenteil ab.
Analphabetismus
auf dem Vormarsch
Anfang
September 2006 musste die CDU-Bundesbildungsministerin zugeben, dass ca. 4
Mio. Menschen in der BRD nicht richtig lesen und schreiben können. Rund
900.000 Menschen verlassen jährlich ohne Abschluss die Schule. Für vier
Mio. sog. »funktionelle Analphabeten« bedeutet das noch mal schlechtere
Chancen auf einen Arbeitsplatz, Ausschluss von großen Teilen des
gesellschaftlichen Lebens, Minderwertigkeitskomplexe, Einsamkeit,
Isolierung. Frau Schavan verkündete nun lauthals als Ziel, die Zahl der
betroffenen in den nächsten fünf Jahren zu halbieren, während
zugleich die Mittel für Kurse an den Volkshochschulen im Verlaufe von
zwei Jahren um 40 Prozent zurückgefahren und die Kursgebühren gerade
jetzt wieder deutlich angehoben wurden – was für eine Bankrotterklärung
für dieses Land.
Vielleicht sollte die Bundesregierung mal daran denken, Entwicklungshelfer
für Alphabetisierung aus Cuba anzufordern!
Ohne
Bücher in die Schule
Wie
zum Hohn auf die genannten Beispiele wurde jetzt auch noch die
Schulmittelfreiheit für arme Familien abgeschafft. Der Branchenverband
der Schulbuchverlage beklagt im September 2006, dass der Schulbuchkauf
immer mehr zur Privatsache werde: Seien noch vor einigen Jahren die
Lernmittel in vielen Bundesländern kostenlos verliehen worden, müssten
Eltern zum Schulstart 2006 in 11 von 16 Bundesländern den Schulbuchkauf
ganz oder mit einem Eigenanteil finanzieren.
Das heißt in der Praxis, dass zu Beginn des neuen Schuljahres erstmals
Kinder von Hartz IV-Opfern ohne Schulbücher in der Klasse saßen, weil
dieser Eigenanteil mit dem Hartz IV-Regelsatz einfach nicht aufgebracht
werden kann. Hier werden Menschenschicksale bewusst zerstört. In Essen
sind rund 9.000 Schulpflichtige betroffen, davon etwa 1.500 im Essener
Westen. Der CDU-/Grüne geführte Stadtrat in Essen wurde durch zahlreiche
Proteste gezwungen, dieses Thema zumindest anzusprechen. Das Ergebnis
teilt der nicht gerade für revolutionäre Umtriebe bekannte »Westanzeiger«
am letzten Mittwoch unter der treffenden Schlagzeile »Kein Geld für
Bildung« auf Seite 1 mit: »Die Ratsmehrheit von CDU, Grünen,
FDP/AE, Bürgerbündnis und Republikanern lehnte in namentlicher
Abstimmung ab, Gelder für die Finanzierung von Schulbüchern für
Arbeitslosengeld II-Familien zu übernehmen. 60.000 Euro wären etwa
notwendig, damit für alle Essener Kinder Chancengleichheit gesichert wäre«
und fasst korrekt zusammen: »Eine Stadt im Bildungsnotstand«.
Eine
gewisse Konsequenz kann man den genannten Parteienvertretern nicht
absprechen, sind es doch die Abgeordneten genau jener Parteien, die sämtliche
Verarmungsgesetze (Hartz IV usw.) ja alle gemeinsam beschlossen haben und
weiter beschließen! Es sind eben diese Politiker, die dafür
verantwortlich sind, dass, wie der Philologenverband am 24.09.06 alarmiert
meldete, derzeit rund 16.000 Lehrerstellen fehlen und damit jede Woche
geschätzte eine Million Unterrichtsstunden ersatzlos ausfallen!
Aber wir wollen auch nicht ungerecht sein: Schließlich wird das Geld
dringend an anderer Stelle gebraucht, vor allem, um deutsches Militär
grundgesetzwidrig wieder in imperialistische Kriege rund um den Globus zu
schicken. Das kostet… So wird zwar die Qualität der Schulausbildung
immer weiter gedrückt. Dafür wird aber aktuell an der Totalüberwachung
der Schülerschaft gearbeitet. Die NRZ berichtete Anfang Oktober
von einem schier unglaublichen Vorgang, wonach die Kultusministerkonferenz
an der Erstellung eines »Steckbriefes« aller Schülerinnen und Schüler
arbeite. Erfasst werden sollen alle erreichbaren Daten. »Wer bleibt
wie oft sitzen und wer schafft dennoch das Abitur, wer belegt welche
Leistungskurse? Soziale Stellung der Eltern, nationale Herkunft,
Umgangssprache in der Familie, Wechsel des Wohnorts, der Schule – oder
gar ein Umzug über Landesgrenzen?« Datenschützer protestieren
bereits heftig gegen die langfristige Total-Erfassung der individuellen
Bildungsverläufe von zwölf Millionen Schülern, die in der Geschichte
der Bundesrepublik ihresgleichen suchen würde.
Nun ja, wenn der Jugend schon die Bildung geklaut wird, sollen sie
wenigstens komplett ausspioniert werden…
In
der »Kulturhauptstadt« Essen wurde jetzt übrigens der sog. »Masterplan
Sport« der Stadtverwaltung bekannt, der massive Einschnitte im
Sportbereich vorsieht. U. a. ist die Schließung von zwei Bädern, zwei
Sporthallen und acht Sportanlagen geplant.
Es sei daran erinnert, dass diese Politik von gerade den Typen exekutiert
wird, die uns fast jeden Abend in der Tagesschau anlügen, dass ihr
brutaler Sozialabbau ja nur »im Sinne unserer Kinder und Kindeskinder«
sei.
Schulen
für den Kapitalismus?
Zugleich
ist die Realität gerade in den »armen« Stadtteilen so, dass die
Bausubstanz von immer mehr Schulgebäuden verkommt, die Ausstattung gegen
null gefahren wird und als angebliche »Lösung« mit dem Zauberwort »PPP«,
also »Public-Private-Partnership«, Investitionen von
Privatinvestoren angepriesen wird, letztlich also die Privatisierung des
Bildungswesens.
Solche Investoren sind jedoch keine Samariter, sondern dem Profitstreben
unterworfen. Im Klartext: Schulen sollen zukünftig ebenfalls dem
Profitstreben unterworfen werden und wenn dann mal der Investor Pleite
geht, werden auch die Schulen dicht gemacht. Was für Zukunftsaussichten.
Von
der Schule in die Arbeitslosigkeit
Die
offiziell zugegebene Arbeitslosenquote in Essen liegt seit Jahren bei rund
15 Prozent. Im September waren das gut 41.900 Menschen zuzüglich 2.100
Teilnehmer in sog. Trainingsmaßnahmen und beruflicher Weiterbildung.
4.384 Jugendliche unter 25 waren in diesem Monat (offiziell) erwerbslos.
Hinzu kommen laut städtischen Zahlen vom Juni rund 3.500 junge Menschen,
die als Teilnehmer von Trainings, Gemeinwohlarbeit, Kursen und anderen Maßnahmen
als arbeitssuchend gelten. Macht allein in unserer Stadt unterm Strich
rund 8.000 junge Essener ohne Arbeit!
Da haben die Essener Schulabgänger doch schon mal was, worauf sie sich
freuen können. Denn zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August veröffentlichte
das Statistische Bundesamt die neuesten Zahlen zur
Jugenderwerbslosenquote, die bundesweit bei 15 %
liegt.
Nach den am 01.09.06 von der Bundesagentur für Arbeitslose veröffentlichten
Zahlen sind auch im neuen Ausbildungsjahr bundesweit noch 215.000 junge
Menschen ohne Lehrstelle. Nach den offiziellen Zahlen aus Nürnberg kommen
in diesem Ausbildungsjahr auf rund 703.000 Ausbildungsinteressenten nur
402.000 betriebliche Ausbildungsplätze. Gewerkschaftliche Gremien und
Erwerbslosengruppen halten selbst diese dramatischen Zahlen noch für
geschönt. In unserem Bundesland meldete sich Mitte September der
DGB-Vorsitzende von NRW, Guntram
Schneider, mit einem »Notruf« an die Öffentlichkeit: In diesem Jahr würden
in unserem Flächenland 57.000 von 150.000 Jugendlichen keine Lehrstellen
erhalten. Nähme man die Schulentlassungsjahrgänge ab 2002 hinzu, konnten
über 100.000 Jugendliche keine Ausbildung beginnen. Fast 60.000 junge
Erwachsene unter 25 gehörten zu den ungelernten arbeitslosen Jugendlichen
und ähnlich groß sei die Anzahl der 25 – 30-jährigen Erwerbslosen
ohne Berufsausbildung.
Die
Herrschenden nennen das ganze »angespannte Lage auf dem
Ausbildungsmarkt«, als ginge es um das Kaufen und Verkaufen von Obst
auf dem Wochenmarkt und nicht um das ureigene Recht der Jugend auf
Zukunft!
Viele
Betriebe nutzen diese Katastrophe zur Senkung der Ausbildungsstandards und
zu verschärfter Ausbeutung: Regelungen des Jugendarbeitsschutzes wie
bspw. das Wochenend- und Nachtarbeitsverbot werden von interessierten
Politikern und Kapitalisten als »Ausbildungshemmnisse« bezeichnet
und sollen nach deren Willen möglichst abgeschafft werden. Im
Bundesarbeitsministerium soll derzeit bereits eine entsprechende
Gesetzesvorlage erarbeitet werden. Arbeitsschutzkontrollen in
Ausbildungsbetrieben sollen gelockert, unbezahlte Überstunden während
der Ausbildungszeit die Regel werden, während zugleich der Einfluss der
Betriebsräte und Jugendvertretungen zurück gedrängt werden soll.
Auf ins 19. Jahrhundert! Auch hier soll ganz bewusst der Jugend die
Zukunft geklaut werden.
Es
sei daran erinnert: All diese menschenfeindliche Politik findet statt im,
wie es der Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwege richtig
formuliert, »ökonomisch und politisch zweitmächtigsten Land der Welt«
und führt aus: »In Wirklichkeit ist die Bundesrepublik so reich wie
nie zuvor. Nur ist der gesellschaftlich erwirtschaftete Reichtum extrem
ungleich verteilt. Die einen werden immer reicher, die anderen immer ärmer
und die Armen immer zahlreicher. Um es plastisch zu sagen: Während die
Gebrüder Albrecht, Eigentümer der Aldi-Ketten Nord und Süd, laut dem
US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ ein Privatvermögen von über 30,6
Milliarden Euro besitzen, gibt es 2,5 Millionen Kinder, die auf
Sozialhilfeniveau leben. Tiefer könnte die Kluft innerhalb einer
Gesellschaft kaum sein, und die Konzentration des Reichtums nimmt weiter
zu, während sich das Elend in unserer Gesellschaft ausbreitet.«
Um
mir hier nicht den Vorwurf »Einseitigkeit«
einzuhandeln, möchte ich in aller Deutlichkeit auch darauf hinwesen, dass
sich natürlich die gramgebeugten Bundestagsabgeordneten unermüdlich um
all diese Probleme kümmern. Am 28. September sollten z.B. auf Antrag der
CDU/CSU und SPD zum einen Veränderungen der Regelsätze der Sozialhilfe,
die sich auf ca. 7,5 Millionen Menschen auswirken, und zum anderen Vorschläge
für Maßnahmen zur Bekämpfung der oben skizzierten Kinderarmut
diskutiert werden. Die Bundesregierung hat diese Debatte angesetzt für
den Zeitraum zwischen 3:10 und 4:20 Uhr nachts…
Cuba
– Die Alternative
Im
sozialistischen Cuba, obwohl ein ungleich ärmeres Land der Dritten Welt,
wird ein diametral entgegen gesetzter Entwicklungsweg beschritten:
Nach
dem Sieg der Revolution am 1. Januar 1959 bestand die erste Großtat in
der flächendeckenden Alphabetisierung des Landes.
1959
gab es in ganz Cuba 30.000 – 40.000 (reiche!) Menschen mit Universitätsabschluss,
heute sind es 700.000.
Während
in der BRD gerade Studiengebühren eingeführt werden, um die Masse der
Arbeiterkinder von den Unis fern zu halten, ist in Cuba der Zugang zur
Bildung auf allen Ebenen für alle kostenlos.
Vor
50 Jahren gab es in Cuba gerade mal 3.000 Ärzte, heute sind es 70.000;
und einige zehntausend aus anderen Ländern der 3. Welt studieren an den
cubanischen Universitäten, 28.600 Mitarbeiter des cubanischen
Gesundheitswesens sind in den Staaten der 3. Welt in humanitärer Mission
tätig.
In
der BRD werden Krankenhäuser privatisiert und das gesamte
Gesundheitswesen der kapitalistischen Ökonomie unterworfen, in Cuba
dagegen ist jegliche medizinische Behandlung, von der Erkältung bis zur
Herzoperation, kostenlos, und zwar für alle.
Diese
Aufzählung ließe sich locker noch stundenlang fortsetzen, aber ich
glaube, dass ich damit »etwas« mein Zeitlimit überschreiten würde.
Also stelle ich mal die Frage, woher denn dieser gravierende Unterschied
(zwischen der reichen, kapitalistischen BRD und dem amen, sozialistischen
Cuba) wohl kommt. Der bekannte kommunistische Philosoph Hans Heinz Holz
brachte die Antwort in einer Würdigung Fidel Castros zu dessen 80.
Geburtstag im August auf folgenden Nenner: » (…) Um das politisch
garantierte Recht auf Ausbildung zu erfüllen, werden Lehrer [in Cuba,
hwh] in entlegene Gebiete abgeordnet, wo sie an 167 Orten jeweils
weniger als fünf Kinder unterrichten. Nach kapitalistischer Kalkulation wäre
das eine Verschwendung öffentlicher Mittel. Für den cubanischen
Sozialismus bedeutet es die Einlösung eines Menschenrechts für
Individuen. Verschwendung materieller Ressourcen muss man eindämmen –
gerade unter den Bedingungen des durch die Blockade hervorgerufenen
Mangels. Aber Ausgaben für die Menschen sind nicht Verschwendung, sondern
der Zweck der Gesellschaft.«
Aus
cubanischer Sicht wird der selbe Umstand folgendermaßen beschrieben:
»Wir glauben fest daran, dass kostenlose und universelle
Gesundheitsvorsorge und Ausbildung, anständige Arbeit und Unterkunft
unveräußerliche Rechte sind, die jedem zustehen, einschließlich denen,
die solcher Rechte in den Vereinigten Staaten beraubt sind.«.
Nachrichten
aus einer anderen Galaxie? Beinahe: Diese Grundsatzerklärung stammt vom
Präsidenten der cubanischen Nationalversammlung, Ricardo Alarcón, vom
20. Mai 2006 bei der Kundgebung »Hände weg von Venezuela und Cuba«
in Havanna.
Weil
Cuba täglich beweist, dass eine menschenwürdige, sozialistische
Gesellschaft machbar ist, zieht es den Hass des Imperialismus und all
seiner Medien auf sich. Aus denselben Gründen halten wir von der
Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. es für notwendig, dass wir das so
lebendige Erbe des Che Guevara, die cubanische Alternative, mit Zähnen
und Klauen gegen alle Angriffe des Imperialismus verteidigen.
Von
Cuba lernen, heißt aber auch, die eigene Gesellschaft zu verändern, den
Kapitalismus im eigenen Land zu bekämpfen und eine menschenwürdige,
gerechte und humanistische Zukunft anzustreben. In der 2. Deklaration von
Havanna vom 4. Februar 1962 heißt es: »Die Pflicht eines jeden
Revolutionärs ist es, die Revolution zu machen.«
Ehren
wir Che am Vorabend des Jahrestages seiner Ermordung in diesem wahrhaft
internationalistischen Sinne.
Viva
Che!
Viva
Fidel!
Viva
Cuba – Es lebe der proletarische Internationalismus!
Vielen
Dank für Eure Aufmerksamkeit.
hwh
,
Sept./Okt. 2006
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