Der Mord an General Renè Schneider
50 000 Dollar für den Mord
Telex von Santiago nach Washington, abgegeben am 22. Oktober 1970: General
Schneider mit Mpi niedergeschossen. Attentäter benutzten „grease guns“
(amerikanische Maschinenpistole M-3). Haben Befehl gegeben, die 50 000 Dollar zu
übergeben, wenn General Valenzuela dies wünscht.
Was war geschehen? Chile hatte gewählt und sich für die Unidad Popular mit
Präsident Salvador Allende an der Spitze entschieden. Eine Präsidentschaft
Allendes? Wieder geisterte das Gespenst des zweiten Kuba durch die Stuben des
amerikanischen Geheimdienstes CIA. Allende darf nicht Präsident werden. Es gab
nur einen Weg: Die chilenische Armee muss dies verhindern. Doch das Heer des
Andenlandes war bekannt für seine traditionelle Treue zur Verfassung. An erster
Stelle der zum Grundgesetz stehenden Offiziere wurde der Stabschef des Heeres,
General Renè Schneider, genannt. Eines war sicher, er würde sich allen
Putschabsichten widersetzten. Deshalb ließ der USA-Botschafter in Chile, Ed
Korry, am 12. September 1970 an seine vorgesetzte Dienststelle melden: „Keine
Chance für einen Putsch, solange jedenfalls, wie General Schneider Chef des
Heeresstabes ist.“ Der General müsse „ausgeschaltet werden, wenn nötig
durch Beseitigung“: Unverzüglich setzten in der CIA-Zentrale die
Vorbereitungen ein. Der Militärattaché der amerikanischen Botschaft in
Santiago und CIA-Mann erhielt den Auftrag, putschwillige Offiziere ausfindig zu
machen. Schon wenig später konnte er zwei Namen zur Zentrale melden: General
Viaux, der wegen einer versuchten Meuterei aus der Armee entlassen wurde, sowie
General Valenzuela, Stadtkommandant von Santiago. Sie waren bereit gegen Allende
zu putschen.
|

|

|
|
General Schneider musste sterben, weil er den Putschplänen
der CIA im Wege stand
|
|

|

|
Zwei Bedienungen stellten die Generale jedoch: Erstens – Heeresstabschef
Schneider müßte vorher ausgeschaltet werden, zweitens – die Aktion müßte
sich auch finanziell lohnen. 50 000 Dollar stellte die CIA aus ihrem Putschfonds
dafür bereit. Die beiden Generale waren einverstanden. Die Zeit drängte. Am 3.
November 1970 sollte Allende in sein Amt eingeführt werden. Am 7. Oktober fand
ein Treffen zwischen dem amerikanischen Militärattaché und den
Putschoffizieren in der Militärakademie von Santiago statt. Die gekauften
Offiziere verlangten für das Attentat drei Mpi, deren Identität später nicht
mehr feststellbar sein sollte. Elf Tage später saßen die Putschisten erneut
mit Amerikanern zusammen. Es waren zwei CIA-Leute und ein Vertreter der
USA-Botschaft. Noch einmal wurden alle Einzelheiten bis ins kleinste Detail
durchgesprochen. Am 22. Oktober, also vier Tage später, sollte General Renè
Schneider von der Bildfläche verschwinden und somit das Signal für den Putsch
gegeben werden. Am 19. Oktober reisten per Diplomatengepäck drei
Maschinenpistolen von Washington nach Santiago. Den Putschgeneralen ging es
dennoch viel zu langsam. Am 19. und noch einmal am 20. Oktober versuchten sie,
Renè Schneider zu entführen. Beide Aktionen schlugen fehl. In den frühen
Morgenstunden des 22. Oktober 1970 übergab der amerikanische Militärattaché
die drei von der CIA präparierten Mpi an die Attentäter. Als General Schneider
gegen 8.00 Uhr seine Wohnung verließ, um zu seiner Dienststelle zu fahren,
wurde er von einer Gruppe bewaffneter Männer überfallen und niedergeschossen.
General Schneider lebte noch und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Doch ohne
das Bewußtsein wiederzuerlangen, erlag er drei Tage später seinen
Verletzungen.
Doch das erhoffte Signal zu einem allgemeinen Putsch wurde diese Bluttat
nicht. Noch demonstrierte die chilenische Armee Einheit und Verfassungstreue.
Die CIA und das amerikanische Außenministerium entschieden nach ausführlicher
Lageschilderung ihrer Männer in Santiago: Der Putsch wird verschoben.
„Junge Welt“
Sonnabend /
Sonntag, den 27. / 28. August 1977
http://www.trabakan.de/usa/verbrech/cia05.htm
|