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CIA,
Pentagon, State Department und der Putsch in Chile
Nordamerikanische
Monopole, State Department, Pentagon und CIA haben sich wegen der hohen
Zustimmung zur Regierung Allende in der chilenischen Bevölkerung und
der kontinentalen Ausstrahlung wesentlich an der Vorbereitung und Durchführung
des Putsches gegen die Regierung der Unidad Popular beteiligt. Darüber
liegen inzwischen zahlreiche Veröffentlichungen und Dokumentationen
vor. Bereits am 6. April 1972 war in der Washington Post zu lesen, dass
von der US-Regierung Agenten der CIA und des State Departments nach
Chile entsandt worden waren. Die »Agentur für internationale
Entwicklung« (AID) der USA versorgte die CIA mit den notwendigen
Mitteln für den Kampf gegen die Unidad Popular und für die
Finanzierung der verschiedenen oppositionellen Gruppierungen in Chile.
Vom
5. Stockwerk des Gebäudes des US-Botschaft in der Calle Augustinas 1343
in der Hauptstadt Santiago organisierte die Zweigstelle der United
States Information Agency (USIA) unter direkter Leitung von James J.
Halsema, Botschaftssekretär und Direktor für Kultur und Presse, einen
gezielten ideologischen Kampf gegen die Unidad Popular Regierung unter
allen Bevölkerungsschichten in Chile. Zu diesem Zweck unterhielten die
USIA-Mitarbeiter engen Kontakt zu chilenischen Rundfunk- und
Presseeinrichtungen sowie zu einzelnen Journalisten, mit denen sie
bereits unter der konservativen Frei-Regierung zusammengearbeitet
hatten. Solche Personen wurden bevorzugt zu Kursen und
Informationsreisen in die USA eingeladen. Bei der Vorbereitung des
Umsturzes gingen die CIA und das State Department mit wissenschaftlicher
Gründlichkeit zu Werke. Weitgehend stützten sie sich auf soziologische
Studien (lies Spionageergebnisse), die in Chile wie in anderen
lateinamerikanischen Ländern im Auftrag des Pentagon vom »Special
Operations Research Office« (SORO) der Universität Washington durchgeführt
worden waren.
Studie
über das chilenische Militär
Bereits
Anfang 1966 (!) veröffentlichte der Nordamerikaner Ray Allen Hansen mit
Unterstützung der Ford-Stiftung Studien über die Situation in der
chilenischen Armee. Nach dieser Studie waren die chilenischen Streitkräfte
»eine Organisation in Dekadenz, was ihre Befehlsstäbe in einen
Konflikt (mit den inneren Verhältnissen, d. Autor) führen, und sie
veranlassen wird, sich politisch zu engagieren.« Der Verfall trage zu
steigendem Misstrauen der Armee gegenüber den politischen
Organisationen und Institutionen des Systems bei und zu den Überzeugung,
die Führung der Nation sei bei den Militärs in besseren Händen.
Hansen
stellte eine ganze Reihe von Ermittlungen an, die für die Aktionen der
CIA unmittelbare Bedeutung hatten, so z.B. über die Frage, ob das Militär
für das Land als Hüter der Verfassung auch notwendig sei, wenn kein
Kriegszustand herrsche. Von einer repräsentativen Anzahl chilenischer
Offiziere bejahten 86% die Frage. 14% dagegen sagten nein. Entsprechend
verhielt sich auch das Offizierskorps im September 1973, indem es als »Hüter
der Verfassung« (obwohl es ihr zuwiderhandelte) ausgab, teils offen
gegen die bürgerlich-demokratische Ordnung (Parlamentarismus,
Gewerkschaften, Bildungswesen, Pressefreiheit usw.) zu Felde zog.
Nach
Hansen hatten 55% des höheren chilenischen Offizierskorps eine
Ausbildung in den USA erhalten. 13% verfügten über eine sogenannte
Ranger-Spezialausbildung, die sie in der früher von den USA
kontrollierten Panamakanalzone erhalten hatten. Seit 1968 mussten alle
Absolventen der chilenischen Militärakademie »Bernardi O-Higgins«
einen zweimonatigen Lehrgang unter Kontrolle der »Boinas Verdes« (US-Green
Baretts) besuchen.
Der
nordamerikanischen Presse zufolge haben die USA in den 60er und 70er
Jahren für die Ausbildung chilenischer Offiziere mehr Geld ausgegeben,
als für die Ausbildung in irgendeinem anderen Land der Welt. Allein
1972 betrugen die Mittel hierfür eine Million US-Dollar. Dieser
Tatsache Rechnung tragend hatte das Pentagon eine ungewöhnlich hohe
Anzahl von Offiziere und Spezialisten der einzelnen Waffengattungen nach
Chile entsandt, die wie folgt in der Botschaft eingegliedert waren:
Defence Attaches Office, United States Military Group, Army Section,
Navy Section, Air Section - mit etwa 50 (!) Mitarbeitern.
Was
die »demokratische Stabilität« der chilenischen Streitkräfte
anlangt, so kam nach Hansen weder der Luftwaffe noch der Marine eine
auch nur annähernd gleiche Bedeutung zu wie dem Landheer. Damit bestätigte
er, was in der chilenischen Öffentlichkeit ohnehin bekannt war, dass
vor allem die Kriegsmarine das traditionelle Zentrum der reaktionären
Strömungen und Tendenzen innerhalb der chilenischen Militärkaste verkörperte.
Die
CIA war wichtiger Verbündeter
Dass
für diese Kräfte die CIA ein wichtiger Verbündeter zur Durchsetzung
ihrer Bestrebungen war, wird schlagartig durch die Tatsache erhellt,
dass auf jeder schwimmenden Einheit der chilenischen Marine, die »zufällig«
am Tag des Putsches kombinierte Flottenmanöver durchführte,
CIA-Offiziere anwesend waren.
Aus
den verschiedenen CIA-»Studien« ergab sich, dass es notwendig war, den
rechten Kräften in der chilenischen Armee Vorwände zum militärischen
Eingreifen als »Hüter der Verfassung« zu liefern, um vorhandene
Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Streitkräfte zu überwinden und
bei dem geplanten Putsch ein einigermaßen einheitliches Vorgehen zu
sichern.
Dazu
erarbeitete der Wirtschaftsberater der chilenischen Junta im Außenministerium,
Orlando Sáez (Präsident der Sociedad de Fomente Fabril - Gesellschaft
zur Förderung des Handwerks) ein Dokument, in dem angesichts des »institutionellen
Patts«, wie er die Unfähigkeit der chilenischen Großbourgeoisie
bezeichnete, mit legalen Mitteln der demokratischen Entwicklung
entgegentreten zu können, ein »Militärputsch als Alternative zum Bürgerkrieg«
ins Auge gefasst wurde. Dieser Plan ging unmittelbar auf ein gemeinsames
Projekt des nordamerikanischen Mammutkonzerns ITT und der CIA zurück,
auf das Ende September 1973 der US-Senator Fulbright hinwies, nämlich
einen regelrechten Wirtschaftskrieg gegen die chilenische Regierung zu
organisieren, dessen erklärtes Ziel der Sturz der Regierung Allende
war.
Die
reaktionären Kräfte begannen, Maßnahmen einzuleiten, mit deren Hilfe
die Staatsstreichpolitik »gerechtfertigt« werden sollte. Im Mai 1973
kam es zur Gründung des »Commando Unico Gremial« der
Transportunternehmer, Grundbesitzer, Industriellen, Kaufleuten,
beruflichen Körperschaften und Berufsständen zur Organisierung des
wirtschaftlichen Chaos. Zuvor war eingeschätzt worden, dass, wenn die
Unidad Popular bei den Wahlen über 42% der Stimmen erringen würde,
selbst die Staatsstreichvariante zur Beseitigung Allendes scheitern müsste,
da der Argumentation der rechten Kräfte, die Unidad Popular Regierung
verletze die Verfassung, bei einem solchen Wahlausgang jede Grundlage
entzogen würde.
Zu
den Vorbereitungen für den Sturz Präsident Allendes äußerte sich später
der Chef der Junta, General Pinochet, in einem Interview mit der
Zeitschrift »Ercilla«: der Generalstab der Armee habe schon im April
1972 die »Materialisierung des unüberwindlichen Konflikts zwischen der
exekutiven und legislativen Gewalt als nicht verfassungsmäßige Lösung«
bezeichnet und am 23. Mai 1973 eine defensiv-offensive Planung
beschlossen. Dazu gehörte - laut Pinochet - der sogenannte Plan Albora
und der die Nachrichtenverbindungen betreffende Plan Silencio.
An
der Ausarbeitung des Plans Silencio beteiligten sich in besonderem Maße
Pinochet selbst sowie der Operationschef des Heeres und Konteradmiral
Patricio Carvajal - später Außenminister der faschistischen Junta.
Dazu reisten der ehemalige Direktor der Militärakademie Bernardo
O'Higgins, Oberst Alberto Labbé sowie General Alfredo Canales
(ehemaliger Direktor der Militärinstitute des Heeres) mit Flugzeugen
der brasilianischen Luftwaffe nach Brasilien. Beide Offiziere waren
wegen aufrührerischer Aktivitäten und ihrer Verbindungen zur CIA von
Präsident Allende in den Ruhestand versetzt worden.
Direkte
Verbindungen mit Washington
Für
direkte Verbindungen mit US-amerikanischen Institutionen (vor allem der
CIA und dem State Department) sorgten in dieser Phase der Entwicklung
die Führer der Unternehmerverbände wie Jorge Fontaine (Präsident der
Confederación de la Producción y el Commercio - Verband für
Produktion und Handel), der bereits erwähnte Orlando Sáez, Benjamin
Matte (Präsident der Sociedad Nacional de Agricultura - Großgrundbesitzervereinigung),
Pablo Rodríguez (Generalsekretär der offen faschistischen Partei »Patria
y Libertad«), Sergio Onofre Jarpa (ehemaliger Senator der PN -
Nationalpartei) und vor allem Eduardo Frei (ehemaliger Senator und Präsident
der Republik, Parteiführer der christdemokratischen Partei PDC).
Mit
diesem Personenkreis erschöpften sich die Verbindungen zur CIA jedoch
nicht. Der spätere Consejero e Difusión (Propagandarat, Pressechef)
der Militärjunta, Alvaro Puga, war bis zum Tage des Staatsstreiches
Direktor von Radio Sociedad Nacional de Agricultura und Leitartikler der
Zeitung »La Segunbda« von der Publikationskette »El Mercurio«. Der
Edwards-Clan dieses mehrere Zeitungen und Zeitschriften umfassenden
Zeitungsmonopols unterhielt und unterhält enge Verbindungen zu
einflussreichen nordamerikanischen wirtschaftlichen und politischen
Kreisen. Puga ist Rechtsanwalt und Jurist, lebte in den Jahren 1967 bis
1970 in Kolumbien, wo er für die Botschaft der USA an verschiedenen
Projektes des Geheimdienstes gearbeitet hatte. Seit 1964 in den Diensten
der US-Regierung erfolgte sein erster Einsatz unter dem Presseattaché
der USA-Botschaft in Santiago. Die Presseaktivitäten der Botschaften
waren eng mit den Projekten der nordamerikanischen Kupferkonzerne
Anaconda Copper, Kennecott Copper, Chile Exploration etc. gekoppelt.
Puga beteiligte sich auch an der Organisation von Vereinigungen, die später
die Unternehmerstreiks gegen die Regierung Allende durchführten. Erste
zu diesem Zweck erforderliche Kontakte und Zusammenkünfte erfolgten auf
Landgütern in der Nähe Santiagos unter Beteiligung von »Gremilalistas«
(Angehörige von Berufsverbänden), darunter Jaime Guzmán (Rechtsanwalt
der UC - Universidad Católica in Santiago), Jaime del Valle, Fernando
Maturana (ehemalige Senatoren des PIR), Julio Durán Neumann, Raúl
Morales Adriasolo, Sergio Onofre Jarpa, Sergio Diez, Rafael Moreno,
Arturo Matte Larraín, Mario Arnello, Francisco Bulnes, General i.R.
Alberto Labbé und Oberst i.R. Alfredo Canales.
Andere
in die Pläne einbezogene Personen hielten ständig Kontakt zu den
genannten, vor allem aus Kreisen der christdemokratischen PDC über den
Mittelsmann Claudio Orrega, Abgeordneter und ehemaliger Propagandarat
der Regierung Frei (PDC). Orrega war Verbindungsmann zwischen Frei und
den chilenischen Mitarbeitern der US-Botschaft. Später fanden die
Zusammenkünfte im »Club de la Unión«, dem gesellschaftlichen Zentrum
reicher Industrieller und Großgrundbesitzer, statt. In diesem Club
versammelten sich jeden Freitag die Führer der Putschisten (»Club de
los Viernes«) zur Koordinierung der politisch-militärischen Aktionen.
Anwesend waren dabei auch der US-Botschaft Harry W. Shlauderman, der
US-Generalkonsul und CIA-Agent Frederik D. Purdy oder Franklin Ponini,
der vom Kulturattaché zum Presseattaché avancierte. Gelegentlich
erschien auch der US-Botschafter, Nathaniel Davis, höchst persönlich.
Der Priester Raúl Hazbun, Direktor der Fernsehstation Universidad
Católica,
nahm an den letzten Besprechungen im August 1973 ebenfalls teil. In
Abstimmung bzw. in direktem Auftrag der USIA hetzte Hazbun in
entsprechenden Fernsehprogrammen gegen die »Kräfte des Bösen« unter
offener Anspielung auf die Unidad Popular und bereitete die Zuschauer
auf die »Teilnahme an einem blutigen Gefecht« vor. Man müsse von Null
an unter einem »christlichen Himmel beginnen«.
US-Diplomaten
involviert
Die
US-Diplomaten Davis, Shlauderman, Tonini, Villarearl sowie Purdy
koordinierten die Aktionen der CIA mit chilenischen Politikern und
Unternehmern, unter ihnen Benjamin Matte von der Sociedad Nacional de
Agricultura, Orlando Sáenz von der Sociedad de Fomento Fabril, Julio
Bazán von der Confederación de Colegios Profesionales de Chile, Jorge
Fontaine von der Confederación de la Producción y el Comercio, León
Vilarín von der Confederación de Dueos de Camiones, Rafael Cumsille
von der Cámara de Comercio Detaillista sowie weitere Funktionäre
chilenischer Berufsverbände.
Die
Journalisten Mario Carneyro und Rafael Otero nahmen aktiv am Putsch
teil. Beide hatten direkten Kontakt zu Claude Villareal, ein
US-«Diplomat«,
der zuvor gleichartige Funktionen in Tunis (1979) und Brasilien (1962
bis 1967) ausübte, wo er aktiv am Sturz des Präsidenten Coulart
beteiligt war. Sie hielten auch Verbindung zu Franklin Tonini, einem
Sowjet«experten« bzw. »Sowjetologen« des State Department. Zusammen
mit dem späteren Pressesekretär der Junta und Beauftragten für ausländische
Korrespondenten, Frederico Willoughtby-Macdonald, installierte Rafael
Otero mit nordamerikanischer Beratung und Unterstützung Abhörapparaturen
im Präsidentenpalais und in Privatwohnungen von Funktionären der
Unidad Popular Regierung. Willoughby-Macdonald hatte sich seine
Qualifikationen als ehemaliger Geschäftsführer der Abteilung Public
Relations der Ford Motor Company in Chile, als Redakteur der Zeitschrift
»Diario Ilustrado« und Presseberater Allessandris bei dessen Präsidentschaftskandidatur
erworben. Während der Vorbereitungen des Putsches unterhielt er
ebenfalls enge Kontakte zur US-Botschaft. Er gehörte zudem einem
Geheimkommando der faschistischen Organisation »Patria y Libertad« an.
Zu
den Vorbereitung des Militärputsches gehörte auch die Stationierung
eines unmittelbar mit der Durchführung beauftragten Sonderteams in der
US-Botschaft in Santiago. Allein zehn Personen, die im September 1973 in
der Botschaft Dienst taten, waren Mitarbeiter der CIA. Zwei von ihnen
hielten sich »natürlich rein zufällig« 1954 in Guatemala auf, als
die Regierung Arbenz gestürzt wurde. Zwei weitere befanden sich 1965 während
des Überfalls der USA auf die Dominikanische Republik im Lande.
Spezialisten also.
Am
11. Oktober 1973 bestätigte der damalige CIA-Direktor William Colby vor
dem Unterausschuss für interamerikanische Fragen, dass während der
Zeit der Vorbereitung und Durchführung des Putsches CIA-Agenten in
Chile tätig waren.
Es
kann also kein Zweifel daran bestehen, dass die von der CIA und ihren
chilenischen Helfern organisierte verdeckte nordamerikanische Aggression
gegen das chilenische Volk in jeder Phase ihrer Entwicklung mit Wissen
und Billigung der US-Regierung erfolgte. Der faschistische Militärputsch
war zu keinem Zeitpunkt eine innere Angelegenheit der Republik Chile,
sondern das Produkt der Machenschaften der USA gegen ein Land, das
versucht hatte, sich der Ausbeutung durch übermächtige Konzerne wie
ITT, Kennecott und Anaconda zu entziehen. Gegen die Unidad Popular
Regierung hatten nordamerikanische Monopole, State Department, Pentagon
und CIA von Spionen, Terror, Sabotage, Desinformationskampagnen bis hin
zur ökonomischen Destabilisierung alle Register gezogen, um diese zu
diskreditieren und schließlich mit Gewalt zu beseitigen. Wenn Pinochet
angeklagt werden sollte, dann gehören die nordamerikanischen
Drahtzieher seines Putsches sowie ihre chilenischen Helfershelfer mit
auf die Anklagebank!
Enrique
Bermudez
aus:
http://www.infolinks.de/medien/geheim/1999/03/005.htm
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