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Fidel
Castro: ,,Die
Regierung Kubas verzichtet aus einem elementaren Sinn für Würde
auf jegliche Hilfe (...), die die Kommission und die Regierungen der
EU anbieten“
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Friss
und stirb
BERLIN/LA HABANA (Eigener Bericht) - Die deutsche Regierung führt ihre
kulturellen Sanktionen gegenüber Kuba fort und will auch im kommenden
Jahr die Internationale Buchmesse in La Habana (3. bis 13. Februar 2005)
boykottieren. Berlin setzt sich damit über einen Beschluss des
EU-Ministerrates vom 14. Juni 2004 hinweg, der vorsieht,
Kulturveranstaltungen auf Kuba wieder zu fördern. Die Boykottpolitik ist
Teil der Berliner Strategie, die in Kuba einen Systemwechsel herbeiführen
soll (,,Reformen“, ,,Demokratisierung“).
,,Wandel...“
Die
Bundesregierung arbeitet seit Jahren mit unterschiedlichen Methoden auf
einen Systemwechsel in Kuba hin. Während dies bis 1998 mit offener
Konfrontation geschah (,,Erst Wandel, dann Zusammenarbeit“),
setzte die rot-grüne Regierung zunächst darauf, durch
Wirtschaftskooperation größeren Einfluss zu gewinnen (,,Wandel durch
Zusammenarbeit“). Als erstes deutsches Regierungsmitglied besuchte
im Mai 2000 die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit,
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die Karibikinsel. Ihr folgten
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) im März/April 2001,
Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) im Juli 2001. Hinzu
kamen Begegnungen auf wirtschaftlicher Ebene, zu denen auch ein Besuch des
Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Hans-Olaf
Henkel, zählte. Diese Kontakte führten u.a. zur Aushandlung eines
Umschuldungsabkommens, zur Wiederaufnahme von Hermes-Bürgschaften sowie
zu Anfängen einer entwicklungspolitischen Zusammenarbeit, für die die
rot-grüne Koalition zu Beginn ihrer Regierungszeit etwa 2,6 Millionen
Euro zur Verfügung gestellt hatte.
,,...
durch Zusammenarbeit“
Durch
die Wirtschaftskooperation gelang es Deutschland, die deutsch-kubanischen
Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren und damit seinen wirtschaftlichen
Einfluss in La Habana zu vergrößern. In den 1990er Jahren musste Kuba
nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seine Wirtschaftsbeziehungen
umstrukturieren, EU-Mitgliedsstaaten konnten seitdem bedeutende Außenhandelsanteile
übernehmen. Über ein Drittel des kubanischen Außenhandels entfällt
heute auf Staaten der EU, in denen fast die Hälfte der 826 Filialen ausländischer
Unternehmen in Kuba ihren Firmensitz haben. 50 Prozent der
Direktinvestitionen und 46 Prozent der Touristen kommen aus Europa;
Tourismus gilt als Hauptdevisenbringer des Landes.
Konfrontation
Auf
der Basis ihres gestiegenen Wirtschaftseinflusses verlegen sich Berlin und
die EU wieder auf offenere Konfrontation. Nach diplomatischen
Auseinandersetzungen im Frühjahr 20031)
veröffentlichte das Auswärtige Amt unter Minister Joseph Fischer (Bündnis
90/Die Grünen) am 12. Juni 2003 eine Reisewarnung für Kuba, obwohl sich
objektiv an der Sicherheit deutscher Touristen auf der Karibikinsel nichts
geändert hatte. Die Warnung war geeignet, deutsche Urlauber von
Kuba-Reisen abzuhalten und damit die Deviseneinnahmen des Inselstaates zu
verringern. Nachdem die deutsche Botschaft in La Habana zum
Nationalfeiertag am 3. Oktober 2003 Mitglieder der kubanischen Opposition
eingeladen hatte, brachen die kubanischen Institutionen den offiziellen
Kontakt zu deutschen Botschafts- und Regierungsvertretern weitgehend ab.
Berlin verschärfte die Auseinandersetzung2)
darauf mit dem Boykott der Internationalen Buchmesse in La Habana im
Februar 2004 und legte die Eröffnung einer kubanischen Zweigstelle des
Goethe-Instituts auf Eis.
Verzicht
Den
zunehmenden Druck beantwortet die Regierung in La Habana mit dem Verzicht
auf ,,humanitäre Hilfe“ aus der EU, der Berlin und Brüssel
Einflussmöglichkeiten nehmen soll. Wie Staatspräsident Fidel Castro in
einer Rede zum 50. Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne erklärte,
entfielen von den ,,Hilfszusagen“ der EU (Gesamtumfang: 10,6
Millionen Dollar) nur 1,9 Millionen Dollar auf Nahrungsmittelhilfe, der ,,größte
Teil“ jedoch auf politisch wirksame ,,technische Hilfen in
Verwaltung, Rechtswesen und Wirtschaft“. Überdies sei ,,bis zum
heutigen Tag kein Cent aus diesem Fonds in unser Land gekommen“. ,,Die
Regierung Kubas verzichtet aus einem elementaren Sinn für Würde auf
jegliche Hilfe (...), die die Kommission und die Regierungen der EU
anbieten“, so Castro: ,,Unser Land wird Hilfe dieser Art, egal
wie bescheiden sie ist, nur noch von regionalen und lokalen Verwaltungen,
Nichtregierungsorganisationen und Solidaritätsbewegungen annehmen, die
Kuba keine politischen Bedingungen auferlegen.“
1)
s. dazu Umsturzwünsche
2)
s. auch Menschenrechtshegemonie |