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Eröffnungsrede
von Otto Bruckner beim Symposium
„Imperialismus
und antiimperialistische Solidarität heute“
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"Es
würde einem Parteivorsitzenden, der mit nur einer Handvoll Stimmen
Mehrheit in einer Direktwahl gewählt wurde, und der nicht einmal
die nötige Stimmenzahl zur Wahl in den Bundesvorstand erreichte (siehe),
gut anstehen, den Mund über das, was „von der überwiegenden
Mehrzahl der österreichischen KommunistInnen zurückgewiesen
wird“ nicht so voll zu nehmen. Denn nicht wenige KommunistInnen
– und wir hoffen, dass es eines Tages die Mehrheit sein wird –
unterstützen eine radikale Veränderung der KPÖ hin zu einer
klassenorientierten und antiimperialistischen Partei, wie das auch
die nVs in Wort und Tat propagiert." |
08.
November 2003, Wien
Liebe
Genossinnen und Genossen,
ich
möchte Euch herzlichst zum gemeinsamen Symposium der Zeitung „neue
Volksstimme“, der „KJÖ-Junge Linke“- Wien und der KPÖ-Grundorganisation
„GO42 – Gegen Rassismus“ begrüßen.
Zum
angekündigten Programm gibt es eine nicht unerhebliche Änderung, die
einer Erklärung bedarf. Wir haben Genossen Patrik Köbele als
Hauptreferenten zu dieser Veranstaltung eingeladen, weil uns, die wir die
Diskussion der MarxistInnen in unserem Nachbarland Deutschland aufmerksam
verfolgen, aufgefallen ist, dass er sehr kompetent zum Thema Imperialismus
referiert und schreibt. Er hat uns – wie er damals schrieb – gerne
zugesagt. Nun wurde vom Vorsitzenden der KPÖ, Walter Baier Anfang
November erst mündlich, dann am 4. November schriftlich beim
DKP-Vorsitzenden Heinz Stehr heftig gegen die Teilnahme des Genossen Köbele
an unserem Symposium interveniert.
Ich
möchte Euch den Brief von Walter Baier nicht vorenthalten:
„An
den Parteivorstand der DKP
Werte
Genossinnen und Genossen,
die
Arbeitsgruppe für internationale Beziehungen des Bundesvorstands der KPÖ
hat uns beauftragt, uns mit folgendem Schreiben an Euch zu wenden:
Seit
rund einer Woche wird in Wien eine Veranstaltung unter dem Titel
„Imperialismus und antiimperialistische Solidarität heute“ beworben.
Das Hauptreferat dieser Veranstaltung unter dem Titel „Imperialismus um
21. Jahrhundert“ soll Gen. Patrick Köbele, Mitglied der
Programmkommission der DKP, wie von den Veranstaltern ausdrücklich
ausgewiesen wird, halten.
Es
ist überraschend, dass der Bundesvorstand der KPÖ über die Aktivitäten
eines offensichtlich wichtigen zentralen Funktionärs der DKP in Österreich
auf dem Wege eines Internet-Inserats erfährt. Derartiges war in der
Vergangenheit nicht üblich in den Beziehungen zwischen unseren Parteien.
Gleichzeitig
möchten wir darauf aufmerksam machen, dass die Initiatoren des genannten
Symposiums, die NVS; „Neue Volksstimme“; Teil einer Fraktion in der KPÖ
sind, dessen Aktivitäten die Lage unserer Partei in ihrer jetzigen
schwierigen Situation wissentlich und willentlich verschärfen. Die
Methoden, in denen dies geschieht, und die davon ausgehende Gefahr einer
Parteispaltung werden von der überwiegenden Mehrzahl der österreichischen
KommunistInnen zurückgewiesen. Patrick Köbeles Auftreten wird dem
Ansehen der DKP in unserer Partei nicht nützen. Es ist in diesem
Zusammenhang auch nicht unerheblich, dass das Symposium zeitgleich mit der
zentralen Parteiveranstaltung zum 85. Jahrestag der Gründung der KPÖ
stattfindet.
Ich
kenne Patrick Köbele persönlich nicht, kann mir aber schwer vorstellen,
dass Inhalte, Absichten und Methoden mit denen der Kreis um die NVS in der
KPÖ agiert, seinen politischen Überzeugungen oder denen der DKP
entsprechen. Ganz offensichtlich soll gerade dieser Eindruck erzeugt
werden.
Ich
verstehe gut, dass die Zeiten internationaler Parteidiplomatie und bürokratischer
Gepflogenheiten im Umgang miteinander vorbei sind. Trotzdem meine ich,
dass auch zu einem neuen Internationalismus Korrektheit und Berücksichtigung
der wechselseitigen Parteiinteressen gehören. Ich möchte ersuchen, Gen.
Köbele die im Schreiben enthaltenen Informationen zu übermitteln. Er
wird die Schlussfolgerungen ziehen, die ihm angemessen erscheinen.
Mit
solidarischen Grüssen
Irene
Filip
Referentin
für internationale Beziehungen
Walter
Baier
Vorsitzender
der KPÖ“
Zu
diesem Brief zunächst nur zwei formale Anmerkungen:
Genossin
Filip wurde nirgendwo zur „internationalen Referentin“ der KPÖ gewählt,
hier schmücken sich Baiers Leute im Ausland offensichtlich mit
Funktionen, in die sie nicht berufen wurden.
Abgesehen
davon mutet es seltsam an, dass ein Brief, der von zwei Leuten
unterschrieben wurde, über weite Strecken in der Ich-Form geschrieben
ist, also irgendwer von den beiden hat da noch schnell mitunterschrieben.
Egal, die Verantwortung dafür trägt Baier, das ist klar.
Von
Genossen Köbele haben wir dann folgendes Schreiben per E-Mail erhalten:
„Liebe
Lisl, lieber Otto,
sicher
habt Ihr Verständnis, dass ich unter diesen Umständen nicht als Referent
an Eurer Tagung teilnehmen kann. Ich hatte gehofft, dass der
Meinungsstreit zu inhaltlichen Fragen, vor denen nicht nur die
kommunistische Bewegung steht, einfacher zu führen ist. Andererseits will
ich nicht den Eindruck vermitteln, dass ich mich mit meinem Auftritt in
den Streit einer befreundeten kommunistischen Partei einmischen will.
Ich
hoffe immer, dass der Meinungsstreit, den es auch in unserer Partei gibt,
dazu dient, dass die Kräfte, die sich der Instrumente der Weltanschauung
der Ideen von Marx, Engels und Lenin bedienen, um das hier und heute zu
analysieren und daraus eine Strategie und Taktik für die Überwindung des
Kapitalismus in Richtung Sozialismus zu entwickeln, gestärkt werden.
Ich
hänge diesem Schreiben meine Ausführungen zum Thema an, die ich bei
einer Tagung der Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal gehalten habe.
In
der Hoffnung auf Euer Verständnis
Mit
kommunistischen Grüßen
Patrik
Köbele“
Namens
der neuen Volksstimme (nVs) möchte ich zu diesem ungewöhnlichen Vorgang
folgende Erklärung abgeben:
1.)
Es würde einem Parteivorsitzenden, der mit nur einer Handvoll
Stimmen Mehrheit in einer Direktwahl gewählt wurde, und der nicht einmal
die nötige Stimmenzahl zur Wahl in den Bundesvorstand erreichte (siehe), gut
anstehen, den Mund über das, was „von der überwiegenden Mehrzahl der
österreichischen KommunistInnen zurückgewiesen wird“ nicht so voll zu
nehmen. Denn nicht wenige KommunistInnen – und wir hoffen, dass es eines
Tages die Mehrheit sein wird – unterstützen eine radikale Veränderung
der KPÖ hin zu einer klassenorientierten und antiimperialistischen
Partei, wie das auch die nVs in Wort und Tat propagiert.
2.)
Walter Baier verhält sich nicht wie ein Parteivorsitzender,
sondern wie ein mieser kleiner Intrigant und Lügner. Er, der seit zehn
Jahren keine seriöse programmatische Diskussion in der Partei willens und
imstande ist zu organisieren, hält es für notwendig, gegen die
inhaltliche Arbeit, die von uns organisiert wird, durch Intervention bei
einer Schwesterpartei mit Lügen zu intrigieren, denn
·
die nVs betreibt nicht die Spaltung, sondern die Einigung der
Partei auf einer neuen inhaltlichen Grundlage.
·
Wir spitzen die Diskussion in der Partei „wissentlich und
willentlich“ zu, da hat er ausnahmsweise recht, aber mit dem Ziel, die
Partei wieder zu einer würdigen und lebendigen KOMMUNISTISCHEN Partei zu
machen, und aus der Geiselhaft seiner revisionistischen Traumtänzerei zu
befreien.
·
Wir haben nicht, wie er nahe legen will, unser Symposium als
Konkurrenzveranstaltung zur 85-Jahr-Feier der KPÖ angesetzt, weil eine
solche Feier von der KPÖ ursprünglich gar nicht geplant war. An diesem
Wochenende hätte die Wiener Landeskonferenz stattfinden sollen, und erst
als klar war, dass diese verschoben wird, haben wir diesen Termin für das
Symposium gewählt. Der letzte vorhandene zentrale Terminplan der KPÖ
stammt vom 29. September, und darin ist keine 85-Jahr Feier zu finden. Auf
der Homepage der Wiener KPÖ wird übrigens bis heute die 85-Jahr-Feier
nicht erwähnt.
Es
drängt sich also der Verdacht auf, dass es genau umgekehrt ist, dass von
Baier noch schnell eine 85-Jahr-Feier angesetzt wurde, um Konkurrenz zu
unserem Symposium zu schaffen.
3.)
Bedenklich ist aber auch die Tatsache, dass Heinz Stehr und Patrick
Köbele diesem Bandenspiel, das Walter Baier betreibt, so brav Folge
leisten. Wäre es nicht logischer, dem KPÖ-Vorsitzenden nahe zulegen, er
möge sich das doch mit seinen eigenen GenossInnen ausmachen? Stünde es
der DKP nicht besser an, bei der nVs, bei Genossin Rizy oder Genossen
Bruckner, die auch in Zeiten, als Baier die Kontakte in Deutschland
weitgehend auf Gisy`s PDS beschränkte, solidarisch zur DKP standen,
einmal nachzufragen, bevor man die Lügen und Intrigen von Baier für bare
Münze nimmt?
4.)
Und im übrigen: Was für ein skurilles Verständnis von
marxistischer Debatte ist das, wenn die Teilnahme eines Genossen an einem
Symposium zum Gegenstand der Korrespondenz von Parteivorständen wird?
Abschließend
Genossinnen und Genossen: Wir werden diesen Vorgang in der kommunistischen
Öffentlichkeit unserer beider Länder bekannt machen. Mögen sich
KommunistInnen in Österreich selbst ihr Bild über einen
Parteivorsitzenden machen, der nicht gewillt ist, auf gleicher Augenhöhe
zu seinen GenossInnen zu sprechen, wenn er ihnen etwas zu sagen hat, der
statt dessen mit kleinlichen Intrigen und Lügen den Parteivorstand einer
Schwesterpartei bemüht.
Mögen
sich aber auch die KommunistInnen in Deutschland ihr Bild über den
Parteivorstand der DKP machen, der diesem beispiellosen Vorgehen
nachgegeben hat. Wir hatten – nur nebenbei gesagt – schon etliche
ReferentInnen aus der PDS bei uns, und so etwas haben wir bisher nie
erlebt.
Das
Referat, das Genosse Köbele gehalten hätte, liegt in schriftlicher Form
hier auf, und wir werden uns alle bemühen, unser Symposium im Geiste des
Antiimperialismus und der proletarischen internationalen Solidarität
durchzuführen. Wie sagte doch Genosse Helmut Fellner vor kurzem in der
Zeitschrift „Falter“: „Die Tage von Baier als KPÖ-Vorsitzendem sind
zählbar“. Hoffen wir, dass der Schaden, der in diesem Tagen noch
entstehen wird, für die Partei nicht zu groß ist, hoffen wir und tun wir
alles dafür, dass sie in nicht zu ferner Zukunft einen Ausbruch aus
diesem kleinlichen Intrigantentum schaffen wird.
Herzlich
willkommen zu unserem Symposium, Freiheit, Genossinnen und Genossen!
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Anmerkung:
Um in den KPÖ-Bundesvvorstand gewählt zu werden, wären
199 Stimmen erforderlich gewesen. Walter Baier erreichte jedoch nur
198, eine zu wenig.
Bei
der Direktwahl zum Parteivorsitzender erhielt Walter Baier 204
Stimmen, der Mitbewerber um diese Funktion, Manfred Eber, 183
Stimmen, also eben mal 11 weniger. |
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