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EU-Vertragsabstimmung
in Irland:
Attac
wieder einmal haarscharf daneben
Unter
der Überschrift „Letzte Chance für soziales Europa liegt bei
irischer Bevölkerung, Attac fordert Abkehr vom neoliberalen Dogma“
und tut wieder einmal so – typisch in Attac-Manier mit dick
aufgetragener Eigenwerbung – als habe Attac den Stein der Weisen
gefunden, Amerika oder die letzte Wahrheit entdeckt.
Natürlich
sind wir der Meinung, dass es erfreulich wäre, wenn die Iren den
Machern den Machern des Vertrags von Lisabon die rote Karte zeigen.
Dieser Vertrag ist nichts anderes, als die Neuauflage der Verfassung der
EU, die bekanntlich zum Entsetzen der Herrschenden, von den Franzosen
und Holländern in die Mülltonne geworfen wurde. Man verzichtete auf
die Bezeichnung „Verfassung“ und meinte damit, dem unkalkulierbaren
Risiko einer eines Referendums zu entgehen. Aber in Irland war es
trotzdem möglich, den Vertrag von Lisabon per Referendum ablehnen zu
lassen.
Aber
geht es für oder gegen ein „soziales Europa“?. Es geht, das
beinhalteten schon die römischen Verträge vom März 1957, um
Abschaffung der Zölle, Wirtschaftsausweitung,
dem Handelsverkehr, wirtschaftlicher Wettbewerb, Handels-,
Landwirtschafts- und Verkehrspolitik, Dienstleistungs-, Kapital-, und
Warenverkehr.
Kurz:
Es war eine Europäische Wirtschaftsgemeinschaft Und das ist das Gebilde
auch geblieben, dass sich heute Europäische Union nennt. Brüssel kümmert
sich in erster Linie um die Sicherung der Profite der großen
Unternehmen. Daran ändert auch nichts das Niederlassungsrecht der EU-Bürger
überall in der EU, das Recht ohne Arbeitserlaubnis der Bürger der
(meisten) EU-Länder Arbeit anzunehmen usw. Der Grund hierfür liegt auf
der Hand: Das erhöht das Angebot der Ware Arbeitskraft und senkt somit
die Löhne. Es hat also keineswegs soziale Gründe oder Gründe, die den
Manschen nützen. Nutznießer der EU waren schon immer die Konzerne der
größten EU/EWG-Länder, vor allem der deutschen. Deshalb ist es auch
die Politik der BRD, die schon immer die EU/EWG ausweiten wollte und
auch den Euro und andere Bestimmungen forcierte. Vater des Euro und der
Freizügigkeit, des Wegfalls der Grenzkontrollen (Schengener Abkommen)
und anderer Regelungen war maßgeblich der damalige Bundeskanzler Kohl,
während der Vertrag von Lissabon vor allem von der jetzigen deutschen
Regierung in der EU durchgesetzt wurde. Teilweise geschah das mit
erheblichem Druck und entsprechenden Propagandaaufwand aus Berlin.
Soziale
Gesichtspunkte waren bei keinem der Verträge von Bedeutung und, wenn es
überhaupt Regelungen gab, dienten sie nicht den einfachen Menschen,
sondern waren durchlöchert wie ein Schweizer Käse und leicht zu
umgehen. Im Gegenteil, viele nationale Sicherungen können mittels der
EU ausgehebelt werden, sei es trickreich durch Ausgliederung,
Kapitalflucht oder ganz einfach, indem die EU-Kommission/Ministerrat
eine EU-weite Regelung diktiert, die diese Bestimmungen aushebelt.
Wenn
also die Iren – was zu hoffen ist – den Vertrag von Lissabon
ablehnen, bricht kein soziales Europa aus – das hat es nie gegeben –
und, was wir nicht hoffen wollen, wenn die Iren dem vertrag zustimmen,
auch nicht das Gegenteil.
Sicher
wurde die EU-Verfassung und deren Ersatz der Vertrag von Lissabon
geschaffen, um dem Großkapital der EU, vor allem dem deutschen, seine
globalen Expansionsgelüste zu erleichtern und auf eine legale europäische
Stufe zu stellen. Wenn es in Brüssel entschieden werden kann, ob in
Afghanistan, in Afrika oder sonst wo Soldaten aus EU-Ländern, also auch
deutsche“ „robuste“ Einsätze durchführen, dann ist es leichter für
die Hintermänner im Frankfurter Bankenviertel und den Chefetagen von
Siemens, ThyssenKrupp usw., als wenn der Bundestag oder andere nationale
Parlamente regelmäßig den Einsatz ihrer Soldaten genehmigen müssen
oder die nationalen Regierungen, auf Druck der Bevölkerung, ihre
Soldaten abziehen können. <<<<<dieser Vertrag ist dabei
hilfreich. Nur: sie machen es jetzt auch schon so. Es geht auch ohne den
vertrag von Lissabon.
Aber,
selbst wenn die Iren den Vertrag ablehnen, ist keineswegs die Garantie
gegeben, dass die Herrschenden nicht einen anderen Trick finden, das,
was sie erreichen wollen, nicht doch zu legalisieren.
Die
Denkergüsse von Attac sind das wenig hilfreich. Wenn Attac beklagt,
dass die soziale Seite nicht beachtet wurde, so ist das zwar richtig.
Aber genau das war ja der Sinn der Sache.
Die
Abstimmung in Irland wäre, wenn sie für diesen Vertrag negativ
ausgeht, zwar positiv für uns alle, aber den Abbau von
Sozialleistungen, von Löhnen, von Kriegspolitik usw. ist nicht mit
einem Kreuzchen zu verhindern, sondern eine Europaweite Massenbewegung
dagegen wäre es.
Die
portugiesischen Arbeiter gaben da ein eindrucksvolles Beispiel: Am 5.
Juni, nahmen 250.000 Arbeiter an einer Massenveranstaltung statt, die
von der Gewerkschaftszentrale CGTP organisiert
wurde und sich gegen Sozialabgau richtete.
Die
Antwort der Völker Europas kann nur der massenhafte Widerstand gegen
die Pläne des Kapitals zum Abbau demokratischer und sozialer Rechte und
zu mehr Kriegspolitik sein. Stimmzettel können helfen, das publik zu
machen, sie können aber keinen Massenkampf ersetzen – genau das aber
will Attac und Attac streut auch die unsinnige Hoffnung in die Köpfe
der Leute, die EU können auf sozial umgepolt werden. Das ginge nur,
wenn aus der kapitalistischen EU eine EU der Völker würde, wo die
arbeitenden Menschen die Politik bestimmen und das Großkapital in die Hände
des Volkes überführt wäre.
G.A.
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