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aus: jungeWelt

»Gegengewicht zur PLO«

UPI: Israels Rechte unterstützt Hamas, um Friedensschluß zu verhindern

                           Rainer Rupp

Die für Ende dieser Woche angekündigte Rede von US-Präsident George Bush zu Lösungsvorschlägen für den Nahostkonflikt ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Resultat der jüngsten blutigen Selbstmordanschläge, für die die »islamische Widerstandsbewegung« Hamas die Verantwortung übernommen hat. In der Rede sollten auch die von US-Außenminister Colin Powell entwickelten Vorstellungen zur Gründung eines provisorischen Palästinenserstaates dargelegt werden, die bei der Regierung Ariel Scharon und der israelischen Rechten auf erbitterten Widerstand stoßen.

Indes hat die amerikanische Nachrichtenagentur UPI nach eigenen Recherchen Gerüchte über eine - wenn auch indirekte - unheilige Allianz zwischen der israelischen Rechten und der Hamas auf die Ebene der Fakten gehoben. Mitarbeiter verschiedener amerikanischer Geheimdienste haben gegenüber UPI bestätigt, daß Israel die Terrororganisation bereits seit ihrer Gründung Ende der 70er Jahre finanziell unterstützt. Israel »hat Hamas direkt geholfen«, wird Tony Cordesman vom »Center for Strategic Studies« in Washington zitiert. »Die Israelis wollten mit der Hamas ein Gegengewicht zur PLO schaffen.« Ein hochrangiger ehemaliger CIA-Beamten ergänzte, daß Israels Hilfe für die Hamas »ein direkter Versuch war, die starke Unterstützung, welche die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation Yassir Arafats) in der Bevölkerung in jener Zeit genoß, mit Hilfe einer konkurrierenden religiösen Alternative aufzuteilen und zu verwässern.«

Aus Dokumenten des israelischen »Institute for Counter Terrorism« geht u. a. hervor, daß Hamas 1978 vollkommen legal als sozial-religiöser Verein in Israel registriert werden konnte, obwohl man schon damals in den israelischen Geheimdiensten über die Ziele der Bewegung informiert war. Nach dem Auszug der PLO aus Israel gewann die Hamas-Bewegung in den 80er Jahren im Gaza-Streifen und der Westbank schnell an Einfluß und Kraft. An diplomatischen Initiativen wenig interessiert, konzentrierte sich Hamas ausschließlich auf Widerstand mit Hilfe terroristischer Aktionen. Trotzdem wurde Hamas nach Aussagen amerikanischer Geheimdienstleute »ganz sicher« von israelischen Geheimdiensten weiterhin unterstützt. Allerdings sei ein »Gegengewicht zur PLO« jetzt nicht mehr das einzige Ziel gewesen. Nun sei es auch darum gegangen, mit Hilfe finanzieller Unterstützer die Hamas zu infiltrieren und die wirklich gefährlichen Terroristen zu identifizieren und eliminieren. Nach anfänglichen Erfolgen für die Israelis gelang es jedoch Hamas, die Verräter in den eigenen Reihen zunehmend zu enttarnen.

Mittlerweile war Hamas zu einer weitaus größeren Gefahr für Israel geworden, als es die PLO je gewesen war. Denn anders als die PLO ist die Hamas zu keinen diplomatischen Kompromissen bereit. Und trotzdem - so UPI - gibt es in Israel nach Aussagen der US-Geheimdienstler immer noch einflußreiche Gruppen, die ihren Vorteil darin sehen, Hamas weiterhin zu unterstützen. »Einige auf dem rechten Flügel des israelischen Establishments bauen darauf, daß - falls die Hamas unter den Palästinensern die Führung übernimmt - die Bewegung jegliche Beteiligung am Friedensprozeß ablehnen und jedes Friedensabkommen torpedieren würde«, betonte ein US-Geheimdienstler. Auf diese Weise würde sichergestellt, daß Israel auch weiterhin für die USA der einzige Ansprechpartner in der Region bliebe. »Sie (die Israelis) tun mehr, um den Terrorismus anzuheizen und am Leben zu erhalten, als ihn zu beschneiden«, meinte dazu Larry Johnson, ein  ehemaliger Beamter des US-Außenministeriums resigniert.

Den Artikel finden Sie unter:

http://www.jungewelt.de/2002/06-21/006.php

(c) Junge Welt 2002

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