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Es handelt sich hier um die Initiative des damaligen (März/April 2000) PDS-Bezirksvertreters in Duisburg-Mitte Günter Ackermann (heute parteiloser kommunistischer Bezirksvertreter). 

Er beantragte, den Platz vor dem Maschinenbau Konzern DEMAG in Harro-Schulte-Boysen-Platz umzubenennen. Der Platz ist nach wie vor nach dem damaligen DEMAG-Generaldirektor und Nazi-Mäzen Wolfgang Reuter benannt.

Harro Schulze Boysens Vater war Direktor der DEMAG und war, wegen seiner nazigegnerischen Haltung, kaltgestellt.

Anmerkung: Vor einigen Wochen (April 2003) beantragte die Oberbürgermeisterin der Stadt Duisburg, Bärbel Zieling (SPD), eine kleine Nebenstraße im Duisburger Süden nach Harro Schulze-Boysen zu benennen. Die Bezirksvertretung Duisburg-Süd, auch mit den Stimmen der SPD, lehnte den Antrag ab.

SPD, Grüne und CDU verhindern Würdigung eines Duisburger Antifaschisten

aus: Standpunkt, Sozialistische Zeitung für Duisburg, Nr. 2, April/Mai 2000 

Im Zuge der Bewältigung der linken Vergangenheit des PDS-Kreisverbandes Duisburg fiel diese Seite der Zensur des rechtstrotzkistischen Kreisvorstands zum Opfer und wurde aus der Homepage des Kreisverbandes entsorgt.

Siehe auch: http://www.rotes-duisburg-online.de

DEMAG-Chef und „großzügiger Spender" der Hitler-Jugend Wolfgang Reuter

wpe2.gif (6225 Byte)Nazi-Appell bei der Demag zum 50. Jubiläum des Generaldirektors Wolfgang Reuter

(Normalgöße Bild anklicken)

Ehrenurkunde für Generaldirektor Reuter "Im Namen des Führers Adolf Hitler"

Telegramm Adolf Hitlers an Wolfgang Reuter:

„Zu Ihrem heutigen 50-jaehrigen Dienstjubilaeum spreche ich Ihnen meine herzlichen Glueckwuensche aus -

Mit deutschem Gruss Adolf Hitler"

wpe1.gif (79225 Byte)Steinbart-Gymnasium in Duisburg vor dem Krieg – die Schule, die Harro Schulze-Boysen besuchte

(Normalgöße Bild anklicken)

Harro und Liberta Schulze-Boysen

Antrag des PDS-OL Bezirksvertreters in der Bezirksvertretung Mitte Günter Ackermann: Die Bezirksvertretung möge den Wolfgang-Reuter-Platz in Harro-Schulze-Boysen-Platz umbenennen.

Damit sollte begonnen werden, die Benennung von Straßen, Plätzen und Schulen nach Menschen, die in Nazi-Verbrechen verstrickt waren, zu beenden, stattdessen aber Antifaschisten und Opfer des Nazi-Staates zu ehren. Die Mehrheit der Bezirksvertretung stimmte für Nichtbefassung.

Als DEMAG-Generaldirektor vom Krieg und von Sklavenarbeit profitiert

Reuter beteiligte sich aktiv an der Unterstützung der Nazis (so spendete er allein 1938 der Hitlerjugend 200.000,- Reichsmark). Er war an wichtiger Stelle an der Organisierung der Kriegswirtschaft in Vorbereitung und Durchführung des 2. Weltkriegs in unserer Region beteiligt.

1938, anlässlich des 50. Dienstjubiläums Wolfgang Reuters, fand in seinem Betrieb nicht nur ein Aufmarsch der SA und ein Betriebsappell statt. Ihm wurde vom Nazi-Oberbürgermeister Freytag ein eigens gestifteter goldener Ehrenring der Stadt Duisburg verliehen. Adolf Hitler selbst schickte ihm sogar ein Glückwunschtelegramm.

Harro Schulze-Boysen wurde als Widerstandskämpfer gegen Hitler gehenkt

Schulze-Boysen besuchte das Steinbart-Gymnasium in Duisburg, sein Vater war Direktor der DEMAG. Er leistete Widerstand gegen das Nazi-Regime in der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle". Deshalb wurde er im Dezember 1942 zum Tode verurteilt. Auf Hitlers ausdrücklichen Befehl wurde er in Plötzensee gehängt. Der Gruppe „Rote Kapelle" gehörten Widerstandskämpfer der unterschiedlichsten Richtungen an – auch Sozialdemokraten! Harro Schulze-Boysen war mit Kurt Schumacher, dem 1. Vorsitzenden der SPD nach dem Krieg und mit Robert Jungk, einem der Gründerväter der „Grünen", befreundet.

SPD-CDU-Grüne in Bezirksvertretung Mitte verhindern die Ehrung des Widerstandskämpfers

Mit Hinweis auf einen Ratsbeschluss am 28. Februar, der nichts als eine unverbindliche Absichtserklärung ist, beschlossen CDU, SPD und B 90/Die Grünen, sich nicht mit dem Antrag der PDS-OL zu befassen.

Dass die SPD und vor allem die Grünen sich nicht einmal mit dieser Frage beschäftigen wollten, ist empörend. Die DEMAG beschäftigte während des Krieges nicht nur ausländische Zwangsarbeiter, sondern auch KZ-Häftlinge – Reuter war ihr Chef. Während der Hitler-Zeit wurden zehntausende Sozialdemokraten in KZ´s gesperrt, gefoltert, wurden ermordet oder mussten sich zu Tode schuften. Wolfgang Reuter war einer der Profiteure des Krieges und der Ausbeutung von KZ-Häftlingen und anderen Zwangsarbeitern.

Es ist unglaublich, dass die SPD-Mitglieder der Bezirksvertretung meinen, hier der Parteiräson folgen zu müssen, die besagt, man stimmt nicht für einen Antrag, der von der PDS-OL kommt, gleichgültig welcher Art der Antrag ist. Ein SPD-Ratsherr verstieg sich sogar zu der Bemerkung, man könne das alles nicht mittels eines „Schnellschusses aus der Hüfte" machen. Bezirksvertreter Günter Ackermann erwiderte:

„Schnellschuss aus der Hüfte? Sie vergessen, dass die Hitler-Zeit schon 55 Jahre Geschichte ist. Man kann nach 55 Jahren wohl kaum von einem Schnellschuss reden."

In ihrer kritiklosen Anpassung an ihren Quasi-Koalitionspartner SPD werfen die Grünen so ziemlich alle ihre vormals hehren Prinzipien über den Haufen. Dass sie aber so tief gesunken sind, zeigt das Abstimmungsverhalten in dieser Frage.

Harro Schulze-Boysen (1909-1942): 

Widerstandskämpfer gegen Hitler

Harro Schulze-Boysen war die Schlüsselfigur einer Widerstandsgruppe, die von der Gestapo als Rote Kapelle bezeichnet wurde. Am 22. Dezember 1942 wurde er in der Berliner Hinrichtungsstätte Plötzensee getötet, erhängt an einem Fleischerhaken. Mit ihm starben, ermordet durch Strang oder Fallbeil, zahlreiche weitere Angehörige der Roten Kapelle, darunter viele Frauen - Schauspielerinnen, Künstlerinnen, Studentinnen ...

Unmittelbar vor seiner Hinrichtung schrieb Harro Schulze-Boysen an seine Eltern in Duisburg: "... Es geht heute auf der Welt um so wichtige Dinge, da ist ein Leben, das erlischt, nicht sehr viel ... Alles, was ich tat, tat ich aus meinem Kopf, meinem Herzen u. meiner Überzeugung heraus ... Dieser Tod passt zu mir ...".

Nach der Befreiung sah die katholische Schriftstellerin Ricarda Huch den Widerstandskämpfer als "Märtyrer der Freiheit" und stellte ihn ebenbürtig in eine Reihe mit Sophie Scholl und Claus Schenk von Stauffenberg. Auch andere bekannte Schriftsteller setzten Harro Schulze-Boysen literarische Denkmäler.

Im Kalten Krieg dagegen wurde das Bild des Widerstandskämpfers völlig verzerrt. Im Osten als "Kundschafter der Sowjetunion" gefeiert, wurde er im Westen als "Landesverräter" diffamiert. Die Sichtweise der Gestapo, welche die "Rote Kapelle" als "Spionageorganisation Moskaus" sah, konnte sich als Legende über 40 Jahre lang halten. Die Täter - ehemalige Nazirichter, Abwehr- und Gestapobeamte - taten alles, um diesen Mythus aufrechtzuerhalten.

Die Rote Kapelle wurde bewußt auf ihren Kontakt zur Sowjetunion reduziert. Die Wahrheit ist: die Widerstandskreise um Schulze-Boysen und Harnack versuchten die Verbindung mit allen Kräften der alliierten Antihitlerkoalition aufzunehmen, zum Beispiel mit den USA und Großbritannien. Ihre Warnungen, die sie ans Ausland weitergaben, u.a. über den bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion, blieben erfolglos. Sie kamen nicht an oder wurden ignoriert.

Im übrigen versuchten die Angehörigen der Roten Kapelle die durch Lügenpropaganda verwirrten Menschen in Deutschland aufzuklären. Mit Flugblatt- und Klebeaktionen entlarvten sie die Gewaltverbrechen der Nazis. So prangerten sie u.a. die Vernichtungsaktionen der Wehrmacht gegenüber Juden und Ausländern an. Sie halfen untergetauchten Juden, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. Darüber hinaus stellten sie Verbindungen her zu allen anderen in Deutschland operierenden Widerstandsgruppen.

Harro Schulze-Boysen hatte sich schon vor 1933 im Kampf gegen den aufkommenden Nationalsozialismus engagiert. Doch war sein Weg in den Widerstand nicht geradlinig. Der Sohn einer berühmten Offiziersfamilie wuchs in Duisburg auf und erfuhr hier seine erste politische Prägung. Der 15jährige wurde "Führer" einer eher reaktionären Jugendorganisation ("Jungdeutscher Orden"), die jedoch offen nach allen politischen Richtungen war.

Nach dem Abitur am Steinbart-Gymnasium 1928 studierte Harro Schulze-Boysen u.a. in Berlin. Als Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift "Der Gegner" bekämpfte er den aufkommenden Nationalsozialismus und sammelte Gleichgesinnte aus allen Lagern um sich, darunter revolutionäre Sozialisten. Aus diesen Freundes- und Gesprächskreisen, deren Leitfigur Harro Schulze-Boysen blieb, bildete sich seit Mitte der Dreißiger Jahre der Kern der späteren Roten Kapelle heraus.

Anfang 1933 verschärfte sich Schulze-Boysens Opposition zum Nationalsozialismus. Die Redaktionsräume des "Gegners" wurden beschlagnahmt, er selbst in einem "wilden KZ" mißhandelt; sein Freund, ein jüdischer Journalist, vor seinen Augen totgetreten. Einige Jahre später nutzte er seine Stellung als Offizier im Führungsstab des Reichsluftfahrtsministeriums, um geplante Aggressionsakte des NS-Regimes insgeheim zu enthüllen.

Neuere Geschichtsforschungen haben das Bild Harro Schulze-Boysens und der Roten Kapelle von allen Mythen und Legenden befreit. Die Rote Kapelle ist heute als integraler Bestandteil des antifaschistischen Widerstandes anerkannt. In der Vielfalt ihrer ideologischen und sozialen Herkunft, in der Breite ihrer Widerstandsformen, in ihrer Lebensart stehen sie sogar beispielhaft für den Kampf gegen die NS-Diktatur.

Auch von offiziell-staatlicher Seite fand insbesondere Harro Schulze-Boysen im letzten Jahrzehnt Anerkennung und posthume Gerechtigkeit. Höhepunkt war eine Gedenkfeier und Ausstellungs-eröffnung am 22. Dezember 1999 im Berliner Finanzmini-sterium. Hausherr Hans Eichel würdigte uneingeschränkt Schulze-Boysens "Eintreten für Toleranz und humani-stische Ideale": "Für uns ist diese Haltung Verpflichtung ... Erinnerungen wachzuhalten und gleichzeitig den Mut zum Widerstand gegen die staatliche Unrechts- und Gewaltherrschaft zu ehren".

In Duisburg ist diese "Botschaft" aus dem fernen Berlin noch nicht angekommen. Weiterhin wird Harro Schulze-Boysen hier von offizieller Seite mißachtet und totgeschwiegen.

Manfred Tietz

Harro Schulze-Boysen gehörte der Widerstandsgruppe Rote Kapelle an.


Siehe auch:

http://www.dhm.de/lemo/forum/kollektives_gedaechtnis/043/index.html

 

 

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