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20.
Juli 1944:
Die
Herren Offiziere versuchen ihr Ex-Idol zu beseitigen -
und
wollten den Krieg fortsetzen
von
Gerd Höhne
Hitler
war u.a. auch deshalb von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden,
weil er versprach, die Schiebereien und den Subventionsschwindel seines
Sohnes und der meisten ostelbischen Junker klammheimlich unter den Teppich
zu kehren. Die hatten sich nämlich an einem milliardenschweren
„Hilfsprogramm“ für die Landwirtschaft Ostelbiens, der sog. Osthilfe,
maßlos bereichert. Hindenburg, der diesem „böhmischen Gefreiten“ das
Reich nicht mochte anvertrauen, ließ sich von seinem Sohn überzeugen.
Und tatsächlich: Der „Osthilfeskandal“ wurde klammheimlich ad acta
gelegt.
Was
das mit dem 20. Juli 1944 zu tun hat? Nun, die überwiegende Mehrheit des
Offizierskorps der Reichswehr entstammt adligen Familien die einst das
bunte Tuch des Kaisers trugen, waren dann Noskes Killer an den revolutionären
Arbeitern, hatten mehr oder weniger offen den Kapp-Putsch unterstützt und
fanden das ganze bürgerlich-demokratische System von übel. Ihre Leib-
und Magenzeitung, die „Kreutz-Zeitung“, führte neben dem Eisernen
Kreuz den Spruch auf der Titelseite: „Wir Deutschen fürchten Gott und
sonst niemand“.
Mit
den Nazis waren sie bereit in der Harzburger Front verbunden, ihre Partei,
die DNVP, war die Partei der Großagrarier und der Schwerindustrie. Ihr
Chef, Alfred Hugenberg, war lange Generaldirektor (1909 – 1918)
der Friedrich Krupp AG in Essen gewesen. Hugenberg kauft sich einen
Medienkonzern aus Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Filmstudios zusammen
und geht 1918 offiziell in die Politik. Er tritt in die Ultrarechte
DNVP ein und wird 1928 deren Vorsitzender. Dem Reichstag gehört er seit
1920 an und bleibt auch drin bis zum bitteren Ende der Nazibarbarei 1945
– allerdings jetzt als Mitglied der Nazipartei.
Das
ist das Umfeld der Herren Offiziere der Reichswehr und das Gerüst des
Offizierskorps der Wehrmacht.
Natürlich
hatten sie mit dem „böhmischen Gefreiten“ und seinen braunen Schlägertrupps
nichts am Hut, die waren ihnen zu unfein und plebejisch. Aber sie meinten
sich seiner bedienen zu können. Er schaffte ihnen nicht nur die Justiz
beim Osthilfeskandal vom Hals, der erledigte für die
Schwerindustrie die Arbeiterbewegung, er sorgte für die Hochrüstung des
Nazireiches und er versprach Revanche für Versailles. Aber natürlich
waren sie keine Nazis, die Herren Offiziere - igitigit.
Solange
Hitler das alles machte, was ihnen von Nutzen war, war er ihr Mann. Da
schwiegen sie auch, als Hitler den „Röhm-Putsch“ dazu nutzte, seinen
Vorgänger als Reichskanzler, General Kurt von Schleicher, kurzerhand zu
ermorden zu lassen.
Aber,
als Hitler drauf und dran war, einen Weltkrieg anzuzetteln, bekamen sie
dann doch Angst, dass es erneut schief gehen könne und einige planten da
verschiedene Möglichkeiten sich Hitlers zu entledigen.
Aber
die Frechheit des „Führers“ und die Politik der Westmächte, die zunächst
jeden Vertragsbruch Hitler zuließen, später Hitler tatkräftig halfen (Münchner
Abkommen) und selbst, als sie bereits dem Deutschen Reich dem Krieg erklärt
hatten, Hitler seelenruhig Polen erobern ließen, ohne auch nur eine
Patrone zu vergeuden (Appeasement-Politik). ließ den Mut der edlen Herren
sinken. Das hatten selbst die Herren Offiziere der Wehrmacht nicht für möglich
gehalten und dienten dem Führer weiterhin.
Andere
dagegen halfen aktiv dem Land, das Hitler zu erobern bereits in „Mein
Kampf“ angekündigt hatte, der Sowjetunion. Die Gruppe um Harro
Schulze-Boysen verschaffte der Sowjetunion interne Informationen, auch über
die „Operation Barbarossa“, also den Angriff der faschistischen
Wehrmacht auf die UdSSR. Aber die hatten mit den noblen Obristen und Generälen
nichts zu tun und denen gedenkt man auch nicht in der BRD.
Nach
Stalingrad war klar, wo es hingeht und die Herrn Offiziere machten sich
Gedanken, wie sie Hitler loswerden konnten.
Zunächst
beschäftigte sie aber das, was nach Hitler kommen solle. Klar, eine bürgerliche
Demokratie lag außerhalb ihres Wollen. Ihre „Verfassung“ war die
eines völkischen Ständestaates – die Arbeiter hatten nichts zu sagen.
Man
wollte Hitler einfach verhaften und den Prozess machen, trauten sie sich
nicht. Deshalb sollte er umgebracht werden. Nach mehreren vergeblichen Anläufen
war es dann Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 die
Bombe ins Führerhauptquartier Wolfschanze schmuggelte.
Zu
den Organisatoren des Putsches zählten neben adligen Offizieren, wie von
Stauffenberg, Peter Yorck Graf von Wartenburg, Helmuth James Graf von
Moltke u.a. auch der General Ludwig Beck (der sollte Reichspräsident
werden), der rechte Politiker Carl Friedrich Goerdeler,
dem rechten Politiker und Diplomaten Ulrich von Hasselt
und der rechte Sozialdemokrat und Gewerkschaftsfunktionär Wilhelm
Leuschner an..
Ziel
der Putschisten ist es, Hitler zu beseitigen, die Macht an sich zu reißen,
den Krieg im Westen zu beenden um die ganze Kraft der Wehrmacht gegen die
UdSSR zu konzentrieren.
Aber
ihr Putsch misslingt. Das nicht, weil Hitler überlebte, sondern durch die
Feigheit und Zögerlichkeit der Verschwörer, die Angst vor ihrer Courage
hatten. Genaral Beck residiert als „Herr Reichspräsident“ tituliert
im Bendlerblock und verteilt Orden und ernennt Minister, die Pläne aber,
SS und Gestapo zu verhaften, führt einzig und allein der Kommandeur von
Paris durch – und bezahlt das mit dem Leben.
Nein,
vor 60 Jahren war der Putschversuch keine Sternstunde der deutschen
Geschichte, eher das Gegenteil. Die nämlich, die sich selbst für eine
Elite hielten, waren Kleinkrämer und Feiglinge, die es nicht wagten, die
Macht, die sie hätten an sich reißen können, für ein neues und
friedliches Deutschland und für ein Ende des Mordens des 2. Weltkrieges
einzusetzen. In ihrer reaktionären Verblendung wollten sie den Krieg
fortsetzen, wenn auch nur gegen die Bolschewiken, die sie, wie auch die
Nazis, für die Erzfeinde der blaublütigen Herren von und zu und der Großindustrie
ansahen.
Ihr
Plan misslang, musste misslingen, denn sie wollten keine wirkliche Umkehr
und waren dazu auch noch zu feige. Der Krieg ging weiter und am Ende lagen
noch mehr Städte in Schutt und Asche, noch mehr Menschen in allen am
Krieg beteiligten Ländern tot, die Todesfabrik in Auschwitz arbeitete
weiter auf Hochtouren.
Gemeinsame
Sache mit dem proletarischen Widerstand kam ihnen nicht in den Sinn, mit
den Kommunisten schon gar nicht - auch wenn es Verbindung zu ihnen gab.
Den
antifaschistischen Kampf, den andere Offiziere gemeinsam mit Kommunisten
im Nationalkomitee Freies Deutschland in der UdSSR führten, hat mehr zum
Kriegsende beigetragen, als das ganze buntscheckige und hochnäsige
offiziers- und deutschnationale Zeugs um den Bendlerblock, den Kreisauer
Kreis und andere.
Helden
im antifaschistischen Kampf innerhalb Deutschlands waren die Mitglieder
der unzähligen Gruppen, die heimlich Informationen verbreiteten oder
Flugblätter verteilten, wie z.B. Hans und Sophie Scholl und dei Weiße
Rose.
Und
es waren die Angehörigen der Organisationen der Arbeiterbewegung, v.a.
der Kommunisten, die innerhalb und außerhalb der Konzentrationslager den
Faschisten die Stirn boten. Ihnen gebührt unsere Hochachtung und unser
Gedenken, sie waren die Vertreter des besseren Deutschlands.
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