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Aus:
Peter
Florin (SED/stellv. Außenminister und DDR-UNO-Vertreter): 'Zur
abenteuerlichen Politik der albanischen Führer'
In:
'Einheit', theoretisches Organ der Sozialistischen Einheitspartei
Deutschlands, Heft 3, 1962, S. 22ff, Auszüge
"
... Die Partei der Arbeit (gemeint die führende kommunistische Partei
Albaniens, die PAA, die Partei der Arbeit Albaniens - G.) entstand erst
1941unter den Bedingungen des nationalen Befreiungskampfes. Vorher gab
es kommunistische Gruppen in Albanien; von dieser alten Garde jedoch ist
heute niemand mehr in der Parteiführung. Hodscha und Shehu, die aus
kleinbürgerlichen Kreisen stammen (Anmerkung: Enver Hoxha war Lehrer,
stammte wie Lenin, dessen Vater ebenfalls Lehrer war, oder Marx, aus
kleinbürgerlichen Kreisen - G.), erklärten sich für
Marxisten-Leninisten, haben jedoch diese Wissenschaft nicht meistern können.
Sie haben in der Partei all das Negative, das unter dem Begriff
Personenkult bekannt ist, gefördert, unterstützt und zur höchsten
Entfaltung gebracht. Die Leninschen Normen des Parteilebens werden
verletzt und von der Entfaltung einer demokratischen Gesetzlichkeit kann
man nicht mehr sprechen. Alles das geschieht unter dem Deckmantel der
These von der Verschärfung des Klassenkampfes und der besonderen Lage
Albaniens. Das Gesetz der Kritik und Selbstkritik ist insofern
'modifiziert' worden, als die 'Kritik nach unten' groß geschrieben wird
und die Kritik 'nach oben' geradezu verboten ist. Wie kann man von einer
innerparteilichen Demokratie sprechen, wenn Shehu auf dem IV. Parteitag
erklärte, Partei, Volk und Enver Hodscha seien eins, und dann fortfuhr:
'Wer diese Einheit antastet, dem erteilen Partei und Volk eine einzige
Antwort: Sie spucken ihm ins Gesicht, schlagen ihm auf die Nase und
jagen ihm, wenn es notwendig ist, auch eine Kugel in den Kopf.' Man kann
sich vorstellen, wie bei einer solchen Erklärung eine Atmosphäre der
Kritik und Selbstkritik entstehen kann.
Im
September 1960 wurden die Genossin Belishowa, bis zu dieser Zeit
Mitglied des Politbüros, aus dem ZK und der Genosse Tashko,
Vorsitzender der Zentralen Revisionskommission, wegen 'parteifeindlichen
Verhaltens' aus der Partei ausgeschlossen. Genosse Tashko ist ein alter
Genosse, der in den faschistischen Gefängnissen gesessen hat und schon
in den 30iger Jahren als albanischer Kommunist auch in Deutschland
bekannt war. Auf dem IV. Parteitag wurde nicht einmal eine genauere Begründung
für ihren Ausschluss gegeben. Es ist jedoch bekannt, dass sich beide
Genossen für die Durchsetzung der Moskauer Erklärung von 1957
konsequent einsetzten und gegen die antimarxistischen Auffassungen
Hodschas und Shehus, insbesondere gegen ihre antisowjetischen Handlungen
auftraten.
Die
albanischen Führer treten wie Leute auf, die ihre eigenen Kräfte maßlos
überschätzen; sie erklären sich heute als unfehlbar; sie hätten nie
einen Fehler gemacht; sie seien die einzigen wahren Vertreter des
Marxismus-Leninismus; sie führten als einzige einen Kampf gegen den
Revisionismus und sie hätten es nicht nötig, die kollektive Meinung
der Bruderparteien zu achten. All diese Eigenschaften sind
Begleiterscheinungen ihres Nationalismus und verleiten sie zu falschen
und schädlichen Auffassungen in den großen Fragen der internationalen
Arbeiterbewegung. Jedes kritische Wort ihnen gegenüber wird als eine
Beleidigung des albanischen Volkes ausgelegt, um auf diese Weise
nationalistische Stimmungen hochzupeitschen und jede sachliche
Diskussion zu vereiteln.
Die
Bruderparteien haben sich aufrichtig bemüht, den albanischen Genossen
zu helfen, ihre falschen Ansichten zu korrigieren und auf den Boden der
gemeinsamen Beschlüsse zurückzukehren. Wie das im einzelnen erfolgte,
sei an einem Beispiel in wenigen Worten illustriert. Seinerseit hatte
das ZK der KPdSU die Intiative ergriffen, um die Beziehungen zur Föderativen
Volksrepublik Jugoslawien zu normalisieren. Schriftlich und mündlich
haben die sowjetischen Genossen mit den Bruderparteien einschließlich
der Partei der Arbeit Albaniens über diese Frage beraten. Die
albanische Parteiführung hatte zunächst Bedenken, stimmte aber dann
den überzeugenden Argumenten der sowjetischen Genossen zu. Damals erklärte
Enver Hoxha, die albanischen Führer hätten aus ihren ernsten Fehlern
eine große Lehre gezogen und versicherte, sie würden in dieser Frage
keine weiteren Fehler begehen. Auf der Moskauer Beratung im Jahre 1960
wiederholte Enver Hoxha jedoch seinen Fehler und verstieg sich zu der
Verleumdung, die sowjetischen Genossen hätten 'einseitig und überstürzt'
gehandelt. Enver Hoxha erhielt aus dem Munde fast aller Redner der
Bruderparteien wiederum eine erschöpfende Antwort, wobei ihm auch
unmissverständlich gesagt wurde, dass Verleumdungen mit den Normen und
Prinzipien der brüderlichen Beziehungen zwischen
marxistisch-leninistischen Parteien nicht zu vereinbaren sind. Am 7.
November 1961 wiederholte Enver Hoxha dennoch vor der Öffentlichkeit
der albanischen Hauptstadt seine bereits als Verleumdung gekennzeichnete
Behauptung.
Auf
der Moskauer Beratung wurden alle ideologischen Fragen eingehend
diskutiert. Im Ergebnis der Diskussion ist ein Dokument von
geschichtlicher Bedeutung entstanden. Es wurde gegen den Willen der
albanischen Parteiführung ausgearbeitet, die einen dogmatischen
Standpunkt vertrat. Hodscha und Shehu verließen die Konferenz noch vor
dem Ende der Diskussion und kehrten über Italien nach Albanien zurück.
So demonstrierten sie ihre Missachtung der kollektiven Weisheit der
internationalen Arbeiterbewegung. Obwohl der zurückgebliebene Vertreter
der PAA die Moskauer Erklärung vom Jahre 1960 unterschrieb, dachte die
albanische Führung nicht daran, der gemeinsamen Vereinbarung
entsprechend zu handeln, wie die nachfolgende Zeit zeigte. Wiederholt
haben die Bruderparteien auch nach der Moskauer Beratung mündlich und
schriftlich den führenden Persönlichkeiten der Partei der Arbeit
Albaniens die Richtigkeit der vereinbarten Politik eingehend bewiesen
und sich mit ihnen auseinandergesetzt. Leider blieb alles ohne Erfolg.
Hodscha und Shehu verbreiteten ihre dem Marxismus-Leninismus
widersprechenden Thesen weiter, scheuten sich nicht, mit Verdrehungen, Lügen
und Verleumdungen einen Feldzug gegen die Bruderparteien zu beginnen und
gingen schließlich zu Handlungen über, die von den sozialistischen
Staaten nicht unbeantwortet bleiben konnten, während die
imperialistische Presse angesichts der aus Tirana bekannt werdenden
Tatsachen der Spalterpolitik ein Freudengeheul anstimmte. So wurde es
notwendig, der albanischen Staats- und Parteiführung in aller Öffentlichkeit
zu widersprechen. Das haben die KPdSU und führende Vertreter der
Bruderparteien getan ...
Dogmatismus
und Sektierertum berauben die revolutionären Parteien der Fähigkeit,
den Marxismus-Leninismus auf Grund einer wissenschaftlichen Analyse zu
entwickeln und ihn schöpferisch entsprechend den konkreten Verhältnissen
anzuwenden; sie isolieren die Kommunisten von den breiten Schichten der
Werktätigen, verurteilen sie zu passivem Abwarten oder zu ultralinken
abenteuerlichen Aktionen; sie erlauben es nicht, die sich ändernde
Situation und die neuen Erfahrungen rechtzeitig und richtig zu
beurteilen, alle Möglichkeiten im Interesse des Sieges der
Arbeiterklasse und aller demokratischen Kräfte im Kampf gegen den
Imperialismus, Reaktion und Kriegsgefahr auszunutzen, und hindern
dadurch die Völker, den Sieg in ihrem gerechten Kampf zu erringen. Von
den Positionen des Dogmatismus aus kann man auch den Revisonismus nicht
erfolgreich bekämpfen.
Als
gefährlichen Nährboden des Dogmatismus wie des Revisionismus in den
kommunistischen und Arbeiterparteien erweist sich oft der kleinbürgerliche
Nationalismus. Kleinbürgerlicher Nationalismus führt vom Marxismus weg
..." |
Auszüge
aus der Rede Enver Hoxhas vor der Moskauer Beratung der 81
kommunistischen Parteien am 16. November 1960
(Aus:
Enver Hoxha, 'Lasst uns die revisionistischen Thesen des 20. Parteitags
der KPdSU und die antimarxistischen Stellungen der Chruschtschowgruppe
verwerfen! Lasst uns den Marxismus-Leninismus verteidigen!', Tirana
1971)
"
... Wir sind der Meinung, dass der Imperialismus, mit jenem der USA an
der Spitze, politisch und ideologisch schonungslos entlarvt werden muss;
auch darf man niemals gestatten, dass jemand dem Imperialismus schöntut,
ihn streichelt, ihn herausputzt. Ebenso darf man ihm keine einzige
grundsätzliche Konzession machen. Die Taktiken und Kompromisse, die
unsererseits gestattet sind, müssen unsere Sache und nicht die des
Feindes fördern.
Angesichts
dieses wilden Feindes bildet unsere enge Einheit die Garantie für den
Sieg unserer Sache; diese wird siegen, wenn wir die tiefen ideologischen
Meinungsverschiedenheiten, die zutage getreten sind, beseitigen und die
Einheit auf der Basis des Marxismus-Leninismus, der Gleichheit, Brüderlichkeit
und des Geistes der Freundschaft und des proletarischen
Internationalismus aufbauen. Unsere Partei ist der Auffassung, dass
nicht nur kein einziger ideologischer Riss existieren darf, sondern dass
wir auch eine gemeinsame politische Haltung gegenüber allen Fragen
einnehmen sollen. Unsere Taktik und Strategie gegenüber den Feinden müssen
von allen unseren Parteien ausgearbeitet werden, auf der Basis der
Prinzipien des Marxismus-Leninismus und richtiger politischer Kriterien,
welche den konkreten und realen Situationen entsprechen ...
Die
Verräter des Marxismus-Leninismus, Agenten des Imperialismus und
Intriganten wie Josif Broz Tito, bemühen sich auf jede Weise,
teuflische Pläne auszuhecken, wie beispielsweise die Gründung der sog.
'dritten Kraft', um die Völker und die neuen Staaten zu desorientieren,
sie von ihren natürlichen Bundesgenossen zu trennen und mit dem
amerikanischen Imperialismus direkt zu verbinden. Wir müssen all unsere
Kräfte einsetzen, um die Pläne dieser Handlanger des Imperialismus
zunichte zu machen ...
Eine
große Diskussion ist über die Frage der friedlichen Koexistenz
entbrannt; einige gehen sogar so weit, die alberne Behauptung
aufzustellen, Volkschina und Albanien seien gegen die friedliche
Koexistenz. Das ist jedoch ganz absurd. Man muss diese Behauptungen ein-
für allemal zurückweisen, weil sie falsch und schädlich sind. Es gibt
keinen sozialistischen Staat, es gibt keinen Kommunisten, der gegen die
friedliche Koexistenz ist, der ein Kriegstreiber wäre. Der große Lenin
war der erste, der den Grundsatz der friedlichen Koexistenz der Staaten
mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung als eine objektive
Notwendigkeit hervorgehoben hat, solange es in der Welt nebeneinander
sozialistische und kapitalistische Staaten gibt. Die PAA, getreu diesem
großen Grundsatz Lenins, war immer der Meinung, dass die Politik der
friedlichen Koexistenz den Grundinteressen der Völker, den Zielen und
den Interessen der weiteren Festigung der Positionen des Sozialismus
entspricht. Deshalb hat sie diesen Grundsatz Lenins der gesamten Außenpolitik
unseres Volksstaates zugrundegelegt.
Die
friedliche Koexistenz zwischen zwei entgegengesetzten Systemen bedeutet
aber nicht, wie das die modernen Revisionisten behaupten, einen Verzicht
auf den Klassenkampf. Im Gegenteil, man muss den Klassenkampf
fortsetzen, man muss den politischen und ideologischen Kampf gegen den
Imperialismus, gegen die bürgerliche und revisionistische Ideologie
immer mehr verstärken. Indem wir einen konsequenten Kampf für die
Realisierung der Leninschen friedlichen Koexistenz führen, ohne jedoch
dem Imperialismus auch nur eine einzige grundsätzliche Konzession zu
machen, müssen wir den Klassenkampf in den kapitalistischen Ländern
sowie die nationale Befreiungsbewegung der Kolonialländer und der abhängigen
Länder noch mehr ausweiten ...
Diese
Frage war bisher ganz klar und erst Genosse Chruschtschow hat sie auf
dem 20. Parteitag ganz unnötigerweise verwirrt, in einer Richtung,
welche in der Tat den Opportunisten gefiel. Warum wurden die klaren
Thesen Lenins und der sozialistischen Oktoberrevolution in solcher Weise
entstellt? Die PAA hat hier einen ganz klaren Standpunkt und lässt sich
nicht von den Leninschen Lehren abbringen. Bis jetzt hat noch kein Volk,
kein Proletariat, keine kommunistische oder Arbeiterpartei die Macht
ohne Blutzoll und Gewalt erringen können ...
Liebe
Genossen!
In
der Moskauer Deklaration vom Jahre 1957 sowie in dem vorliegenden
Deklarationsentwurf wird festgestellt, dass der Revisionismus heute die
Hauptgefahr für die internationale kommunistische und Arbeiterbewegung
ist. In der Moskauer Deklaration vom Jahre 1957 wird mit Recht betont,
dass der bürgerliche Einfluss die innere Quelle des Revisionismus
bildet, während seine äußere Quelle die Kapitulation vor dem Druck
des Imperalismus ist. Das Leben hat voll und ganz bewiesen, dass der
moderne Revisionismus unter dem Deckmantel pseudomarxistischer und
scheinrevolutionärer Losungen, mit allen Mitteln versucht, unsere große
Lehre, den Marxismus-Leninismus zu diskreditieren, indem er ihn als
'veraltet' und für die gesellschaftliche Entwicklung von heute schon
nicht mehr geeignet hinstellte.
Unter
der Maske eines 'schöpferischen Marxismus' und der 'neuen Bedingungen'
haben die Revisionisten alle Anstrengungen gemacht, um einerseits den
Marxismus seines revolutionären Geistes zu berauben und das Vertrauen
der Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes zum Sozialismus zu erschüttern.
Andererseits haben sie mit allen Mitteln gearbeitet, um den
Imperialismus zu beschönigen, ihn als gebändigt und friedliebend
hinzustellen. Die seit der Moskauer Beratung vergangenen drei Jahre
haben zur Genüge gezeigt, dass die modernen Revisionisten nichts
anderes sind als Spalter der kommunistischen Bewegung und des
sozialistischen Lagers, treue Lakaien des Imperalismus, geschworene
Feinde des Sozialismus und der Arbeiterklasse.
Die
Fahnenträger des modernen Revisionismus, seine aggressivsten und gefährlichsten
Vertreter sind, wie das Leben selbst bewiesen hat, die jugoslawischen
Revisionisten, die verräterische titoistische Clique und ihre Anhänger.
Als die Moskauer Deklaration von 1957 beschlossen wurde, hat man diese
feindliche Gruppe und Agentur des amerikanischen Imperalismus nicht öffentlich
angeprangert, obwohl unserer Meinung nach genug Tatsachen und Angaben
vorlagen, die das erfordert hätten. Nicht nur damals, sondern auch später,
als ihre Gefährlichkeit immer offener zutage trat, wurde der Kampf
gegen den jugoslawischen Revisionismus, der konsequente ununterbrochene
Kampf zu seiner ideologischen und politischen Vernichtung, nicht mit der
nötigen Energie geführt. Das war und ist die Quelle vieler Übel und
Schäden in der internationalen Arbeiterbewegung.
Unsere
Partei ist der Meinung, dass der Verzicht auf die restlose Entlarvung
der revisionstischen Gruppe Titos und die trügerischen Hoffnungen auf
eine angebliche 'Besserung' und positive 'Wendung' dieser Verrätergruppe
den versöhnlerischen Neigungen zuzuschreiben sind, sowohl dem falschen
Standpunkt und der falschen Einschätzung der gefährlichen
revisionistischen Gruppe Titos durch Chruschtschow und etliche andere
sowjetische Führer.
Es
hieß, dass J. W. Stalin die jugoslawischen Revisionisten nicht richtig
eingeschätzt und ihnen gegenüber eine zu scharfe Haltung eingenommen
habe. Unsere Partei hatte niemals eine solche Meinung, weil die Zeit und
das Leben das Gegenteil bewiesen haben. Stalin schätzte die Gefahr,
welche von den jugoslawischen Revisionisten ausging, sehr richtig ein,
und machte Anstrengungen, um diese Frage im richtigen Moment und auf
marxistisch-leninistische Weise zu lösen. Damals trat das Kominform-Büro,
als kollektives Organ, zusammen (von den Chruschtschowianern nach dem
20. Parteitag 1956 aufgelöst - G.) und nach der Entlarvung der
titoistischen Gruppe wurde diese schonungslos bekämpft. Auch hier hat
die Zeit wieder bestätigt, dass dies unerlässlich und richtig war ...
Die
titoistische Gruppe war schon seit langem eine Gruppe von Trotzkisten
und Renegaten. Jedenfalls ist sie das in der Einschätzung seitens der
PAA, seit dem Jahre 1942, d. h. seit 18 Jahren.
Schon
im Jahre 1942, als der Kampf des albanischen Volkes großen Umfang
annahm, bemühte sich die Belgrader trotzkistische Gruppe, unter
Missbrauch unserer Freundschaft und unseres Vertrauens, die Ausdehnung
unseres bewaffneten Kampfes, die Bildung von mächtigen Sturmabteilungen
der albanischen Partisanen mit allen Mitteln zu verhindern. Als ihr dies
nicht gelang, suchte sie die politische und militärische Leitung in
ihre Hand zu bekommen. Sie machte Anstrenungen, alles von Belgrad abhängig
zu machen und unsere Partei und unsere Partisanenarmee zu einfachen Anhängseln
der KPJ (Kommunistische Partei Jugoslawiens - G.) und der Nationalen
Befreiungsarmee Jugoslawiens zu degradieren.
Unsere
Partei durchkreuzte erfolgreich diese verbrecherischen Absichten,
pflegte jedoch die Freundschaft zu den jugoslawischen Partisanen weiter.
Die Titogruppe versuchte damals, eine 'Balkanföderation' unter der Führung
der Belgrader Titoisten zu schaffen, die kommunistischen Parteien vor
den Wagen der KPJ zu spannen und die Partisanenarmeen der Balkanvölker
dem jugoslawisch-titoistischen Generalstab unterzuordnen. Zu diesem
Zweck bemühte sie sich damals, im Einvernehmen mit den Engländern,
einen 'Balkanstab' zu bilden, d. h. unsere Armeen, den Anglo-Amerikanern
zu unterstellen. Unsere Partei widersetzte sich erfolgreich diesen verräterischen
Absichten. Als dann in Tirana die Fahne der Befreiung entrollt wurde,
gab die Belgrader titoistische Bande ihren Agenten in Albanien
Anweisungen, die Erfolge der KP Albaniens zu leugnen und einen Putsch
zum Sturz der Parteiführung zu organisieren, also jener Führung,
welche die Partei aufgebaut, den Nationalen Befreiungskampf geleitet und
das albanische Volk zum Sieg geführt hatte. Der erste Putsch wurde von
Tito gemeinsam mit seinen verkappten Agenten in der Partei organisiert.
Aber die KPA (Kommunistische Partei Albaniens, später auf Anraten
Stalins in PAA umbenannt - G.) liquidierte das Komplott Titos.
Die
Belgrader Verschwörer warfen jedoch nicht die Flinte ins Korn, sondern
schmiedeten gemeinsam mit ihrem Chefagenten in unserer Partei, dem Verräter
Koci Xoxe, in einer anderen Form ein zweites Komplott gegen das neue
Albanien: Albanien sollte die siebte Republik Jugoslawiens werden! ...
Sie hatten die Absicht, Albanien militärisch zu besetzen, jeden
Widerstand dagegen zu brechen, die Führer der Partei der Arbeit
Albaniens und des Staates zu verhaften und Albanien zur siebten Republik
Jugoslawiens auszurufen.
Jedoch
die Partei zerstörte auch diesen teuflischen Plan. Die Hilfe und das
Eingreifen J. W. Stalins in diesen Augenblicken waren für unsere Partei
und für die Freiheit des albanischen Volkes von entscheidender
Bedeutung. Das war gerade zur selben Zeit, als die titoistische Clique
durch das Informbüro entlarvt wurde. Stalin und die Sowjetunion
retteten das albanische Volk zum zweiten Mal ...
Betrachten
wir beispielsweise die an Stalin und seinem Werke geübte Kritik. Als
marxistisch-leninistische Partei ist sich unsere Partei voll und ganz
bewusst, dass der Personenkult für die kommunistischen Parteien und die
kommunistische Bewegung selbst fremd und schädlich ist. Die
marxistischen Partei dürfen die Entstehung des Personenkultes, welcher
die Aktivität der Massen behindert, ihre Rolle herabmindert und sich im
Widerspruch zur Entwicklung des Parteilebens selbst und zu den Gesetzen,
die es regeln, befindet, nicht gestatten, sondern müssen alle ihre Kräfte
einsetzen, um ihn mit der Wurzel auszurotten, wenn er irgendwo
aufzutauchen beginnt oder aufgetaucht ist. Von diesem Standpunkt sind
wir vollkommen einverstanden, den Kult mit der Person Stalins als eine
schädliche Erscheinung im Parteileben zu kritisieren. Aber wir sind der
Meinung, dass der 20. Parteitag, insbesondere der Geheimbericht des
Genossen Chruschtschow die Stalinfrage nicht richtig, nicht objektiv und
nicht marxistisch-leninistisch zur Diskussion stellte. Genosse
Chruschtschow und der 20. Parteitag fällten über Genossen Stalin wegen
dieser Sache ein hartes und ungerechtes Urteil. Genosse Stalin und sein
Werk gehören jedoch nicht allein der KP der Sowjetunion und dem
Sowjetvolk, sondern uns allen ... Aber warum wurde dann Genosse Stalin
auf dem 20. Parteitag ohne vorherige Beratung auch mit den anderen
kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt verurteilt? Warum wurde
vor den Augen der kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt Stalin
plötzlich 'verflucht' und erfuhren dies viele Bruderparteien erst, als
der Imperialismus den Geheimbericht Chruschtschows massenweise druckte?
Genosse
Chruschtschow hat der kommunistischen Bewegung und der fortschrittlichen
Welt die Verurteilung des Genossen Stalin aufgezwungen ... Wir alle müssen
das große unsterbliche Werk Stalins verteidigen; wer das nicht tut, ist
ein Opportunist, ist ein Feigling. Als Person und als Führer der
bolschewistischen KP der Sowjetunion ist Genosse Stalin auch zugleich
der hervorragendste Führer des internationalen Kommunismus nach dem
Ableben Lenins. Auf sehr positive Weise und mit großer Autorität hat
er zur Konsolidierung und Ausweitung der Erfolge des Kommunismus in der
ganzen Welt beigetragen. Alle theoretischen Werke des Genossen Stalin
sind ein lebendiger Beweis seiner Treue zu seinem genialen Lehrer, zu
dem großen Lenin und zum Leninismus ...
Der
Kult mit der Person Stalins musste unbedingt überwunden werden. Kann
man aber sagen, dass, wie behauptet wurde, Stalin selbst der Urheber
dieses Personenkultes war? Der Personenkult musste unbedingt überwunden
werden, war es aber notwendig und richtig, so weit zu gehen, dass jeder,
der Stalins Namen nannte, ein Zitat Stalins benützt, schief angesehen
wird? Einige Leute (so auch in der DDR - G.) vernichteten sogleich voll
Eifer die Statuen Stalins und änderten die Namen von Städten, welche
nach Stalin benannt waren. In Bukarest sagte Genosse Chruschtschow zu
den chinesischen Genossen: 'Ihr beschäftigt Euch mit einem verreckten
Pferd! Wenn Ihr wollt, so kommt und holt auch seine Knochen ab'. Damit
meinte man Stalin ..."
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Brief
des Redaktionsmitglieds J.T. Bohlke vom 28.
November 2007 zum Brief von O.W. an
die Redaktion:
Liebe
Genossen und Freunde,
natürlich
waren die Beziehungen der DDR zu Jugoslawien stets Beziehungen im
Schatten der Beziehungen zwischen der UdSSR und Jugoslawien.
Unbestritten aber bleiben die Verdienste der großartigen
Partisanenbewegung insbesondere von Serben im 2. Weltkrieg gegen die
faschistischen deutschen Bestien, die schlimmste Kriegs- und Völkermord-Greuel
auch im späteren Jugoslawien seinerzeit verübten. Führer dieses immer
massiver werdenden Widerstandes war wohl Tito, der dann zur
Integrationsfigur für ein geeintes Jugoslawien aus einstigen Vielvölkerstaaten
dieses Teils des Balkans wurde.
Historische
Tatsache ist, dass die UdSSR und die gesamte Antihitlerkoalition, die
Menschheit, der Partisanenbewegung insbesondere Serbiens großen Dank
schuldet, denn dort wurden erhebliche Mannschaftsstärken der Wehrmacht
gebunden und fielen somit für andere Fronten im 2. Weltkrieg aus.
Ebenso ist historische Tatsache sehr zu würdigen, dass die Hauptlast
bei der Zerschlagung des deutschen Faschismus von der Roten Armee
getragen wurde, deren Sieg letztlich auch Jugoslawien wesentlich zum
Abschütteln des faschistischen Besatzungsregimes mitverholfen hat. Eine
unverbrüchliche Freundschaft und Waffenbrüderschaft zwischen der Roten
Armee und den Partisanenbewegungen des späteren Jugoslawiens wäre wünschenswert
gewesen in der europäischen Nachkriegszeit.
Soweit
ich es mitbekommen habe, pochte Tito dann vom Beginn der Unabhängigkeit
Jugoslawiens an auf dessen volle Souveränität und war nicht bereit,
sich dem RGW oder Warschauer Vertrag anzuschließen. Jugoslawien
proklamierte die Nichtpaktgebundenheit, was als Positionierung hin zu
einer Neutralität in der internationalen Klassenauseinandersetzung, als
Entsolidarisierung Jugoslawiens mit den verbündeten sozialistischen
Staaten nicht grundlos aufgefasst wurde. Somit witterten die UdSSR und
ihre engsten Verbündeten in Jugoslawiens Führung eine Art trojanisches
Pferd, ein Einfallstor für den imperialistischen Klassengegner. Zumal
sich Jugoslawiens Kommunisten und Sozialisten auch nicht dem
Marxismus-Leninismus in der Form anschlossen, wie er von den
kommunistischen Parteien in der UdSSR oder in der DDR praktiziert wurde.
Jugoslawien praktizierte statt dessen einen
„Selbstverwaltungssozialismus“, der größere soziale Ungleichheiten
zuließ als etwa die straffen sozialistischen Planwirtschaften der UdSSR
und der DDR.
Leider
kam es zur Spaltung zwischen Moskau und Peking, zwischen Moskau und
Belgrad, zwischen Moskau und Tirana.
Was der sozialistischen Sache insgesamt enormen Schaden zufügte und die
kommunistische Weltbewegung äußerst empfindlich und nachhaltig schwächte
und spaltete. Diese Spaltung ist bis heute noch nicht überwunden und
macht der kommunistischen Weltbewegung auch heute noch sehr zu schaffen.
Es steht auf der historischen Tagesordnung, diese Spaltung zu überwinden
und eine starke, einig handelnde kommunistische Weltbewegung wieder zu
erschaffen.
Kann
man sagen, dass die UdSSR andere sozialistische Staaten wie China,
Jugoslawien, Albanien, Rumänien einfach fallen ließ? Ich denke, dass
dies verneint werden muss. Die UdSSR erbrachte großartige
internationalistische Hilfeleistungen materieller Art an alle
sozialistischen Länder, dies ging bis an die Grenze der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der UdSSR. Was nicht heißt, dass
die Politik der UdSSR frei von Fehlern und Irrtümern war. Bei allen großartigen
Verdiensten hatte auch J. W. Stalin nicht das überragende Format eines
W. I. Lenin, jedoch erwies er sich als dessen treuester Anhänger in der
Reihe der Führungspersönlichkeiten der UdSSR. Die Unüberbrückbarkeit
der Brüche und Differenzen innerhalb der internationalen
kommunistischen Bewegung passierte nicht unter Stalin, sondern nach
seinem Tode. Da wurde dann jeder Weg zurück zur Leninschen
Kommunistischen Internationale verbaut!
+++
Was
die Mail von O.W. angeht, so wählten nicht zentraleuropäische Völker
einen kurzen oder kurzsichtigen „Weg zum Reichtum“ (???), sondern
erlagen ganze Staats- und Parteiführungen Mittel- und Osteuropas dem
Treiben imperialistischer Geheimdienste, dem Verrat von Führungsfunktionären,
einer zunehmend sich verfestigenden revisionistischen Funktionärsclicque.
Beweis ist die „Gruppe Lutsch“ des KGB in der DDR bei der
Vorbereitung des konterrevolutionären Putsches gegen Erich Honecker.
Was nicht die Augen vor den argen Defiziten Erich Honeckers beim Führen
der SED und der DDR verschließen soll. Aber nach dessen Entmachtung war
der letzte geistig in der Tradition Thälmanns stehende DDR-Staatsmann
beseitigt und das Kapitulantenpack endgültig komplett in den
Regierungsfunktionen.
Gab
es jemals eine „sozialistische Bevölkerung“ in Mitteleuropa, wie
unterstellt wird? Es gab eine Bevölkerung, deren kleinere oder größere
Teile zeitlich begrenzt Vertrauen in die Führungen sozialistischer und
kommunistischer staatstragender Parteien in Mitteleuropa hatte, welche
jedoch ständig um dieses Vertrauen von nennenswerten Bevölkerungsteilen
im Sinne einer Front des Klassenkampfes zu ringen hatten, und die dieses
Ringen letztlich durch Stagnation und simple Orientierungslosigkeit bei
folgender Strafe des eigenen Untergangs unter den massiven Auswirkungen
geheimdienstlicher Unterwanderung durch den imperialistischen
Klassengegner aufgaben.
Unter
Stalin wachte Schild und Schwert der Partei auch durch Überprüfungen
von Nomenklaturkadern. Abtrünnige, Überläufer zum Klassengegner und
„Wendehälse“ wurden bis in die Führung der KPdSU wirksam aufgespürt
und aus ihren Positionen konsequent entfernt, der leninistische Kurs der
KPdSU somit immer wieder neu gesichert ... auch wenn die teils massiven
Säuberungen keinesfalls frei von Fehlern und Irrtümern und schweren
Verfehlungen waren, was niemand hier beschönigen oder verharmlosen
will! Seit Chruschtschow war dies alles dann nicht mehr der Fall. Die
Nomenklatura wurde zum sozialistischen Adel mit selbstherrlich sich gebärdender
Günstlings- und Vetternwirtschaft und stand außerhalb jeglicher
Sicherheitsüberprüfungen durch den eigenen Geheimdienstapparat von
UdSSR, DDR, usw. Hier tat sich für Jahrzehnte ein äußerst
folgenschweres Einfallstor für die imperialistischen Geheimdienste
auf!!!
Rote
Grüße,
Jens
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